Hat ein Konzern eine technische Innovation 'verschlafen', so besteht die Möglichkeit, sich diese extern einzukaufen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wurde die Technologie von einem Start Up Unternehmen entwickelt, kann es eine Option sein, das betreffende Unternehmen insgesamt zu übernehmen.
In diesem Kontext wirft sich die Frage auf, wie so ein Unternehmen zu bewerten ist. Und: Wären die Verlust am Neuen Markt 2000 weniger gravierend gewesen, wenn die Anleger mit Hilfe besserer Bewertungsmethode die Hockey-Stick Umsatzplanungen der Dotcoms realistischer hätten einschätzen können?
Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit besteht darin, verschiedene Bewertungsmethoden auf ihre Anwendbarkeit bezüglich der Bewertung von Start Up Unternehmen zu prüfen.
Am Beginn steht deshalb die Klassifikation von Start Up Unternehmen als junge, dynamische und überproportional wachsende Unternehmen, sowie die Beschreibung diverser charakteristischer Merkmale. Daraufhin werden die klassischen Bewertungsmethoden, Substanzwert- und Ertragswertverfahren, vorgestellt und beurteilt. Nach ausführlichen Beschreibungen der Discounted Cash Flow (DCF) Methode und der Bewertung mit Hilfe von Multiples schließt das Dossier mit einem Überblick über neuere Bewertungsansätze und dem Fazit, dass eine aussagekräftige Bewertung für Start Up Unternehmen kaum möglich ist, da diese noch nicht eingeschwungen sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Charakteristika von Start Up Unternehmen
2.1 Definition „Start Up“
2.2 Lebenszyklus von Unternehmen
2.3 Planungsproblematik bei Start Up Unternehmen
2.4 Branche
2.5 Bewertungsanlässe
3 Klassische Bewertungsverfahren
3.1 Substanzwertverfahren
3.2 Ertragswertverfahren
4 DCF (Discounted Cash Flow) Verfahren
4.1 Der Cash Flow
4.1.1 Der operative Cash Flow
4.1.2 Der freie Cash Flow
4.2 Bruttomethode des DCF Verfahrens
4.2.1 Kapitalkostenansatz
4.2.2 Total Cash Flow Ansatz
4.2.3 Adjusted Present Value Ansatz
4.3 Nettomethode des DCF Verfahrens
4.4 Abschätzung der Eigenkapitalkosten (CAPM)
4.5 Anwendbarkeit der DCF Verfahren bei Start Up Unternehmen
4.6 Fazit DCF Verfahren
5 Bewertung mittels Multiples
5.1 Ablauf
5.2 Anwendung
5.3 Arten von Multiplikatoren
5.3.1 Equity
5.3.1.1 Kurs-Gewinn Verhältnis
5.3.1.2 Kurs-Cash Flow Verhältnis
5.3.1.3 Kurs-Buchwert Verhältnis
5.3.2 Entity
5.3.2.1 Enterprise Value-EBIT Verhältnis
5.3.2.2 Enterprise Value-Sales Verhältnis
5.3.3 Weitere Multiplikatoren
5.4 Auswahl der Peer Group
5.5 Marktpreisschätzungen
5.6 Verdichtung der Multiplikatoren
5.7 Korrekturen
5.8 Kritische Betrachtung
6 Weitere Bewertungsverfahren
6.1 Spremann
6.2 Copeland
6.3 Modell zur rationalen Bewertung von Schwartz und Moon
6.4 Realoptionen
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit verschiedener klassischer und moderner Methoden zur Unternehmensbewertung von Start-up-Unternehmen. Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Ansätze unter Berücksichtigung der spezifischen Merkmale junger, dynamischer und überproportional wachsender Unternehmen eine realistische Bewertung ermöglichen oder wo die Grenzen dieser mathematischen Modelle liegen.
- Charakterisierung von Start-ups und deren Planungsproblematik.
- Kritische Analyse klassischer Verfahren (Substanz- und Ertragswert).
- Detaillierte Untersuchung des Discounted Cash Flow (DCF) Verfahrens.
- Bewertung mittels Multiplikatoren und deren Anwendung bei börsennotierten sowie nicht-notierten Unternehmen.
- Einführung in moderne Ansätze wie Realoptionen und stochastische Modelle.
Auszug aus dem Buch
4.5 Anwendbarkeit der DCF Verfahren bei Start Up Unternehmen
Bei einer Bewertung eines Unternehmens nach dem Nettoverfahren oder der Total Cash Flow Methode, werden die insgesamt zu leistenden Steuerzahlungen bei der Ermittlung des freien Cash Flows abgezogen. Da beiden Verfahren darüber hinaus nicht die Unverschuldetheit Prämisse zugrunde liegt, sind sie für die Bewertung junger, dynamischer und überproportional wachsender Unternehmens in steuerlicher Hinsicht uneingeschränkt anwendbar. (Hayn 1998: 190) Die beiden anderen möglichen Verfahren (Kapitalkostenansatz und Adjusted Present Value) steigern, bei realitätsgetreuer Einbeziehung der Steuern, die Komplexität erheblich, ohne den Informationsgehalt essentiell zu steigern. Aufgrund der Maßgeblichkeit der Ergebnisse der Bruttomethoden untereinander ist die Total Cash Flow Methode zu präferieren. (Hayn 1998: 190-196)
Wie bereits oben erwähnt besteht beim Kapitalkosten- und dem Total Cash Flow Ansatz die Prämisse der Konstanz der Kapitalstruktur (= festes Eigen-/Fremdkapitalmarktwert zu Unternehmensgesamtwertsverhältnis (Hayn 1998: 202)) über die Zeit, während der Netto und der Adjusted Present Value Ansatz keine derartige Einschränkung vornehmen. (Hayn 1998: 197) Ist die Konstanz der Kapitalstruktur tatsächlich gegeben, benötigt man keine langfristige Finanzplanung (da aufgrund der vorgegebenen Kapitalstruktur, bereits bekannt ist, wie zukünftiger Kapitalbedarf gedeckt werden soll, weil der Umfang der Eigen- und Fremdfinanzierung, sowie die Ausschüttung an die Anteilseigner festgelegt sind) und die Komplexität der Bewertung wird reduziert. (Hayn 1998: 198-201) Allerdings führt diese Vereinfachung zu einer erheblichen Einschränkung der Aussagekraft, da nicht überprüft wird, ob junge Unternehmen den Kapitalbedarf entsprechend der unterstellen Kapitalstruktur decken können. (Hayn 1998: 202-203) Deshalb sollte bei der Bewertung von Start Up Unternehmen grundsätzlich eine periodenspezifische Bestimmung der Kapitalstruktur erfolgen. (Hayn 1998: 204) Dementsprechend wird die Berechnung des Unternehmenswertes bei der Anwendung von Kapitalkostenansatz und Total Cash Flow stark verkompliziert und es ist der Adjusted Present Value oder der Nettomethode der Vorzug zu geben. (Hayn 1998: 205)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet den Mangel an geeigneten Bewertungsmodellen für junge Unternehmen und legt das Ziel der Arbeit fest, bestehende Methoden auf ihre Eignung für Start-ups zu prüfen.
2 Charakteristika von Start Up Unternehmen: Dieses Kapitel definiert Start-ups über ihr überproportionales Wachstum, die inhärente Unsicherheit und die spezifische Planungsproblematik aufgrund mangelnder historischer Daten.
3 Klassische Bewertungsverfahren: Hier werden das Substanzwert- und das Ertragswertverfahren vorgestellt, wobei deren Ungeeignetheit für die Bewertung junger Wachstumsunternehmen aufgrund statischer Annahmen betont wird.
4 DCF (Discounted Cash Flow) Verfahren: Dieses Kapitel führt in die komplexen Brutto- und Netto-DCF-Ansätze ein, inklusive der Berechnung von Cash Flows und der Eigenkapitalkosten mittels CAPM, und bewertet deren begrenzte Anwendbarkeit bei Start-ups.
5 Bewertung mittels Multiples: Die Arbeit analysiert die Multiplikatorenmethode als marktorientierten Bewertungsansatz, der bei fehlenden Plandaten oft eine informativere Alternative zu DCF-Modellen darstellt.
6 Weitere Bewertungsverfahren: Hier werden ergänzende Ansätze wie das Modell von Copeland, das stochastische Modell von Schwartz und Moon sowie der Realoptionenansatz diskutiert, die unternehmerische Flexibilität berücksichtigen.
7 Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die Multiplikatorenmethode in der Praxis am besten für Start-ups geeignet ist, betont jedoch die fundamentale Schwierigkeit einer präzisen Bewertung vor Erreichen der „eingeschwungenen“ Phase.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Start-up, Discounted Cash Flow, Multiplikatorenmethode, Eigenkapitalkosten, CAPM, Unternehmensplanung, Wachstum, Kapitalstruktur, Realoptionen, Unternehmenswert, Investitionsplanung, Marktpreis, Finanzanalyse, Venture Capital.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, Start-up-Unternehmen adäquat zu bewerten, da klassische Verfahren aufgrund der spezifischen Dynamik und Unsicherheit dieser Unternehmen oft an ihre Grenzen stoßen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Charakteristika von Start-ups, die Anwendung klassischer Methoden (Substanz- und Ertragswert), die Funktionsweise und Anwendbarkeit von DCF-Verfahren sowie die Marktwertorientierung durch Multiplikatoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Prüfung verschiedener Bewertungsmethoden auf ihre Anwendbarkeit bei jungen Wachstumsunternehmen, um zu klären, welcher Ansatz eine aussagekräftige Einschätzung bietet.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse und einen systematischen Vergleich bestehender betriebswirtschaftlicher Bewertungsmodelle, um deren Stärken und Schwächen im Kontext von Start-up-Finanzierungen zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden mathematische Modelle wie DCF (inkl. WACC, TCF, APV), die CAPM-gestützte Kapitalkostenermittlung sowie diverse Multiplikator-Verfahren (Equity und Entity) detailliert analysiert und kritisch hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Unternehmensbewertung, Start-up, Discounted Cash Flow (DCF), Multiplikator, Eigenkapitalkosten, CAPM, Realoptionen und Unternehmenswert.
Warum ist das DCF-Verfahren für viele Start-ups laut Autorin problematisch?
Da Start-ups noch keine Historie aufweisen und ihre Planung extrem unsicher ist, führen DCF-Modelle oft zu einer „Schein-Präzision“, die auf unrealistischen Hockey-Stick-Planungen basiert.
Was macht den Realoptionenansatz für Start-ups so interessant?
Der Ansatz ist deshalb wertvoll, weil er die unternehmerische Flexibilität – wie die Möglichkeit, Projekte bei neuen Informationen anzupassen oder zu beenden – explizit als wertsteigernden Faktor berücksichtigt.
Wie unterscheidet sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) vom Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)?
Das KGV ist ein Stromgrößenindikator, der den Gewinn in Bezug zum Marktpreis setzt, während das KBV ein Bestandsgrößenindikator ist, der auf das bilanzielle Eigenkapital fokussiert und eher für Liquidationsszenarien relevant ist.
- Quote paper
- Dipl. Verwaltungswissenschaftler Ulrike Weh (Author), 2003, Bewertung von Start-Up-Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57639