Heute bilden die Hispanos (engl.Hispanics)mit einem Bevölkerungsanteil von 13,7 % die größte Minderheit der USA und haben damit die Afroamerikaner hinter sich gelassen. In der Bevölkerungsstärke haben sie mit 39,9 Millionen, wenn wir die etwa 3,9 Millionen Puertoricaner noch hinzurechnen, sogar Spanien überflügelt und sind eine der größten hispanophonen Gemeinschaften der Welt. Die über hundert spanischsprachigen Fernsehsender und Radiostationen in den Vereinigten Staaten sowie Schilder in Läden von Los Angeles bis New York mit “Aquí se habla español” zeugen davon, dass Spanisch längst zur zweiten Sprache der USA aufgestiegen ist. Immer mehr Unternehmen und Politiker erkennen die Bedeutung der Hispanos als Markt bzw. Wählerschaft. Das sollten sie auch, denn aufgrund hoher Geburtenrate und anhaltender Immigration sind die Hispanos die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe der Vereinigten Staaten. Experten schätzen, dass ihre Zahl bis 2050 auf etwa 102,6 Millionen ansteigt (Bevölkerungsanteil von 24 %). Diese Gemeinschaft ist jedoch keineswegs einheitlich. Sie setzt sich vielmehr aus Einwanderern unterschiedlicher Herkunftsländer zusammen. Die Bezeichnung Hispanos ist folglich ein Sammelbegriff für diejenigen US-Amerikaner, welche Spanisch als Muttersprache gemeinsam haben. Aber wie hat sich diese Sprachgemeinschaft im Lauf der Geschichte geformt und was läßt sich über ihre Herkunft sagen? Wie sind ihre Sprecher über die USA verteilt? Auf welche Weise zeigt sich heute das Spanische in den Vereinigten Staaten und wie wird es vom Englischen beeinflusst? Einen ersten, ausschnittshaften Überblick erhält man mit Noll Das amerikanische Spanisch.Hervorragende Informationen zur Beantwortung dieser Fragen erhält man in “Tendencias de la lengua española en los Estados Unidos” von Morales oder in “La situación del español en los Estados Unidos” von Silva-Corvalán, wobei letztere auch einen sehr guten sprachgeschichtlichen Überblick bietet. Eine sehr detaillierte Darstellung über die Geschichte der Einwanderung der Hispanos findet sich in Dinnerstein/Reimers Ethnic Americans - A History of Immigration.
Inhaltsverzeichnis
1. Die “zweite Stimme” der USA
2. Das Spanische in den USA
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
2.2 Aktuelle Situation
2.2.1 Herkunft und territoriale Verteilung
2.2.2 Sprache als Identität
2.2.3 Der Einfluss des Spanischen in den USA
2.2.4 Der Einfluss des Englischen auf das Spanische
3. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den gegenwärtigen Status des Spanischen in den Vereinigten Staaten als bedeutende sprachliche Minderheit, um den Einfluss der hispanophonen Bevölkerung auf die US-amerikanische Kultur und Gesellschaft zu analysieren.
- Historische Expansion des Spanischen auf dem nordamerikanischen Kontinent
- Demografische Entwicklung und Herkunft der verschiedenen hispanischen Gruppen
- Die Rolle der spanischen Sprache als identitätsstiftendes Element
- Kulturelle und mediale Präsenz des Spanischen in den USA
- Sprachwandel und Phänomene wie "Spanglish" durch den Kontakt zum Englischen
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Der Einfluss des Englischen auf das Spanische
Umgekehrt wird das Spanische natürlich auch von der englischen Sprache beeinflusst. Es ist allerdings sehr schwierig diesen Einfluss für alle Hispanos zu verallgemeinern, da hier für jeden Sprecher unterschiedliche Faktoren ausschlaggebend sind: das Herkunftsland, die Aufenthaltsdauer in den USA, Kontinuität des Spanischen innerhalb eines Gebietes, Kontakt unter den einzelnen Gruppen, die Schulbildung oder soziale Stellung.
Man schätzt, dass ungefähr 29 Millionen zu Hause in der Familie Spanisch sprechen, d.h. man kann grundsätzlich nicht von der absoluten Zahl der Hispanos auf die Sprecher des Spanischen schließen. Es ist vielmehr ein sprachlicher Wandlungsprozess bemerkbar, der über jeweils drei Generationen erfolgt, und sich auch für Minderheiten in anderen Ländern nachweisen lässt. Die erste Generation, welche in die USA einwanderte, spricht fast ausschließlich Spanisch. In der zweiten Generation nimmt dies schon gewaltig ab und die dritte Generation ist oftmals schon überhaupt nicht mehr in der Lage Spanisch zu sprechen. Man könnte also vermuten, dass das Spanische in den Vereinigten Staaten eines Tages verschwinden würde. Statistische Zahlen offenbaren jedoch ein anderes Bild. Nur etwa 20 % aller Hispanos können ausschließlich Englisch, wohingegen noch 80 % in der Lage sind Spanisch zu sprechen. Hieraus könnte man nun sogar wieder schließen, dass Spanisch häufig beibehalten wird und die Hispanos überhaupt nicht Englisch lernen wollen. Doch auch diese Annahme ist weit von der Realität entfernt. Etwa die Hälfte dieser 80 % ist bilingual, d.h. fähig sowohl Spanisch als auch Englisch zu sprechen. Gerade aber bei diesem bilingualen Teil ist oftmals nur noch Englisch vorherrschend, was die Theorie bekräftigt, dass etwa ein Drittel aller Hispanos nur noch Englisch spricht – unabhängig davon, ob sie Spanisch sprechen könnten oder nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die “zweite Stimme” der USA: Dieses Kapitel stellt die Hispanos als größte Minderheit der USA vor und beleuchtet ihre wachsende Bedeutung als Markt und Wählerschaft.
2. Das Spanische in den USA: Hier werden die historische Ausbreitung der spanischen Sprache seit dem 16. Jahrhundert sowie die aktuelle demografische und geografische Verteilung der Sprachgemeinschaft analysiert.
3. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die historische Dominanz und den gegenwärtigen Einfluss des Spanischen zusammen und erörtert die künftige Entwicklung unter dem Druck des englischen Sprachraums.
Schlüsselwörter
Hispanos, USA, Spanisch, Einwanderung, Minderheit, Sprachgemeinschaft, Bevölkerungswachstum, Bilingualität, Sprachwandel, Spanglish, Identität, demografische Entwicklung, USA-Spanisch, Kulturraum, Sprachpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung des Spanischen in den USA, von den ersten Siedlungen im 16. Jahrhundert bis hin zur heutigen Stellung als wichtigste Minderheitensprache.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Im Zentrum stehen die Geschichte der Einwanderung, die territoriale Verteilung der Sprecher sowie die soziolinguistischen Auswirkungen des Kontakts zwischen Spanisch und Englisch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die hispanophone Gemeinschaft formiert hat und wie sich ihr Spracheinfluss heute im Kontext der amerikanischen Gesellschaft äußert.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse, die statistisches Datenmaterial des U.S. Census Bureau mit fachwissenschaftlicher Literatur verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den historischen Hintergrund der spanischen Expansion sowie die aktuelle Situation, wobei besonders Identitätsfragen und die gegenseitigen Spracheinflüsse untersucht werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hispanos, Einwanderung, Sprachkontakt, Bilingualität und Spanglish.
Welchen Einfluss hat das Englische konkret auf das Spanische?
Das Englische beeinflusst das Spanische durch phonologische, morphologische und lexikalische Anpassungen sowie durch Phänomene wie das Code-Switching, was zur Entstehung von "Spanglish" führt.
Wie sicher ist der Fortbestand des Spanischen in den USA?
Der Bestand des Spanischen hängt maßgeblich von der kontinuierlichen Immigration ab, da innerhalb der nachfolgenden, in den USA geborenen Generationen eine Verschiebung zugunsten des Englischen zu beobachten ist.
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- Oliver Zürn (Author), 2005, Das Spanische in den USA: geschichtlicher Hintergrund und aktuelle Situation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57233