Lebensplanung - eine theoretische Rahmenperspektive


Hausarbeit, 2006

34 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der Lebensplan als Konzept

Ziele, Planen und Handeln

Effiziente Lebensplanung

Zeitmanagement

Ressourcenmanagement

Interpersonelles Management

Selbstmanagement

„personal navigation“

„Des Lebens labyrinthisch irren Lauf“

Einleitung

Die menschliche Ontogenese und Handlungen stehen in einer reziproken Relation zueinander.

Will man intentionale Handlungen und Entwicklungen im kulturellen Kontext verstehen, ist dies zu berücksichtigen.

Versteht man Entwicklung als „aktive Gestaltung“ (Höhn, 1958) und erweitert somit herkömmliche entwicklungspsychologische Ansätze um eine aktionale Entwicklungs-perspektive, so lässt sich Entwicklung nicht mehr nur als kausales Resultat oder funktionales Beiprodukt der Interaktion des Individuums mit seiner Umwelt verstehen, sondern auch als wesentlicher Zielbereich intentionaler Aktivitäten begreifen.

Die Voraussetzung dieser dialektischen Verschiebung in der Beziehung der Entwicklung zum Handeln allerdings sind Selbstdefinitionen und Identität, welche wiederum an eine Reihe anderer Bedingungen, Fähigkeiten und Prozesse gebunden sind.

Selbstdefinitorische Attribute müssen etwa mindestens wesentlich, wichtig und informativ charakterisieren (vgl. McCrae & Costa, 1988 und Brandstädter, 2001, Seite 62), von Identitätsmerkmalen erwarten wir zunächst eine hinlängliche Stabilität und Permanenz und intentionale Selbstentwicklung erfordert „Selbstmanagement“ auf einer Metaebene der Handlungsregulation (Brandstädter, 2001, Seite 115), womit wir noch nicht annähernd alle Komponenten gestreift hätten.

Aktivitäten der Selbstregulation und intentionale Selbstentwicklung formen also, anders gesagt, die Ontogenese aufgrund von Selbstentwürfen (Brandstädter, 2001, Seite 81). Higgins (1996c, S.1078) spricht zum Zusammenhang der Selbstentwürfe und persönlichen Zielen von einer handlungsregulativen kognitiven Struktur, dem self-digest, einer selbstreferentiellen epistemischen Struktur, die den zentralen Motor intentionaler Selbstentwicklung bildet (Brandstädter, 2001, Seite 83) und in ihrer Aktualdynamik denselben Mechanismen der Aktivierung und Verfügbarkeit unterliegt, wie sie für Wissensstrukturen und assoziative Netzwerke allgemein gelten.

Ein basales Motiv menschlicher Aktivitäten allerdings, nämlich den faktischen Lebenslauf in Kongruenz zu den normativen Repräsentationen des aktuellen, präsenten und zukünftigen Selbstes zu bringen, also „gut“, d.h. im Einklang mit Vorstellungen wünschenswerten Lebens zu leben, ist für jeden Einzelnen richtungsgebend. Identitätsprojekte und Lebenspläne können somit als persönliche Interpretationen dieses allgemeinsten Zieles verstanden werden (Brandstädter, 2001, Seite 116), was den Gordischen Knoten entwirrt.

Der Lebensplan als Konzept

Lebensplanung beinhaltet nach Smith (1996) des Individuums Denken über den möglichen Zukunftsinhalt, Verlauf und Gegenstand seines oder ihres Lebens.

Wie die menschliche Ontogenese und Handlungen in einer reziproken Relation zueinander stehen, so werden auch Lebenspläne durch persönliche Entscheidungen bedingt und diese gestalten ihrerseits wiederum die Lebenspläne. Das Engagement in Lebensplanungsaktivitäten impliziert nach Smith (1999) des Individuums Überzeugung, zu einem gewissen Grad primäre oder sekundäre Kontrolle über die eigene zukünftige Entwicklung ausüben zu können und diese Überzeugungen wirken sich natürlich auf die möglichen Zukunftsinhalte aus. Man wird zum einen nur als Lebensplan entwerfen können, was man sich vorstellen kann, und zum anderen nur verfolgen wollen, was man für realisierbar hält und zudem eine hohe subjektive Zielvalenz besitzt.

Warum Menschen überhaupt aktiv antizipieren und Pläne über zukünftige Ereignisse oder gar ihr Leben entwerfen, hat motivationstheoretisch mehrere Gründe. Planen - und damit Antizipieren - reduziert Unsicherheit, hilft dem Einzelnen dabei, Startschwierigkeiten zu Beginn einer Handlung zu überwinden, etabliert ein der Zielerreichung förderliches mind-set und hilft dabei, den Stress der Beteiligten zu reduzieren. Menschen, die zukünftige Ereignisse mental simulieren, zeigen zudem weniger Stress, mehr positiven Affekt und werden wahrscheinlicher effektivere Problemlösestrategien benutzen, als solche, die das nicht tun. Antizipieren ermöglicht das Testen von Alternativen ohne dabei tatsächliche materielle oder soziale Ressourcen zu evozieren und persönliche Kosten zu riskieren (Smith, 1999).

Handlungen seien hier allgemein (nach Brandstädter, 2001, Seite 81) als Tätigkeiten bestimmt, die von einer Person als Mittel zur Erreichung von Zielen oder zur Lösung von Problemen eingesetzt werden und die von ihr auf der Grundlage bestimmter intentionaler Orientierungen unter verfügbaren Handlungsalternativen ausgewählt wurden.

Lebenspläne enthalten hierarchisch organisierte Teile (wie etwa zentrale Identitätsprojekte und die verschiedenen damit verbundenen Subziele) und Teile egalitären Status (etwa verschiedene zentrale Ziele gleicher Wichtigkeit), wobei deren Organisation dynamisch ist und sich verändern kann, etwa, wenn ein Lebensziel wichtiger wird oder kontextspezifische Bedingungen den Gebrauch einer bestimmten Strategie erfordern. (Smith, 1999).

Ein Lebensplan umfasst also idealtypisch einen Entwurf der persönlichen Zukunft; eine zeitlich und prozedural strukturierte Repräsentation von Handlungs- und Entwicklungspfaden, welche die aktuelle mit der gewünschten zukünftigen Situation verbindet und auch mögliche Störungen und Hindernisse umfasst; hinreichend genaue Vorstellungen über einzusetzende Kompetenzen und Ressourcen; sowie die Bindung an bzw. das commitment für den projizierten Entwurf (Brandstädter, 2001, Seite 117).

Zusätzlich zu prozeduraler Information reflektiert der Inhalt eines Lebensplanes, wie bereits gesagt, das motivationale System des Einzelnen. Zu wissensbasierten und motivationalen Konzeptionen eines Lebensplanes sei hier auf die Arbeit von Schank und Abelson (1977) und die nachfolgenden Arbeiten zum fallbasierten Schlussfolgern von Riesbeck & Schank (1989) verwiesen. Diese Autoren machen die wichtige Bemerkung, dass es Unterschiede zwischen Routineplänen für Handlungen gibt, die mit den Skripten für alltägliches Verhalten und Plänen für neuartige Ereignisse zusammenhängen. Pläne für neuartige Ereignisse entstehen „unterwegs“ (Smith, 1999), ich gehe im nächsten Abschnitt darauf näher ein.

Lebensplanung bedeutet nicht, einfach einen gespeicherten Routineplan aus dem Langzeitgedächtnis abzurufen (Smith, 1996). Lebenspläne werden aus dem Wissen des Einzelnen über Lebenssituationen, Personen und sich selbst konstruiert. Das Wissen über Lebensplanung ist ein kognitiver Aspekt, der über den gesamten Lebenslauf sozialisiert, angewendet und herausgefordert wird (Smith, 1999; Berger, Berger, & Kellner, 1967; Brim, 1992; Rawls, 1971).

Der Einzelne kann solches Wissen dazu benutzen, sein oder ihr Leben zu planen, die Lebenspläne Anderer zu konstruieren oder zu behüten (etwa als Elternteil oder Mentor) oder an der gemeinschaftlichen Entwicklung gemeinsamer Lebenspläne teilzunehmen (Smith, 1999). Evidenz für den unterschiedlichen Gebrauch von Wissen über Lebensplanung kann in alltäglichem Verständnis und Konversationen über Lebensangelegenheiten (z.B. Schank & Abelson, 1977; Stein, 1988; Wilensky, 1983), in zu den eigenen Lebensentscheidungen und –verläufen und denen Anderer gefällten Urteilen (z.B. Cantor & Kihlstrom, 1987; Heckhausen & Schulz, 1995; Smith & Baltes, 1990a, 1990b; Smith, Dixon & Baltes, 1989), in Reflexionen über das zukünftige Selbst (Brandstädter & Greve, 1994; Brandstädter, Wentura, & Schmitz, 1997; Markus & Ruvolo, 1989; Raynor & Entin, 1982) und in Verhaltensmustern und Attributionen (Cantor & Kihlstrom, 1987; Johnson & Sherman, 1990) gefunden werden (Smith, 1999).

Da Lebenspläne aus sozial geteiltem, allgemeinen Wissen entstehen, besteht ein gewisser Konsens über die Strategien und Taktiken, die mit den verschiedenen Zielen verbunden sind und Mittel darstellen, diese Ziele zu erreichen. „Implizite Entwicklungsmodelle“ (Brandtstädter, 1980) liegen der Auswahl und Definition von persönlichen Zielen sowie deren Umsetzung im konkretes Handeln zugrunde; indem epistemische Strukturen - Kenntnisse, Erwartungen und Annahmen hinsichtlich möglicher Abläufe, Bedingungen und Veränderungsspielräume in Entwicklungs- und Alternsprozessen - genutzt werden, um die aktuelle Entwicklungssituation zu beschreiben, zu erklären und zukünftige Entwicklungsabläufe zu prognostizieren (Brandtstädter, 2001, Seite 82 ff.). Zugleich gibt es Variationen in der Selektion und dem abgewandelten Ausdruck von Zielen und Strategien, welche sich durch ein individuell unterschiedliches Mischungsverhältnis von persönlicher Erfahrung zu sozialkulturellen Wissens- und Überzeugungsbeständen und sozialen Lebenslauf- und Entwicklungsstereotypen ausdrückt (Brandtstädter, 2001, Seite 82 ff.). Außerdem kann der Einzelne - über die Lebensspanne hinweg - mehr oder weniger auf die Selektion eines neuen Lebenszieles oder auf das Ausdenken von Plänen, die Zielerreichung zu optimieren oder persönliche Beschränkungen zu kompensieren, fokussieren (Smith, 1999).

Wenngleich es auch nahe liegt, Lebenspläne als Resultate einer prozeduralen Spezifikation von Zielen zu betrachten (Friedman, Scholnick & Cocking, 1987; Nuttin, 1984), sind diese nicht im Abspulen eines programmatischen Ablaufes zu verstehen; gerade im Vergleich zu kurzfristigen Projekten sind sie durch eine Offenheit gekennzeichnet, die Spielraum für spätere Spezifikationen lässt. Sie bilden im Allgemeinen eine komplexe Struktur von unterschiedlichen Zielen und Projekten, sodass ein hoher Ausdifferenzierungsgrad von Planelementen und Zielen, die zukünftige Selektionen und Entscheidungen betreffen, in vielen Fällen unpraktisch, gar hinderlich ist, weil Ressourcen raubend und es unvernünftig wäre, wenn relevante Umstände noch nicht absehbar sind.

Ein zentrales Charakteristikum von langfristigen Plänen, insbesondere von Lebensplänen ist daher ihre graduelle Entfaltung (Brandstädter, 2001) und, damit verbunden, ihre partielle Unbestimmtheit (Bratman, 1987).

Wie detailliert Pläne oder einzelne Planteile ausformuliert sein müssen, hängt nicht zuletzt auch von den verfügbaren Fertigkeiten und Routinen ab (Brandstädter, 2001, Seite 118): langjährige Übung in einzelnen, subzielrelevanten Fertigkeiten erfordert keine bis geringe Detaillierung, wogegen ein Anfänger sich jeden seiner Schritte vergegenwärtigen muss und die Ausführung ständiges monitoring erfordert.

Pläne umfassen mehrere Ebenen. Ziele auf übergeordneten Planungs- oder Zielebenen beschränken und fokussieren die Handlungsorganisation auf den unteren Ebenen. Das Ausführen einzelner Handlungen ist durch den Übergang von einer offenen, holistischen Informationsverarbeitung zu einer geschlossenen, auf effiziente Zielerreichung gerichtete Bewusstseinslage gekennzeichnet, bei der es zu einer progredienten Fokussierung der Selektions- und Implementationsprozesse kommt: Zurückliegende Entscheidungen werden nicht mehr neu überdacht, sondern bilden den Hintergrund für nachfolgende Entscheidungen. Nutzenabwägungen beziehen sich auf das jeweils aktuelle Plansegment, während die Entscheidungsgrundlagen für schon vollzogene Schritte nicht erneut reaktualisiert werden (Brandstädter, 2001, Seite 118).

Die Sozialpsychologie dokumentiert seit Langem Evidenz für die sogenannte planning fallacy (Kahnemann & Tversky, 1979), ein charakteristischer Urteils- und Planungsfehler, der Beobachtung also, dass Pläne oft nicht die besten Prädiktoren für das sind, was tatsächlich passiert, etwa die Unterschätzung der Erledigungsdauer für zeitlich entfernte Vorhaben. Geplante persönliche und institutionelle Projekte werden selten rechtzeitig oder innerhalb des geplanten finanziellen Rahmens fertig ( vergl. Buehler, Griffin, & Ross, 1994; Kahnemann, Slovic, & Tversky, 1982).

Auch Liberman und Tropes (1998) temporal construal theory hat bedeutsame entscheidungstheoretische Implikationen: Entscheidungen in Hinblick auf zeitlich nahe liegende Ziele werden stärker von Aspekten der praktischen Durchführung und Realisierbarkeit bestimmt als von den Valenzen des angestrebten Zielzustandes, während es sich für zeitlich distante Ziele tendenziell umgekehrt verhält (Brandstädter, 2001, Seite 92).

Es scheint also ein Ungleichgewicht zwischen unseren Überzeugungen und Theorien über den Nutzen des antizipatorischen Planens und unseren Fähigkeiten, solche Pläne auszuführen, zu geben. Obwohl die meisten Menschen eine persönliche „Planungsgeschichte“ besitzen - etwas in der Zukunft zu tun - und es weder schaffen, dies plangemäß zu tun, noch richtig abschätzen können, welche Faktoren tatsächlich an der Arbeit zum Ziel hin beteiligt gewesen wären, engagieren sie sich trotzdem regelmäßig im Entwerfen neuer Lebenspläne und im Rat an Andere, dasselbe zu tun (Smith, 1999).

Es gibt in westlichen Kulturen sogar starke Erwartungshaltungen, dass öffentliche Körperschaften und die private Industrie viel Zeit und Mühe in die Zukunftsplanung ihrer Aktivitäten stecken. Tatsächlich werden soziale Institutionen, wie etwa politische Parteien, häufig aufgrund ihrer vorgeschlagenen Langzeitplanung über prospektive Aktivitäten beurteilt und regelmäßig danach bewertet, wie gut sie diese Pläne eingehalten haben (Smith, 1999).

Ziele, Planen und Handeln

„Aktivitäten der Selbstregulation und intentionale Selbstentwicklung formen also, anders gesagt, die Ontogenese aufgrund von Selbstentwürfen“ (Brandstädter, 2001, Seite 81), wie in der Einleitung bereits festgestellt. Diese Selbstentwürfe und die mit ihnen verbundenen Identitäts- und Entwicklungsziele wandeln sich im Lebenszyklus (Brandstädter, 2001, Seite 81), an dieser Stelle wollen wir uns den Identitäts- und Entwicklungszielen als Zielstrukturen widmen. Zusammen mit den, ebenso bereits erwähnten impliziten Entwicklungsmodellen (Seite 5 dieser Arbeit) und den entwicklungsbezogenen Kontroll- und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen stellen sie die drei Gruppen von Bedingungen – den „inneren“ Handlungskontext sozusagend (Brandstädter, 2001, Seite 82) - der Aktivitäten intentionaler Selbstentwicklung.

Identitäts- und Entwicklungsziele umfassen persönliche Wert- und Zielorientierungen, sind verbunden mit, und integriert in, umgreifenden Lebensthemen, Projekten oder Plänen. Persönliche Ziele bilden ein mehr oder weniger kohärentes und konsistentes Gefüge, das nach inhaltlichen, zeitlichen, hierarchischen und reflexiven Aspekten strukturiert ist. Das Lebensthema „Ich will anderen Menschen helfen“ kann sich also in dem Plan „Medizin-Studium“ und der Teilnahme am Projekt „Ärzte ohne Grenzen“ spezifisieren.

Fragen wir, warum ein bestimmtes Ziel verfolgt wird, werden diese „aufwärtsgerichteten“ Verknüpfungen aktiviert. Die Frage, wie ein bestimmtes Ziel verfolgt werden soll dagegen, aktiviert „abwärtsgerichtete“ Verbindungen, hin zu prozeduralen Abläufen, Strategien und Taktiken, sowie Zwischenzielen. Das resultierende Netzwerk elaboriert kognitive Strukturen, die Handlungsabläufe flexibel steuern und strukturieren (Brandstädter, 2001, Seite 82).

Dies bringt uns zum Begriff der Zieldefinition. Semantische Explikationen sind notwendige Voraussetzungen für die Umsetzung von Zielen in Handlungsabläufe, sie stellen die Frage nach zentralen oder prototypischen Attributen des Zielzustandes; erst durch semantische Elaborierung werden Zielbegriffe mit einem „ recognizer pattern “ (Schank & Abelson, 1977), mit konkreter Bedeutung verbunden, die zwar idiosynkratischen Auslegungen unterliegt, welche jedoch durch semantische Regeln und soziale Interpretationsschemata beschränkt ist (Brandstädter, 2001, Seite 107).

Das „ recognizer pattern “ regelt überdies die Aktualisierung von prozeduralen Aspekten sowie die Elaboration kriterialer Aspekte der Zielerreichung, es stellt quasi eine vertikale Verbindung zwischen den sinngebenden Lebensthemen über richtungsweisende Ziele hin zu den prozeduralen kognitiven Strukturen her. Prozedurales Wissen umfasst sowohl Wissen über Bedingungen und Folgen der Verwirklichung bestimmter Zustände, als auch Kenntnis spezifischer Implikations- und Voraussetzungsstrukturen, was etwa für den Aufbau von Fertigkeiten aus Teilfertigkeiten bedeutsam ist (Brandstädter, 2001, Seite 108); prozedurale und semantische Spezifikationen befinden sich in einer Interdependenz. Damit persönliche Ziele wirksame Regulative intentionaler Selbstentwicklung werden, müssen sie neben der aufwärts- und abwärtsgerichteten Vernetzung eine motivierende Valenz besitzen und mit hinreichend konkreten Vorstellungen hinsichtlich ihrer Realisierung verbunden sein (Brandstädter, 2001, Seite 92). Zusammen mit kriterialen Aspekten und Anspruchsniveau der Zielerreichung ist damit der Prozess der Zieldefinition vollständig beschrieben. Er hat allerdings nicht den Charakter einer starren Deduktion, sondern den einer kreativen, kontextabhängigen Interpretation; orientiert an holistischen Optimierungsstrategien werden unterschiedliche Implementationsstrategien selektiert (Brandstädter, 2001, Seite 107-109).

Allgemein sind in der Entwicklungspsychologie an die Stelle früherer Versuche, zu inhaltlichen Motiv- und Zieltaxonomien zu gelangen, offene Konzeptionen wie „ current concerns “ (Klinger, 1975), „ personal strivings “ (Emmons, 1986), „ personal projects “ (Little, 1983), „ life tasks “ (Cantor & Kihlstrom, 1987) oder „ life themes “ (Csikszentmihalyi & Beattie, 1979; Schank & Abelson 1977) getreten, welche weitgehend auf konkrete inhaltliche Bestimmungen verzichten und auf die regulative Funktion von Zielen und die Dynamiken der individuellen Definition von Zielen fokussieren, sie in handlungstheoretische Konzeptionen einbetten (Brandstädter, 2001, Seite 89).

Zieldefinition - semantische, prozedurale und kriteriale Spezifikation also - verbindet einen Ausgangszustand mit einem in der Zukunft liegenden, gewünschten Entwicklungsergebnis. Ziele werden so zu umfassenden intentionalen Strukturen, auch zu komplexen und langfristigen Plänen ausgebaut (Brandstädter, 2001, Seite 110), was uns zu handlungstheoretischen Ansätzen führt, in denen der Übergang von Zielen zu Handlungen in einem hierarchisch-sequenziell strukturierten, mehrere Regulationsebenen umfassenden Modell deskribiert wird (z.B. Fuhrer, 1984; Hacker, 1978; Volpert, 1983), das Handlungsregulation als Hierarchie ineinandergeschachtelter Regelkreise versteht (siehe Abb.1). Jede Regulationsebene enthält dabei Referenzwerte für nachfolgende Ebenen, Basiseinheiten von Unterzielen werden sequenziell abgearbeitet und durch Ist-Soll Vergleiche gesteuert, bei Störungen im Handlungsablauf – Probleme des Überganges zwischen Regulationsebenen - erfolgt der Rückbezug auf das Unterziel, bzw. auf die nächst höhere Ebene.

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Lebensplanung - eine theoretische Rahmenperspektive
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Entwicklungsprobleme im Lebenslauf
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
34
Katalognummer
V57553
ISBN (eBook)
9783638519960
ISBN (Buch)
9783638766081
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebensplanung, Rahmenperspektive, Entwicklungsprobleme, Lebenslauf
Arbeit zitieren
Diplom-Psychologe Markus Schmidt (Autor), 2006, Lebensplanung - eine theoretische Rahmenperspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57553

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