„Darüber spricht man nicht“. So oder auf ähnliche Weise klingt es wohl, wenn man versucht Wörter und Themenbereiche zu umgehen, mit denen man sich nur ungern auseinandersetzt oder die man nicht besprechen möchte. Die deplazierte Verwendung von sogenannten Tabuwörtern- und bereichen führt nämlich häufig zu Peinlichkeiten, Erröten oder eventuell auch zu gesellschaftlichen Sanktionen. In der vorliegenden Arbeit soll sich daher speziell mit dem Themenbereich „Sexualität und Tabu“ beschäftigt werden, wobei der genaue Schwerpunkt im Sprachgebrauch und der Tabuisierung des Themas „Homosexualität“ liegt. Dabei gilt es vor allem der Frage nachzugehen, welche Entwicklung und Hintergründe der Begriff Homosexualität im Laufe der Jahrhunderte durchlaufen ist und welche Andersnennungen es dafür gab und heute noch immer gibt. Schließlich bleibt es daher nicht aus die Etymologie und die Bedeutung einzelner Begriffe wie „homosexuell“, „lesbisch“ oder „schwul“ zu klären und deren möglicherweise tabuisierten Sprachgebrauch zu verdeutlichen. Als Einstieg in die Thematik halte ich es jedoch zunächst für angebracht eine kurze Klärung des „Tabubegriffs“ anzubringen, um unter anderem seine eigene Wortgeschichte sowie seinen Gebrauch zu hinterfragen. Nach meiner Auffassung kann nur auf diese Weise eine Verknüpfung zwischen Tabu und dem ausgewählten Thema hinreichend stattfinden. Daran anschließen wird sich dann eine allgemeine Einführung über Sprache und Sexualität. Diese dient als Überblick über ein weit verbreitetes tabuisiertes Thema, das einem gesellschaftlichen und zeitlichen Wandel unterlegen ist. Im Anschluss daran steht, wie bereits oben erwähnt, der große Themenkomplex der Homosexualität. Da ein Verständnis des Sprachgebrauchs, meiner Ansicht nach, eng verbunden ist mit der geschichtlichen Entwicklung des Begriffes selbst, folgt zunächst ein historischer Abriss, um darauf folgend die sprachliche Entwicklung und den vielfältigen Sprachgebrauch zu skizzieren. Dabei soll vor allem immer wieder darauf verwiesen werden, in welcher tabuisierten Zone sich einzelne Worte, die der Homosexualität zugehörig sind, bewegen. Zur Verdeutlichung werden daher ein paar ausgewählte Begriffe, die den „Homosexuellen“ titulieren, kurz vorgestellt. Die Vorgehensweise zur Betrachtung der einzelnen Themenbereiche wird hierbei ausschließlich wissenschaftlich-analytisch anhand von Forschungsliteratur sein, sowie unter Einbezug von Internetquellen präsentiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tabu – Eine Begriffsklärung
3. Sprache und Sexualität
4. „Tabuzone“ Homosexualität
4.1 Begriffsdefinition „Homosexualität“
4.2 „Schwul“ und „lesbisch“ – Etymologische Begriffsbestimmung
4.3 Geschichte der Homosexualität
4.4 Sprachgebrauch
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselverhältnis zwischen Sexualität, Sprache und Tabuisierung mit einem gezielten Fokus auf den Themenbereich der Homosexualität. Ziel ist es, die historische Entwicklung und den gesellschaftlichen Kontext der Begrifflichkeiten zu analysieren, um aufzuzeigen, wie sprachliche Ausgrenzung durch Tabus und Euphemismen bis heute fortbesteht.
- Grundlagen und Etymologie des Tabubegriffs
- Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Normen und Sprachgebrauch im Bereich Sexualität
- Historischer Wandel der Wahrnehmung und Benennung von Homosexualität
- Analyse von Euphemismen, Dysphemismen und Sondersprachen
- Die Rolle der politischen Korrektheit und der Emanzipationsbewegungen
Auszug aus dem Buch
4. „Tabuzone“ Homosexualität
Obwohl Homosexualität sich lediglich in einer Form von abweichendem sexuellen Verhalten manifestiert, die niemanden schädigt, sehen sich die Homosexuellen einer Geschichte von Verfolgung und massiven Vorurteilen gegenüber. Allerdings unterscheidet sich die gesellschaftliche Reaktion auf männliche Homosexualität grundsätzlich von der auf weibliche. Trotz „sexueller Revolution“, seit dem das Thema Sexualität nicht mehr gänzlich verschwiegen oder verschleiert wird, besitzt der Themenkomplex „Homosexualität“ weiterhin noch etwas „Nicht-Natürliches“.
Er gilt als sexuelle Abart, d.h. als Verhaltensweise des Menschen, die von jener der Mehrheit der betreffenden Gruppe abweicht. Auch die Worte „Homosexualität“, sowie die meist zur Differenzierung von männlicher bzw. weiblicher gleichgeschlechtlicher Liebe verwendeten Begriffe „schwul“ und „lesbisch“ zählen dabei im weitesten Sinne zu den Tabubegriffen. Daher ist es an dieser Stelle ratsam die Entstehung dieser drei Ausdrücke zu klären, um dann über die Geschichte der Homosexualität zum Sprachgebrauch und der darin beinhalteten Tabuisierung zu gelangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, wie Tabuwörter gesellschaftliche Sanktionen hervorrufen, und skizziert den Fokus auf den Sprachgebrauch und die Tabuisierung im Kontext der Homosexualität.
2. Tabu – Eine Begriffsklärung: Dieses Kapitel beleuchtet die etymologische Herkunft des Begriffs „Tabu“ und dessen Wandel von einer ethnologischen Kategorisierung zu einem allgemeinen sozialen Regulativ.
3. Sprache und Sexualität: Hier wird der historische Umgang mit Sexualität als einem durch christliche Ideologien und Moralvorstellungen tabuisierten Bereich dargelegt, wobei die Rolle von Diskursen und die Entstehung von Ersatzwörtern zentral sind.
4. „Tabuzone“ Homosexualität: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die Begriffsdefinitionen, die Etymologie von Fremd- und Eigenbezeichnungen, die historische Entwicklung von der Stigmatisierung zur Emanzipation sowie die Vielfalt des heutigen Sprachgebrauchs.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Homosexualität weiterhin unter nonverbalen und verbalen Tabus leidet und die sprachliche Ausgrenzung ein Spiegelbild des kategorischen Denkens in der Gesellschaft darstellt.
Schlüsselwörter
Tabu, Sexualität, Homosexualität, Sprachgebrauch, Tabuisierung, Euphemismus, Dysphemismus, Diskriminierung, Etymologie, Begriffsdefinition, Sondersprache, soziale Norm, Homophobie, Emanzipation, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der sprachlichen Tabuisierung im Kontext von Sexualität, mit einem spezifischen Fokus auf die Bezeichnungen und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Homosexualität.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen von Tabus, die geschichtliche Entwicklung des Sexualitätsdiskurses sowie die sprachliche Analyse von Bezeichnungen für Homosexuelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Wahl bestimmter Begriffe Rückschlüsse auf gesellschaftliche Einstellungen zulässt und welche Funktion Tabus und Euphemismen in diesem Diskurs einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verfolgt einen wissenschaftlich-analytischen Ansatz, der auf der Auswertung einschlägiger Forschungsliteratur sowie relevanter Internetquellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition des Begriffs Homosexualität, der etymologischen Herkunft von Begriffen wie „schwul“ und „lesbisch“, der historischen Diskriminierung und dem modernen, vielfältigen Sprachgebrauch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Tabu, Homosexualität, Euphemismen, soziale Norm, Stigmatisierung und Sprachgebrauch.
Warum unterscheidet sich die Reaktion auf männliche und weibliche Homosexualität?
Die Arbeit erläutert, dass die Tabuisierung weiblicher Homosexualität stark mit patriarchalen Strukturen und der generellen Nichtachtung von Frauen verknüpft ist, während bei Schwulen die öffentliche Abneigung gegen „widernatürliches“ Verhalten stärker in den Vordergrund tritt.
Welche Bedeutung hat der Paragraph 175 für den Sprachgebrauch?
Der Paragraph 175 prägte über Jahrzehnte das Sprachfeld, indem er eine sprachliche Auseinandersetzung erzwang, die überwiegend in verhüllten oder diskriminierenden Begriffen wie „Hundertfünfundsiebziger“ mündete.
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- Maike Alberti (Author), 2004, Sexualität und Tabu: Sprachgebrauch und Tabuisierung am Themenbeispiel 'Homosexualität', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57378