Im ersten Kapitel soll deshalb die Darstellung dieses außergewöhnlichen Blickwinkels und seine Bedeutung für die spätere Analyse des Neokonservatismus im Mittelpunkt stehen. Das zweite Kapitel soll im Anschluss daran die Brücke zum amerikanischen Neokonservatismus in der politischen Kultur der USA schlagen. Einer aktuellen gegenwartsbezogenen Betrachtung muss dabei die Entstehungsgeschichte von ihren Anfängen in den 30er Jahren bis zu seinen ersten Erfolgen in den 80ern vorgeschaltet sein, auch um Streitfragen im und um den Neokonservatismus mit mehr Klarheit zu sehen. Zum besseren Verständnis ist dem Kapitel noch ein kurzer Abriss der einzelnen Positionen in den wichtigsten Politikfeldern (Wohlfahrts-, Wirtschafts- und Außenpolitik) angeschlossen. Das dritte Kapitel ist unter zwei zu erfragenden Gesichtspunkten zu sehen. Im ersten Schritt gilt es nach der Positionierung der neu hinzugestoßenen Neokonservativen im Spektrum der amerikanischen Konservativen zu fragen. Schnell wird dabei dem Beobachter klar, dass sich die Neokonservativen von links-liberalen Anti-Stalinisten hin zu einem Mittler zwischen Liberalen und Konservativen entwickelten. Dieser von Lipset als „exzeptionell“ charakterisierte ideologische Richtungswechsel und die neuen „konservativen Kleider“ stellen eine der Säulen der Untersuchung über die Außergewöhnlichkeit des Neokonservatismus dar. Von weiterer tragender Bedeutung ist die Frage nach dem tatsächlichen Einfluss in der Republikanischen Partei und der Regierung George W. Bushs zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Hier ist im besonderen von Interesse wie stark sich die neokonservative Dogmatik in den außenpolitischen Richtlinien niederschlägt und wie die Kommunikation nach innen und die Meinungsbildung nach außen in der schwer zu arrondierenden „neokonservativen Gemeinde“ bewerkstelligt wird. Nach der Aufarbeitung der Vergangenheit und einer Gegenwartsanalyse des Ist-Zustandes kommt man nicht umhin den Blick in die Zukunft zu richten und eine Prognose für den weiteren Weg des amerikanischen Neokonservatismus zu wagen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Exzeptionalität des Neokonservatismus aus deutscher Sicht
1.1 Spezifische Konservatismus „deutscher Prägung“
1.2 Konservatismus „amerikanischer Prägung“
1.3 Deutsche Neokonservatismus-Debatte
2. Entstehung des Neokonservatismus und seiner Leitfiguren
2.1 Ideologische Grundlagen und Entfremdung von den Demokraten
2.2 Hauptvertreter und ihre Netzwerke
2.3 Politikfelder und ihre neokonservativen Positionen
3. Neokonservatismus im amerikanischen Konservatismus
3.1 Spektrum des amerikanischen Konservatismus
3.1.1 Neokonservative und die „Neue Rechte“
3.1.2 Neokonservative und Traditionelle Konservative
3.1.3 Neokonservative und Libertäre Konservative
3.2 Einfluss und Positionierung der Neokonservativen
Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den amerikanischen Neokonservatismus als ideologische Strömung, wobei insbesondere die Differenz zwischen der amerikanischen Selbstwahrnehmung und der kritischen deutschen Rezeption im Mittelpunkt steht, um den politischen Einfluss und die historische Entwicklung dieser Bewegung in den USA zu analysieren.
- Historische Genese des Neokonservatismus seit den 1930er Jahren
- Differenzierung zwischen neokonservativen, traditionell-konservativen und libertären Strömungen
- Rolle von Netzwerken, Think Tanks und Zeitschriften bei der Politikberatung
- Einfluss neokonservativer Dogmatik auf die amerikanische Außen- und Wirtschaftspolitik
- Analyse der neokonservativen Positionierung im Regierungsumfeld von George W. Bush
Auszug aus dem Buch
Hauptvertreter und ihre Netzwerke
Die Gemeinde überzeugter und bekennender Neokonservativer wird von einem eher kleinen Kern im Inneren getragen, dem sich in konzentrischen Kreisen davon ausgehend Vertreter mit unterschiedlicher neokonservativer Färbung anschließen. Die eindeutige Zuordnung ist aber stark vom Blickwinkel der Autoren abhängig. Peter Steinfels, selbst bekennender Neokonservativer, listet u.a. die Namen Nathan Glazer, Daniel Bell, Seymour Martin Lipset, James Q. Wilson, Irving Kristol, Norman Podhoretz, Samuel Huntington, Jeane Kirkpatrick, Daniel P. Moynihan und Peter Berger auf.
Im Zentrum wird Irving Kristol als „Bannerträger“ dieser noch jungen Strömung gesehen. Auf ihn gehen die Gründungen der Zeitschriften The Public Interest im Jahre 1965 und The National Interest im Jahre 1985 zurück, sowie eine erste offizielle Begriffsbestimmung des Begriffs im Jahr 1976. Dennoch liegt Kristols Ansehen innerhalb des amerikanischen Neokonservatismus weniger in seinen publizistischen Aktivitäten als vielmehr in seiner Tätigkeit als Vermittler von Ideen. Ihm eng zur Seite steht Norman Podhoretz, unter dessen Leitung die Zeitschrift Commentary, eine Publikation des American Jewish Committee, ab 1970 einen deutlichen Linksruck erfuhr und zum Sprachrohr des Neokonservatismus wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Diskrepanz zwischen deutscher und amerikanischer Wahrnehmung des Neokonservatismus heraus und skizziert das methodische Vorgehen der Untersuchung.
1. Exzeptionalität des Neokonservatismus aus deutscher Sicht: Dieses Kapitel erläutert den speziellen deutschen Blick auf den Konservatismus und zeigt die Problematik einer undifferenzierten Verwendung des Begriffs Neokonservatismus in der Bundesrepublik auf.
2. Entstehung des Neokonservatismus und seiner Leitfiguren: Das Kapitel analysiert die ideologischen Wurzeln in der New-Deal-Ära sowie die Entfremdung von der Demokratischen Partei und porträtiert zentrale Akteure und deren mediale Netzwerke.
3. Neokonservatismus im amerikanischen Konservatismus: Hier wird die Abgrenzung zu anderen konservativen Strömungen wie der Neuen Rechten oder libertären Ansätzen untersucht und der reale politische Einfluss innerhalb der Regierung analysiert.
Schlussteil: Der Schlussteil reflektiert die Transformation der Bewegung von einer intellektuellen Protestgruppe zu einer einflussreichen politischen Kraft im Kontext der Bush-Doktrin.
Schlüsselwörter
Neokonservatismus, USA, Konservatismus, politische Theorie, Außenpolitik, Ideologie, Think Tanks, Wertewandel, New-Deal, Bush-Doktrin, politische Kultur, internationale Politik, Demokratische Partei, Republikanische Partei, Intellektuelle.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Bedeutung des amerikanischen Neokonservatismus und reflektiert dabei kritisch die unterschiedlichen Interpretationen der Strömung in Deutschland und den USA.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Im Fokus stehen die historische Entstehung, die ideologischen Grundlagen, die Einbettung in politische Netzwerke sowie die außenpolitische Positionierung der Neokonservativen.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, die "Außergewöhnlichkeit" des Neokonservatismus zu hinterfragen und zu analysieren, wie sich diese ideologische Strömung innerhalb der US-amerikanischen Politik etabliert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, die historische Entwicklungen, ideengeschichtliche Quellen sowie aktuelle politische Diskurse kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Genese, die Vorstellung maßgeblicher Leitfiguren, die Analyse verschiedener Politikfelder und die Verortung der Neokonservativen im konservativen Spektrum.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Neokonservatismus, Politische Kultur, Think Tanks, Außenpolitik, ideologische Netzwerke und die "Bush-Doktrin".
Wie unterscheidet sich die deutsche von der amerikanischen Wahrnehmung?
Während der Begriff in den USA als spezifische ideologische Ausprägung verstanden wird, ist er im deutschen Kontext oft negativ konnotiert und wird teils mit Neoliberalismus oder Kulturkritik gleichgesetzt.
Welche Rolle spielen Think Tanks wie das American Enterprise Institute?
Sie dienen als zentrale Infrastruktur, um neokonservative Ideen zu verbreiten, Experten zu vernetzen und die politische Agenda, insbesondere in der Außenpolitik, maßgeblich zu beeinflussen.
Was ist das Fazit zur Zukunft der Bewegung?
Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Bewegung hochdynamisch bleibt, ihre langfristige Identität jedoch durch die notwendige Kooperation mit anderen konservativen Strömungen und die Herausbildung einer neuen Generation geprägt sein wird.
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- M.A. Frank Walzel (Author), 2004, Der amerikanische Neokonservatismus - eine außergewöhnliche politische Strömung nicht nur aus deutscher Sicht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57277