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Die Macht der Minne und die Gewalt der Ehe: Am Beispiel der Erzählung "Das Herzmaere"

Title: Die Macht der Minne und die Gewalt der Ehe: Am Beispiel der Erzählung "Das Herzmaere"

Seminar Paper , 2002 , 19 Pages

Autor:in: Anja Reiff (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die Ehe ist eine der ältesten Institutionen in der Gesellschaft. Sie bezeichnet eine sozial anerkannte und vertraglich fixierte Lebensgemeinschaft zwischen mindestens zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts. Für beide Ehepartner beinhaltet die Ehe ökonomische Kooperation, den Transfer von oder die Teilhaberschaft an Eigentumsrechten, eine sanktionierte Sexualgemeinschaft und die rechtliche Anerkennung, der dieser Verbindung entstammenden Nachkommen. Durch den Heiratsvollzug erfährt diese Lebensgemeinschaft eine öffentliche Bestätigung. Darüber hinaus richtet sich die Form der Eheschließung aber auch nach den Sitten und Gesetzen eines Landes und dessen Kultur. Die christliche Ehe kann schon im 4. Jahrhundert als priesterlicher Segen und das Gebet nachgewiesen werden. Im darauffolgenden Jahrhundert wurde in Rom die Eheschließung mit der Eucharistiefeier verbunden. Später - genauer gesagt im frühen Mittelalter - entwickelt sich vom heiligen Augustinus ausgehend die Lehre von der Sakramentalität der Ehe und im 12. Jahrhundert wird die Ehe als eines der sieben Sakramente der Kirche aufgenommen. Während die anderen Sakramente nur durch einen Geistlichen erteilt werden können, spenden sich die Eheleute das Sakrament der Ehe selbst. Wie bereits erwähnt, spielt die Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Eheschließung eine entscheidende Rolle. Noch im Mittelalter musste nicht unbedingt ein Priester anwesend sein. Erst später schuf die christliche Kirche eine verbindliche Form - die Eheschließung vor dem Priester und zwei Zeugen. Die Heirat sollte öffentlich geschlossen werden, damit die Zahl heimlichen Ehen nicht weiter ansteigt. Diese sogenanntenKlandestinehenbedeuteten einen Eheabschluss ohne jede Registrierung oder Bekanntmachung in der Öffentlichkeit, wodurch die Gefahr von Untreue oder Doppelehen impliziert war. Im Laufe der Zeit beginnt der Einfluss der Kirche zu sinken und der Staat erhebt die Forderung des öffentlich, rechtssicheren Eheabschlusses. Neben der kirchlichen Trauung wird die standesamtliche Trauung als ziviler Eheabschluss eingeführt. Dementsprechend haben sich die Machtanteile der Instanzen der Eheschließung wie z. B. die Familie, der Staat, die Kirche und die öffentliche Meinung verschoben. Dennoch spielen sie auch in der heutigen Gesellschaft eine bedeutende Rolle, wie beispielsweise die aktuelle Diskussion zur gleichgeschlechtlichen Ehe in der Öffentlichkeit verdeutlicht. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Die Herkunft und Bedeutung des Begriffes „Ehe“

2.1.1 Die Ehepraxis im Mittelalter

2.2 Die Bedeutung des Begriffes „Minne“

2.2.1 Die Wesensmerkmale der höfischen Liebe

2.3 Die Unvereinbarkeit von Liebe und Ehe

2.4 Minne und Ehe im Herzmaere

2.4.1 Inhaltsangabe

2.4.2 Zur Darstellung der Ehe im Herzmaere

2.4.3 Zur Darstellung der Minne im Herzmaere

3. Zusammenfassung/ Schluss

4. Bibliographie

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der institutionellen Ehe und der höfischen Liebe im Mittelalter. Ziel ist es, anhand der Erzählung "Das Herzmaere" von Konrad von Würzburg aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Normen der damaligen Zeit mit dem literarischen Ideal der Minne kollidierten und warum eine Vereinbarkeit beider Konzepte als unmöglich angesehen wurde.

  • Historische Entwicklung und Bedeutung der Ehe im Mittelalter
  • Konzeption der höfischen Liebe (Minne) und ihre Wesensmerkmale
  • Die strukturelle Unvereinbarkeit von Ehe und Minne
  • Analyse von Ehe und Minne in Konrad von Würzburgs "Das Herzmaere"
  • Wandel von Werten und Moralvorstellungen im historischen Kontext

Auszug aus dem Buch

2.4.2 Zur Darstellung der Ehe im Herzmaere

Wie bereits erwähnt, thematisiert Konrad von Würzburg im Herzmaere eine außereheliche Minnebeziehung zwischen einem Ritter und einer edlen Dame. In deren Opposition steht der Ehemann, „der die der Minne feindliche Institution der Ehe vertritt“17. Er wird als angesehener Edelmann bzw. „herre guot“18 beschrieben und in dieser Funktion wacht er auch über seine Frau und deren Schönheit. Dennoch gelingt es ihm nicht, das Minneverhältnis seiner Ehefrau mit einem Ritter zu vermeiden. Statt dessen enthüllt das auffällige Verhalten des Minnepaares sowohl dem Ehegatten als auch der allgemeinen Öffentlichkeit ihre Gefühle füreinander. Es scheint aber weniger das Gerede und die Gerüchte in der Gesellschaft zu sein die den Ehemann zu aktivem Handeln antreiben. Vielmehr fürchtet der Gatte um seine eigene Ehre und die Folgen, die ein solches Verhältnis für haben könnten. „So muß ich vielleicht an ihr einmal etwas erkennen, was mich nachher schmerzt“19, deutet auf die Möglichkeit einer Schwangerschaft und damit die Zeugung nichtlegitimer Kinder hin. Um sicher zu gehen, dass es sich tatsächlich um seine eigenen Nachkommen handelt, ist dementsprechend die absolute Treue der Frau zu gewährleisten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Institution der Ehe sowie deren Wandel von einer rein ökonomisch-politischen Verbindung hin zu modernen Vorstellungen ein.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die etymologischen und sozialen Grundlagen von "Ehe" und "Minne", stellt die höfische Liebe als gesellschaftliche Utopie dar und untersucht deren Unvereinbarkeit mit der Ehe anhand des Werkes "Das Herzmaere".

3. Zusammenfassung/ Schluss: Das Fazit resümiert, dass Ehe und Minne im Mittelalter diametral gegenüberstanden und das literarische Werk "Das Herzmaere" das utopische Ideal der Minne in einem tragischen Kontext verarbeitet.

4. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet die verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literaturwerke zur Untersuchung auf.

Schlüsselwörter

Ehe, Minne, Herzmaere, Konrad von Würzburg, Mittelalter, höfische Liebe, Ehepraxis, Adelsgesellschaft, Ehefrau, Ritter, Treue, Dienstgedanke, Gesellschaftsutopie, Ehelehre, Moral

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die mittelalterliche Auffassung von Ehe und Minne sowie deren Unvereinbarkeit, illustriert an Konrad von Würzburgs Erzählung "Das Herzmaere".

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf die feudale Ehepraxis, das Konzept der höfischen Liebe und die daraus resultierenden sozialen Spannungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die theoretischen Aspekte von Ehe und Minne auf die literarische Darstellung im "Herzmaere" anzuwenden, um das mittelalterliche Spannungsverhältnis zwischen Pflicht und Leidenschaft zu begreifen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch historische und soziologische Studien zur Ehepraxis des Mittelalters ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die Definitionen von Ehe und Minne, die Rolle der Frau, die scholastische Ehelehre und die spezifische Ausgestaltung dieser Konzepte im "Herzmaere".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Ehe, Minne, Herzmaere, höfische Liebe, gesellschaftliche Utopie und feudale Ehepraxis.

Welche Rolle spielt der "Dienstgedanke" im Herzmaere?

Der Dienstgedanke ist ein zentrales Merkmal der Minnebeziehung; der Ritter ordnet sich seiner Dame unter und erweist ihr als Dienst beispielsweise den Verzicht auf eigene Sicherheit während einer Reise.

Wie endet die Beziehung im Herzmaere und warum?

Die Beziehung endet tragisch mit dem Tod beider Liebenden, was den symbolischen Sieg der reinen Minne über die äußeren, trennenden Umstände der Ehe darstellt.

Warum wird der Ehemann als "feindliche Instanz" wahrgenommen?

Da er die Institution der Ehe repräsentiert, die auf politischer Absicherung und legitimer Nachkommenschaft beruht, steht er zwangsläufig im Gegensatz zum idealisierten, nicht-ehelichen Begehren der Liebenden.

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Details

Title
Die Macht der Minne und die Gewalt der Ehe: Am Beispiel der Erzählung "Das Herzmaere"
College
University of Potsdam
Author
Anja Reiff (Author)
Publication Year
2002
Pages
19
Catalog Number
V57268
ISBN (eBook)
9783638517690
ISBN (Book)
9783656774013
Language
German
Tags
Macht Minne Gewalt Beispiel Erzählung Herzmaere
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anja Reiff (Author), 2002, Die Macht der Minne und die Gewalt der Ehe: Am Beispiel der Erzählung "Das Herzmaere", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57268
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