Die Anwendung von Fragetechniken der systemischen Therapie in der Arbeit mit Familien aus sozialen Randschichten


Seminararbeit, 2004

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die systemische Therapie
1.1 Grundannahmen
1.2 Setting
1.3 Therapeutische Techniken
1.3.1 Möglichkeitsraum vergrößern
1.3.2 Hypothesenbildung
1.3.3 Zirkularität
1.3.4 Neutralität

2 Familien aus sozialen Randschichten
2.1 Sozio-ökologische Belastung
2.1.1 Finanzielle Situation
2.1.2 Arbeitssituation
2.2 Wohnsituation

3 Fragetechniken
3.1 Zirkuläres Fragen
3.1.1 Klassifikationsfragen
3.1.2 Prozentfragen
3.1.3 Skalierungsfragen
3.1.4 Übereinstimmungsfragen
3.1.5 Subsysteme vergleichen
3.2 Fragen zur Wirklichkeits- und Möglichkeitskonstruktion
3.2.1 Fragen zur Wirklichkeitskonstruktion
3.2.2 Fragen zur Möglichkeitskonstruktion

4 Zusammenfassung

Literatur

Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit derb systemischen Therapie, insbesondere mit den verschiedenen Fragetechniken und ihrer Anwendbarkeit in der Arbeit mit Familien, die der sozialen Randschicht angehören.

Die systemische Perspektive hat sich mittlerweile zu einer bedeutenden Methode der sozialen Arbeit entwickelt. In Therapien wird immer häufiger der Blickwinkel erweitert und nicht mehr nur auf den Symptomträger/Indexpatienten geachtet, sondern auch auf das familiäre System, in dem die Person lebt. Obwohl man zuerst befürchtet hat, dass die Familienmitglieder eines Patienten nicht bereit sind, sich auch einer Therapie zu unterziehen, hat sich jedoch gezeigt, dass das Angebot einer Familientherapie zwischenzeitlich genutzt wird (vgl. Goldbrunner 1989, S. 7).

Als erstes skizziere ich nun grob die Anfänge und die Entwicklung der systemischen Theorie und dann stelle ich exemplarisch kurz das Mailänder Modell vor, da dies als das bedeutenste Modell angesehen wird. Im zweiten Teil der Arbeit stelle ich die Probleme bzw. Besonderheiten von Familien aus sozialen Randschichten dar, um mich dann im Hauptteil mit den verschiedenen Fragetechniken auseinanderzusetzen. Am Ende dieser Arbeit werde ich die wichtigsten Punkte dann noch einmal zusammenfassend kurz darstellen.

Zum vereinfachten Lesen benutze ich in dieser Arbeit die männlichen Formen.

1 Die systemische Therapie

Der systemische Ansatz ist aus der Familientherapie entstanden. Als man in den 50er Jahren anfing, sich nicht mehr nur um den Patienten, sondern auch um die Familie des Patienten zu kümmern, zeigte sich, dass die Familie ein vernetztes, komplexes, intransparentes, eigendynamisches System ist.

Die Idee, mit der Familie zu arbeiten und nicht mehr nur mit den Symptomträgern allein, ist nicht auf einen Begründer zurückzuführen. Bekannt ist jedoch, dass die Anfänge aus der Forschung mit Schizophrenen stammen. Dadurch, dass es nicht den Begründer der systemischen Theorie gibt, sondern sich die Arbeit mit Familien an unterschiedlichen Orten entwickelt hat, sind auch verschiedene Richtungen entstanden. Im Laufe der Jahre entwickelten sich somit auch viele verschiedene Modelle (z.B. das Mailänder Modell, die lösungsorientierte Kurztherapie, das Reflecting Team).

Im Nachfolgenden stelle ich nun kurz das Mailänder Modell vor, das Mitte der 70er Jahre von Mara Selivini Palazzoli und ihrem Team entwickelt wurde. „Das Mailänder Modell hatte für die Entwicklung der systemischen Therapie und Beratung eine enorme Bedeutung. Perspektiven wie Zirkularität, Neutralität und Methoden wie das zirkuläre Fragen sind heute aus dem systemischen „Werkzeugkasten“ nicht mehr wegzudenken“ (Schlippe/Schweitzer 2003, S. 26).

1.1 Grundannahmen

Bei diesem Modell wird davon ausgegangen, dass jede Familie Regeln hat und somit die Verhaltensspielräume für jedes einzelne Familienmitglied klar umrissen sind. Gibt es innerhalb der Familie also nun jemanden mit einem klinischen Problem, so werden die Transaktionen der Familienmitglieder untereinander auf die jeweilige Krankheit abgestimmt. Dies bedeutet für die Familie, dass bei einer Veränderung oder Wegfallen des Problems bzw. der Krankheit sich die gesamte Familie ändern muss, da nun das ganze System in Bewegung gerät. Dies bedeutet, der Indexpatient sucht Hilfe, jedoch ist mit der Behandlung eine nicht kontrollierbare Veränderung innerhalb der Familie verbunden, die i.d.R. nicht gewünscht ist. Der Therapeut steht daher dem Paradoxon gegenüber: Hilf mir/uns, das Problem loszuwerden ohne etwas zu verändern.

1.2 Setting

Beim Mailänder Modell wird mit mehreren Therapeuten gearbeitet. Ein (früher zwei) Therapeut sitzt mit der Familie in einem Raum, in dem sich eine Einwegscheibe befindet. Hinter dieser Scheibe sitzen in einem anderen Raum zwei weitere Therapeuten, die durch die Einwegscheibe das Gespräch mitverfolgen.

Die Therapeuten hinter der Einwegscheibe können jederzeit die Sitzung durch ein Zeichen (z.B. Telefonanruf) stoppen und sich kurz mit dem Therapeuten alleine beraten.

Eine Sitzung an sich besteht i.d.R. aus fünf Schritten (vgl. Schlippe/Schweitzer 2003, S. 29):

1. Vorsitzung: Das Therapeutenteam tauscht sich über die bisher bekannten Informationen aus und bildet erste Hypothesen
2. Interview: Ein Therapeut führt das Gespräch mit der Familie, während das Team dies hinter der Einwegscheibe beobachtet. Zweck des Gespräches ist erst einmal nur Informationen zu sammeln
3. Zwischensitzung: Das Team berät in einem anderen Raum ohne die Familie aufgrund der während des Gespräches gebildeten Hypothesen über die Schlussintervention
4. Schlussintervention: Der Therapeut stellt der Familie das Ergebnis der Zwischensitzung dar, oft auch mit einer paradoxen Verschreibung oder einer Verschreibung eines Familienrituals. Die Reaktion der einzelnen Familienmitglieder auf die Schlussintervention wird vom Rest des Teams dabei genauestens beobachtet. Danach wird die Sitzung mit der Familie zügig beendet, ohne eine erneute Diskussion entstehen zu lassen
5. Nachsitzung: Hierbei besprechen die Therapeuten die Reaktion jedes Familienmitgliedes bei der Schlussintervention.

Die Anzahl der Sitzungen ist relativ gering. Früher umfasste die Therapie zehn Sitzungen, heute sind es i.d.R. sogar noch weniger. Dafür liegt zwischen den Sitzungen eine recht lange Zeitspanne, warum diese Form der Therapie auch häufig „lange Kurztherapie“ genannt wird. Die langen Pausen zwischen den einzelnen Sitzungen haben den Sinn, dass man eine Veränderung in der Familien nicht stoppen will. Es wird nämlich davon ausgegangen, dass Veränderung nur langsam vorangeht. Ändert z.B. ein Familiemitglied sein Verhalten, so entsteht eine Kettenreaktion, da das System in ein Ungleichgewicht gerät. Durch dieses Ungleichgewicht muss sich nun jedes Familienmitglied einen neuen Platz suchen bis wieder ein Gleichgewicht hergestellt ist. Mit Gleichgewicht meine ich, dass sich das System so neu ordnen muss, dass jedes Familienmitglied wieder seinen Platz im System hat.

1.3 Therapeutische Techniken

Im Folgenden skizziere ich nun kurz einige Techniken des Mailänder Modells.

1.3.1 Möglichkeitsraum vergrößern

Möglichkeitsraum vergrößern bedeutet in der systemischen Arbeit, dass nur das zugelassen wird, was die Anzahl von Möglichkeiten für die Klienten vergrößert. Alles, was etwa einschränkt, wie z.B. Tabus, Moralvorstellungen, Dogmen, behindern nur bei der Lösung des Problems und sind daher nicht erwünscht. Systemische Praxis heißt „das Gewusste in Frage zu stellen, das kaum Gedachte zum Thema zu machen“ (Schlippe/Schweitzer 2003, S. 116).

1.3.2 Hypothesenbildung

In der systemischen Arbeit werden Hypothesen gebildet, um die Vielfalt von Sichtweisen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Hypothesen haben zum einen eine ordnende und zum anderen eine anregende Funktion.

Die erste Aufgabe dient dazu, die vielen verschiedenen Informationen eines Gespräches für den Therapeuten in wichtige und unwichtige Informationen zu trennen.

Bei der zweiten Funktion soll zuerst der Therapeut und dann auch die Familienmitglieder anhand von Hypothesen neue Ideen und Möglichkeiten entwickeln. Gerade hier ist es wichtig, dass alles was die Anzahl der Möglichkeiten einschränkt, wegzulassen bzw. nicht zu beachten.

1.3.3 Zirkularität

Die Zirkularität ist eine neue Perspektive, die mit dem systemischen Ansatz begann. „Entscheidend ist die Abkehr von linearen Ursache-Wirkungsdenken hin zu einem zirkulären Systemmodell, nach dem die Wirklichkeit eines Individuums untrennbar mit seinem Kontext verbunden ist“ (Manfred Enders 1997, S. 941).

Zirkuläres (kreisförmiges) Denken basiert auf der Annahme, dass Verhaltensweisen auf einem Kreislauf beruhen. Dies bedeutet, in einem familiären System laufen die Interaktionen in unbewussten Kreisläufen ab. Ein Beispiel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entscheidend ist, dass es keinen Anfang bei einem Kreislauf gibt. Wenn also nun eine Person ihr Verhalten ändert, ist der Kreislauf durchbrochen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Anwendung von Fragetechniken der systemischen Therapie in der Arbeit mit Familien aus sozialen Randschichten
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Seminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V57260
ISBN (eBook)
9783638517621
ISBN (Buch)
9783638882828
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anwendung, Fragetechniken, Therapie, Arbeit, Familien, Randschichten, Seminar
Arbeit zitieren
Claudia Giehl (Autor), 2004, Die Anwendung von Fragetechniken der systemischen Therapie in der Arbeit mit Familien aus sozialen Randschichten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57260

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