Sich einmal mit der Frage auseinanderzusetzen, inwieweit die bildende Kunst der Antike in Goethes Römischen Elegien an verschiedenen Stellen thematisiert wird, ob und welche bedeutungstragende Funktion sie in diesem Gedichtzyklus übernimmt, dürfte sich als interessant und aufschlussreich erweisen, da dieser Aspekt in der germanistischen Forschung bislang nur wenig Beachtung fand.
Horst Rüdiger beispielsweise bemerkt in seinem Aufsatz "Goethes "Römische Elegien" und die antike Tradition", dass bislang viele Untersuchungen sich einerseits den Einflüssen widmen, die von den römischen Dichtern - insbesondere von Ovid, Properz und Tibull - auf Goethes Elegiendichtung ausgegangen sind , andererseits sich um eine "Analyse der zyklischen Anordnung" der Elegien bemühen. Darüber hinaus liefert er, ebenso wie Walther Killy, eine recht umfassende Interpretation der verschiedenen mythologischen Gesichtspunkte in den Elegien. Gegen Ende skizziert Rüdiger noch knapp die Rolle der bildenden Kunst in den Elegien, was aber vorwiegend darstellenden Überblickscharakter hat. Herbert Zeman dagegen setzt in seinem Aufsatz "Goethes Elegiendichtung in der Tradition der Liebeslyrik des 18. Jahrhunderts" den Schwerpunkt auf Aspekte der Veränderungen in Goethes lyrischem Schaffen und betont die Positionen, die den Römischen Elegien dabei zukommen. Die bildende Kunst wird hier an keiner Stelle thematisiert. Walter Wimmel hingegen geht in seiner Publikation "Rom in Goethes Römischen Elegien und im letzten Buch des Properz" unter anderem der Frage nach, wie die Stadt Rom in den Gedichten erscheint und ob, bzw. inwiefern dadurch der Aufbau der einzelnen Elegien sowie des gesamten Zyklus bestimmt wird; eine fundierte Auseinandersetzung, die man bei der hier zu untersuchenden Fragestellung durchaus heranziehen kann. Eine äußerst eingehende Untersuchung von "Goethes "Römischen Elegien"" bietet Dominik Jost, bei dem sich auch eine ausführliche Bibliographie findet. Ein ebenfalls brauchbares Publikationsverzeichnis, das neben vielen deutschen auch englisch-sprachige Titel aufweist, findet man in der Dissertation "Goethe´s "Römische Elegien": The Lover and the Poet" von Eva Dessau Bernhardt. Eine der neuesten Veröffentlichungen ist die Dissertation von Ute Lieber "Dichtung als Lebensform. Goethes Römische Elegien als Paradigma der Weimarer Klassik". [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführende Vorbemerkungen und Forschungsüberblick
2. Entstehungsgeschichte und –zusammenhänge von Goethes “Römischen Elegien” unter Berücksichtigung der Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst
3. Die Rolle der antiken bildenden Kunst in Goethes “Römischen Elegien”
3.1. Inhaltliche Übersicht über die “Römischen Elegien” unter Berücksichtigung der Darstellung antiker Kunst
3.2. Darstellung und Formen der Begegnung mit der antiken bildenden Kunst in den einzelnen Elegien im Überblick
3.3. Stellenwert und Funktion der bildenden Kunst
3.3.1. Bedeutung in den einzelnen Elegien
Elegie I
Elegie V
Elegie XI
Elegie XIII
Elegie XV
3.3.2. Bedeutung für den gesamten Zyklus
4. Literaturverzeichnis
4.1. Primärliteratur
4.2. Sekundärliteratur
5. Anhang
5.1. Ingve Berg: Tuschezeichnungen zu den “Römischen Elegien”
5.2. Handreichung zum Referat für die Seminarteilnehmer
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung der antiken bildenden Kunst in Johann Wolfgang von Goethes „Römischen Elegien“. Dabei liegt der Fokus auf der Frage, wie Goethe Kunst als gestalterisches Element in den Zyklus integriert und welche Funktion sie für das Verständnis von „Rom“ und der persönlichen Liebeserfahrung des lyrischen Ichs einnimmt.
- Analyse der Entstehungsgeschichte im Kontext von Goethes Italienreise
- Untersuchung der Darstellung antiker Kunst in ausgewählten Schlüsselelegien
- Erörterung der Bedeutung von Kunst für den gesamten Gedichtzyklus
- Interdependenz von Kunstform und Naturform als ästhetisches Prinzip
- Rolle der Kunst als Mittel zur Selbstfindung und als atmosphärische Kulisse
Auszug aus dem Buch
Elegie XI:
Euch, o Grazien, legt die wenigen Blätter ein Dichter
Auf den reinen Altar, Knospen der Rose dazu,
Und er tut es getrost. Der Künstler freuet sich seiner
Werkstatt, wenn sie um ihn immer ein Pantheon scheint.
[...] , selbst in den Marmor noch feucht.
[...]
Die elfte Elegie ist von zentraler Bedeutung, was die Darstellung von konkreten Kunstwerken anbelangt. Die Götter, die der nordische Dichter in seiner römischen Wohnung hat, werden für ihn zu lebendigen Göttern, denen er seine Entwürfe und Ergebnisse des dichterischen Schaffens auf dem Altar darbringt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführende Vorbemerkungen und Forschungsüberblick: Einführung in die Thematik und kritische Würdigung des Forschungsstands zur Rolle der bildenden Kunst in Goethes Elegien.
2. Entstehungsgeschichte und –zusammenhänge von Goethes “Römischen Elegien” unter Berücksichtigung der Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst: Darstellung der biografischen Phasen von Goethes Leben, die zur Abfassung des Zyklus führten, insbesondere der Italienreise.
3. Die Rolle der antiken bildenden Kunst in Goethes “Römischen Elegien”: Theoretischer und praktischer Hauptteil, der den Stellenwert der Kunst für die Struktur und den Inhalt der Gedichte detailliert untersucht.
3.1. Inhaltliche Übersicht über die “Römische Elegien” unter Berücksichtigung der Darstellung antiker Kunst: Kurze Vorstellung der einzelnen Elegien und ihrer spezifischen Bezüge zur antiken Kunstwelt.
3.2. Darstellung und Formen der Begegnung mit der antiken bildenden Kunst in den einzelnen Elegien: Analyse der methodischen Herangehensweise des Dichters bei der Begegnung mit antiken Objekten und Bauwerken.
3.3. Stellenwert und Funktion der bildenden Kunst: Detaillierte Untersuchung der ästhetischen und inhaltlichen Bedeutung der Kunst innerhalb der Elegien sowie für den Gesamtzyklus.
3.3.1. Bedeutung in den einzelnen Elegien: Analyse der Elegien I, V, XI, XIII und XV hinsichtlich ihrer individuellen Auseinandersetzung mit Kunst und Ästhetik.
3.3.2. Bedeutung für den gesamten Zyklus: Synthese der Einzelergebnisse zu einer Gesamtdeutung der Kunstdarstellung als unterstützendes Stimmungs- und Atmosphärelement.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
5. Anhang: Ergänzende Materialien, darunter Informationen zu den Tuschezeichnungen von Ingve Berg.
Schlüsselwörter
Goethe, Römische Elegien, antike Kunst, bildende Kunst, Rom, Italienische Reise, Klassik, Ästhetik, Lyrik, Literaturwissenschaft, Faustine, Rom-Reisender, Kunstform, Naturform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Johann Wolfgang von Goethe in seinen „Römischen Elegien“ die bildende Kunst der Antike thematisiert und welche bedeutungstragende Funktion diese in dem Gedichtzyklus einnimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehungsgeschichte der Elegien, das Verhältnis von Goethes Italienaufenthalt zur Kunstwahrnehmung und die Verbindung zwischen ästhetischem Erleben und lyrischer Produktion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Rolle die antike Kunst bei der Gestaltung des „Römischen Erlebnisses“ spielt und inwiefern sie dem Dichter zur Selbstfindung und als ästhetische Inspirationsquelle dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine werkimmanente Textanalyse, ergänzt durch biographische Kontexte und einen Überblick über den bisherigen Forschungsstand.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Übersicht, die Analyse ausgewählter Elegien (I, V, XI, XIII, XV) hinsichtlich ihrer Kunstdarstellung sowie eine Zusammenfassung der Funktion der Kunst für den Gesamtzyklus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Römische Elegien, antike Kunst, Klassik, Rom-Erlebnis und die Verschränkung von Kunst- und Naturform.
Welche Bedeutung kommt der „Künstlerwerkstatt“ in Elegie XI zu?
Die Werkstatt dient als Synonym für den Ort der künstlerischen Produktivität in Rom, wo sich der Dichter in einer Pantheon-ähnlichen Umgebung inspiriert fühlt und die antiken Gottheiten in Beziehung zu seiner Dichtkunst setzt.
Warum wird die fünfte Elegie als künstlerischer Höhepunkt bezeichnet?
Elegie V markiert den Moment, in dem Kunst und Natur zur Einheit verschmelzen, indem die Betrachtung der Geliebten und der antiken Kunstgesetze den Dichter zu einer neuen ästhetischen Erkenntnis führt.
- Quote paper
- Klaus Ludwig Hohn (Author), 1999, Darstellung und Deutung der bildenden Kunst der Antike in den "Römischen Elegien" von Johann Wolfgang von Goethe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5785