Hervorgerufen durch bankaufsichtsrechtliche Vorgaben, insbesondere durch die Gestaltung der derzeit letzten Konsultationspapiere von Basel II zeichnet sich seit einigen Jahren auch eine deutliche Sensibilisierung der Bankführungskräfte für die Problematik der „operationellen Risiken“ (OpRisk) im Unternehmen ab. Nachdem die Thematik offensichtlich jahrelang vernachlässigt wurde, rückt diese Risikoart - neben Markt- und Kreditrisiken - zunehmend in den Fokus des Managements. Ausschlaggebend für das gestiegene Interesse waren zudem die gravierenden Verlustvorfälle, die in der Vergangenheit in einzelnen Banken aufgetreten sind. Das populärste Beispiel - der Ruin der Barings-Bank - zeigt die schwerwiegenden Folgen einer betrügerischen Handlung eines einzelnen Mitarbeiters (Nick Leeson) deutlich auf. Die durch das Kreditinstitut unzureichend kontrollierte Spekulationsbereitschaft ihres Derivathändlers Leeson sowie die mangelnden internen und externen Kontrollen der Geschäfte führten zur Insolvenz des renommierten Bankhauses. Ein Erdbeben in Kobe, Japan, verursachte immense wirtschaftliche Schäden, welche sich wiederum auf die Kurssituation an den Wertpapiermärkten auswirkten. Die getätigten Devisengeschäfte brachten in Folge dessen enorme Verluste mit sich. Ende Februar 1995 wurde das Traditionshaus von der britischen Bankenaufsicht geschlossen. Ein weiteres bekanntes Beispiel für operationelle Risiken, stellt der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York am 11.09.2001 dar und verdeutlicht die extremen Auswirkungen von externen Ereignissen. Diese beiden spektakulären Fälle aus der Vergangenheit stellen nur eine kleine Auswahl möglicher Folgen operationeller Risiken dar. Täglich werden Banken mit Problemen konfrontiert, die sie managen müssen. Allein durch ihre Geschäftstätigkeit gehen sie Risiken operationeller Art ein. Neben unmittelbar eintretenden finanziellen Folgen wirken sich langfristig auch eine negative Reputation und eine abnehmende Kundenbindung auf den Geschäftserfolg aus. Dies ist z.B. der Fall, wenn ein negatives Ereignis über die Medien nach außen getragen wird. Das Bestreben der Banken, den höchsten Ansprüchen der Kunden zu genügen, kann folglich nur schwer erfüllt werden. Nachfolgende Tabelle zeigt abschließend weitere bekannte Fälle, die durch operationelle Risiken verursacht worden sind. [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Gegenstand und Aufbau der Arbeit
- Charakterisierung operationeller Risiken
- Definition
- Definitionsansätze operationeller Risiken
- Unterscheidung der Risikoarten nach Basel II
- Kategorisierung operationeller Risiken
- Personenrisiken
- Prozessrisiken
- Systemrisiken
- Externe Risiken
- Empirische Daten
- Messung operationeller Risiken
- Aufsichtsrechtliche Bewertung von operationellen Risiken
- Basisindikatoransatz (BIA)
- Standardansatz (STA)
- Ambitionierter Ansatz (AMA)
- Interner Bemessungsansatz (IBA)
- Verlustverteilungsansatz
- Scorecard-Ansatz
- Messmethoden
- Identifikation operationeller Risiken
- Risikoinventur und Self-Auditing
- Risikoindikatoren
- Prozessrisikoanalyse
- Bewertung operationeller Risiken
- Value-at-Risk-Modelle
- Szenarioanalyse
- Elastizitätenkonzept
- Kritische Bewertung der Messung operationeller Risiken
- Kritische Würdigung der bankexternen Bewertungsansätze
- Kritische Würdigung der bankinternen Messansätze
- Steuerung operationeller Risiken
- Integration der Steuerung in den Risikomanagementprozess der Banken
- Instrumente zur Risikomodifikation
- Kritische Betrachtung dieser Instrumente
- Alternative Risikotransferinstrumente
- Versicherung operationeller Risiken
- Verbriefung operationeller Risiken
- Ökonomische Eigenkapitalunterlegung
- Prinzip der Risikotragfähigkeit
- Risikodeckungspotenzial der Bank
- Integration in die Gesamtbanksteuerung
- Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die operativen Risiken in Banken und beleuchtet die Herausforderungen des Risikomanagements in diesem Bereich. Die Arbeit analysiert die Definition, Kategorisierung und Messung von operationellen Risiken, beleuchtet kritisch die verschiedenen Messansätze und untersucht Möglichkeiten zur Steuerung dieser Risiken.
- Definition und Kategorisierung von operationellen Risiken
- Analyse der Aufsichtsrechtlichen Vorgaben zum Management operationeller Risiken
- Bewertung verschiedener Messmethoden für operationelle Risiken
- Untersuchung von Instrumenten zur Steuerung operationeller Risiken
- Bedeutung von Risikotragfähigkeit und Eigenkapitalunterlegung für die Bank
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung der Arbeit führt in die Thematik der operativen Risiken in Banken ein und definiert den Gegenstand der Arbeit. Das erste Kapitel befasst sich mit der Charakterisierung operationeller Risiken. Es werden verschiedene Definitionsansätze vorgestellt, die Risikoarten nach Basel II unterschieden und eine Kategorisierung von operationellen Risiken in Personen-, Prozess-, System- und Externe Risiken vorgenommen.
Im zweiten Kapitel wird die Messung operationeller Risiken thematisiert. Es werden die aufsichtsrechtlichen Vorgaben zur Bewertung von operationellen Risiken nach Basel II erläutert und die verschiedenen Messansätze - Basisindikatoransatz, Standardansatz und Ambitionierter Ansatz - vorgestellt. Anschließend werden verschiedene Messmethoden wie Risikoinventur, Risikoindikatoren und Prozessrisikoanalyse detailliert beschrieben.
Das dritte Kapitel beleuchtet die Steuerung operationeller Risiken. Es wird der Risikomanagementprozess in Banken erläutert und verschiedene Instrumente zur Risikomodifikation vorgestellt. Zudem werden alternative Risikotransferinstrumente wie Versicherung und Verbriefung von operationellen Risiken untersucht.
Schlüsselwörter
Operative Risiken, Risikomanagement, Banken, Basel II, Messmethoden, Steuerung, Risikotragfähigkeit, Eigenkapitalunterlegung, Versicherung, Verbriefung
Häufig gestellte Fragen
Was sind operationelle Risiken (OpRisk) in Banken?
Operationelle Risiken sind Gefahren für Verluste, die durch die Unangemessenheit oder das Versagen von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder durch externe Ereignisse entstehen.
Welche Rolle spielt Basel II für das Management operationeller Risiken?
Basel II lieferte die bankaufsichtsrechtlichen Vorgaben, die Banken dazu verpflichten, operationelle Risiken explizit mit Eigenkapital zu unterlegen und entsprechende Managementsysteme einzuführen.
Was ist der Unterschied zwischen dem Basisindikatoransatz und dem Standardansatz?
Der Basisindikatoransatz (BIA) nutzt eine einfache Kennzahl (Bruttoertrag) zur Kapitalberechnung, während der Standardansatz (STA) die Bank in verschiedene Geschäftsbereiche unterteilt, für die unterschiedliche Faktoren gelten.
Was versteht man unter dem Ambitionierten Messansatz (AMA)?
Der AMA erlaubt es Banken, eigene interne Modelle zur Risikomessung zu verwenden (z. B. Verlustverteilungsansätze oder Scorecards), sofern diese von der Aufsicht genehmigt wurden.
Welche Instrumente gibt es zum Transfer von operationellen Risiken?
Zu den alternativen Risikotransferinstrumenten gehören spezielle Versicherungen gegen Betriebsausfälle oder Betrug sowie die Verbriefung von Risiken am Kapitalmarkt.
Warum ist der Fall der Barings-Bank ein klassisches Beispiel für OpRisk?
Der Zusammenbruch der Barings-Bank wurde durch betrügerische Handlungen eines einzelnen Mitarbeiters (Nick Leeson) und mangelnde interne Kontrollen verursacht, was ein typisches Personen- und Prozessrisiko darstellt.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Betriebswirtin (FH) Barbara Eckmann (Autor:in), 2005, Kritische Analyse des Managements von operationellen Risiken in Banken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57857