Freundschaft und Gottesurteil - Manipulation im Engelhard von Konrad von Würzburg


Hausarbeit, 2006
19 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Freundschaft und triuwe im Mittelalter
2.1 Kurze etymologische Erläuterung des Begriffs Freund
2.2 Bedeutung von triuwe
2.3 Freundschaft und triuwe in Konrads „Engelhard“

3. Gottesurteil
3.1 Gottesurteil im Mittelalter
3.2 Formen des Gottesurteils
3.3 Gottesurteil in Konrads „Engelhard“ – die Manipulation mit
Hilfe der Freundschaft und triuwe

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der mittelalterlichen Literatur, wie auch dem eigentlichen mittelalterlichen Leben gilt die Freundschaft, ebenso wie die Wahrheit, als ein großes Gut. Freundschaft ist Grundbaustein des sozialen Geflechts und bezieht, anders als in der Gegenwart nicht nur Freunde mit ein, sondern auch Verwandte, Kameraden und vor allem, die Freundschaft zu Gott.

Ist man seinen Freunden und Gott nicht die Wahrheit schuldig? Konrad von Würzburg hat mit seinem Kurzroman „Engelhard“ ein Werk geschaffen, das eben diese Frage aufwirft? Diese Arbeit soll sich der Thematik Freundschaft, Wahrheit und triuwe annehmen. Weiterführend soll betrachtet werden, ob diese reinen Werte im durchgeführten Gottesurteil des Kurzromans tatsächlich rein bleiben und wie sind die nachfolgenden Ereignisse zu verstehen. Sendet Gott eine Strafe als Konsequenz für den Betrug? Die Wissenschaft hat nach langer Forschung über die Entstehung, der Datierung, der Einordnung in Konrad von Würzburgs Gesamtwerk in den letzten Jahren auch inhaltliche Ergebnisse und interessante Interpretationen aufzuweisen.

Diese Hausarbeit soll sich Fragen zur außergewöhnliche Freundschaft und Wahl des Gottesurteils stellen und einen Weg finden, diese zu erklären. Die eigentlichen Intentionen des Autors werden heute sicher nicht mehr rekonstruiert werden, dennoch ist der von Konrad von Würzburg geschaffene Gegensatz, Anlass genug, neue Gedanken zu finden.

2. Freundschaft und triuwe im Mittelalter

2.1 Freundschaft im Mittelalter

Der Begriff Freundschaft wird in der Gegenwart, als Etwas verstanden, dass man frei wählt. Eine Freundschaft entsteht auf der Basis von Vertrauen und bereichert unser Privatleben. Genaue Verhaltensweisen oder Regeln gibt es nicht. Die moderne Freundschaft gründet sich auf eine individuell ausgerichtete Sympathie gegenüber einer anderen Person.

Im Gegensatz dazu, lässt sich für das Mittelalter ein Ideal für die Freundschaft bestimmen, die Freundschat zu Gott. Neben dieser besonderen Form der Freundschaft, die sich durch ehrenwerte Taten und Handlungsweisen ausdrückte, die maßgeblich für alle zwischenmenschlichen Beziehungen sind, gab es auch die Freundschaft zwischen zwei Personen. Dieser freundschaftliche Bund war auf der Basis einer Vereinbarung gegründet. Beide Parteien haben sich an Regeln und Verpflichtungen zu halten, besitzen darüber hinaus jedoch auch Rechte. Oftmals wurden diese grundlegenden Prinzipien in einem rechtskräftigen Akt durch einen Eid besiegelt[1]. Die Freundschaft im Mittelalter ist zudem nicht einfach aufkündbar, sondern wird auf ewig erhalten.

So wird die Freundschaft im Mittelalter vor allem dadurch bestimmt, für den anderen einzustehen. Freunde unterstützen sich durch Waffenhilfe, als Vermittler bei Unstimmigkeiten zwischen zwei Parteien oder durch Fürsprache für den anderen.[2] Die Treue spielt dabei die größte Rolle, denn zu den Freunden bestand neben der Familie, die ebenfalls als Freund verstanden wurde, die stärkste soziale Bindung. Eine Freundschaft erweiterte den Kreis der Menschen, von denen man in schwierigen Lebenssituationen Hilfe und Unterstützung erwarten konnte.

Weiterhin existierte eine Form der Freundschaft, deren Sinn darin bestand, ausschließlich Nutzen aus ihr zu ziehen. Freundschaften zwischen Familien, die sich finanziell oder anderweitig helfen konnten oder sogar Ländern, deren Interesse rein politisch motiviert waren, waren nicht selten.

Grundsätzlich lässt sich für die Freundschaft im Mittelalter sagen, dass ihr ihre Entstehung generell durch Zweckmäßigkeit geprägt und begründet war, Emotionalitäten spielten eine deutlich untergeordnete Rolle.

2.1 Kurze etymologische Erläuterung des Begriffs Freund

Die erste althochdeutsche Bezeichnung mit der Bedeutung Freundschaft findet sich in dem Wort friunt wieder . Die vorausgehende Konnotation war der Liebende. Es stammt von dem ursprünglich erstarrten Partizip eines mit „frei“ verwandten Verbs (vgl. gotisch. frijõn - lieben).

Ein Freund ist demnach jemand, der einem anderen in Freundschaft verbunden ist, ihm sehr nahe steht. Friunt bezeichnet dabei allerdings nicht nur den Freund, sondern findet eine begriffliche Ausweitung auf den Bereich der nahe stehenden Personen, wie Verwandte. In der Entwicklung zum mittelhochdeutschen verfestigt sich diese Bedeutung noch.

Darüber hinaus werden auch Menschen, die einem wohl gesonnen sind, als friunt bezeichnen. Zu diesen gehören z.B. Kameraden, Genossen oder politische Schutzbefohlen.

Der Begriff friunt erfährt eine weitere Veränderung im 16. Und 17. Jahrhundert, indem sich die Bedeutungen des Freundes und des Verwandten separieren. Der Begriff friunt steht somit allein für den Freund, während die Verwandten mit unserem heutigen Wort verwandt gemeint sind.

2.2 Bedeutung von triuwe

Der Begriff triuwe ist nicht nur mit einer Bedeutungs- und Interpretationsebene behaftet. Zumeist versteht man unter triuwe jedoch die Treue gegenüber Freunden, Verwandten und Gott. Die triuwe ist eine ehrenwerte moralische Tugend und eine Verpflichtung, die man zu Lebzeiten einer anderen Person gegenüber eingegangen ist. Das Versprechen der triuwe bindet zwei Personen ihr Leben lang aneinander und ist mit einem Eid besiegelt. Bei sozialen Konflikten war man auf seine Freunde und deren triuwe angewiesen.

Aus Gründen Loyalität und der Ehre, endet das Gefühlt der triuwe nicht mit dem Tod eines Freundes, sondern das bleibt darüber hinaus erhalten.

[...]


[1] Nolte, Theodor: Der Begriff und das Motiv des Freundes in der Geschichte der deutschen Sprache und älteren Literatur. In: Frühmittelalterliche Studien. Jahrbuch des Instituts für Frühmittelalterforschung der Universität Münster. Hg. Von Hagen Keller und Joachim Wollasch. Berlin, New York, 1990, S. 129

[2] Reallexikon der Germanistischen Altertumskunde. Zweite, völlig neu bearb. und stark erweit. Auflage von Johannes Hoops: Freund und Freundschaft. S. 575-582. Berlin, New York, 1995, S. 578

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Freundschaft und Gottesurteil - Manipulation im Engelhard von Konrad von Würzburg
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Ältere deutsche Literatur und Sprache)
Veranstaltung
Grundkurs C: Konrad von Würzburg „Engelhard“
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V57327
ISBN (eBook)
9783638518246
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freundschaft, Gottesurteil, Manipulation, Engelhard, Konrad, Würzburg, Grundkurs
Arbeit zitieren
Susann Hoffmann (Autor), 2006, Freundschaft und Gottesurteil - Manipulation im Engelhard von Konrad von Würzburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57327

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