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Gottfried Keller: "Romeo und Julia auf dem Dorfe"

Ursachen eines Liebestodes unter besonderer Berücksichtigung gesellschaftsbedingter Motive

Title: Gottfried Keller: "Romeo und Julia auf dem Dorfe"

Term Paper , 2005 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nadine Bachmann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ entfaltet sich vor dem Hintergrund eines realen Falls vom gemeinsamen Selbstmord eines jungen Liebespaars, der dem Autor durch einen Zeitungsartikel bekannt wurde. Zur literarischen Aufarbeitung dieses Stoffs wählte Keller einen Titel, der dem Leser den Ausgang der Erzählung von vorne herein ersichtlich macht und Anklang findet an das klassische Liebesdrama der Weltliteratur. Ähnlich wie bei Shakespeares Tragödie wird auch in Kellers Novelle die Geschichte einer unglücklichen Liebe erzählt, die ihr Ende im Tod des jungen Paares findet. Im Gegensatz aber zu Romeo und Julia, wo unglückliche Umstände den Plan zum gemeinsamen Glück in den Weg zum Untergang verkehren, entscheiden sich Sali und Vrenchen ganz bewusst zum gemeinsamen Freitod. Die Problematik von Kellers Hauptfiguren, die aus dem bäuerlichen Milieu seiner Zeit stammen, ist von der des Shakespeareschen Liebespaares weit entfernt.
Sali und Vrenchen entwickeln nach und nach den Selbstmordgedanken, der beiden als einzige Befreiung aus ihrer hoffnungslosen Lage erscheint. Es wird sich jedoch zeigen, dass diese Lage objektiv gesehen keineswegs so aussichtslos ist, dass sie den Tod als einzig mögliche Rettung hätte nach sich ziehen müssen. Vielmehr wird sie es erst durch gesellschaftliche Zwänge und Idealvorstellungen, die beiden Liebenden inne wohnen und denen sie höchste Priorität einräu-men. Aus diesem Grund müssen bei der Betrachtung der Ursachen für den Selbstmord vor allem gesellschaftliche Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Sali und Vrenchen wird der übliche und für sie einzige Weg zum Glück von ihren Vätern verstellt, dennoch werden ihnen durchaus Alternativen angeboten, die sie allerdings aufgrund ihrer besonderen Ideale ausschlagen müssen. Es stellt sich also die Frage, wie es letztlich zu diesem einerseits vermeidbaren und andererseits doch so unausweichlichen Selbstmord kommt.
Im Laufe der folgenden Arbeit soll geklärt werden auf welche Gründe es zurückzuführen ist, dass ein junges Liebespaar den Tod als einzige Rettung ansieht und welchen Beitrag vorrangig gesell-schaftsbedingte Uraschen zu dieser Entwicklung geleistet haben. Des Weiteren sollen die Intentionen Kellers verfolgt werden, in deren Zusammenhang auch die gesellschaftlich historischen Hintergründe und einige der reichlich vorhandenen Symbole der Novelle betrachtet werden müssen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Ursachen eines Liebestodes

2.1 Der Weg in den Selbstmord

2.1.1 Die Verfallsgeschichte der Väter

2.1.2 Die Liebesgeschichte der Kinder

2.2 Symbolik

2.3 Historische Hintergründe

2.4 Kellers Intentionen

III. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für den gemeinsamen Liebestod von Sali und Vrenchen in Gottfried Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, welchen maßgeblichen Einfluss gesellschaftsbedingte Faktoren, wie ökonomischer Druck und soziale Normen, auf die Entwicklung der Protagonisten ausüben und warum das junge Paar den Freitod als letztlich einzige Befreiung aus ihrer aussichtslosen Lage ansieht.

  • Analyse des elterlichen Konflikts als Ursprung des sozialen Abstiegs
  • Untersuchung der psychologischen Entwicklung von Sali und Vrenchen
  • Interpretation zentraler Symbole wie des verwilderten Ackers, des schwarzen Geigers und der Steine
  • Einordnung des Werks in die historischen Lebensbedingungen des 19. Jahrhunderts
  • Kritische Würdigung von Kellers Intention zur Darstellung gesellschaftlicher Doppelmoral

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Die Verfallsgeschichte der Väter

Keller beginnt seine Novelle, abgesehen von einer Bemerkung bezüglich des literarischen und realen Hintergrundes ihres Themas, mit einer kurzen Beschreibung einer Landschaft nahe Seldwyla. Ausgehend von einem weitläufigem Rundblick nähert sich der Erzähler und mit ihm der Leser drei bestimmten Äckern, die „weithingestreckt gleich drei riesigen Bändern nebeneinander“ auf einem Hügel liegen, wobei auf den beiden äußeren in steter Regelmäßigkeit zwei Bauern pflügen, Manz und Marti, die Väter von Sali und Vrenchen. Durch diesen Novelleneinstieg rückt Keller sofort wichtige Elemente und Personen in den Fokus der Betrachtung, die im Folgenden die Entwicklung der Handlung ganz entscheidend bestimmen werden.

Die beiden Väter, zwei etwa vierzigjährige Männer, die in einiger Entfernung vollkommen gleich wirken, stellen den „sicheren, gutbesorgten Bauersmann“(S.65) dar und scheinen in einer friedlichen und harmonischen Idylle zu arbeiten. Keller benutzt das Bild der pflügenden Bauern für die „Verkörperung der ursprünglichen Gleichheit und Gleichförmigkeit.“4. Ihr Leben ist durch immer wieder kehrendes und geregeltes Tun bestimmt, das ihren Alltag in festen Bahnen hält. Eine dieser Regelmäßigkeiten stellt auch das Kommen ihrer beiden Kinder dar, die gemeinsam einen kleinen Wagen mit dem Frühstück der Väter bringen.

Während des anschließenden gemeinsamen Essens der beiden Bauern, also zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Novelle, zeigt sich jedoch bereits, dass die anfängliche Idylle eine trügerische ist. Im Gespräch von Manz und Marti manifestiert sich das erste Unrecht der Erzählung, das letztlich alle weitere Entwicklung bedingt und die Ursache für den Untergang der Väter darstellt. Das Gesprächsthema der beiden Bauern ist der mittlere brachliegende Acker und dessen rechtmäßiger Besitzer, der schwarze Geiger. Beide wissen sehr wohl, dass der Heimatlose der rechtmäßige Erbe des Feldes ist und könnten ihm zu seinem Grund und Boden verhelfen und ihm somit den Weg in die Gemeinde bahnen. Beides liegt jedoch nicht in ihrem Interesse, weil es sowohl ihren persönlichen Absichten als auch den selbstgerechten Vorstellungen des Bauern und Bürgers entgegensteht.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Liebestodes in Kellers Novelle ein und skizziert die Fragestellung, inwiefern gesellschaftliche Zwänge und die elterliche Vorgeschichte den Untergang der Liebenden determinieren.

II. Ursachen eines Liebestodes: Dieses Hauptkapitel analysiert den Verfall der bäuerlichen Existenz durch den väterlichen Streit sowie die daraus resultierende psychologische Entwicklung von Sali und Vrenchen, flankiert durch eine Untersuchung relevanter Symbole, historischer Kontexte und des Autors Intention.

2.1 Der Weg in den Selbstmord: Dieser Abschnitt beschreibt den schleichenden sozialen Ruin der Familien und wie die Kinder durch den elterlichen Konflikt in eine psychologische Ausweglosigkeit geraten.

2.1.1 Die Verfallsgeschichte der Väter: Das Kapitel belegt den moralischen Verfall der Bauern Manz und Marti, die durch egoistisches Gewinnstreben und Doppelmoral die Grundlagen ihrer eigenen Existenz und die ihrer Kinder zerstören.

2.1.2 Die Liebesgeschichte der Kinder: Dieser Teil betrachtet die Entwicklung von Sali und Vrenchen von der Kindheitsidylle bis hin zur schicksalhaften Wiederbegegnung als Erwachsene, die unter dem Schatten väterlicher Schuld steht.

2.2 Symbolik: Eine Untersuchung der zentralen Motive wie der Steinmauern, der Sternbilder und des schwarzen Geigers, die den Untergang der Charaktere metaphorisch spiegeln und vorantreiben.

2.3 Historische Hintergründe: Hier werden die sozioökonomischen Bedingungen des 19. Jahrhunderts in der Schweiz erläutert, insbesondere das Problem der Heimatlosigkeit und die rechtlichen Einschränkungen bürgerlicher Eheschließungen.

2.4 Kellers Intentionen: Dieses Kapitel wertet die Absicht des Autors aus, mit seiner Novelle eine Gesellschaftskritik an der Doppelmoral und Selbstgerechtigkeit seiner Zeit zu üben.

III. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Sali und Vrenchen aufgrund der verinnerlichten moralischen Normen trotz äußerer Alternativen in den Freitod getrieben werden.

IV. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Interpretation der Novelle.

Schlüsselwörter

Gottfried Keller, Romeo und Julia auf dem Dorfe, Liebestod, Gesellschaftskritik, bäuerliches Milieu, soziale Normen, Sali und Vrenchen, schwarzer Geiger, Heimatlose, Doppelmoral, Schuld, Symbolik, 19. Jahrhundert, Untergangsdetermination, ökonomischer Verfall.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Ursachen des gemeinsamen Freitods von Sali und Vrenchen in Gottfried Kellers Novelle, wobei der Fokus besonders auf den gesellschaftlichen und ökonomischen Einflüssen liegt.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die elterliche Schuld, die Auswirkungen von Armut und sozialem Ausschluss, die Rolle von moralischen Normen und das Scheitern von Lebensentwürfen unter gesellschaftlichem Druck.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, warum ein junges Liebespaar den Tod als einzige Rettung wählt und welchen konkreten Beitrag gesellschaftsbedingte Ursachen an dieser tragischen Entwicklung geleistet haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Interpretation der Novelle, gestützt durch die Einbeziehung historischer Kontextinformationen und die Analyse von Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der elterlichen Verfallsgeschichte, die psychologische Entwicklung der Liebenden, die Bedeutung zentraler Symbole sowie die Einordnung historischer Hintergründe und Kellers Intentionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Gesellschaftskritik, bäuerliches Milieu, Doppelmoral, Heimatlosigkeit, Determinismus und die spezifischen Charaktere von Sali und Vrenchen charakterisiert.

Welche Funktion hat der schwarze Geiger in der Erzählung?

Der schwarze Geiger fungiert als Repräsentant der Heimatlosen, als Mahnung für das begangene Unrecht der Väter und als eine Art Todesbote, der den gesellschaftlichen Gegenentwurf zum bürgerlichen Leben verkörpert.

Warum können Sali und Vrenchen das Angebot der Heimatlosen nicht annehmen?

Obwohl ihnen ein Leben außerhalb der Gesellschaft offenstünde, sind sie so stark mit den Idealen ihrer bürgerlichen Kindheit verwachsen, dass ihnen eine Abkehr von diesen moralischen Vorstellungen unmöglich ist.

Welche Bedeutung haben die Steine für die Handlung?

Die Steine symbolisieren durchgängig die wachsende Schuld der Menschen – zunächst die der Bauern gegenüber dem rechtmäßigen Ackerbesitzer und später die der Kinder, als Sali mit einem dieser Steine auf Marti einschlägt.

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Details

Title
Gottfried Keller: "Romeo und Julia auf dem Dorfe"
Subtitle
Ursachen eines Liebestodes unter besonderer Berücksichtigung gesellschaftsbedingter Motive
College
Saarland University
Grade
1,3
Author
Nadine Bachmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
24
Catalog Number
V57185
ISBN (eBook)
9783638517034
ISBN (Book)
9783656112563
Language
German
Tags
Gottfried Keller Romeo Julia Dorfe Ursachen Liebestodes Berücksichtigung Motive
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nadine Bachmann (Author), 2005, Gottfried Keller: "Romeo und Julia auf dem Dorfe" , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57185
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