Raubzüge der Wikinger


Hausarbeit, 2001
12 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Probleme des archäologischen Nachweises

III. Heimgesuchte Gebiete

IV. Taktische Konzepte bei Raubzügen

V. Die Raubzüge – ein Überblick

VI. Zusammenfassung

VII. Literatur

I. Einleitung

Die Raubzüge der Wikinger sind sicherlich eines der interessantesten und zugleich blutigsten Kapitel in der Geschichte des Mittelalters und prägten den Begriff der Wikinger-zeit. Dieser Zeitraum erstreckt sich vom ausgehenden 8. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts. Genauer wird die Wikingerzeit auf die Jahre zwischen dem ersten in historischen Quellen erwähnten Angriff 789 auf Portland in Wessex und der Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer 1066 festgelegt.[1]

Woher aber stammt der Begriff Wikinger? Hierzu gibt es eine Vielzahl von Ansätzen. So wird von einigen angenommen, Wikinger leite sich von der nordischen Endung vik = Kampf ab, was zwar die Sache treffen könnte, aber in phonetischer Hinsicht nicht plausibel erscheint. Ebenso wird das nordische Wort vig = Bucht als Ursprung genannt. Demnach würde „Wikinger“ einen Seeräuber bezeichnen, der seinen Opfern in einer Bucht auflauert, einen Buchtbewohner. Dies aber wäre kein Charakteristikum von Wikingern, denn alle Seefahrer halten sich zeitweise dort auf. Auch wurde versucht, den Begriff „Wikinger“ von der norwegischen Landschaft Vik her zu erklären, so daß ein Wikinger einfach jemand war, der aus Vik stammte. Die sicherlich plausibelste Erklärung bietet die Bedeutung von viking als einem Seekrieger, der sich auf langer Fahrt von der Heimat wegbegibt. Eine Übersetzung, die nicht nur im nordischen Sprachkreis benutzt wurde, sondern auch in anderen Quellen bezeugt ist. Wikinger sind somit keine ethnische Gruppe, sondern ist ein Sammelbegriff für Skandinavier, die sich auf Beutezug außer Landes befanden.[2]

II. Probleme des archäologischen Nachweises

Der nur auf archäologischen Quellen basierende Nachweis von Wikingerzügen ist nicht allzu einfach, was daran liegt, daß Wikinger in den Gebieten, die von ihnen geplündert wurden, von ihrer Beute keine erkennbaren Spuren hinterließen. In der frühen Wikingerzeit ist das meiste davon in die Heimatländer verschleppt worden.[3] Erst später, als Wikinger dazu übergingen, in den von ihnen heimgesuchten Gebieten von festen Ausgangspunkten zu operieren und später sogar dort zu siedeln, also sich für längere Zeit am gleichen Ort aufhielten, sind sie auch archäologisch faßbar. In Horten und Gräbern in Skandinavien und den außerskandinavischen Siedlungsgebieten von Wikingern sind eine Anzahl von Funden zu Tage gekommen, die aus Plünderungen stammen könnten. Es sind dies vor allem Buch- und Reliquienschreinbeschläge und anderes Kirchengerät, das teilweise zu Schmuck umgearbeitet wurde. Eindeutig als Beute zu identifizieren sind jene Gegenstände jedoch auch nicht, da immer auch die Möglichkeit besteht, daß es sich um Handelsgüter in irgendeiner Form handelt.[4] Zudem ist es möglich, daß Beutestücke, sei es nun Kirchengerät, Schmuck oder Münzen des Metalls wegen eingeschmolzen wurden und deshalb heute nicht mehr als solche erkennbar sind.[5]

Münzen (Abb. 1) sind sicherlich eine der zugänglichsten Quellen für den archäologischen Nachweis der Raubzüge, wenn man bedenkt, daß bei vielen dieser Unternehmungen die Opfer sich mit sogenanntem Danegeld[6] freikauften und auf diese Weise große Mengen der jeweils benutzten Währung in von Wikingern bewohnte Gebiete gelangten. Problematisch jedoch ist es immer noch, festzustellen, welche Fundkomplexe dieser Art wirklich aus Raubzügen stammen und welche nicht. Ebenfalls müssen erbeutete Münzen nicht geschlossen in den Boden gelangt sein. Es besteht immer die Möglichkeit, daß Teile entnommen oder hinzugefügt wurden. Vermischungen mit Münzen verschiedensten Ursprungs sind möglich.[7] Auch können Münzen in den Gebieten, in denen sie geplündert wurden selbst ausgegeben worden sein, was vor allem dann vorkam, wenn Wikinger dort überwinterten. Es entstand nämlich dann zuweilen ein reger Handel zwischen ihren Stützpunkten und dem Umland.[8]

Es können auch Überreste von zerstörten Gebäuden, wie sie zum Teil bei Ausgrabungen zu Tage traten, hilfreich sein.[9] Ein gutes Beispiel dafür ist die Domburg von Hamburg, die bei einem Angriff von Wikingern im Jahre 845 zerstört wurde. Auf dieses Beispiel wird unten genauer eingegangen.[10]

Um die von Normannen heimgesuchten Gebiete identifizieren zu können ist somit unabdingbar, außer archäologischen auch schriftliche Quellen zu Rate zu ziehen. Daß auch diese nicht über alles Auskunft geben können versteht sich von selbst. Es werden zumeist nur das Wikinger irgendwo erschienen und dabei plünderten und mordeten, und nicht, was dabei erbeutet wurde. Eine Ausnahme sind dabei Tributforderungen, bei denen die gezahlte Menge an Silber auch in den Quellen genannt wird.

III. Heimgesuchte Gebiete

In der Wikingerzeit waren skandinavische Plünderer in vielen Gebieten Europas anzu-treffen (Abb. 2). Dabei ist eine Art von „Interessensphären“ erkennbar, die sich aber nicht aufgrund von Absprachen erklärt, sondern durch die Nähe zu den Heimatgebieten der jeweiligen Normannengruppen. So waren Schweden meist in den Ostseeländern. Dänen wandten sich dem Frankenreich, Sachsen und Südengland zu. Norweger plünderten in Nordengland, Schottland und Irland.[11]

Doch auch die Länder des Mittelmeeres (Abb. 2) blieben nicht vor den Wikingern verschont: ab dem 9. Jahrhundert waren das Königreich von Galizien und Asturien, das omayyadische Emirat von Cordoba, Italien und die Mittelmeerküste des Frankenreiches Ziel wiederholter Überfälle.[12]

Die Karten, die zu den Überfällen der Wikinger erhältlich sind, basieren zumeist mehr auf schriftlicher Überlieferung und weniger auf archäologischer.

IV. Taktische Konzepte bei Raubzügen

Die Aktivitäten der Wikinger waren von ihrer Art her voneinander sehr unterschiedlich und reichten von Handelsfahrten und Plünderzügen über Eroberung bis hin zur Kolonisation unbewohnter Landstriche. Wichtig sind in diesem Falle jedoch nur die Plünderungen und, in begrenztem Maße, die Eroberungszüge, da diese immer auch mit Überfällen verbunden waren. Grundsätzlich müssen bei den Raubzügen zwei Arten unterschieden werden.[13]

Zum einen gab es private Seeräuberei, bei denen die Initiatoren mit nicht allzu vielen Schiffen (meist nur ein paar Dutzend) Überfälle starteten und in recht begrenztem Umfang Ortschaften und Klöster plünderten. Angriffe dieser Art kamen während der gesamten Wikingerzeit vor.[14]

Die zweite Kategorie von Raubzügen, die hier von Interesse ist, sind großangelegte Flottenoperationen mit zum Teil riesigen Mengen an Schiffen, die von Königen oder auch hohen Adligen der Wikinger geleitet wurden und einen mehr politischen Schwerpunkt hatten. Unternehmungen dieser Art waren im Grunde nicht erklärte Kriege, die eine Erhöhung des normannischen Einflusses auf wichtige Handelsplätze bewirken sollte. Einher gingen sie häufig mit der Erhebung von sogenanntem Danegeld, einer Form von Schutzgeld. Wikinger erschienen in solchen Fällen vor den Toren einer Ortschaft oder eines Klosters und drohten damit, es zu plündern und niederzubrennen, es sei denn sie erhielten eine bestimmte Menge an Silber für den Abzug.[15]

Beiden gemeinsam war, daß der Überfall für die Opfer so überraschend kam, daß an Flucht oder Gegenwehr meist nicht zu denken war. Die Normannen waren meist wieder verschwunden oder bereits in einer solchen Übermacht eingetroffen, daß sie Herren der Lage waren, bevor überhaupt eine Bürgerwehr bebildet werden oder die für die Abwehr zuständigen Stellen informiert werden konnten.[16]

Ein sehr beliebtes Jagdgebiet der Wikinger waren außer den Küstenstreifen auch Flüsse. Sie konnten auf diesem Wege tief ins Feindesland eindringen und sich auch der Plünderung der reichen Städte im Inland widmen. Normannische Truppen gelangten so z. B. bis nach Paris, Trier und London.[17]

[...]


[1] Richards, J., Viking Age England, London 1991, S. 16-29.

[2] Brøndsted, J., Die große Zeit der Wikinger, Neumünster 1964, S. 31-33; Zettel, H., Das Bild der Normannen und der Normanneneinfälle in westfränkischen, ostfränkischen und angelsächsischen Quellen des 8. bis 11. Jahrhunderts, München 1977, S. 54-57; Harthausen, H., Die Normanneneinfälle in Elb- und Wesermündung unter besonderer Berücksichtigung der Schlacht von 880, Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens 68, Hildesheim 1966, S. 2f.

[3] Wilson, D. M., Archaeological Evidence for the Viking Settlement and Raids in England., Frühmittelalterliche Studien 2 (1968), 291-293, S. 302f.

[4] Richards, Viking Age England, S. 17f; Wilson, Archaeological Evidence, S. 292-299.

[5] Wilson, Archaeological Evidence, 302.

[6] Wilson, Archaeological Evidence, S. 291.

[7] Hatz, G., Handel und Verkehr zwischen dem deutschen Reich und Schweden in der späten Wikingerzeit. Die deutschen Münzen des 10. und 11. Jahrhunderts in Schweden, Hamburg 1974, S. 23-34.

[8] Hatz, G., Handel und Verkehr, S. 26.

[9] Wilson, Archaeological Evidence, S. 302f.

[10] Harthausen, Normanneneinfälle in Elb- und Wesermündung, S. 22.

[11] Harthausen, Normanneneinfälle in Elb- und Wesermündung, S. 2.

[12] Haywood, J., The Penguin Atlas of the Vikings, London 1995, S. 58f;

[13] Brøndsted, Wikinger, S. 27

[14] Brøndsted, Wikinger, S. 27-29.

[15] Brøndsted, Wikinger, S. 29.

[16] Zettel, Bild der Normannen, S. 250f; Harthausen, Normanneneinfälle in Elb- und Wesermündung, S. 5.

[17] Zettel, Bild der Normannen, S. 251-254.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Raubzüge der Wikinger
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Seminar für Ur- und Frühgeschichte)
Veranstaltung
Dots on a Map - Verbreitungskarten
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
12
Katalognummer
V5760
ISBN (eBook)
9783638135474
ISBN (Buch)
9783638756648
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Raubzüge, Wikinger, Dots, Verbreitungskarten
Arbeit zitieren
Magister Artium Christian E. Schulz (Autor), 2001, Raubzüge der Wikinger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5760

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