Fächerverbindender Unterricht. Begriff, Theorie und Beispiel


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1 Fächerübergreifender Unterricht
2.2.1 Fächerverbindender Unterricht (FvU)
2.2.2 Warum fächerverbindend unterrichten?
2.2.3 Die Planung von fächerverbindendem Unterricht

3. Vorschläge für die Praxis

1. Einleitung

Schaut man sich unser heutiges Schulsystem an, stellt man fest, dass das vermittelte Wissen fast ausschließlich hochgradig spezialisiert ist. Der Philosoph Jürgen Mittelstraß[1] etwa warnt vor der zunehmenden Entfremdung der großen Wissenschaftsgebiete, als da wären die Natur-, Geistes-, und Sozialwissenschaft. Alle drei Gebiete stehen sich immer stärker ohne Kommunikation gegenüber und beanspruchen ein eigenes Wissen. Dieses Wissen aber wird erlangt durch das Nichtwissen anderer Bereiche oder wie Herbert Gudjons sagt: „Wir wissen immer mehr von immer weniger und immer weniger von immer mehr.“[2]

Ein gefächerter Unterricht aber reicht nicht mehr aus um eine angemessene Vorbereitung auf den Eintritt in das gesellschaftliche Leben zu sichern. Zu komplex sind zumeist die neuen Aufgaben, seien sie es in Beruf, Politik oder auch im privaten Bereich. Die Erkenntnis, dass Schüler darauf vorbereitet werden müssen, ist nicht neu, und um die nötige Neuorientierung pädagogischer und didaktischer Ansprüche an Schulen in die Wege zu leiten haben sich die Kultusminister in den 1990er Jahren dazu entschlossen, den fächerübergreifenden Unterricht, wenn auch nur für die gymnasiale Oberstufe, verbindlich in den Lehrplan aufzunehmen. Das fächerübergreifende Prinzip aber ist nicht nur für auf diese eine Schulform beschränkt. Vielmehr kann man dieses Prinzip in allen Schularten anwenden und das mit Erfolg. Denn eine hohe Flexibilität sowie Anpassungsfähigkeit erlauben es dem fächerübergreifenden Unterricht sich auf individuelle Situation von Klassen wie auch Schulen anzupassen.[3] Fachgrenzen werden überwunden und es eröffnet sich ein breiteres Lernfeld.

Auch aus diesem Grund entscheiden sich immer mehr Kultusminister in den Lehrplänen anderer Sekundarstufen ebenfalls Vorschläge für fächerübergreifenden Unterricht einzuarbeiten.

Die Realisierung fächerübergreifenden Unterrichts bereitet aber noch immer große Schwierigkeiten, Ursachen dafür liegen in der fest etablierten Form des reinen Fachunterrichts und in der Angst der Lehrer, den ihnen vertrauten Wissensbereich zu verlassen. Dass diese Angst unbegründet ist, wird sich bei der Analyse der verschiedenen Begriffe für das Thema fachübergreifendes Lernen zeigen.

Aber auch die Annahme, dass einige Lehrer einfach den höheren Arbeitsaufwand scheuen, ist nicht von der Hand zu weisen.

Ziel dieser Arbeit ist es, die vielen, teils verwirrenden Begriffe, die es zu diesem Thema gibt, auf einen oder zwei klare Begriffe zu reduzieren, um so das Einsteigerproblem, nämlich die Frage, was mit fächerübergreifenden Unterricht gemeint ist, zu lösen. Anschließend soll erläutert werden, warum und wie man fächerübergreifend unterrichten sollte. Damit sollen Skeptiker von den Vorteilen dieses Konzeptes überzeugt werden sowie Interessierten eine mögliche Herangehensweise an das Thema aufgezeigt werden. Diese wird am Schluss der Arbeit mit einem Beispiel aus den Fächern Geschichte und Geographie verdeutlicht.

2. Begriffsklärung

Versetzt man sich einmal in die Lage eines langjährigen Lehrers, der sich nun erstmalig theoretisch mit jenem didaktischen Handlungsbereich auseinander setzt, in den auch der fächerverbindende Unterricht fällt, so stellt man fest, dass für ein und dieselbe Sache verschiedene Begriffe genutzt werden. Es kommt aber auch vor, dass derselbe Begriff verschiedene Sachverhalte meint.

So tauchen sowohl in der Praxis als auch in der Theorie Begriffe wie Vielseitig aspektierter Unterricht, Mehrperspektivischer Unterricht, Überfachlicher Unterricht, Gesamt-Unterricht, Interdisziplinärer Unterricht, Fächerverbindender Unterricht und Fächerübergreifender Unterricht auf.[4]

In dieser Fülle von Begriffen den Überblick zu behalten ist nicht leicht, wenn nicht unmöglich. Es ist daher notwendig, den thematisierten Begriff theoretisch klar einzuordnen und nach Möglichkeit eine klare Definition dafür anzufertigen. Diese Klarheit in der Theorie muss aber auch in die Praxis gelangen, denn wie oft kam es schon vor, dass zwei Menschen unter Verwendung derselben Begriffe über völlig verschiedene Sachen gesprochen haben. Diese Unklarheit führt zwangsläufig zu Missverständnissen und schreckt alle Betroffen ab.

So sei betont, dass fächerübergreifend zu unterrichten nicht bedeutet, auf fachliche Inhalte, Denkmodelle, Methoden und Einsichten zu verzichten. Diese Aspekte sollen stattdessen zur Lösung von Problemen (auch im Alltag) herangezogen werden, die man aus einer oder nur wenigen Fachperspektiven nicht bewältigen kann.

Eine klare Einordnung oder gar Definition des Fächerübergreifenden ist bis heute jedoch nicht möglich. Das liegt wohl vor allem daran, dass sich jeder, insbesondere in den 90er Jahren, einen eigenen Begriff gemacht hat. Um diesem Problem nun Herr zu werden, schlagen verschiedene Didaktiker immer wieder Definitionen vor.

Peterßen schlägt zum Beispiel vor, dass der Begriff fächerverbindenden Unterrichts auf die Organisation von Unterricht bezogen wird. „Dabei wird auf die Fachorganisation abgehoben und fächerverbindender Unterricht als eine Organisationsform zwischen zwei Polen geordnet: Gefächerter Unterricht – Ungefächerter Unterricht.“[5]

Das Konzept aber soll themenzentriert und integrativ begriffen werden, wobei man es von rein additiven Ansätzen unterscheiden soll.[6]

Vorschläge zur Lösung des Definitionsproblems kommen auch von Autoren wie Dunker/ Popp, Dies und Götze, keine ihrer Ideen, zumal sehr ähnlich, hat sich aber bis heute richtig durchsetzen können. Festzuhalten ist aber, dass in den letzten Jahren sich die Fülle von Begriffen praktisch von selbst beseitigt hat. So finden im heutigen Sprachgebrauch fast nur noch die Begrifflichkeiten des Fächerverbindenden Unterrichts und des Fächerübergreifenden Unterrichts Verwendung. Woran das liegt ist schwer zu sagen, aber die Vermutung liegt nahe, dass es zum einen dem Vorgang der Sprachökonomie unterliegt und zum anderen eine Differenzierung mit zwei Begriffen wohl als ausreichend empfunden wird.

Abschließend sei hier erwähnt, dass Didaktiker sich aber trotzdem bis heute noch nicht darüber einig sind, welchem Begriff welche Eigenschaften zuzuschreiben sind und wie weit sie sich von einander unterscheiden.

Tatsache aber ist, dass Duncker/ Popp zum Beispiel den Begriff des fächerübergreifenden Unterricht bevorzugen, Peterßen dagegen den des fächerverbindenden Unterrichts. Beide schreiben die Vorteile, die in den nächsten Kapiteln näher herausgearbeitet werden, „ihrem“ Begriff zu, gemeint ist aber im Endeffekt dasselbe. Sieht man sich einmal die „Fünf Formen fächerübergreifenden Lehrens und Lernens“[7] von Duncker/ Popp an, so wird man frappierende Ähnlichkeiten zur Argumentation von Peterßen finden.

2.1 Fächerübergreifender Unterricht

Bei dieser Art des Unterrichts handelt es um einen zaghaften Versuch die Nachteile des Fachunterrichts[8] zeitweise zu überwinden, indem man mehrere Fächer an ein Thema bindet. Dies geschieht aber in einer rein additiven Art, das heißt, dass es immer ein Leitfach gibt, aus dem das zentrale Thema genommen wird. In diesem Leitfach wird das Thema auch besonders intensiv behandelt. Die anderen Fächer haben stattdessen die Aufgabe den Schülern Verbindungen zwischen ihren Fach und dem Thema aufzuzeigen. Hier soll also das Wechselspiel verschiedener „Kräfte“ aufgezeigt werden oder besser, dem Schüler wird die Aufgabe des Verbindens von sonst durch Fach und/ oder Zeit getrennt erlernten Wissens erleichtert. Schlussendlich soll dieser Vorgang den Schüler befähigen auch in der realen Welt Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen, sodass er damit „richtig“ umgehen kann.

Oft aber führt dieses Vorgehen nur dazu, dass Lehrer themenähnliche Bereiche behandeln, ist es doch die Möglichkeit, den vom Lehrplan geforderten fächerübergreifenden Unterricht umzusetzen, ohne große Mühen in Vorbereitung und Organisation zu stecken. Auf Grund der mangelnden Absprache/ Organisation treten

Zusammenhänge aber nur marginal zu Tage.

[...]


[1] Vgl. Herbert Gudjons; in Klaus Moegling; Fächerübergreifender Unterricht – Wege ganzheitlichen Lernens in der Schule; 1998; S. 9

[2] Zitat: Ebenda

[3] Vgl. Ludwig Duncker/ Walter Popp (Hrsg.); Fächerübergreifender Unterricht in der Sekundarstufe I und II; 1998; S. 8f

[4] Vgl. Sven Hansen; Fächerübergreifender Unterricht in der Schule für Lernbehinderte; 3 Teile; in: Sonderschulmagazin; 14. Jg.; 1992; H. 3; S. 7-9

[5] W.H. Peterßen; Fächerverbindender Unterricht; München; 2000; S.12

[6] Ebenda

[7] Fächerübergreifender Unterricht in der Sekundarstufe I und II;1998; S. 10ff

[8] Vgl. Kapitel 2.2.2.; Warum Fächerverbindend unterrichten

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Fächerverbindender Unterricht. Begriff, Theorie und Beispiel
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Pädagogik)
Veranstaltung
Formen des Unterrichts
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V57730
ISBN (eBook)
9783638520812
ISBN (Buch)
9783656210757
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Einige Stellen sollten mehr thesenhaft(gibt die Arbeit inhaltlich her) formuliert werden um so den "Roten Faden", an dem sich die Arbeit entlang streckt, mehr in den Vordergrund zu rücken. Ein kurzer Schluß (vgl. Ende Kapitel 3) sollte als separates Kapitel formuliert werden.
Schlagworte
Fächerverbindender, Unterricht, Begriff, Theorie, Beispiel, Formen, Unterrichts
Arbeit zitieren
Philipp Berner (Autor), 2006, Fächerverbindender Unterricht. Begriff, Theorie und Beispiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57730

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Titel: Fächerverbindender Unterricht. Begriff, Theorie und Beispiel



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