Im Frühjahr des Jahres 2002 hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (im Folgenden Basler Ausschuss) das dritte Konsultationspapier zur Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung (im Folgenden Basel II) veröffentlicht. Die Neuregelungen der Eigenkapitalunterlegung, von Banken, sorgte in der deutschen Presse für kontroverse Diskussionen. Ziel der folgenden Arbeit soll es sein die Neuregelungen, die Basel II mit sich bringen, näher zu erläutern, und eventuelle Veränderungen bei der Kreditvergabe der Banken gegenüber dem Mittelstand zu beschreiben.
Zum besseren Verständnis werden zunächst die aktuell gültigen Regelungen von Basel I beschrieben, da durch Basel II die 8 % ige Eigenkapitalunterlegung aus Basel I übernommen wird. Im Folgenden wird speziell die Erste der drei Säulen des Basler Akkords erläutert, da hier die innovativsten Veränderungen zu finden sind. Bei der ersten Säule erfolgt nun mit Hilfe von internen und externen Ratings eine risikogerechtere Beurteilung der Kreditnehmer durch die Bank. Auf Grund der enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung Kleiner- und Mittelständischer Unternehmen (KMU) wird speziell die Kreditvergabepraxis der Banken an diese Unternehmen betrachtet. Von besonderer Bedeutung ist hier die Frage, ob sich die Kreditkonditionen verbessern oder eher verschlechtern. In diesem Kontext werden die Zugeständnisse des dritten Konsultationspapiers an den Mittelstand beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Von Basel I zu Basel II
2.1 Hintergründe von Basel
2.2 Schwachstellen von Basel I
2.3 Die drei Säulen von Basel II
2.4 Mindestkapitalanforderungen bei Kreditrisiken
2.4.1 Der Standardansatz
2.4.2 Der IRB – Ansatz
2.5 Kreditrisikominderung
2.6 Mindestkapitalanforderungen bei operationalen Risiken
3 Auswirkungen auf Kleine und Mittlere Unternehmen
4 Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Neuregelungen der Eigenkapitalunterlegung durch Basel II und analysiert deren Auswirkungen auf die Kreditvergabepraxis von Banken gegenüber kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Deutschland.
- Grundlagen und Schwachstellen des Basler Akkords (Basel I)
- Die drei Säulen von Basel II und ihre aufsichtsrechtliche Bedeutung
- Methoden zur Berechnung der Mindestkapitalanforderungen für Kredit- und operationelle Risiken
- Einfluss von Ratings auf die Kreditkonditionen für den Mittelstand
Auszug aus dem Buch
2.4 Mindestkapitalanforderungen bei Kreditrisiken
Der Basler Ausschuss gewährt den Banken zwei verschiedene alternative Vorgehensweisen zur Ermittlung des zu unterlegenden Eigenkapitals. Zum einen den sogenannten Standardansatz und zum anderen den Internal Rating – Based Approach (IRB – Ansatz). Im Rahmen des IRB – Ansatzes stehen den Banken zwei gleichwertige Ansätze, nämlich der Basisansatz (Foundation Approach) und der fortgeschrittenen Ansatz (Advanced Approach), zur Verfügung.
2.4.1 Der Standardansatz
Im Gegensatz zu Basel I erfolgt nun bei Basel II eine differenziertere Betrachtung des Kreditrisikos. Erreicht wird dies durch Unterscheidung von verschiedenen Kreditnehmern und durch die Einführung von vier Risikogewichtsklassen für jede Kreditnehmergruppe. Basel II hält an der Mindestkapitalunterlegung von 8% aus Basel I fest. Tabelle 2 zeigt die von Basel II zu unterscheidenden vier Risikogewichtsklassen und deren Auswirkung auf die Eigenkapitalunterlegung der Bank.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Basel II und die Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich der Auswirkungen auf die Kreditvergabe an KMU.
2 Von Basel I zu Basel II: Darstellung der historischen Hintergründe, der Schwachstellen von Basel I sowie der neuen Drei-Säulen-Struktur mit Fokus auf Kredit- und operationelle Risiken.
3 Auswirkungen auf Kleine und Mittlere Unternehmen: Analyse der finanziellen Folgen für den Mittelstand unter Berücksichtigung von Risikogewichtung und Kreditkonditionen.
4 Schlussbemerkungen: Fazit zur Relevanz von Ratings für die Kreditkosten und kritische Betrachtung der prozyklischen Wirkungen von Basel II.
Schlüsselwörter
Basel II, Eigenkapitalunterlegung, Bankenaufsicht, Kreditrisiko, Mittelstand, KMU, Rating, IRB-Ansatz, Standardansatz, Operationelle Risiken, Kreditvergabe, Risikomanagement, Basler Ausschuss, Eigenkapitalquote, Marktdisziplin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Neuregelungen zur Eigenkapitalunterlegung bei Banken durch Basel II und bewertet deren Auswirkungen auf die Kreditversorgung des deutschen Mittelstands.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Drei-Säulen-Struktur von Basel II, die verschiedenen Ansätze zur Risikomessung (Standardansatz, IRB-Ansatz) und die daraus resultierenden Konsequenzen für KMU.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, welche Neuregelungen bei der Eigenkapitalunterlegung zu erwarten sind und ob diese zu einer Verschlechterung der Kreditbedingungen für KMU führen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf den Konsultationspapieren des Basler Ausschusses sowie aktueller Fachliteratur und Bankenaufsichts-Vorgaben basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Mindestkapitalanforderungen bei Kreditrisiken und operationellen Risiken, den Einsatz von Kreditsicherheiten sowie die spezifischen Auswirkungen auf den Mittelstand.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Basel II, Eigenkapitalunterlegung, Rating, KMU, Kreditrisiko, Standardansatz und IRB-Ansatz.
Wie unterscheidet sich der IRB-Ansatz vom Standardansatz bei der Risikobeurteilung?
Während beim Standardansatz externe Ratings zur Risikogewichtung genutzt werden, erlaubt der IRB-Ansatz den Banken, eigene interne Ratings und Risikomodelle zur Steuerung der Eigenkapitalunterlegung einzusetzen.
Was versteht man in diesem Kontext unter dem Problem der prozyklischen Wirkung?
Basel II könnte in Abschwungphasen das Kreditangebot verknappen, da durch die schlechtere Bonität der Unternehmen eine höhere Eigenkapitalunterlegung erforderlich wird, was wiederum die wirtschaftliche Lage weiter verschärfen kann.
- Quote paper
- Diplom-Betriebswirt Timo Werner (Author), 2004, Welche Neuregelungen sind bei der Eigenkapitalunterlegung bei Banken zu erwarten und welche Auswirkungen haben sie auf das Kreditgeschäft mit KMU, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57624