Freundschaft und Gottesurteil –
Manipulation im Engelhard von Konrad von Würzburg
von: Susann Hoffmann
Inhalt
1. Einleitung
2. Freundschaft und triuwe im Mittelalter
2.1 Kurze etymologische Erläuterung des Begriffs Freund
2.2 Bedeutung von triuwe
2.3 Freundschaft und triuwe in Konrads „Engelhard“
3. Gottesurteil
3.1 Gottesurteil im Mittelalter
3.2 Formen des Gottesurteils
3.3 Gottesurteil in Konrads „Engelhard“ – die Manipulation mit Hilfe der Freundschaft und triuwe
4. Schlussbetrachtung
5. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
In der mittelalterlichen Literatur, wie auch dem eigentlichen mittelalterlichen Leben gilt die Freundschaft, ebenso wie die Wahrheit, als ein großes Gut. Freundschaft ist Grundbaustein des sozialen Geflechts und bezieht, anders als in der Gegenwart nicht nur Freunde mit ein, sondern auch Verwandte, Kameraden und vor allem, die Freundschaft zu Gott.
Ist man seinen Freunden und Gott nicht die Wahrheit schuldig? Konrad von Würzburg hat mit seinem Kurzroman „Engelhard“ ein Werk geschaffen, das eben diese Frage aufwirft? Diese Arbeit soll sich der Thematik Freundschaft, Wahrheit und triuwe annehmen. Weiterführend soll betrachtet werden, ob diese reinen Werte im durchgeführten Gottesurteil des Kurzromans tatsächlich rein bleiben und wie sind die nachfolgenden Ereignisse zu verstehen. Sendet Gott eine Strafe als Konsequenz für den Betrug? Die Wissenschaft hat nach langer Forschung über die Entstehung, der Datierung, der Einordnung in Konrad von Würzburgs Gesamtwerk in den letzten Jahren auch inhaltliche Ergebnisse und interessante Interpretationen aufzuweisen.
Diese Hausarbeit soll sich Fragen zur außergewöhnliche Freundschaft und Wahl des Gottesurteils stellen und einen Weg finden, diese zu erklären. Die eigentlichen Intentionen des Autors werden heute sicher nicht mehr rekonstruiert werden, dennoch ist der von Konrad von Würzburg geschaffene Gegensatz, Anlass genug, neue Gedanken zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Freundschaft und triuwe im Mittelalter
2.1 Kurze etymologische Erläuterung des Begriffs Freund
2.2 Bedeutung von triuwe
2.3 Freundschaft und triuwe in Konrads „Engelhard“
3. Gottesurteil
3.1 Gottesurteil im Mittelalter
3.2 Formen des Gottesurteils
3.3 Gottesurteil in Konrads „Engelhard“ – die Manipulation mit Hilfe der Freundschaft und triuwe
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Verschränkung der Konzepte Freundschaft, Wahrheit und "triuwe" im mittelhochdeutschen Kurzroman „Engelhard“ von Konrad von Würzburg, mit einem besonderen Fokus auf die Manipulation des Gottesurteils durch die Protagonisten.
- Bedeutung und etymologische Herleitung der Begriffe "Freund" und "triuwe" im mittelalterlichen Kontext
- Strukturelle Analyse der Freundschaftsbeziehungen in Konrads „Engelhard“
- Die Funktion und Praxis des Gottesurteils im 12. und 13. Jahrhundert
- Analyse der manipulativen Handlungen der Figuren im Kontext von "triuwe" und Tugendhaftigkeit
- Gegenüberstellung von faktischer Wahrheit und einer höheren, inneren Wahrheit
Auszug aus dem Buch
3.3 Gottesurteil in Konrads „Engelhard“ – die Manipulation mit Hilfe der Freundschaft und triuwe
Das Gottesurteil in Konrads „Engelhard“ ist für die mittelalterliche Literatur ungewöhnlich. Konrad hat sich bewusst entschieden, die klassische Form des Gottesurteils, mit vorangestelltem Eid, zu umgehen.
Der Eid, der vor dem Gottesurteil von Kläger und Angeklagtem erbracht wird, legt den Rahmen, der zu verhandelnden Thematik fest. In Konrads „Engelhard“ wäre dies der voreheliche Liebesakt zwischen Engelhard und Engeltrud. Da der Eid jedoch nicht klar formuliert und nicht als Prozedere vor dem Kampf durchgeführt wird, ergibt sich eine besondere Situation hinsichtlich der Schuldfrage.
Generell wird ein Gottesurteil durchgeführt, um die faktische Wahrheit herauszufinden, es geht nicht um eine ‚höhere Wahrheit’. Engelhard weiß jedoch um seine faktische Schuld: Engelhart, der Êren kneht, und der Triuwen dinestman, hier under schône sich versan, daz er schuldic waere. des wart vil angstgebaere sîn vil ellenhafter sin. er dâhte „sît ioch schuldic bin und ich daz offentlîche weiz, gestraete ich danne in einen kreiz durch kempfen und durch vehten, sô würde ich von dem rehten schiere da geveiget. (...)“ (V. 4122 - 4132).
Diese Wahrheit, dass er schuldig ist, kann er jedoch vor König Fruote nicht eingestehen. Engelhard wird auf Grund dieser Situation dazu getrieben, zu lügen: Ich kam her in des hoves rinc ûf sîne gnade manicvalt, und enthielt mich sîn gewalt sô schône alsô rehte wol daz er daz niht verliesen sol als üppecliche hiute. mîn lougen ich hier biute als ein unschuldiger man. swie mirz gerihte erteilen kann, alsô wil ich bewaeren daz ich der tugentbaeren tohter sîn unschuldic bin (...) (V. 3970 - 3981).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Thematik der Freundschaft, Wahrheit und "triuwe" im "Engelhard" ein und stellt die Forschungsfrage nach dem Umgang mit dem Gottesurteil.
2. Freundschaft und triuwe im Mittelalter: Das Kapitel erläutert die etymologischen Wurzeln von "Freund" und definiert "triuwe" als moralische Tugend sowie die spezielle Struktur der Freundschaft in Konrads Werk.
3. Gottesurteil: Hier werden die historischen Grundlagen und Formen des Gottesurteils im Mittelalter dargelegt und der spezifische, durch Freundschaft manipulierte Einsatz im "Engelhard" analysiert.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, wie Konrad durch die Aufbrechung konventioneller Romanstrukturen eine Verbindung zwischen sozial geprägter und höherer, innerer Wahrheit schafft.
Schlüsselwörter
Konrad von Würzburg, Engelhard, Freundschaft, triuwe, Gottesurteil, Mittelalter, Wahrheit, Manipulation, Mittelalterliche Literatur, Tugend, Rittertum, Rollentausch, Ritschier, Dietrich, Minne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die moralischen und ethischen Konzepte von Freundschaft und Treue ("triuwe") in Konrad von Würzburgs Kurzroman „Engelhard“ und untersucht, wie diese Werte den Umgang der Figuren mit der Instanz des Gottesurteils beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die mittelalterlichen Begriffe "Freund" und "triuwe", die gesellschaftliche Rolle des Gottesurteils sowie die literarische Konstruktion von moralischer Wahrheit versus faktischer Schuld.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, warum und wie die Protagonisten das Gottesurteil manipulieren und inwiefern diese Handlungen vor dem Hintergrund der "triuwe" und einer "höheren Wahrheit" zu verstehen sind.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär textimmanente Interpretationen der Verszeilen mit etablierten Forschungspositionen (wie z.B. von Arne Koch oder Rüdiger Schnell) verknüpft.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Begriffe "Freund" und "triuwe" sowie eine detaillierte Untersuchung der dramaturgischen Funktion des Gottesurteils innerhalb des Kurzromans.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind "triuwe", Freundschaft, Gottesurteil, Manipulation, Wahrheit, Tugendhaftigkeit und der Roman "Engelhard" von Konrad von Würzburg.
Warum umgeht Konrad von Würzburg im „Engelhard“ die klassische Form des Gottesurteils?
Konrad lässt den Eid vor dem Gottesurteil bewusst aus, um die Wahrheitsfindung von der formaljuristischen Ebene auf eine höhere, innere Wahrheitsebene zu verschieben, die das Handeln aus Freundschaft und Tugend in den Fokus rückt.
Inwieweit spielt Ritschier eine Rolle bei der Bewertung des Gottesurteils?
Ritschier fungiert als Kontrastfigur zu den Protagonisten Engelhard und Dietrich, da sein Handeln als "untriuwe" und "valscher muot" charakterisiert wird, was die moralische Überlegenheit der Freunde hervorhebt.
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- Susann Hoffmann (Author), 2006, Freundschaft und Gottesurteil - Manipulation im Engelhard von Konrad von Würzburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57327