Theoretische Ansätze der Kommunikationswissenschaft - Ein Überblick


Seminararbeit, 2005
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist eine Theorie?

3. Drei Dimensionen kommunikationstheoretischer Ansätze
3.1 Die grundlegende oder universale Dimension
3.2 Die zweckorientierte oder funktionale Dimension
3.3 Die konkrete oder gegenständliche Dimension

5. Kommunikationstheorien
5.1. Der symbolische Interaktionismus nach George Herbert Mead
5.2. Der radikale Konstruktivismus
5.3. Der systemtheoretische Ansatz nach Manfred Rühl
5.4. Die normative Publizistik nach Emil Dovifat
5.5. Die systematische Publizistik nach Walter Hagemann
5.6. Die funktionale Publizistik nach Henk Prakke
5.7. Die neo-marxistische Publizistik
5.8. Massenkommunikativer Ansatz nach Gerhard Maletzke
5.9. Elektronisch mediatisierte Gemeinschaftskommunikation nach
Roland Burkart und Walter Hömberg

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kommunikation – sie erscheint uns so selbstverständlich, dass die Frage nach ihrer Funktionsweise oft als akademische Spielerei abgetan wird. Dass unter renommierten Wissenschaftlern auch noch Uneinigkeit über diesen scheinbar doch so einfachen und alltäglich zu beobachtenden Prozess herrscht, scheint vor diesem Hintergrund umso unverständlicher. Fragt man sich dann aber selbst: „Was ist Kommunikation eigentlich?“, „Was macht Kommunikation aus?“, „Wie funktioniert Kommunikation?“ wird schnell klar, dass mit den Mitteln des Alltagsverstandes ein tiefergehendes Verständnis von Kommunikation nicht erreicht werden kann.

Die wissenschaftliche Behandlung publizistischer Themen beginnt bereits in der Antike. Die griechischen und römischen Redner, wie beispielsweise Aristoteles und Cicero, verwendeten eine ausgetüftelte Rhetorik, um die politische Meinung ihrer Zuhörer zu ihren Gunsten zu beeinflussen.[1] Diese Absicht, andere durch Stilmittel und bestimmte Argumentationen zu überzeugen, können bereits als publizistische Theorie bezeichnet werden. Nach einer langen Phase des Stillstandes erwachte das Interesse an der Ausarbeitung einer Theorie zeitgleich mit dem Erscheinen der ersten periodischen Medien im 17. Jahrhundert. Wissenschaftler fragten damals nach dem Nutzen und der Moral der Zeitung. Erst im 18. Jahrhundert wurde der Begriff der öffentlichen Meinung eingeführt. Eine Anleitung zum sinnvollen Gebrauch der Zeitungen beschäftigte sich nun auch mit den Problemen des Presserechts und den ökonomischen Zwängen des Mediums. Eine rapide Entwicklung zeichnete sich aber erst 1850 mit den Anfängen der Massenpresse ab.[2] Ab dem 20. Jahrhundert versuchte man deshalb das Zeitungswesen statistisch zu erfassen und auch in den technischen, volkswirtschaftlichen und psychologischen Randbereichen zu forschen.[3]

Heute ist die Kommunikationswissenschaft ein Fachgebiet mit vielen Forschungsaktivitäten und einer Fülle von unterschiedlichsten Publikationen. Im Zentrum des Fachgebietes steht „die indirekte, durch Massenmedien vermittelte Kommunikation und damit verbundene Produktions- und Verarbeitungsprozesse; ebenso aber auch die Kommunikation in und durch Organisationen, die versuchen in die Öffentlichkeit zu wirken“.[4] Die Kommunikationswissenschaft zeichnet sich immer mehr durch einen Theorien- und Medienpluralismus aus. Die Entwicklung von Kommunikationstheorien ist nötig, um das weite Feld der Kommunikationswissenschaften interpretieren und deuten zu können.

Diese Seminararbeit im Zuge des Proseminars „Grundlagen der Kommunikationswissenschaften“ soll einen Überblick über verschiedene kommunikationstheoretische Ansätze geben. Zunächst werde ich erklären, was eine Theorie überhaupt ist. Im Anschluss daran stelle ich mit den drei Dimensionen eine Möglichkeit der Kategorisierung von Kommunikationstheorien dar. Im zweiten Teil der Arbeit komme ich auf das eigentliche Thema, die Kommunikationstheorien, zu sprechen. Dabei gehe ich auf einige der kommunikationstheoretischen Ansätze genauer ein. Hierbei beschränke ich mich auf die wichtigsten Ansätze, da ein Überblick aller Theorien den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Als hauptsächliche Textgrundlage liegen mir, neben einigen Lexika und Auszügen aus dem Internet, vor allem Fachbücher vor.

2. Was ist eine Theorie?

Eine Theorie ist „eine Erklärung von Zusammenhängen und Tatsachen aus ihnen zugrunde gelegten Gesetzen, die nicht immer bewiesen sind“[5]. Das Wort „Theorie“ stammt aus dem Griechischen, wobei ,,Theoria“ im ursprünglichen Sprachgebrauch soviel wie ,,das Anschauen“ oder „die wissenschaftliche Betrachtung“ bedeutet. Eine Theorie bezeichnet also eigentlich die „Betrachtung der Wahrheit durch reines Denken, unabhängig von der Realisierung“.[6] Somit erklärt sich auch, warum man eine Theorie in der Umgangssprache als den Gegensatz zur Praxis ansieht.

In der Wissenschaft stehen Theorie und Praxis nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen einander. Der Soziologe Hans Albert bemerkte dazu: „Nichts ist in der Praxis brauchbarer, als eine richtige Theorie“.[7] Das in dieser These durchaus Wahrheit steckt, wird deutlich, wenn man den Theorie-Begriff zu definieren versucht. Danach sind Theorien, Versuche der Wirklichkeitsdeutung, die mit allgemeinen Begründungszusammenhängen die gesellschaftliche Wirklichkeit erklären. Ihnen zugrunde liegt immer ein Wertesystem (Axiomatik). Das heißt durch Abstraktion erreicht man, dass bestimmte Einzelaspekte in den Gesamtzusammenhang einsortiert werden können[8].

Bei Theorien unterscheidet man zwischen Makro-, Meso- und Mikrotheorien. Theorien auf der Makroebene beziehen sich auf die Gesellschaft und ihre unterschiedlichen Teilsysteme, beispielsweise Politik, Wirtschaft, Kultur oder Medien. Mesotheorien beschäftigen sich mit Institutionen und Organisationen. „Untersuchungsgegenstand sind hier Organisationen als Ergebnis sozialer Handlungen (kollektive und korporative Akteure), also zum Beispiel die Medienunternehmen oder das Bundesamt für Kommunikation“[9]. Die Microebene bezeichnet die soziale Handlungsebene. Sie beschäftigt sich mit Individuen, Gruppen und deren Einstellungen, Werthaltungen oder ihrem sozialen Verhalten.[10]

Die Reichweite einer Theorie wird am Untersuchungsgegenstand gemessen. Wählt man zum Beispiel den allgemeinen Vorgang der Kommunikation, erreicht man eine besonders große Reichweite, da diese Theorie überall dort gilt, wo Menschen miteinander in kommunikative Verbindung treten. Hier bewegt man sich schon fast in den allumfassenden Kategorien der Naturwissenschaften. Die Systemtheorie von Niklas Luhmann hat beispielsweise auch eine hohe Gültigkeit, da sie auf fast alle Lebensbereiche und fächerübergreifend verwendet werden kann. In der Publizistik haben wir es meist mit Meso-Theorien zu tun. Heute erfolgt dabei häufig die Einschränkung auf den Bereich der Massenkommunikation. Durch die Konkretisierung verengt sich auch die Reichweite. Solche Theorien gelten dann nur für einen bestimmten Ausschnitt der Wirklichkeit[11].

In den Kommunikationswissenschaften wird zwischen beschreibenden und erklärenden Theorien unterschieden. Die beschreibenden Theorien, „im streng sozialwissenschaftlichen Sinne eigentlich keine Theorien, definieren, klassifizieren, typologisieren und systematisieren das Phänomen Massenkommunikation“[12] . Die erklärenden Theorien „versuchen allgemeine Gesetze zu finden, mit deren Hilfe sie das Phänomen Massenkommunikation erklären, in einen gesellschaftlichen Zusammenhang stellen und somit eine Wirklichkeitsdeutung von Massenkommunikation geben können“[13].

Keine der beiden Theorien kann allerdings den strengen wissenschaftstheoretischen Ansprüchen im sozialwissenschaftlichen Sinne gerecht werden, deshalb wird in der Wissenschaft nicht von Theorien, sondern von theoretischen Allaussagen oder Ansätzen gesprochen. Pürer führt diese Tatsache darauf zurück, dass die Kommunikationswissenschaft über „zahlreiche, aber zu wenig abgesicherte empirische Daten verfügt“[14] und außerdem „keine zuverlässigen Methoden zur Überprüfung“[15] vorhanden sind. Deshalb müsste man eigentlich anstatt von Theorien von Denk- und Interpretationsmodellen sprechen.

Ebenfalls nicht gerade einfacher wird es uns durch die Tatsache gemacht, dass sich die Kommunikationswissenschaft als ,,interdisziplinäre Sozialwissenschaft“ versteht, was heißt, dass viele theoretische Ansätze die Grenzen anderer Fachgebiete berühren.[16] Einen Versuch der Strukturierung bieten die drei Dimensionen.

3. Drei Dimensionen kommunikationstheoretischer Ansätze

Kommunikationstheoretische Ansätze können drei allgemeinen Dimensionen zugeteilt werden: Der grundlegenden oder universalen Dimension, der zweckorientierten oder funktionalen Dimension und der konkreten oder gegenständlichen Dimension.

3.1 Die grundlegende oder universale Dimension

Theorien, die der grundlegenden oder universalen Dimension zugeteilt werden, beschäftigen sich mit der Sichtweise des Erkenntnisobjektes, also mit der Frage, was die elementaren Kennzeichen von Kommunikation sind. Sie beschäftigen sich entweder mit dem „Aspekt der Übertragung kommunikativ vermittelter Zeichen, dem Aspekt der Wechselseitigkeit aller kommunikativen Prozesse oder sie stellen den Tatbestand der Umweltbezogenheit kommunikativen Geschehens in den Mittelpunkt“.[17]

3.2 Die zweckorientierte oder funktionale Dimension

Theorien der zweckorientierten oder funktionalen Dimension beantworten die Frage nach den Zielen, beziehungsweise dem Zweck von Kommunikation. Hauptziel ist hierbei die Beeinflussung. Angewandt wird sie oft in der Politik oder in der Werbung als Überredungs- oder Überzeugungsmittel. Ein weiteres Ziel ist die Emanzipation. Diese kommt in der Pädagogik vor, wenn beispielsweise Medienkompetenz oder Kommunikationsfähigkeit angestrebt werden. Kommunikation kann auch therapeutische Ziele verfolgen. Angewendet wird sie oft bei der Behandlung von Kommunikations- und Verhaltensstörungen, beispielsweise in der Psychologie.[18]

[...]


[1] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Ein Handbuch. Konstanz: UVK 2003, S. 31/32.

[2] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Ein Handbuch, S. 32-35.

[3] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Ein Handbuch, S. 35-37.

[4] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Ein Handbuch, S. 49.

[5] Das große Wissen.de-Lexikon, Bertelsmann. Gütersloh/München: Lexikon Verlag GmbH 2001, S. 916.

[6] http://de.wikipeadia.org/wiki/Theorie.

[7] Hans Albert: Zitiert nach Roland Burkart: Kommunikationswissenschaft. Wien: Böhlau Verlag 2002, S. 425.

[8] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Systematik, Fragestellungen, Theorieansätze, Forschungstechniken. München: Ölschläger Verlag 1993, S. 135/136.

[9] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Ein Handbuch, S. 23/24.

[10] Ottfried Jarren/Heinz Bonfadelli: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Wien: Haupt-Verlag 2001, S.75.

[11] Roland Burkart: Kommunikationswissenschaft, S. 423.

[12] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Systematik, Fragestellungen, Theorieansätze, Forschungstechniken, S. 135.

[13] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Systematik, Fragestellungen, Theorieansätze, Forschungstechniken, S. 135/136.

[14] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Systematik, Fragestellungen, Theorieansätze, Forschungstechniken, S. 136.

[15] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Systematik, Fragestellungen, Theorieansätze, Forschungstechniken, S. 136.

[16] Heinz Pürer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Ein Handbuch, S. 50.

[17] Roland Burkart: Kommunikationswissenschaft, S. 424.

[18] Roland Burkart: Kommunikationswissenschaft, S. 424.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Theoretische Ansätze der Kommunikationswissenschaft - Ein Überblick
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Einführung in die Kommunikationswissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V57829
ISBN (eBook)
9783638521574
ISBN (Buch)
9783638663038
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theoretische, Ansätze, Kommunikationswissenschaft, Einführung
Arbeit zitieren
Annika Hoya (Autor), 2005, Theoretische Ansätze der Kommunikationswissenschaft - Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57829

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