In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit dem Frauenporträt „Malle Babbe“ von Frans Hals. Babbe ist der Name der Dargestellten, malle bedeutet: verrückt oder toll. Somit lässt sich der Titel ins Deutsche als verrückte Babbe übersetzen. [...] Vorab habe ich mir die Beantwortung folgender Fragen zur Aufgabe gestellt:
Wer ist Malle Babbe? Was zeichnet sie aus und was hat es mit ihrem Lachen auf sich, das dem Betrachter merkwürdig und geheimnisvoll erscheint.
Welche Bedeutung kommt dem auf ihrer Schulter sitzenden Vogel zuteil und welche Intentionen hatte der Maler eine Frau auf diese Art und Weise abzubilden?
Beginnen möchte ich mit der gegenständlichen Beschreibung. Sie wird die Basis für meine gesamten Ausarbeitungen sein.
Inhaltsverzeichnis
1.1. Einige Worte zu Beginn
1.2. Einleitung
2. Die gegenständliche Beschreibung
2.1. Die Eule
3. Das geheimnisvolle Lachen der Malle Babbe
3.1. Die moralische Dimension des Lachens
4. Die Malweise
4.1. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht das Frauenporträt „Malle Babbe“ von Frans Hals mit dem Ziel, die ikonografische Bedeutung der Dargestellten sowie die Wirkung ihres Lachens im Kontext gesellschaftlicher Moralvorstellungen des 17. Jahrhunderts zu entschlüsseln. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie der Maler durch seine spezifische Malweise und die bewusste Wahl des Bildsujets die Grenzen zwischen Porträt und Genremalerei überschreitet und eine soziale Provokation erzeugt.
- Struktur- und Kompositionsanalyse des Gemäldes „Malle Babbe“.
- Ikonografische Deutung der Eule als Attribut.
- Die moralische Dimension und soziale Wahrnehmung des Lachens.
- Untersuchung der Alla-prima-Maltechnik von Frans Hals.
- Sozialhistorischer Kontext und die Stellung der Dargestellten.
Auszug aus dem Buch
2. Die gegenständliche Beschreibung
Die lebensgroße Halbfigur wird an einem Tisch sitzend wiedergegeben. Sie befindet sich in der Mitte des Bildes und sitzt seitlich vor einem Innenraum. Auf dem Tisch, von dem nur ein kleiner Ausschnitt erkennbar ist, steht ein großer Krug mit aufgeklapptem Deckel, dessen Henkel die Frau mit ihrer rechten Hand ergreift. Auf ihrer linken Schulter sitzt eine Eule. „Das komplexe, gegenläufige Bewegungsmotiv des Bildes wirkt wie in einer Momentaufnahme festgehalten.“ Ihr Oberkörper ist gedreht, und dem Krug rechts neben ihr zugewandt. Somit erscheint die linke Schulter, auf der die Eule sitzt, dem Betrachter näher. Ihr rechter, auf den Tisch gestützter Arm befindet sich hinter dem Krug, ihr linker Arm ruht auf ihrem Schoß. Ihre Hände sind nicht sichtbar und können nur anhand der roten Farbe als solche identifiziert werden. Es scheint, als habe die Frau gerade eben erst ihren Kopf in wildem Gelächter nach links gedreht. „In dieser Komposition aus sich kreuzenden Diagonalen setzt der auf dem Tisch abgestellte Zinnkrug als einzige Lotrechte des Bildes einen stabilisierenden Akzent.“ Die Frau trägt die für das 17. Jahrhundert übliche Kleidung, ein dunkles Gewand mit Spitzenkragen. Auf ihrem zur Seite gedrehten Kopf trägt sie eine helle Haube. Dem Gesicht nach zu urteilen, handelt es sich um eine rüstige, ältere Frau. Aber der Reihe nach.
Zusammenfassung der Kapitel
1.1. Einige Worte zu Beginn: Die Autorin begründet ihre Entscheidung, die formale Bildanalyse bewusst vor die historische Kontextualisierung zu stellen, um eine möglichst unvoreingenommene Betrachtung des Werkes zu ermöglichen.
1.2. Einleitung: Dieses Kapitel liefert grundlegende Informationen zum Objekt, wie Maße, Technik und den aktuellen Standort, und definiert die Leitfragen zur Identität der „Malle Babbe“ und ihrem geheimnisvollen Lachen.
2. Die gegenständliche Beschreibung: Es erfolgt eine detaillierte formale Analyse des Bildaufbaus, der diagonalen Achsen und der Farbwahl, die als Grundlage für die weiterführende Interpretation dient.
2.1. Die Eule: Das Kapitel beleuchtet die vielschichtige Symbolik der Eule in der Mythologie und in zeitgenössischen Sprichwörtern sowie ihre Bedeutung im Kontext der Dämonologie und Trunksucht.
3. Das geheimnisvolle Lachen der Malle Babbe: Hier wird der historische Kontext der Dargestellten im Arbeitshaus von Haarlem verknüpft mit der psychologischen Wirkung ihres Lachens, das als Ausdruck einer sozialen Grenzüberschreitung gedeutet wird.
3.1. Die moralische Dimension des Lachens: Es wird untersucht, wie sich die gesellschaftliche Wahrnehmung des Lachens im 17. Jahrhundert wandelte und warum Hals durch die Darstellung dieser Frau die sozialen Codes seiner Zeit unterlief.
4. Die Malweise: Die Technik des Malers wird als virtuos und modern analysiert, wobei die historische Bewertung von der „Schlamperei“ hin zur Anerkennung als proto-impressionistisches Ausdrucksmittel nachgezeichnet wird.
4.1. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass das Bild seine Faszination gerade aus der Ambivalenz und dem Entziehen einer eindeutigen Deutung bezieht.
Schlüsselwörter
Frans Hals, Malle Babbe, Genremalerei, 17. Jahrhundert, Kunstgeschichte, Porträt, Eule, Ikonografie, Alla-prima-Technik, Lachen, soziale Randgruppen, Niederländische Malerei, Bildanalyse, Motivik, Bildwürde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Gemälde „Malle Babbe“ von Frans Hals unter Einbeziehung formaler Bildbeschreibungen, ikonografischer Deutungen der Attribute sowie einer soziokulturellen Einordnung des Motivs im 17. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bildkomposition, der Deutung der Eule als Symbol, der moralischen Bewertung von Lachen in der damaligen Gesellschaft und der spezifischen „Alla-prima“-Malweise des Künstlers.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, warum das Bild eine solche Faszination ausübt und wie es Frans Hals gelingt, durch die Darstellung einer sozial marginalisierten Person die zeitgenössischen Normen des Porträts herauszufordern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus formaler Stilkritik, ikonografischer Bildanalyse und einer sozialhistorischen Kontextualisierung, ergänzt durch die Einbeziehung zeitgenössischer kunstwissenschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die formale Bildbeschreibung und die Bedeutung der Eule diskutiert, gefolgt von einer eingehenden psychologischen und soziologischen Untersuchung des Lachens der Dargestellten und der künstlerischen Technik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Die wichtigsten Begriffe umfassen den Namen des Künstlers, das spezifische Werk, die Technik der Pinselführung, die ikonografische Symbolik des Tieres und die soziologische Kategorie der gesellschaftlichen Randgruppen.
Wer war die Frau auf dem Bild historisch gesehen?
Es handelt sich um eine Frau, die im Jahr 1635 in einem Arbeitshaus in Haarlem untergebracht war, welches in der Stadt auch als Irrenanstalt und Gefängnis fungierte.
Wie bewertet die Autorin die historische Maltechnik von Frans Hals?
Die Autorin hebt hervor, dass die „Alla-prima“-Technik, die zu Lebzeiten geschätzt und im 18. Jahrhundert als schlampig diskreditiert wurde, heute als eine der großen Errungenschaften der Malereigeschichte und als proto-impressionistisch gilt.
Warum wird das Lachen der „Malle Babbe“ als subversiv bezeichnet?
Das Lachen gilt als subversiv, da Frauen und Personen aus unteren Schichten im 17. Jahrhundert zur disziplinierten Mimik angehalten wurden; das ungehemmte Lachen auf dem Bild negiert somit soziale Hierarchien.
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- Anonym (Author), 2004, Untersuchung des Portraits "Malle Babbe" von Frans Hals, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57181