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Herrschaftsverständnis und Eschatologie im Kampf Friedrichs II. mit dem Papsttum

Title: Herrschaftsverständnis und  Eschatologie im Kampf Friedrichs II. mit dem Papsttum

Term Paper , 2006 , 35 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christian Körber (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Die Auseinandersetzung mit der Herrschergestalt Friedrichs II. von Hohenstaufen (1194- 1250) ist in vielerlei Hinsicht eine herausfordernde, weil komplizierte wie kontroverse und deshalb spannende Begegnung mit grundverschiedenen Interpretationen und Darstellungen seiner Persönlichkeit und seines Wirkens. Wie kaum eine andere Gestalt des Mittelalters polarisierte er bereits zu Lebzeiten die Auffassungen seiner Zeitgenossen in einer einzigartig fundamentalen Weise. Im tieferen spiegelt sich in der ambivalenten mittelalterlichen Rezeption der Herrschaft Friedrichs II. jene zwiespältige Auffassung von herrscherlicher Gewalt und Recht, von Wissenschaft und Geistlichkeit wider, die im 13. Jahrhundert den Übergang vom Hoch- zum Spätmittelalter markiert, eine Zeit des Umbruchs und der Unruhe. Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund der Veränderung findet ebenso die Papstgeschichte des Mittelalters in denjenigen Amtsträgern eine herausragende Bedeutung, die im späten 12. und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts das Papsttum zu einer bis dato unerreichten Herrschaftsautorität führten.
Im Mittelpunkt der vorliegenden Untersuchung steht die Frage, warum und in welcher Ausprägung der lange schwelende Konflikt zwischen Kaisertum und Kurie, der bereits unter Friedrich I. Barbarossa schwelte, in einem unerbittlichen Vernichtungskampf zwischen Friedrich II. und dem Apostolischen Stuhl mündete und welches Arsenal an politischen wie ideologischen Waffen beiden Seiten zur Verfügung stand. Dabei sollen neben der Herausarbeitung der verschiedenen Grundauffassungen von legitimer geistlicher und weltlicher Gewalt auch der beiderseits exzessiv erfolgte propagandistische Rückgriff auf apokalyptische Vorstellungen, die innerhalb der abendländischen Christenheit im Übergang vom Hoch- zum Spätmittelalter weite Verbreitung fanden, einer näheren Betrachtung unterliegen. Den theologisch-spirituellen Ausgangspunkt bilden hierfür die biblischen Visionen der Johannes Offenbarung sowie die joachitischen Weissagungen vom nahenden Antichrist.

Excerpt


Gliederung der Arbeit

1. Einleitung: Betrachtungsgegenstand und Vorgehensweise

2. Der Konflikt zwischen Friedrich II. und der römischen Kurie

2.1. Die wesentlichen Konfliktlinien seit Friedrichs Kaiserkrönung 1220

2.2. Die Eskalation des Streits: Die zweite Exkommunikation Friedrichs und der Beginn des „Endkampfes“

3. Geistliche und weltliche Herrschaft aus päpstlicher Sicht

4. Der Kaiser der Endzeit: Kaiseridee und Herrschaftsverständnis bei Friedrich II

5. „Ascendit de mari bestia“ – Der Gegner als Antichrist im Rückgriff auf eschatologische Vorstellungen und der weitere Verlauf des Kampfes

6. Schlussgedanke

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den tiefgreifenden Konflikt zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Papsttum im 13. Jahrhundert, wobei der Fokus auf den zugrunde liegenden Herrschaftsverständnissen und der exzessiven propagandistischen Nutzung eschatologischer Vorstellungen beider Seiten liegt.

  • Analyse des eskalierten Machtkampfes zwischen imperium und sacerdotium.
  • Untersuchung des päpstlichen Anspruchs auf universelle Vollgewalt.
  • Gegenüberstellung der kaiserlichen Auffassung von Gottunmittelbarkeit und Endzeitkaisertum.
  • Betrachtung der propagandistischen Instrumentalisierung apokalyptischer Feindbilder.
  • Bewertung der langfristigen Folgen für das mittelalterliche Staatsdenken.

Auszug aus dem Buch

3. Geistliche und weltliche Herrschaft aus päpstlicher Sicht

Da im ausgehenden Hochmittelalter die päpstliche Ableitung weltlicher Herrschaft eng mit dem hierokratischen Prinzip der apostolischen Weltordnungsvision verknüpft ist, lohnt es, sich zunächst mit der mittelalterlichen kirchenrechtlichen Konzeption päpstlicher Autorität auseinanderzusetzen.

Das Papsttum versteht sich als eine Institution sui generis. Dieses Selbstverständnis erwuchs aus der bereits im 1. Jahrhundert postulierten Auffassung, in der Nachfolge des Apostels Petrus zu stehen. Im fünften Jahrhundert war es dann Papst Leo I. gelungen, die Bibelexegese über Begrifflichkeiten des römischen Rechts zu betreiben und darüber den Beweis zu liefern, dass allein der Papst der legitime Nachfolger Petri sei, oder genauer, dessen juristischer Nachfolger. Demnach übergab Christus an Petrus die potestas ligandi et solvendi, also die Macht, ein bestimmtes Amt mit bestimmten Funktionen auszuüben, das als vererbbares Recht immer wieder von neuem und in vollem Umfang als göttliches Mandat an den erwählten Nachfolger Petri vergeben wird. Zwar ist der Papst als Person ein indignus haeres, ein unwürdiger Nachfolger im Sinne der Ausübung der göttlichen Machtvollkommenheit. Aber als legitimer Rechtsnachfolger Petri fallen ihm die Aufgabe und zugleich die Bürde der Ausübung dieser Machtfülle zu. Aus dieser Dichotomie ergibt sich ein zentraler Grundsatz des Papsttums, die Trennung von Person und Amt. So gibt es nach diesem Verständnis grundsätzlich keine Möglichkeit, das Amt mit den persönlichen Verfehlungen des Amtsträgers in Verbindung zu bringen, da persönliche Eigenschaften für das Amt des Papstes als solches keine Rolle spielen und daher auch kein Amtsnachfolger als unmittelbarer Nachfolger Petri Verantwortung für etwaige Verfehlungen des Vorgängers übernehmen kann. Diese Trennung des objektiven Rechts vom subjektiven Träger des Recht setzenden Amtes hat dem Papsttum eine enorm hohe Resistenzfähigkeit verliehen und trägt einen wesentlichen Anteil an der päpstlichen Machtposition im Mittelalter und darüber hinaus in sich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Betrachtungsgegenstand und Vorgehensweise: Das Kapitel führt in den Konflikt zwischen Friedrich II. und dem Papsttum ein und erläutert die methodische Herangehensweise unter Berücksichtigung aktueller Forschungskontroversen.

2. Der Konflikt zwischen Friedrich II. und der römischen Kurie: Hier werden die wesentlichen Konfliktlinien nach 1220 nachgezeichnet, insbesondere die Eskalation durch Exkommunikationen und den Beginn des als Endkampf empfundenen Zerwürfnisses.

3. Geistliche und weltliche Herrschaft aus päpstlicher Sicht: Dieses Kapitel erläutert die kirchenrechtliche Konzeption der päpstlichen Autorität und die daraus abgeleitete Überordnung des Papstes über weltliche Mächte.

4. Der Kaiser der Endzeit: Kaiseridee und Herrschaftsverständnis bei Friedrich II: Die Untersuchung beleuchtet die staufische Kaiseridee, insbesondere die Sakralisierung der Herrschaft durch das Motiv des divinum beneficium und Friedrichs Selbstinszenierung als Endzeitkaiser.

5. „Ascendit de mari bestia“ – Der Gegner als Antichrist im Rückgriff auf eschatologische Vorstellungen und der weitere Verlauf des Kampfes: Dieses Kapitel behandelt die propagandistische gegenseitige Titulierung als Antichrist und die Instrumentalisierung biblischer Endzeiterwartungen.

6. Schlussgedanke: Das Kapitel resümiert den Machtkampf, bewertet dessen Ausgang und reflektiert die langfristigen Auswirkungen auf den Niedergang des Papsttums und die Entwicklung des modernen Staatsdenkens.

Schlüsselwörter

Friedrich II., Papsttum, Mittelalter, Staufer, Konflikt, Herrschaftsverständnis, Eschatologie, Antichrist, Endzeitkaiser, plenitudo potestatis, Propaganda, Kanonisches Recht, Kaiseridee, Sacerdotium, Imperium.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den historischen Konflikt zwischen Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen und dem Papsttum im 13. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die gegensätzlichen Herrschaftsauffassungen (Kaisertum vs. Papsttum) sowie die propagandistische Instrumentalisierung von Religion und Endzeit-Vorstellungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie beide Seiten durch ideologische Waffen und theologische Argumente versuchten, ihre jeweilige Position der Gottunmittelbarkeit zu legitimieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Analyse historischer Quellen, moderner Forschungsliteratur sowie eine ideengeschichtliche Untersuchung der herrschaftstheoretischen Grundlagen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Eskalation des Konflikts, der päpstlichen Hierokratie, der kaiserlichen Kaiseridee sowie dem exzessiven Rückgriff beider Seiten auf eschatologische Feindbilder.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind: Staufer, Papsttum, Endzeitkaiser, Eschatologie, Antichrist, Machtkampf und Herrschaftsverständnis.

Warum wurde Friedrich II. als Antichrist bezeichnet?

Die päpstliche Seite nutzte apokalyptische Metaphorik aus dem Buch der Offenbarung, um Friedrich II. im Rahmen der Propagandaschlacht als Bedrohung für die gesamte Christenheit zu diskreditieren.

Welche Rolle spielte die Bibel im Konflikt?

Die Bibel diente als zentrale Legitimationsgrundlage für beide Seiten, wobei die heilsgeschichtliche Auslegung von Texten zur moralischen Klassifizierung und politischen Diffamierung des Gegners genutzt wurde.

Welchen Einfluss hatte der Konziliarismus auf die Argumentation des Kaisers?

Friedrich II. forderte früh die Absetzung des Papstes durch ein Konzil, womit er die Person des Amtsinhabers und sein persönliches Verhalten kritisierte, was langfristig die Idee des Konziliarismus befeuerte.

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Details

Title
Herrschaftsverständnis und Eschatologie im Kampf Friedrichs II. mit dem Papsttum
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte)
Course
Hauptseminar: Die Macht des mittelalterlichen Papsttums
Grade
1,0
Author
Christian Körber (Author)
Publication Year
2006
Pages
35
Catalog Number
V57849
ISBN (eBook)
9783638521765
ISBN (Book)
9783638724791
Language
German
Tags
Herrschaftsverständnis Eschatologie Kampf Friedrichs Papsttum Hauptseminar Macht Papsttums
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Körber (Author), 2006, Herrschaftsverständnis und Eschatologie im Kampf Friedrichs II. mit dem Papsttum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57849
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