Runen und Runenschriften - Historie und Mythologie der geheimnisvollen Zeichen


Seminararbeit, 2004

24 Seiten, Note: 1,0 -


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

1. Das Wort „Rune“

2. Bedeutung und Gebrauch von Runen

3. Theorien über die Entstehung der Runen

4. Beispiel: „Der Helm von Negau“

5. Das Problem der Quellen

6. Die Runenalphabete
6.1. Älteres Futhark
6.2. Jüngeres oder Nordisches Futhark
6.3. Angelsächsisches Futhark
6.4. Armanen-Futhark

7. Die germanische Mythologie
7.1. Odins Runenlied

8. Reste von Runenzeichen in der Neuzeit

Literaturangaben

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Im Rahmen meiner Nachforschungen über Entstehungszeit, Verwendung und Herkunft der Runen musste ich feststellen, dass die Hintergründe der Runenzeichen bei Weitem noch nicht erforscht sind. Vermutungen über die ersten Runenschriften variierten 500 Jahre auf oder ab, ebenso die Annahmen über den Gebrauch der Zeichen. Auch die Herkunft der Runen lässt viel Raum für Spekulation. Ob von der etruskischen oder von der lateinischen Schrift abgeleitet, ob von germanischen Söldnern erfunden…, nichts scheint wahrlich geklärt.

Auffallend waren die vielen mythologischen Erklärungen, da Runen ja heute noch in esoterischen Kreisen in Gebrauch sind.

Neben den beeindruckenden Runensteinen des 6. bis 10. Jahrhunderts sind vor allem die Überreste der Runen in der heutigen Zeit interessant.

Dass fast alle älteren Bücher, die sich mit Runen beschäftigen (und in der UB auszuleihen sind), aus der Zeit des Nationalsozialismus stammen, stimmte mich nachdenklich. Der Hintergrund, dass man sich besonders zu dieser Zeit mit dem „Ahnenerbe“ befasste, liegt nahe, der Inhalt der Bücher muss aber durchaus sehr kritisch betrachtet werden, da die Bücher von ideologischen Ansätzen aufweisen.

1. Das Wort „Rune“

Definition: Runen sind „die in Stein, Metall oder Holz geritzten graph. Zeichen der R.schrift (2./3. Jh.-11. Jh.), der ältesten Schrift der germanischsprachigen Stämme, die mit dem Aufkommen der christl.-mittelalterl. Kultur der lat. Schrift wich. Die R.schrift ist auch eine Begriffsschrift, d.h., die R. repräsentieren einen Begriff, der mit jedem Zeichen eigenen R.namen identisch ist.“[1]

Das Wort „Rune“ geht auf das vorindogermanische „*reu“[2], altnordisch „rún“, gotisch/ altsächsisch/ althochdeutsch „ru*na“, altenglisch „ru*n“, angelsächsisch „ge-reonian“[3] zurück, was soviel wie „raunen“, „flüstern“ bedeutet. Weitere Bedeutungen sind auch „Geheimnis“, „Mysterium“, sowie im Mittelwalisischen „rhin“ = „magischer Zauber“, finnisch „runo“ = „Lied“, „Gesang“, „Beschwörung“, norwegisch „rune“ = „geheimes Symbol“…[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das ebenfalls althochdeutsche „giru*ni“ steht für „geheime Beratung“ (Geraune). Die Begriffe „meginrunar“ und „ginnorunar“ bedeuten Machtrunen und Magierunen.[5] „leodrunan“ sind die „Liedrunen“.

Das Wort „Rune“ bezieht sich also auf die ursprünglich beim Lesen oder Ritzen gesprochenen Heilworte bzw. auf das flüsternde Lesen der Runenzeichen.

2. Bedeutung und Gebrauch von Runen

In seiner Bedeutung als Bezeichnung für den germanischen Schriftzeichensatz ist das Wort "Rune" erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus dem Dänischen von dem Gelehrten Ole Worms entlehnt worden.[6] Sein „Danicorum monumentarum libri sex“ aus dem Jahre 1643 gilt als eine der ersten wissenschaftlichen Abhandlungen zu den Runen.

Die Runologie an sich begann dann 1821 mit Wilhelm Carl Grimms „Über deutsche Runen“.

Die Runenschrift war keine Gebrauchsschrift. Vielmehr war sie nur einzelnen bestimmten Personen zugänglich, den Druiden bzw. so genannten „Runenmeistern“ bzw. „Erulern“ (von „erilaR“/ „irilaR“). Unberechtigte sollten die Zeichen nicht entziffern können. Die Runen dienten also als Geheimschrift zu religiösen Zwecken (Geheimworte, Heilszeichen, Verstärkung…). Um die Runen auch sicher zu kodieren, wurden etliche Tricks angewandt: angefangen über das spiegelverkehrte Schreiben der Zeichen, umgestellte Buchstaben, Auslassen der Vokale bis zur Reduzierung auf die Anfangsbuchstaben.

Vorerst nutze man sie für magische Zwecke (Losorakle…), als Rune galt das Flüstern beim Lesen und Deuten der Zeichen bzw. das Flüstern beim Einritzen der Zeichen. Dann gebrauchte man das Wort „Rune“ für die eingeritzten Zeichen (Schutz- und Segenszeichen, religiöse Symbole, Eigentumskennzeichnungen). Erst später – nach dem Verlust des magischen Charakters der Symbole - verwendete man die Runen als Schriftzeichen und bezeichneten damit die Buchstaben des germanischen Alphabets.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Zeiten der Christianisierung wurde der Begriff „Rune“ aufgrund seiner religiösen bzw. - für die Christen - heidnischen Bedeutung gemieden. Erst im 17. Jahrhundert wurde das Wort „Rune“ durch den bereits erwähnten Ole Worms wiederbelebt.

3. Theorien über die Entstehung der Runen

Zum Ursprung der Runen gibt es verschiedene Thesen. Der Übersetzer und Runologe Ludvig F. A. Wimmer (1839 – 1920) vertrat in seinen „Runeskriftens Oprindelse og Udvikling i Norden“ (1874) die Auffassung, dass einige lateinische Buchstaben (F, B, M, R) mit den runeschen Schriftzeichen übereinstimmen bzw. ihnen ähneln. Das könnte heißen, dass das Runenalphabet in der Nähe des römisch-germanischen Grenzbereichs entstanden ist. Dieser Ansatz gilt landläufig als „Lateinthese“. Allerdings stammen die Zeugnisse ältester Runenschrift aus dem Norden Europas, was diese Theorie also in Frage stellt. Wimmer belegte als Erster die Existenz der 24 Runenzeichen des Älteren Futhark.

Carl J.S. Marstrander (1883 – 1965), Professor für Keltische Studien an der Universität Oslo, und der finnische Sprachwissenschaftler Magnus Hammarström nahmen Ende der Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts hingegen an, dass die Runen aus mehreren etruskischen Alphabeten, die vom Lateinischen beeinflusst worden sind, hergeleitet wurden.[7] Zumindest stimmen hier schon 9 Schriftzeichen (U, H, K, L, A, S, Z, T, O) mit entsprechenden Runen überein. Ebenfalls identisch mit dem Runenalphabet sind die Einfachschreibung von Doppelkonsonanten, sowie die Beliebigkeit der Schriftrichtung.

Auch die Möglichkeit, dass das älteste Runenalphabet, das Futhark, von einer einzigen Person bzw. von einer Gruppe von Menschen (germanische Söldner) entwickelt worden ist, wäre zu überlegen. Schließlich erschien das Runenalphabet unerwartet in der Geschichte und seine Ursprungsfassung veränderte sich kaum. Diese These wird besonders in Bezug auf den Helm von Negau vermutet.

„Übermittler“ der späteren Runen waren wohl die Kimbern, ein germanisches Volk, das zwischen 181 und 80 v. Chr. zwei Mal nach Norditalien vorgedrungen ist. 113 v. Chr. durchwanderten sie das Noricum nördlich der Alpen und 102 v. Chr. fielen sie in die Transpadana südlich der Berge ein.[8] Auch die Markomannen, die am Rhein und später in Böhmen siedelten, kommen in Frage.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Bezug zwischen vor-schriftlichen bzw. auch vor-runeschen Zeichen und Felssymbolen ältester Zeit. Manche Forscher nehmen an, dass einige Felsmotive spätere Runen vorwegzunehmen scheinen.

Das erste in sich geschlossene runesche Alphabet ist vermutlich um das Jahr 0 im Gebiet des heutigen Dänemarks aufgetreten. Die meisten der bis heute gefundenen Inschriften werden auf die Zeit zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 8. Jahrhundert n. Chr. datiert. Viele dieser Funde stammen aus Mooren und Gräbern.

Fazit: Runen sind also germanische Schriftzeichen, die etwa um das Jahr 0 aus Alphabeten der Sprachen rund um das Mittelmeer und aus germanischen Symbolen gebildet wurden.[9] Bis zum 5. Jahrhundert entwickelte sich dann eine weitgehend einheitliche Runenschrift: das Ältere Futhark, bestehend aus 24 Runen.

Es wird angenommen, dass die germanischen Stämme neue Schriftzeichen, seien es etruskische, lateinische…, mit ihren eigenen Symbolen und Heilszeichen (z.B. die z-Rune als Symbol für einen betenden Menschen) kombiniert und so die Runenschrift entwickelt haben. Die Germanen haben also nicht die Schriftzeichen irgendeiner Kultur blind übernommen, sondern sie ihrem Glauben und Denken entsprechend angepasst.

4. Beispiel: „Der Helm von Negau“

Der Bronzehelm von Negau gilt als ältestes erhaltenes germanisches Schriftdenkmal. Der Helm gehört zu einem Depotfund, der 1811 in der Nähe von Negau (heute Zenjak, Slowenien) gemacht wurde und ursprünglich 28 Helme umfasste. Der Fundort wurde für den hutförmigen Helmtypus namensgebend (à„Negauer Helme“). Die Helmform wurde im 6. Jh. v. Chr. von den Etruskern entwickelt und verbreitete sich auch im alpinen Raum. Auf der Krempe des Bronzehelms ist eine Inschrift erhalten geblieben, deren Ende nicht mehr entziffert werden konnte. Datiert wird der Helm etwa auf die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr..

Seine Inschrift „HARIGASTI TEIVA /// IP (oder IL)“ wird verschieden gedeutet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Deutsche Wissenschaftler zur Zeit des Nationalsozialismus übersetzen die Inschrift als „dem Gotte Harigast“ bzw. „Harigast, dem Tiuz“. Åke Ström vertritt hingegen die Ansicht, dass „HARIGASTI TEIVA /// Il“ als „HARIGASTI TEI V A III Il“ zu lesen sei, was soviel wie „Eigentum des Harigast, Sohn des Teus, zur dritten illyrischen Hilfskompanie gehörend“ bedeute. Eine weitere Deutung wäre „HARI GASTI TEIVA“, also „dem göttlichen Gast des Heeres“.

Zwei Ansichten zu der Herkunft der Schriftzeichen des Helms stehen sich bis heute gegenüber:

Die deutschen Wissenschaftler nahmen an, dass die Runenzeichen ihren Ursprung im norditalischen Alphabet hatten, welches seinerseits wiederum vom lateinischen Alphabet geprägt war. Durch den bereits erwähnten Einfall der Kimbern in das norditalische Gebiet 181 v. Chr. seien diese wohl in Kontakt mit deren Alphabet gekommen. Im Vergleich mit etruskischen Inschriften, die auf das 3. Jahrhundert v. Chr. zurückgehen, wurde festgestellt, dass die Runenschrift wohl doch noch früher zu datieren sei. Sechs Zeichen (f, r, n, t, b, m) gehen auf das norditalische Alphabet und somit auf die Zeit des 1./ 2. Jahrhunderts v. Chr. zurück.

[...]


[1] Meyers Lexikonredaktion [Hrsg.]: Meyers Taschenlexikon in 10 Bänden, Band 8. Mannheim: B.I. Taschenbuchverlag 1996, S. 2929.

[2] Siehe www.runenkunde.de

[3] Güntert, Hermann: Runen, Runengebrauch und Runeninschriften der Germanen. Sonderabdruck aus „Oberdeutsche Zeitschrift für Volkskunde“. 8. Jahrgang. 1934, S. 57.

[4] Siehe http://www.runen-steine.de/start.html

[5] Siehe www.ahnensitte.net

[6] Siehe http://www.andariel.net/Hexen/Runen/Runen.htm

[7] Siehe www.ahnensitte.net

[8] Altheim, F. und Trautheim, E.: Deutsches Ahneerbe. Vom Ursprung der Runen. Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann Verlag 1939, S 42ff.

[9] Siehe Vries, Jan: Helrunar. Ein Handbuch der Runenmagie. Bad Ischl: Edition Ananael 1997.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Runen und Runenschriften - Historie und Mythologie der geheimnisvollen Zeichen
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Veranstaltung
Sprachgeschichte und historische Grammatik 1b
Note
1,0 -
Autor
Jahr
2004
Seiten
24
Katalognummer
V57817
ISBN (eBook)
9783638521482
Dateigröße
1125 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Runen, Runenschriften, Historie, Mythologie, Zeichen, Sprachgeschichte, Grammatik
Arbeit zitieren
Claudia Braito (Autor), 2004, Runen und Runenschriften - Historie und Mythologie der geheimnisvollen Zeichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57817

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