Bedeutung des Kulturschocks für den erfolgreichen kulturellen Anpassungsvorgang


Hausarbeit, 2006

41 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. ZUM BEGRIFF - KULTUR UND SCHOCK

3. DER PROZESS DES KULTURSCHOCKS
3.1 Geschichte des Begriffs
3.2 Verlauf des Kulturschocks – Phasen nach Oberg
3.2.1 Phase – Honeymoon
3.2.2 Phase – Kulturschock
3.2.3 Phase – Erholung
3.2.4 Phase – Anpassung
3.2.5 Kritik
3.2.6 Die W-Kurve

4. URSACHEN FÜR DIE ENTSTEHUNG DES KULTURSCHOCKS
4.1 Individuelle Faktoren
4.2 Gesellschaftliche Faktoren

5. PHYSISCHE UND PSYCHOLOGISCHE SYMPTOME DES KULTURSCHOCKS

6. STRATEGIEN ZUR ÜBERWINDUNG DES KULTURSCHOCKS – KULTURSCHOCKMANAGEMENT

7. ZUSAMMENFASSUNG

ABBILDUNSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

LITERATUR

ANHANG

1. EINLEITUNG

In der sich rasch verändernden Welt, wo die Staatsgrenzen aber auch die mentalen Grenzen für andere Länder geöffnet werden, wird der interkulturelle Austausch z.B. auf der Bildungs- oder Wirtschaftsebene zu einer Norm. Das in dieser Situation erforderliche interkulturelle Management umfasst fast die ganze Gesellschaft - angefangen bei den einzelnen Individuen über eine kleine Familie bis zum Grossunternehmen. Die Konfrontation mit einer fremden Kultur ist in den internationalen Wettkämpfen, weltweiten Marketingaktivitäten sowie internationalen Wirtschaftsmärkten eine unumgängliche Bedingung. Ein signifikanter Aspekt dieses breiten Feldes des interkulturellen Managements ist der Kulturschock.

Die vorliegende Arbeit soll die Bedeutung des Kulturschocks für den erfolgreichen kulturellen Anpassungsvorgang thematisieren. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Kulturschock, trotz seiner negativen Symptome, dennoch positiv als eine Chance und quasi einzige Möglichkeit die fremde Kultur kennen zu lernen, anzusehen ist. Es soll deutlich gemacht werden, dass gezielte Strategien die negativen Folgen eines Kulturschocks mindern und die Erkenntnismöglichkeit fördern können. Es wird zunächst der Begriff Kulturschock im Hinblick seiner zwei Dimensionen der Kultur und des Schocks besprochen. Da es viele Definitionen von der Kultur gibt, werden einigen Gemeinsamkeiten herausgearbeitet, die für die Bestimmung des Kulturschocks bedeutend sind. Es wird darauf hingewiesen, dass die Kultur eine von den drei Ebenen der mentalen Programmierung des Menschen ist (Hofstede,1997). Deshalb ist sie nicht separat zu betrachten, sondern im Zusammenhang mit der Persönlichkeit bzw. menschlichen Natur anzusehen. Weiterhin wird der Schock definitorisch bestimmt mit einem Hinweis auf seine möglichen Ursachen. Weil die Kultur und die Persönlichkeit einander beeinflussen, wird das Stressmodell von Lazarus, das genau diese beiden Einflussgrößen einbezieht als relevanter Erklärungsansatz für den Kulturschock dargestellt. Im Folgenden werden die Ursprünge des Begriffs Kulturschock erläutert. Um den Kulturschock als einen Prozess anzusehen, wird das Phasen–Modell von Oberg besprochen und die Veränderung von der niedrigen zu hohen kulturellen Kompetenz aufgezeigt. Der nächste Schritt auf dem Weg um die Bedeutung des Kulturschocks für den erfolgreichen kulturellen Anpassungsvorgang zu ermitteln, ist den Ursachen des Kulturschocks bzw. den Einflussfaktoren auf den erfolgreichen Anpassungsprozess nachzugehen. Diese werden in individuums- bzw. gesellschaftsbezogene Einflussgrößen differenziert. Unter Punkt 5 und 6 werden die Folgen eines Kulturschocks erläutert. Einerseits wird eine Fülle von negativen Folgen eines Schocks, dessen Ursache die Konfrontation mit einer fremden Kultur ist, aufgezeigt. Andererseits werden Strategien besprochen, die die positiven Ergebnisse einer solchen Konfrontation, in dem Prozess der Anpassung fördern können. Um die möglichen Strategien zur Überwindung eines Kulturschocks diskutieren zu können, wird aber zunächst geklärt, was unter erfolgreicher Akkulturation oder Integration verstanden wird. Wann ist das Individuum angepasst bzw. integriert? Als ein Beispiel für die empirische Erfassung des Anpassungsgrades wird die soziokulturelle Adaptationsskala (SCAS) besprochen. Im Weiteren wird zunächst auf den Kulturschock als Erkenntnismittel eingegangen. Dem folgt ein Vergleich zwischen den Maßnahmen zur Bewältigung eines Kulturschocks von Kopper (1997) mit den Strategien von Dodd (1982). Abschließend wird auf das interkulturelle Training als eine erfolgreiche Strategie hingewiesen.

Das bedeutendste Ziel dieser Arbeit ist es, darauf hinzuweisen, dass der Kulturschock trotz all seiner negativen Erscheinungen, durch gezielte Maßnahmen bewältigt werden, sogar als positive Ressource im Prozess der Anpassung genutzt werden kann. Die definitorischen Bestimmungen des Kulturschocks und der erfolgreichen kulturellen Anpassung sollen deutlich machen, dass diese Phänomene komplexe Lebensbereiche ausmachen und sehr verschieden aus unterschiedlichen Sichtweise betrachtet werden.

2. ZUM BEGRIFF - KULTUR UND SCHOCK

Der Begriff der Kultur erlebt in den letzten Jahren seine größte Konjunktur und wird immer öfter in den Geisteswissenschaften diskutiert, die sogar in die Richtung der Kulturwissenschaften neigen. Das Wort Kultur gehört zu den am häufigsten verwendeten Wörtern unseres Zeitalters (Apfelthaler, 1999, S. 29). Es ist sehr problematisch den Begriff der Kultur semantisch zu bestimmen. Es gibt eine Fülle von Definitionen die einerseits aus der Sicht unterschiedlicher Wissensdisziplinen, andererseits als einfache Alltags – Statements, die unter den Worten „the way we do things around here“ (Gibson, 2000, S. 16) das Phänomen einer Kultur erläutern wollen. All diese Definitionen zeigen einige Gemeinsamkeiten auf. Ob die Kultur als eine Gesamtheit von Lebensformen und Wertvorstellungen oder „the collective programming of the mind“ (Hofstede, 1997, S. 260) betrachtet wird, so verweisen die meisten Definitionen auf den historischen und regionalen Kontext. Die Kultur ist immer Zeit und Raum abhängig und bestimmt unterschiedliche Vorstellungen von Wissen, Ideen, Werten, Idealen, Sinngebungen, Zielen und Symbolen. Die Kultur bildet einen Rahmen, innerhalb dessen gewisse Standards ausgeprägt sind, die eine Gruppe von anderen abgrenzt. Hiermit wird schon der weitere, gemeinsame Aspekt vieler Definitionen angesprochen, nämlich der Vergleich. Denn nur in der Konfrontation mit anderen Kulturen wird die eigene erst bewusst und deutlich. Dies gilt für den Unterschied im Verhalten, in den Bedeutungen, Rollenerwartungen sowie Werten und Normen. „Kulturstandards und ihre handlungsregulierende Funktionen werden nach erfolgreicher Sozialisation von Individuum innerhalb der eigenen Kultur nicht mehr bewusst erfahren. Erst im Kontakt mit fremdkulturell sozialisierten Partnern können die Kulturstandards und ihre Wirkungen in Form kritischer Interaktionserfahrungen bemerkt werden“ (Thomas, 1993, S. 88). Als letztes Element der verschiedenen Definitionen von Kultur ist das Ergebnis des Vergleiches der anderen Kultur zu nennen – nämlich das Fremde. Eine Konfrontation lässt einerseits die Merkmale der eigenen Kultur sichtbar werden, anderseits erfährt man die andere Kultur als fremd und den einem Individuum einprogrammierten Standards nicht entsprechend (Hofstede, 1997). An dieser Stelle soll aber deutlich werden, dass die Kultur keine feste gar ererbte Eigenschaft eines Individuums oder einer Gruppe ist, sondern wird im Lernprozess angeeignet. Das Erlernen der kulturellen Muster beginnt in der Familie und setzt sich in weiteren sozialen Interaktionen in der Schule, am Arbeitsplatz usw. fort. Die kulturell geprägten Denk- Fühl- und Handlungsmuster können geändert werden, d.h. das Individuum ist nicht in den Fesseln seiner Kultur gefangen, sondern kann kreativ reagieren (Hofstede, 1997).

Hofstede (1997) sieht die Kultur als zweite Ebene neben der Persönlichkeit und menschlicher Natur in der mentalen Programmierung des Menschen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Drei Ebenen der Einzigartigkeit in der mentalen Programmierung des Menschen (nach Hofstede, 1997)

Die menschliche Natur stellt eine physische und psychische Grundlage der menschlichen Existenz dar. Zu dieser Ebene gehört „die menschliche Fähigkeit, Angst, Zorn, Liebe, Freude oder Traurigkeit zu empfinden, das Verlangen nach Gemeinschaft mit anderen, nach Spiel und Bewegung, die Fähigkeit die Umgebung zu beobachten und mit anderen Menschen darüber zu sprechen...“ (Hofstede, 1997, S. 5). Die dritte Ebene ist die Persönlichkeit, die jedem Individuum eigen ist. Sie wird teilweise ererbt aber auch erlernt d.h. „gestaltet durch den Einfluss kollektiver Programmierung“ (Hofstede, 1997, S. 5) Welcher Zusammenhang kann zwischen diesen Ebenen festgestellt werden? Die Kultur bestimmt sowohl die menschliche Natur als auch die Persönlichkeit. Es ist kulturell vorgegeben, wie man seine Gefühle ausdrückt. Die erlernten Charakterzüge sind in einer konkreten Kultur gestaltet worden.

Um das Phänomen des Kulturschocks zu verstehen, muss man sich der zweiten Komponente dieses Kompositum nämlich dem Schock zuwenden. Nach dem Lexikon der Psychologie ist ein Schock „ein akuter körperlicher und/oder seelischer Störungszustand, vorwiegend auf Grund einer plötzlichen, heftigen Einwirkung von außen“ (1995, S. 424) Diese Definition unterstreicht zwei Aspekte. Zum einem ist es die Bedingung eines externen Einflussfaktors, das plötzlich und unerwartet einwirkt. Zum anderem ist es die Folge in Form von körperlichem und/oder seelischem Störungszustand. Eine präzisere und erweiterte Angabe zum Begriff Schock macht das Oxford Dictionary, das einen Schock als „a sudden and disturbing impression on the mind or feeling, usually one produced by some unwelcome occurrence or perception, by pain, grief, or violent emotion, and tending to occasion lasting depression or loss of composure, in weaker sense, a thrill or start of surprise, or of suddenly excited feeling of any kind” (Simpson et.al, 1991). Die äußere Einflussgröße wird genauer als Druck (impression) angegeben, zu dem ein weiteres, auf das Schockobjekt bezogenes Attribut, störend (disturbing), genannt wird. Dieser störender Druck wirkt auf die Psyche und die Gefühle des Objekts ein. Als Ursache wird eine unerwünschte Erscheinung bzw. Geschehen oder Empfinden angesehen, das mit Schmerz, Kummer oder starken Emotionen verbunden ist.

In der Zusammensetzung Kulturschock wird die fremde Kultur zur Ursache des Schocks. Dieser wird als ein plötzlicher und störender Druck auf die Psyche und das Konzept der eigenen Kultur, der aufgrund bestimmter Ereignisse bzw. Empfindungen aus der fremden Kultur entseht, angesehen.

Es ist an dieser Stelle sinnvoll an das Stressmodell von Lazarus anzuknüpfen, denn dieses sieht eine Stresssituation als eine komplexe Wechselwirkung zwischen den situativen und individuelle Einflussfaktoren. Die Konfrontation mit der fremden Kultur ist eine solche Stresssituation, die im Zusammenstoss der externen kulturellen Faktoren mit den kognitiven und psychischen Verarbeitungsfähigkeiten des Individuums entsteht. Dieselben Stressoren – kulturellen Unterschiede - können von jedem Menschen unterschiedlich verarbeitet werden. Betrachtet man die drei Stufen der Belastung nach Lazarus, so wird in der ersten Phase der Primärbewertung die Struktur der fremden Kultur wahrgenommen und beurteilt. In der Sekundärbewertung wird überprüft ob Anpassungsmethoden, in Form von erworbenem Wissen, der erlernten Sprache oder den innerpsychischen Fähigkeiten wie Offenheit, Verständnis, Distanz, die potentielle Stresssituation bewältigen können. Eine Stressreaktion entsteht dann, wenn diese Anpassungsstrategien nicht eingesetzt werden können. In der letzten Stufe wird die Situation neubewertet. Lazarus nimmt schon in der Definition von Stress einen Bezug auf den Anpassungsprozess. Dieser sei eine „Anpassungsreaktion des Organismus auf extern bedingte Notfälle“ (Lazarus & Launier, 1981). Als Notfall ist hier die Andersartigkeit der fremden Kultur anzusehen.

In Hinblick auf die Definitionen von Kulturschock werden im Weiteren die Ursachen und Folgen des Kulturschocks besprochen und auf dieser Basis Strategien zur Überwindung des Kulturschocks herausgearbeitet. Ist der Kulturschock nur ein seelischer oder auch ein körperlicher Störungszustand? Was bewirkt einen Kulturschock extern und intern? Was unterstützt eine positive Verarbeitung des Kulturschocks? Diese Fragen werden im Weiteren beantwortet.

3. DER PROZESS DES KULTURSCHOCKS

3.1 Geschichte des Begriffs

Der Begriff Kulturschock wurde zum ersten Mal 1960 von Kalvero Oberg in der Literatur betrachtet, obwohl dieses Phänomen schon früher bekannt war (Wagner, 1996). Sein Aufsatz in der Zeitschrift Practical Anthropology stützte sich auf einer Untersuchung von Studenten, die zu einem Stipendium ins Ausland ausreisten und die Erfahrung einer fremden Kultur gemacht haben. An dieser Stelle kann bemerkt werden, dass die Erfahrung einer fremden Kultur zugleich die der eigenen ist, was Hofstede (1997) bestätigt hat. Die Folgen von einem Zusammenstoss der eigenen und fremden Kultur definiert Oberg folgendermaßen: „Culture Shock is precipitated by the anxiety that results from losing all our familiar sings and symbols of social intercourse. These sings or caus include the thousand and one way in witch we orient ourselves to the situations of daily life.“ (Oberg, 1960, zitiert nach Gibson, 2000, S. 24). Diese Definition ist auf den wahrnehmbaren Merkmalen einer Kultur wie Sprache, Verhalten, Sitten aufgebaut. In dem Kontakt mit der anderen Kultur erweisen sich die eigenen Zeichen und Symbole als ineffizient. Dieser Prozess, in dem man zu der Ansicht kommt, dass die eigene Grundlage der sozialen Existent unnützlich ist, kann Angst hervorrufen.

Das Phänomen des Kulturschocks wurde in den 1970-er empirisch untersucht. Dieser Analyse folgten erneute Versuche den Kulturschock zu definieren. Diese lagen aber der Definition von Oberg sehr nahe. Bock (1970) versteht den Kulturschock als ein Gefühl von Desorientierung und Hilflosigkeit, das im Kontakt mit der andern Kultur entsteht. Ähnlich beschreibt es Hofstede als „state of distress following the transfer of a person to an unfamiliar cultural environment“ (1997, S. 260). All diesen Definitionen liegt die Konfrontation mit der fremden Kultur zugrunde.

Pedersen erweitert diesen Begriff, indem er nicht zwischen den Kulturen, sondern zwischen sozialen Systemen unterscheidet. Er begreift den Kulturschock als eine Situation „in der eine Person gezwungen ist, sich auf ein unbekanntes soziales System einzustellen, in dem vorangegangene Lernprozesse nicht mehr anwendbar sind“ (Pedersen, 1995; zitiert nach Wagner, 1996, S. 7). Im Weiteren unterstreicht er die Unsicherheit, welche durch die fehlende Voraussehbarkeit des zukünftigen Geschehens erzeugt wird. So muss der Kulturschock nicht mit weiten Reisen verbunden werden, sondern kann innerhalb eines Staates, wie das Wagner am Beispiel der Ost und West – Deutschen gezeigt hat, erlebt werden (Wagner, 1996).

3.2 Verlauf des Kulturschocks – Phasen nach Oberg

Wie es Wagner (1996) treffend bemerkt hat, wird der Begriff Kulturschock doppeldeutig verwendet. Einerseits bezeichnet man damit den gesamten Prozess der Konfrontation mit der fremden Kultur, andererseits wird eine Phase des Gefühls der Verlassenheit und Hilflosigkeit bezeichnet. Dieses hat schon Oberg (1960) in seinem Aufsatz angesehen, indem er die erste Phaseneinteilung dargeboten hat. Es gibt in der Literatur mehrere Kulturschock-Modelle, die von drei bis neun Phasen unterscheiden. An erster Stelle wird in allen die Euphorie genannt, die dann in eine Eskalation bzw. den Kulturschock übergeht und letztens mit der Anpassung schließt. Allen Modellen ist der U-förmige Verlauf gemeinsam. Es wird an dieser Stelle das Modell von Oberg dargestellt, denn dieses ist das primäre Modell und kann ein Ausgangspunkt für die Überlegungen zum erfolgreichen Anpassungsprozeß sein.

Der Anpassungsprozess kann sich auf die Zeit nach der Rückkehr in die Ursprungskultur erstrecken und einen Reintegrationsprozess bewirken. In diesem Fall wird die U-Kurve zur W-Kurve erweitert, was im Folgenden erläutert wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Kulturschock-Modell nach Oberg (in Marx, 1999, S. 10)

3.2.1 Phase – Honeymoon

Diese Phase wird in den anderen Modellen auch Euphorie genannt. Diese umfasst eine Zeit, in der das Individuum von der neuen Umgebung fasziniert ist. Der erste Kontakt mit Einheimischen ist mit großen Hoffnungen und Erwartungen verbunden. Hier soll aber darauf hingewiesen werden, dass die Wahrnehmung auf die positiven Erscheinungen der anderen Kultur hingerichtet ist. Die negativen Aspekte werden marginalisiert und das Urteil über das Neue wird selten kritisch gefällt. Das Fremde wird aus der Sicht der eigenen Kultur betrachtet, ohne diese zugleich in Frage zu stellen. Wagner (1996) spricht in diesem Zusammenhang von der kulturellen Kompetenz. Er meint in dieser Phase wird die Fremdartigkeit gar nicht wahrgenommen und so verfügt das Individuum zwar über eine hohe kulturelle Kompetenz aber nur in der eigenen Kultur. Diese Phase kann von ein paar Tagen bis zur sechs Wochen dauern. Den Auslandversetzten kann man als interessiert, angeregt, neugierig, begeistert und aufgeschlossen charakterisieren. Man ist in dieser Anfangsphase bereit, die neue Situation zu akzeptieren.

3.2.2 Phase – Kulturschock

Diese Phase beginnt in einem Moment, in dem die bisher idealisierte Welt realistische Züge bekommt. So werden auch negative Aspekte der neuen Kultur eingesehen. Es zeigen sich Unterschiede in der Sprache, den Werten und Symbolen zwischen der eigenen und fremden Kultur, die als eine große Kommunikationsbarriere erscheinen. Dieses neue Bild der fremden Kultur passt nicht zu den Erwartungen, die man an diese gerichtet hat. Die Diskrepanz zwischen der Vorstellung und der Realität erfordert einer Anpassung. Der Kulturschock wird durch die entstehenden Schwierigkeiten während dieses Anpassungsprozesses bewirkt. So entstehen Gefühle von Frustration und Angst bis zur negativen Einstellung der fremden Kultur gegenüber. Mit dieser Ablehnung steigt eine Verherrlichung der eigenen Kultur (Wagner, 1996). In dieser Phase wird ein Verlust der kulturelle Kompetenz beobachtet. Zwar wird in solcher Konfrontation die eigen Kultur erst recht bewusst, doch ihre Verhaltensmuster können keine Existenzgrundlage in der neuen Kultur bieten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Bedeutung des Kulturschocks für den erfolgreichen kulturellen Anpassungsvorgang
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Psychologie sozialer Minoritäten
Note
bestanden
Autor
Jahr
2006
Seiten
41
Katalognummer
V57512
ISBN (eBook)
9783638519618
ISBN (Buch)
9783638677509
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Kulturschocks, Anpassungsvorgang, Psychologie, Minoritäten
Arbeit zitieren
M. A. Joanna Kodzik (Autor), 2006, Bedeutung des Kulturschocks für den erfolgreichen kulturellen Anpassungsvorgang, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57512

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