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Poststrukturalistische Ansätze zum Umgang mit kanonischen Texten im Literaturunterricht

Title: Poststrukturalistische Ansätze zum Umgang mit kanonischen Texten im Literaturunterricht

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Torsten Halling (Author)

Didactics - German Studies
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Die Arbeit verfolgt das Ziel, unterrichtspraktische Vorschläge poststrukturalistisch orientierter Literaturdidaktiker im Hinblick auf ihre Realisierbarkeit und ihre Wirksamkeit zu beurteilen. Nach einer einführenden Darstellung wesentlicher Grundgedanken und Strömungen der poststrukturalistischen Theorie im Allgemeinen und der poststrukturalistischen Literaturdidaktik im Besonderen werden – anhand zweier Aufsatzsammlungen – Vorschläge für die didaktische Realisierung poststrukturalistischer Literaturaneignung im Unterricht analysiert. Gemeinsam ist allen Aufsätzen, dass sie nicht versuchen, neue Gegenstände für den Literaturunterricht zu erschließen, sondern sich vielmehr mit geläufigen kanonischen Schulklassikern beschäftigen, dabei aber eine neuartige Herangehensweise anstreben, die sich von der traditionellen Hermeneutik abhebt. Dabei lassen sich zwei wesentliche Ansätze unterscheiden: die Dekonstruktion bzw. Pluralisierung von Deutungsansätzen sowie die Untersuchung intertextueller Verflechtungen und gegenläufiger Diskurse. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Unterrichtsvorschläge immer dann sinnvoll und realitätstauglich erscheinen, wenn sie übermäßige Komplexität vermeiden, konkrete Aufgabenstellungen für die Schüler entwickeln und die poststrukturalistische Analysetätigkeit mit handlungs- und produktionorientierten Methoden kombinieren. Wenig praktikabel sind allerdings diejenigen Aufsätze, die mit übertriebener Wissenschaftlichkeit an die jeweiligen Texte herangehen und dabei die zeitökonomischen Beschränkungen des Unterrichts ignorieren, zu wenig Wert auf eine angemessene didaktische Reduktion legen und dabei auf methodische Vielfalt verzichten. Besonders häufig anzutreffende negative Merkmale dieser Ansätze sind eine unzureichende Übertragung der oft ausufernden literaturwissenschaftlichen Überlegungen in praxistaugliche didaktische Vorschläge sowie eine grundsätzliche Geringschätzung der Bedeutung von Lesevergnügen und Leseförderung im Unterricht.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Die poststrukturalistische Kritik der Hermeneutik

2.2 Poststrukturalismus im Unterricht

3. Praktische Vorschläge

3.1 Dekonstruktion und Pluralisierung von Deutungsansätzen

3.2 Untersuchung intertextueller Verflechtungen und gegenläufiger Diskurse

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht poststrukturalistische Ansätze für den Umgang mit kanonischen Texten im Literaturunterricht. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit diese Theorien – wie Dekonstruktivismus und Diskurstheorie – tatsächlich einen zeitgemäßen, analytisch vertieften Literaturunterricht ermöglichen können, der die Schüler motiviert und ihre Lese- sowie Reflexionskompetenz fördert.

  • Kritik an der traditionellen Hermeneutik und der Suche nach dem einen "wahren" Sinn.
  • Die Rolle der Poststrukturalisten bei der Neugestaltung des schulischen Literaturkanons.
  • Methodische Anwendung der Dekonstruktion und Intertextualität in der Unterrichtspraxis.
  • Spannungsfeld zwischen fachwissenschaftlichem Anspruch und der Realitätstauglichkeit im Unterricht.
  • Bedeutung der Leseförderung und des Lesevergnügens in einer medienorientierten Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Der schulische Literaturkanon, den viele Deutschdidaktiker für einen längst ausgestorbenen Bestandteil einer weit zurückliegenden bildungsbürgerlichen Epoche hielten, hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance erfahren. Hatte man literarische Kanones noch in den sechziger und siebziger Jahren als Instrument zur Sicherung des kulturellen Hegemonieanspruchs bürgerlicher Eliten diffamiert und deshalb aus dem Literaturunterricht weitgehend zu verbannen versucht, so beklagt man heute hingegen die durch Wegfall oder Umgestaltung bewährter Kanones eingetretene Beliebigkeit bei der Auswahl von Unterrichtslektüren. Jürgen Hein bringt dieses Unbehagen folgendermaßen zum Ausdruck:

„Weder die Erweiterung des Literaturbegriffs noch die ´Entrümpelung´ des alten Kanons, schon gar nicht seine Umwertung und Umfunktionierung, haben eine neue Basis geschaffen, lediglich vordergründig-modischer Aktualität und Willkür in der Textauswahl wurde der Weg geebnet.“1

Bei der aktuellen Kanondiskussion steht vor allem die Frage nach der Auswahl von Texten für den Kanon im Vordergrund: Hierbei wird etwa diskutiert, ob der Kanon seinen Schwerpunkt bei den herkömmlichen Klassikern oder eher bei der literarischen Moderne haben solle oder inwiefern er offen für Klassiker der Weltliteratur oder auch die Gegenwartsliteratur sein dürfe. Neben der Frage, welche Texte zum Gegenstand des Unterrichts gemacht werden sollten, wird aber zunehmend auch die Frage diskutiert, wie denn überhaupt mit den ausgewählten kanonischen Texten im Unterricht zu verfahren sei. Ein Schulkanon – und sei seine Textauswahl auch noch so gut begründet – nützt schließlich nichts, solange nicht geklärt ist, mit welchen didaktischen Mitteln er zur Grundlage eines modernen Literaturunterrichts gemacht werden kann. Hierbei drängen sich vor allem Vertreter eines poststrukturalistischen Ansatzes in den Vordergrund. Diese Didaktiker halten kanonische Texte für einen wertvollen Unterrichtsgegenstand – unter der Voraussetzung, dass der Unterricht sich von tradierten hermeneutischen Interpretationsmustern verabschiedet und sich stattdessen für die Vorgehensweise der neueren Literaturtheorien (Dekonstruktivismus, Diskurstheorie) öffnet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Das Kapitel führt in die aktuelle Renaissance der Kanondiskussion ein und skizziert das Ziel der Arbeit, poststrukturalistische Ansätze auf ihre Tauglichkeit im Literaturunterricht zu prüfen.

2. Theoretische Grundlagen: Hier werden die Abkehr von hermeneutischen Traditionen sowie die Grundzüge poststrukturalistischer Konzepte (Dekonstruktion, Intertextualität) und deren Relevanz für den Unterricht theoretisch hergeleitet.

3. Praktische Vorschläge: Dieses Kapitel analysiert konkrete fachdidaktische Ansätze zur Anwendung poststrukturalistischer Methoden wie Dekonstruktion und Intertextualitätsforschung anhand bekannter Schulklassiker.

4. Fazit: Das Fazit beurteilt die Umsetzbarkeit poststrukturalistischer Theorien in der Schule und fordert eine methodische Kombination mit handlungsorientierten Verfahren.

5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Poststrukturalismus, Literaturunterricht, Kanondiskussion, Hermeneutik, Dekonstruktivismus, Intertextualität, Schullektüre, Fachdidaktik, Schulklassiker, Diskursanalyse, Lesevergnügen, Textrezeption, Literaturwissenschaft, Re-Lektüre, Unterrichtspraxis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie poststrukturalistische Theorien den Literaturunterricht verändern können und ob sie eine sinnvolle Alternative zum traditionellen hermeneutischen Unterricht darstellen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Kritik an der traditionellen Werkinterpretation, die Bedeutung von Intertextualität und die Frage, wie ein "neuer" Zugang zu kanonischen Texten (wie z.B. Werther oder Tonio Kröger) didaktisch gestaltet werden kann.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Die Forschungsfrage lautet, inwieweit poststrukturalistische Ansätze dem Anspruch gerecht werden, einen zeitgemäßen Literaturunterricht zu ermöglichen, der Schüler zu analytischem Denken anregt und ihr Interesse für Literatur steigert.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Arbeit nutzt eine fachdidaktische Analyse und den Vergleich von verschiedenen wissenschaftlichen Aufsätzen, die sich mit der poststrukturalistischen "Re-Lektüre" von Schulklassikern beschäftigen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, wie die Kritik an der Hermeneutik, sowie in die Analyse konkreter praktischer Vorschläge, etwa zur Dekonstruktion oder zur Untersuchung von intertextuellen Verflechtungen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind Begriffe wie "Dekonstruktion", "Intertextualität", "Hermeneutik" und "Schulklassiker" im Kontext einer modernen Literaturdidaktik.

Wie beurteilt der Autor den Einsatz von wiederholter Lektüre im Unterricht?

Der Autor steht dem Vorschlag der wiederholten Lektüre (z.B. bei Effi Briest) skeptisch gegenüber, da diese im schulischen Alltag aufgrund zeitlicher Zwänge oft nicht praktikabel ist und bei Schülern auf Widerstand stoßen könnte.

Gibt es eine Verbindung zwischen poststrukturalistischem Ansatz und kreativen Lehrmethoden?

Ja, der Autor zeigt anhand von Beispielen auf, dass poststrukturalistische Textanalyse durchaus mit handlungsorientierten und kreativen Methoden, wie z.B. fächerübergreifender Projektarbeit im Kunstunterricht, kombiniert werden kann, um die Motivation zu fördern.

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Details

Title
Poststrukturalistische Ansätze zum Umgang mit kanonischen Texten im Literaturunterricht
College
Free University of Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Course
HS Kanondiskussion: kritische Reflexion schulklassischer Lektüren
Grade
1,0
Author
Torsten Halling (Author)
Publication Year
2003
Pages
25
Catalog Number
V57288
ISBN (eBook)
9783638517874
ISBN (Book)
9783638665247
Language
German
Tags
Poststrukturalistische Ansätze Umgang Texten Literaturunterricht Kanondiskussion Reflexion Lektüren
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Torsten Halling (Author), 2003, Poststrukturalistische Ansätze zum Umgang mit kanonischen Texten im Literaturunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57288
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