„Der Kinderalltag ist heute Medienalltag.“ (Theunert 1995, S. 24). Diese These von Helga Theunert wird durch die Ergebnisse der Studie „Kinder und Medien“ (KIM) gestützt. In Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten das Fernsehen zum wichtigsten Alltagsmedium entwickelt. Es herrscht eine Vollversorgung mit mindestens einem Fernsehgerät pro Haushalt (vgl. mpfs 2003, S. 13). Die Bestrebungen, Kinder komplett vom Fernsehen fernzuhalten, wie sie nicht nur in den 1950er Jahren im Rahmen einer bewahrpädagogischen Diskussion gefordert wurden, erscheinen heutzutage irreal. „Das Fernsehen ist erfunden, also sehen die Menschen auch fern, basta“ (Mundzeck 1991, S. 27) - eine Feststellung, die nicht nur auf das Fernsehverhalten der Erwachsenen zutrifft. Kinder können in der heutigen Zeit nicht dauerhaft vom Fernsehen abgehalten werden. Kapp 40 % der 6- bis 13-Jährigen haben ein eigenes Fernsehgerät (vgl. mpfs 2003, S. 15). Zudem werden Kinder überall mit Inhalten und Figuren aus dem Fernsehen konfrontiert (vgl. BMFSFJ 2003, S. 7). Problematisch ist jedoch, dass sie dabei zwangsläufig „mit einer geradezu unglaublichen Masse von inhaltlich fragwürdigen und dramaturgisch simplen Sendungen […] überflutet [werden]“ (Schäfer 1998, S. 195). In Diskussionen, die in den letzten Jahren von PädagogInnen, Eltern und nicht zuletzt den Programmmachern im Hinblick auf Kinder und Fernsehen geführt wurden, stehen demzufolge Fragen nach Formaten und Inhalten des Kinderfernsehens im Vordergrund. Grundsätzlich kann die oft zitierte These „Kinderfernsehen ist, wenn Kinder fernsehen“ von Gert Müntefering (vgl. Volkmer 1997, S. 241) vertreten werden. Aber wann ist Kinderfernsehen gut? Was wünschen sich die Eltern? Was die Kinder? Und wie sieht die Realität des Kinderfernsehens in Deutschland im Hinblick auf Angebot und Nutzung aus? Im Rahmen dieser Fragestellung sind zwei Attribute von besonderer Bedeutung: „Unterhaltung“ und „Bildung“. Laut Rundfunkgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (LRG NW) besteht der Programmauftrag der Sender im Wesentlichen darin, „[…] der Bildung, Unterrichtung und Unterhaltung zu dienen“ (www.lfmnrw.de). In Zeiten des dualen Rundfunksystems, ist - zumindest auf Seiten der privat-wirtschaftlichen Anbieter - die Quote ausschlaggebend. Diese Kommerzialisierung des Fernsehens bringt zwangsläufig eine Unterhaltungsorientierung mit sich (vgl. Aufenanger 1991, S. 92). [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das (lernorientierte) Kinderfernsehen in Deutschland
- Die Geschichte und die momentane Situation
- Qualitätskriterien für das (lernorientierte) Kinderfernsehen
- Die praktische Umsetzung einiger Qualitätsmerkmale - PuR
- Fernsehnutzungsweisen von Kindern
- Nutzungspräferenzen der Kinder
- Kindlicher Umgang mit Fernseh(lern-)inhalten
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Medium „Kinderfernsehen“ und analysiert die Rolle der Unterhaltung und der Bildung im Kinderfernsehen in Deutschland. Sie untersucht die Geschichte und die aktuelle Situation des Kinderfernsehens, betrachtet Qualitätskriterien für lernorientierte Programme und analysiert die Nutzungspräferenzen von Kindern.
- Entwicklung und aktuelle Situation des Kinderfernsehens in Deutschland
- Qualitätsmerkmale für lernorientiertes Kinderfernsehen
- Fernsehnutzungsgewohnheiten von Kindern
- Die Bedeutung von Bildung und Unterhaltung im Kinderfernsehen
- Analyse von Lernmöglichkeiten im Kinderfernsehen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Relevanz des Themas Kinderfernsehen in der heutigen Medienlandschaft dar und beschreibt die Forschungsfrage der Arbeit. Kapitel 2 befasst sich mit der Entwicklung und der aktuellen Situation des Kinderfernsehens in Deutschland, einschließlich der Qualitätskriterien für lernorientierte Programme. Kapitel 3 analysiert die Fernsehnutzungsgewohnheiten von Kindern und untersucht den Stellenwert lernorientierter Angebote.
Schlüsselwörter
Kinderfernsehen, Bildung, Unterhaltung, Lernorientierung, Fernsehnutzung, Medienpädagogik, Qualitätskriterien, Programmgestaltung, Kinder, Medienalltag.
Häufig gestellte Fragen
Dient Kinderfernsehen primär der Unterhaltung oder der Bildung?
Laut Rundfunkgesetz soll Kinderfernsehen Bildung, Unterrichtung und Unterhaltung dienen. In der Praxis besteht jedoch oft ein Spannungsfeld zwischen pädagogischem Anspruch und kommerzieller Unterhaltungsorientierung.
Wie verbreitet ist das Fernsehen im Alltag heutiger Kinder?
Das Fernsehen ist das wichtigste Alltagsmedium; fast jeder Haushalt ist versorgt, und knapp 40 % der 6- bis 13-Jährigen besitzen ein eigenes Fernsehgerät.
Was sind Qualitätskriterien für lernorientiertes Kinderfernsehen?
Qualitätskriterien umfassen unter anderem die kindgerechte Aufbereitung von Inhalten, eine klare Dramaturgie und die praktische Umsetzung von Lernzielen, wie sie beispielsweise in der Sendung "PuR" zu finden sind.
Welche Nutzungspräferenzen haben Kinder beim Fernsehen?
Die Arbeit analysiert, welche Formate Kinder bevorzugen und wie sie mit Lerninhalten im Fernsehen umgehen, wobei oft eine Mischung aus Spaß und Information gesucht wird.
Was ist die zentrale Forschungsfrage dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Realität des Kinderfernsehens in Deutschland im Hinblick auf Angebot und Nutzung sowie die Gewichtung der Attribute Unterhaltung und Bildung.
- Quote paper
- Lena Timmer (Author), 2006, Kinderfernsehen - Medium der Unterhaltung oder der Bildung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57450