In dieser schriftlichen Arbeit beschäftige ich mich mit der Berliner Bilderhandschrift des Eneasromans. Ich werde in der folgenden Arbeit sowohl auf die Historik der Bilderhandschrift, wie auch auf die kodikologischen Merkmale der Bilderhandschrift genauer eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie Heinrich von Veldeke
3. Die Berliner Bilderhandschrift
3.1. Geschichte der Bilderhandschrift
3.2. Kodikologische Beschreibung
3.3. Die Miniaturen
3.3.1. Verlorene Bilder
3.3.2. Rahmen und Bildgrund
3.3.3. Technik der Federzeichnung
3.3.4. Stilistische Charakterisierung
3.3.4.1. Gesichtsausdruck
3.3.4.2. Gewandgestaltung
3.3.4.3. Gebärden der Figuren
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Berliner Bilderhandschrift (Ms. germ. fol. 282) des Eneasromans von Heinrich von Veldeke. Ziel ist es, sowohl die historische Herkunft und Überlieferungsgeschichte der Handschrift als auch ihre kodikologischen Merkmale sowie die stilistischen Besonderheiten ihres Miniaturenzyklus wissenschaftlich zu analysieren.
- Historische Einordnung und Herkunft der Berliner Bilderhandschrift
- Kodikologische Analyse (Beschreibstoff, Layout, Schreiber)
- Untersuchung des Bildprogramms und der Miniaturen
- Stilistische Merkmale der Figurendarstellung
- Rekonstruktion verlorener Bildsequenzen
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Verlorene Bilder
Der Miniaturenzyklus der Berliner Bilderhandschrift der Eneide ist nicht vollständig erhalten. Schon bei dem Erwerb der Bilderhandschrift durch Carl Carvacchi im Jahr 1819, waren die auch heute noch fehlenden Seiten schon nicht mehr vorhanden52.
Der erste Verlust beschränkt sich auf die Illustrationen zu der Episode der Unterweltsfahrt, die Eneas in Begleitung der Sibylle angetreten hatte. Nach f. 23 fehlt hier ein Blatt, das wie die meisten anderen Blätter zwei Miniaturen pro Seite, also insgesamt 4 Miniaturen, enthalten haben soll. Der Inhalt dieser Miniaturen ist relativ sicher zuzuordnen, denn der Zeichner hat den Gang des Eneas und seiner Begleiterin durch die Unterwelt weiterhin dargestellt, dies lässt sich daraus schließen, weil die nächste erhaltene Miniatur, f 25ra, die Rückkehr des Eneas aus dem jenseitigen Reich zum Inhalt hat 53 . Um aber die fehlenden Miniaturen rekonstruieren zu können ist es eine Möglichkeit, die dazugehörige Textstelle zu betrachten.
Laut dem entsprechenden Textabschnitt (v. 3273-3731) wird nach der Begegnung mit dem Cerberus (Miniatur f. 23vb) die weitere grauenvolle Wanderung durch die Unterwelt beschrieben. In dieser Wanderung treffen Eneas und die Sibylle auf die ungeborenen Kinder, die im Mutterleib gestorben waren. Des Weiteren begegnen sie auch Dido und weiter treffen sie auf die im Kampf gefallenen Helden von Theben und Troja. Schließlich gelangen sie zur „eigentlichen Hölle“ (v. 3384), einer großen Stadt, aus der der brennende Phlegethon fließt. In ihr herrscht Rhadamanthus und quält die Seelen. Tantalus und Tityus erleiden hier ihre unvorstellbaren Qualen. Dann verlassen sie die Hölle und erreichen die Elysischen Gefilde, wo Eneas auf seinen Vater Anchises trifft, der ihm seine Nachkommenschaft vorführt und die Zukunft voraussagt. Damit ist der Gang durch die Unterwelt beendet, und Sibylle verabschiedet sich von Eneas. Diese letzte Szene stellt die vorhandene Miniatur f. 25ra dar54.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Berliner Bilderhandschrift vor und definiert das methodische Vorgehen der Untersuchung hinsichtlich historischer und kodikologischer Aspekte.
2. Biographie Heinrich von Veldeke: Dieses Kapitel fasst den aktuellen Forschungsstand zum Leben und Wirken des Dichters zusammen, inklusive der schwierigen Quellenlage zu seinen Lebensdaten und seiner Ausbildung.
3. Die Berliner Bilderhandschrift: Das zentrale Kapitel analysiert detailliert die Geschichte der Handschrift, ihre physische Beschaffenheit sowie die künstlerische Gestaltung der Miniaturen.
3.1. Geschichte der Bilderhandschrift: Der Abschnitt dokumentiert die bekannte Historie der Handschrift vom 19. Jahrhundert bis zu ihrem Ankauf durch die Bibliothek.
3.2. Kodikologische Beschreibung: Hier werden die physischen Merkmale wie Einband, Blattzahl, Format und die Schreibeigenheiten des Manuskripts untersucht.
3.3. Die Miniaturen: Dieser Teil widmet sich umfassend dem Bildprogramm, den verlorenen Blättern und den angewandten künstlerischen Techniken.
3.3.1. Verlorene Bilder: Untersuchung der Lücken im Miniaturenzyklus und Rekonstruktionsversuche basierend auf dem Textinhalt.
3.3.2. Rahmen und Bildgrund: Analyse der einheitlichen Rahmengestaltung und der neutralen Farbhintergründe der Illustrationen.
3.3.3. Technik der Federzeichnung: Erläuterung der zeichnerischen Methoden, des Farbauftrags und der verwendeten Materialien.
3.3.4. Stilistische Charakterisierung: Zusammenfassung der stilistischen Merkmale, die die Miniaturen maßgeblich bestimmen.
3.3.4.1. Gesichtsausdruck: Beschreibung der formelhaften Darstellung der Gesichter und wie Gefühlszustände angedeutet werden.
3.3.4.2. Gewandgestaltung: Analyse der typischen Faltenmotive und der plastischen Wirkung der Kleidung auf den Figuren.
3.3.4.3. Gebärden der Figuren: Auswertung der Gestik als Mittel zur Vermittlung von körperlicher Aktivität und seelischen Zuständen.
4. Zusammenfassung: Das Fazit bündelt die Erkenntnisse zur Bedeutung der Handschrift als frühester illustrierter Textzeuge und diskutiert Fragen der Entstehung und Auftraggeberschaft.
Schlüsselwörter
Berliner Bilderhandschrift, Eneasroman, Heinrich von Veldeke, Kodikologie, Miniaturen, Buchmalerei, Mittelalter, Pergament, Federzeichnung, Literaturgeschichte, Paläographie, Eneide, Buchkultur, höfische Epik, Textüberlieferung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Berliner Bilderhandschrift (Ms. germ. fol. 282) des Eneasromans, einem bedeutenden Zeugnis der höfischen Literatur des Mittelalters.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die historische Überlieferung der Handschrift, ihre materielle kodikologische Beschaffenheit sowie die Analyse ihres umfangreichen, illustrierten Bildprogramms.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine wissenschaftliche Aufarbeitung und Beschreibung der Handschrift, um ihre Bedeutung für die Forschung sowie ihre stilistischen Besonderheiten im Bereich der Buchmalerei herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive und analysierende Vorgehensweise gewählt, die auf der Auswertung von Primär- und Sekundärliteratur zur Buchgeschichte und kunsthistorischen Kommentaren basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die physische Kodikologie der Handschrift und eine detaillierte stilistische Analyse der enthaltenen Miniaturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Berliner Bilderhandschrift, Eneasroman, Heinrich von Veldeke, Kodikologie, Miniaturen sowie Buchmalerei.
Wie gehen die Forscher mit den fehlenden Miniaturen um?
Da der Miniaturenzyklus Lücken aufweist, werden diese anhand der zugehörigen Textstellen und durch Vergleiche mit zeitgenössischen Handschriften (z.B. der Heidelberger oder Wiener Handschrift) rekonstruiert.
Warum wird die Handschrift als "experimentell" bezeichnet?
Die Forschung wertet das unregelmäßige Layout und die Differenz zwischen Text- und Bildgestaltung als Ausdruck eines bewussten Experimentierens mit verschiedenen Formen der Text- und Bilddarbietung.
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- Nicole Becker (Author), 2004, Die Berliner Bilderhandschrift, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57284