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Erzählte Bilder und deren Zeit(en) in Goethes Wahlverwandtschaften

Titel: Erzählte Bilder und deren Zeit(en) in Goethes Wahlverwandtschaften

Hausarbeit , 2005 , 15 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Frank Dersch (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Während der Lektüre der Wahlverwandtschaften musste sich für den historischen Leser ein Wiedererkennungseffekt mit großem Identifikationspotenzial einstellen, denn zeitgenössische Themen und Fragestellungen werden in dem Roman ausführlich verhandelt. Der starke Verweischarakter zu historischen Diskursen findet in ästhetischer Hinsicht seinen Höhepunkt in den Szenen der lebenden Bilder oder „tableaux vivants“. Die vielen möglichen Lesearten der angesprochenen Szenen in den Wahlverwandtschaften und den damit verbundenen Schlussfolgerungen auf den Roman als Textganzes lassen keine eindeutige Interpretation zu, eine Tatsache, die auch die verschiedenen Aufsätze zu diesem Themenkomplex zeigt . Sowohl Charakterstudien, die wohl häufigste Leseart, als auch beispielsweise eine historisch- personifikatorische Interpretation legen einerseits zwar neue Bedeutungsschichten der lebenden Bilder in den Wahlverwandtschaften frei, andererseits verdecken solche Lektüren die Stellung und Funktion der Bilder für den ganzen Roman. Dass die Szenen der lebenden Bilder eine Schlüsselposition für den Roman einnehmen, scheint in der Wahlverwandtschaften-Forschung unwidersprochen. Der auf mehrere gesellschaftliche Diskurse um 1800 verweisende Aspekt dieser Szenen ist kaum zu leugnen, bei mehrmaliger Lektüre tauchen jedoch immer mehr Assoziationen, Ähnlichkeiten und Verbindungen zur Romanhandlung auf. Die Korrelation zwischen der Semantik der dargestellten Bilder und einzelnen Figuren, vor allem Luciane und Ottilie, sowie der Romanhandlung als Ganzes exponiert die lebenden Bilder innerhalb der Erzählung als besonderes Moment. In dieser Arbeit soll nun die außerästhetische Referenz der Szenen in rein formalistischen Gesichtspunkten besprochen werden, nämlich in Bezug auf die Frage: Wie präsentiert Goethe in den Wahlverwandtschaften die lebenden Bilder, die als visuelles, und nicht als sprachliches Phänomen zu verstehen sind? Erst die Analyse dieses Medienwechsels kann genaueren Aufschluss über die textimmanente Funktion der lebenden Bilder geben, welche vor allem die zeitliche Struktur der Erzählung sowie den Erzählfluss wesentlich beeinflussen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur sprachlichen Inszenierung eines visuellen Mediums

3. Operationen der Zeitlichkeit

4. Zusammenfassung

5. Bibliographie

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Funktion der "lebenden Bilder" (tableaux vivants) in Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften". Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Goethe diese visuellen, nicht-sprachlichen Phänomene formal in die sprachliche Erzählstruktur integriert und welche Auswirkungen dieser Medienwechsel auf die zeitliche Struktur und den Erzählfluss des Romans hat.

  • Analyse des Medienwechsels von visuellen Attitüden zur textuellen Narration
  • Untersuchung der Charakterisierung der Figuren Luciane und Ottilie durch ihre Bilddarstellungen
  • Betrachtung der ästhetischen Grenze zwischen Bildraum und Zuschauerraum
  • Die Rolle der Musik als ergänzendes Zeitmedium zur Dramatisierung der Szenen
  • Reflektion über die Selbstreflexion des Romans hinsichtlich seiner eigenen Anschaulichkeit

Auszug aus dem Buch

3. Operationen der Zeitlichkeit

Die Szenen der lebenden Bilder im Roman generieren ihr dichtes Bedeutungsgewebe nicht allein durch die Verweisstrukturen zu realen Gegebenheiten oder zur stilistischen Präsentation der Erzählung, welche durch die lebenden Bilder offensiv ausgestellt wird. Genauso deutlich weisen die Textstellen Bezüge zur Handlung auf, welche jedoch auf unterschiedliche Art und Weise organisiert werden. Während einmal die Bildinhalte selbst als weit reichende Metaphern auf Erzählstränge bzw. Figuren gelesen werden können, was im Folgenden nur am Rande besprochen werden wird, implizieren die Bilddarstellungen ebenso, dass die Zeitlichkeit der Erzählung, die auf der sukzessiven Erfahrung der Lektüre beruht, manipuliert und variiert wird.

Analog zur Verbindung von Bildsemantik und Erzählsemantik lassen sich textuelle Bezüge zwischen Darstellung wie auch Inhalt der lebenden Bilder und bereits Erzähltem sowie noch zu Erzählendem herstellen. Die narrativen Ana- und Prolepsen innerhalb der lebenden Bilder, um dabei zwei Termini Gérard Genettes aufzugreifen, sind dabei in bestimmter Weise strukturiert. Liest man die tableaux vivants als Charakterstudie der diametral zueinander stehenden Figuren Ottilie und Luciane, was bis zu einem gewissen Grad möglich ist, findet in Form der unterschiedlichen Präsentationsweisen der Bilder ein Rückgriff auf bereits entworfene Kontraste zwischen den beiden Figuren statt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der "tableaux vivants" als zentrales ästhetisches Moment der Wahlverwandtschaften ein und erläutert die methodische Absicht, die Szenen formalistisch auf ihren Medienwechsel hin zu untersuchen.

2. Zur sprachlichen Inszenierung eines visuellen Mediums: Dieses Kapitel behandelt die Genese der lebenden Bilder im Roman, den Einfluss der Aufführungssituation und die spezifischen Herausforderungen bei der textuellen Repräsentation visueller Ästhetik.

3. Operationen der Zeitlichkeit: Hier wird analysiert, wie die statischen Bilder durch ihre Einbettung in die Erzählung zeitliche Dynamiken erzeugen und die Romanhandlung sowie die Charakterentwicklung von Luciane und Ottilie strukturieren.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Ergebnisse und betont, dass die lebenden Bilder durch ihre narrative Struktur ein wesentlicher, rätselhafter Teil der literarischen Komposition Goethes sind.

5. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die für die Untersuchung herangezogenen Primär- und Sekundärquellen auf.

Schlüsselwörter

Goethe, Wahlverwandtschaften, lebende Bilder, tableaux vivants, Medienwechsel, Zeitlichkeit, Erzählstruktur, Luciane, Ottilie, Bildsemantik, Literaturwissenschaft, Ästhetik, Anschaulichkeit, Narratologie, Rezeption.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Funktion der "lebenden Bilder" in Goethes Wahlverwandtschaften und deren Wirkung auf die Erzählweise des Romans.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Medialität, die zeitliche Struktur der Erzählung, die Charakterzeichnung durch visuelle Inszenierung sowie das Verhältnis von Bild und Text.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu ergründen, wie Goethe ein primär visuelles Phänomen sprachlich umsetzt und wie dies den Erzählfluss sowie das Verständnis der Leser beeinflusst.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor wählt einen formalistischen Ansatz, um die textimmanente Funktion der Bilder innerhalb der erzählerischen Struktur zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der sprachlichen Inszenierung visueller Medien und die Analyse der durch die Bilder induzierten Operationen der Zeitlichkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere: lebende Bilder, Wahlverwandtschaften, Medienwechsel, Zeitlichkeit und Erzählsemantik.

Wie unterscheidet sich die Darstellung von Luciane von der von Ottilie?

Während Luciane zur Selbstpräsentation und Unterhaltung neigt, steht Ottilie für Zurückhaltung und Selbstverleugnung, was sich in der unterschiedlichen Behandlung ihrer "lebenden Bilder" durch den Erzähler widerspiegelt.

Welche Rolle spielt die Musik in den Inszenierungen?

Die Musik fungiert als Zeitmedium, das die statischen Bilder ergänzt, dramatischer gestaltet und die Stimmung innerhalb der Erzählung maßgeblich beeinflusst.

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Details

Titel
Erzählte Bilder und deren Zeit(en) in Goethes Wahlverwandtschaften
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Proseminar: Goethes Wahlverwandtschaften
Note
1,5
Autor
Frank Dersch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V57744
ISBN (eBook)
9783638520959
ISBN (Buch)
9783638792509
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erzählte Bilder Zeit(en) Goethes Wahlverwandtschaften Proseminar Goethes Wahlverwandtschaften
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Frank Dersch (Autor:in), 2005, Erzählte Bilder und deren Zeit(en) in Goethes Wahlverwandtschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57744
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Leseprobe aus  15  Seiten
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