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Das Gelage ist ein zentraler Ort dörflicher Sozialdisziplinierung

Title: Das Gelage ist ein zentraler Ort dörflicher Sozialdisziplinierung

Essay , 2005 , 9 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Udo Wichmann (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Bei der Betrachtung des Erscheinungsbildes dörflicher Lebensform in der frühen Neuzeit werden oft Formen der Idylle beschrieben und dargestellt, da die Natur so unberührt erschien und die Landschaft im Einklang zu dieser erstrahlte. Zudem waren die die Menschen sehr gläubig und daher sehr fromm. Diese Ansicht würde eine sittliche, gehorsame Einstellung und ein solches Verhalten voraussetzen.
Ich möchte jedoch in diesem Werk die Wirklichkeit der Umstände darstellen, da eine solch utopische Ansicht der Dinge keineswegs die wahren Zusammenhänge der Geschehnisse widerspiegelt und das Bild des Dorfes falsch zeigt und verzerrt. Die Menschen damals waren ebenso hart zueinander wie die heutigen, sie versuchten ihren Egoismus ebenso durchzusetzen, führten Fehden miteinander, bekämpften sich aufs heftigste und betranken sich sinnlos in Kneipen…
Beleidigungen, Streitigkeiten, Auseinandersetzungen jeglicher Art in Schenken etc. waren ein Mittel der Gesellschaft sich zu etablieren, zu kommunizieren, eine Möglichkeit der Bauern die Last des harten Alltags auf dem Feld abzulegen, jedoch unter fragwürdigen Bedingungen. War dieser Ort des Trinkens, das Gelage, wirklich der Ort, an dem die damalige Gesellschaft ihre Disziplin erlangte, um sich durch Selbstjustiz in Tribunalen zu beschützen und um zu kommunizieren oder war dieser Ort nicht mehr als ein Platz des Grauens, an dem nicht mehr als bloße, primitive Reden geschwungen wurden, um sich aufzuspielen?!

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort/ Einleitung

1. Das Gelage - Treffpunkt oder Tribunal?

1.1 Dörfliche Sozialdisziplinierung

2. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Gelages als zentralen sozialen Ort in der dörflichen Gemeinschaft der frühen Neuzeit und analysiert, inwieweit dieses als Instrument der Sozialdisziplinierung fungierte.

  • Die Rolle des Gelages als Ort der Kommunikation und des sozialen Austauschs
  • Die Untersuchung des Gelages als Instrument der Konfliktlösung und Tribunal
  • Der Einfluss von Reputation und sozialer Hierarchie auf das dörfliche Zusammenleben
  • Die theoretischen Grundlagen der frühneuzeitlichen Sozialdisziplinierung
  • Die Verschränkung von Mikro- und Makroebene bei der Kontrolle ländlicher Sitten

Auszug aus dem Buch

1. „Das Gelage“ – Treffpunkt oder Tribunal?

Der Begriff „Das Gelage“ spiegelt im Wesentlichen das gemeinsame Trinken, welches im Dorfleben der frühen Neuzeit praktiziert wurde, der unterschiedlichsten Gelegenheiten wider. Dabei fanden sogar Frauen einen Platz in der von großer Mehrheit kontrollierten Männerdomäne. Orte dieser Zusammenkünfte waren Schenken, Märkte, private Feste etc., die zur „innerdörflichen Geselligkeit“ beitrugen. So genannte „Gelagsleute“ verwendeten lediglich einen Krug/ eine Kanne zum trinken und sobald der Trinker aus diesem Gefäß trank, prostete er seinem Tischnachbarn postwendend zu und reichte das Gefäß weiter.

Dabei wird dem Gelage eine ambivalente Rolle zugesprochen: a) ist das Gelage „eine Gelegenheit für ein zwangloses Beisammensein, bei dem Neuigkeiten ausgetauscht und gegenseitig Ratschläge erteilt werden“, und b) ist das Gelage „ein Instrument der Disziplinierung und Reputationsmessung, das Veränderungen der internen dörflichen Hackordnung nahezu seismographisch registrierte.“

Ein Nebeneffekt der „Gelage“ waren Streitigkeiten, die bedingt durch überhöhten Alkoholkonsum und durch die Anwesenheit verschiedener Individuen entstanden. Die Tatsache, dass das enge Nebeneinanderleben dazu führte, dass man eine gewisse Kenntnis voneinander hatte, spielte ebenfalls eine Rolle beim Auftreten von Zwistigkeiten. Denn durch den erhöhten Alkoholkonsum, welcher zum Tagesablauf der Menschen gehörte, gewann man ein gewisses lockeres Auftreten und begann gelöster miteinander zu kommunizieren. Damit wurde eine kritische Basis geschaffen, die Kritiken, Beleidigungen und handfeste Auseinandersetzungen beinhaltete. Zudem wollte man durch „obszöne Gesten seine Verachtung gegenüber anderen Kontrahenten demonstrieren.“ Instrumente der Verachtung waren u.a. das Herunterziehen der Hose, um die Geschlechtsteile zu entblößen oder das „faulniß“ streichen vor der Nase des Kontrahenten.

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort/ Einleitung: Der Autor hinterfragt das idealisierte Bild der frühneuzeitlichen dörflichen Idylle und stellt die These auf, dass das Gelage einen zentralen Ort der Sozialdisziplinierung und Konfliktaustragung darstellte.

1. Das Gelage - Treffpunkt oder Tribunal?: Dieses Kapitel analysiert das Gelage als ambivalenten Raum, der sowohl der sozialen Interaktion als auch der Kontrolle von Reputation und der Austragung von Streitigkeiten diente.

1.1 Dörfliche Sozialdisziplinierung: Es werden die theoretischen Konzepte der Sozialdisziplinierung nach Oestereich und Schilling erläutert und auf die dörfliche Mikroebene übertragen.

2. Fazit: Das Fazit bestätigt die These, dass das Gelage die wichtigste Instanz der frühneuzeitlichen Dorfgemeinschaft war, an der Selbstregulierung und soziale Disziplinierung stattfanden.

Schlüsselwörter

Frühe Neuzeit, Sozialdisziplinierung, Gelage, Dorfgemeinschaft, Reputation, Injurienklage, Kommunikation, Mikrohistorie, Konflikt, Ehre, Schenke, Selbstjustiz, Sozialstruktur, Obrigkeit, Landesherren

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die soziale Bedeutung von Gelagen im Dorfleben der frühen Neuzeit und deren Funktion als Ort der Selbstregulierung und sozialen Kontrolle.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Begriffe „Sozialdisziplinierung“, „Reputation“, „Konfliktkultur“ und die kommunikative Rolle von Schenken und privaten Festen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob das Gelage lediglich ein Ort der Unterhaltung war oder vielmehr ein „Tribunal“ zur Aufrechterhaltung dörflicher Ordnung und Disziplin.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-analytische Methode verwendet, die auf der Literatur von Historikern wie Gerhard Oestereich und Heinz Schilling basiert, um die theoretischen Begriffe auf die dörfliche Lebenswirklichkeit anzuwenden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Gelages als Treffpunkt oder Tribunal sowie in die theoretische Einordnung des Begriffs der dörflichen Sozialdisziplinierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Sozialdisziplinierung, Reputation, Injurienklagen, dörfliche Gemeinschaft und frühneuzeitliche Lebensform.

Warum wird dem Gelage ein „Tribunalcharakter“ zugeschrieben?

Wenn verbale Auseinandersetzungen hitzig wurden, konnte die anwesende Gruppe den Beschuldigten diskriminieren oder disziplinieren, wodurch die informelle Gemeinschaft die Rolle einer gerichtlichen Instanz einnahm.

Welche Rolle spielt der Alkoholkonsum in dieser Analyse?

Alkoholkonsum wird als Faktor beschrieben, der die Zunge löste und die Hemmschwelle senkte, wodurch soziale Spannungen an die Oberfläche traten und Kommunikation – aber auch Streit – befördert wurde.

Inwiefern beeinflusste die Reputation den sozialen Schutz der Bauern?

Bauern mit höherem Ansehen und Vermögen genossen einen besseren Schutz vor verbalen Angriffen, da ihre Reputation eine bedeutende Rolle im dörflichen Hierarchiegefüge spielte.

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Details

Title
Das Gelage ist ein zentraler Ort dörflicher Sozialdisziplinierung
College
University of Kassel
Course
Bauern und ländliche Gesellschaft im 17. Jahrhundert
Grade
1.0
Author
Udo Wichmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
9
Catalog Number
V57257
ISBN (eBook)
9783638517591
ISBN (Book)
9783656783008
Language
German
Tags
Gelage Sozialdisziplinierung Bauern Gesellschaft Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Udo Wichmann (Author), 2005, Das Gelage ist ein zentraler Ort dörflicher Sozialdisziplinierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57257
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