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Emilia Galotti und Luise Miller - Zwei Frauenschicksale

Titel: Emilia Galotti und Luise Miller - Zwei Frauenschicksale

Hausarbeit , 2004 , 11 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sabrina Hoffmann (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Sowohl bei Lessing als auch bei Schiller erkennt man die überragende Bedeutung der Familie als Ort und Bezugspunkt des Dramas. Die Ideologie der Familie als Liebes- und Vertrauensverhältnis, als Maßstab für Stabilität und Harmonie. Auffallend ist jedoch, dass in den jeweiligen Dramen die Mittelpunktstellung der Mutter und der Ehefrau innerhalb der Familie fehlt. Beide Familien werden von dem Vater dominiert. Die Familie Galotti stellt keine ideale Familie dar, da Odoardo Galotti allein auf dem Land wohnt und somit seine Frau Claudia und seine Tochter Emilia allein in der Residenzstadt zurücklässt, die er damit den Gefahren des Hofes aussetzt. Odoardo Galotti schwankt zwischen Herrschaft und Liebe zu seiner Tochter, und erträumt sich eine ideale Familiengemeinschaft. Diese sieht er für seine Tochter verwirklicht, wenn Emilia mit Appiani in „Unschuld und Ruhe“ fern vom Hofe in dessen „väterlichen Tälern“ leben soll (II, 4; S.25). Aber andererseits entspricht er selbst kaum diesem Ideal eines auf Liebe und Empfindung eingestellten Vaters, denn die Gefühlswelt bleibt ihm weitgehend verschlossen: „Weinen konnt’ ich nie!“ (V, 2; S. 75). Odoardo ist geprägt von Misstrauen und Sorge um Emilia. Seine Sorge und die damit verbundene innere Unruhe versucht er vor Claudia nicht zu zeigen, da er seine Autorität bewahren möchte. Emilia geht allein in die Kirche, was Misstrauen beim Vater auslöst, denn „Einer ist genug zu einem Fehltritt!“ (II, 2; S.22). Trotzdem erkundigt er sich nur beiläufig: „Wo ist Emilia?“ (II, 2; S.21) und beantwortet die besorgte Frage selbst mit einer scheinbar einleuchtenden Aussage: „Unstreitig beschäftigt mit dem Putze? -“ (II, 2; S.21). Emilia ist ein bürgerliches Mädchen, dessen Erfahrungshorizont durch die strenge Erziehung und Religiosität bestimmt ist. Ihre Hochachtung vor dem Adel und somit vor dem Prinzen ist tief sitzend, so dass sie nicht einmal einen verächtlichen Blick wagt, als der Prinz sie in der Kirche aufsucht. Sie ist völlig verstört und kommt erst wieder zur Besinnung, als sie sich in der Sicherheit der gewohnten Umgebung weiß, in ihrem Elternhaus. Emilia ist verwirrt nach ihrem Besuch in der Kirche. „Ausgerechnetam Tage der Hochzeit fühlt sie Zuneigung zu einem anderen Mann, dieses ausgerechnet in der Kirche (dem Symbolort für Keuschheit und Reinheit in der Glaubenskonzentration) und ausgerechnet bezogen auf jenen Mann, der als Inkarnation der Verwerflichkeit als Liebhaber und Regent steht. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Verhältnis Emilias und Luises zu ihren Vätern

3. Konstellation Adel – Bürgertum - Die Liebe in den Dramen

4. Die Intrigen und ihre schicksalhaften Folgen

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Hausarbeit untersucht das vergleichende Schicksal von Emilia Galotti aus Lessings gleichnamigem Drama und Luise Miller aus Schillers "Kabale und Liebe". Im Zentrum steht die Analyse, wie bürgerliche Frauenschicksale durch die starren Moralvorstellungen des 18. Jahrhunderts und die destruktiven Intrigen des Adels in den Untergang getrieben werden.

  • Vergleich der Vater-Tochter-Beziehungen und deren Prägung durch Tugend und Religiosität.
  • Analyse der Konfliktfelder zwischen bürgerlichem Stand und adliger Lebenswelt.
  • Untersuchung der Rolle von Intrigen als Auslöser für das tragische Ende beider Protagonistinnen.
  • Reflektion über Fremdbestimmung und den Versuch der Identitätswahrung durch die Figuren.
  • Gegenüberstellung von Emilia Galotti und Luise Miller als Opfer gesellschaftlicher Machtstrukturen.

Auszug aus dem Buch

Die Intrigen und ihre schicksalhaften Folgen

Emilia Galotti und Luise Miller werden beide zum Opfer einer Intrige ausgehend von der Aristokratie.

Luise wird von Wurm, dem Haussekretär des Präsidenten, gezwungen und erpresst, einen Liebesbrief an einen vermeintlichen Geliebten zu schreiben, um sie endgültig von Ferdinand zu trennen und um ihren Vater zu retten, der gefangen genommen worden ist.

Der Adel weiß, dass ihre Liebe zum Vater so groß ist, dass sie zu fast allem bereit ist, wenn dieser in Gefahr ist. In Verzweiflung schreibt sie diesen unter Eid, dass heißt, sie gibt ein Versprechen an Gott und sie weiß, dass sie sich an dieses halten muss. Ihre Not und Verzweiflung werden im dritten Akt, sechste Szene deutlich: „Nein! Nein! Nein! Das ist tyrannisch, o Himmel! Strafe Menschen menschlich, wenn sie dich reizen, aber warum mich zwischen zwei Schröcknisse pressen? Warum zwischen Tod und Schande mich hin und her wiegen? Warum diesen blutsaugenden Teufel mir auf den Nacken setzen?“

Luise verzichtet lieber auf die Liebe zu Ferdinand, als ihren Vater bzw. ihre Familie in Gefahr zu bringen. Es wird deutlich, dass die Liebe zu ihrem Vater und zu Gott überwiegt; sie sieht keinen Sinn und auch keine Erfüllung mehr in der Liebe zu Ferdinand: „Ich glaube an keine glückliche Tage mehr. Alle meine Hoffnungen sind gesunken.“ (III, 4; S.63). Obwohl Ferdinand einen Fluchtplan vorlegt, der sie und ihren Vater mit einbezieht, lehnt sie diesen ab. Luise erinnert sich an ihre Pflicht und sie erkennt, dass Ferdinand trotz allem noch zum Adel gehört. Hier beruft sie sich wieder auf ihre Tugenden und auf ihre Moral. Zu diesem späteren Zeitpunkt erkennt und anerkennt sie die Standesordnung, die Emilia von Anfang an erkennt und achtet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Emilia Galotti und Luise Miller ein vergleichbares Schicksal teilen, und skizziert die methodische Vorgehensweise des Vergleichs.

2. Das Verhältnis Emilias und Luises zu ihren Vätern: Dieses Kapitel analysiert die dominierende Rolle der Väter und den Einfluss der strengen bürgerlichen Tugenderziehung auf die emotionale Entwicklung und den Gehorsam der Töchter.

3. Konstellation Adel – Bürgertum - Die Liebe in den Dramen: Hier wird der Zwiespalt der Protagonistinnen zwischen privater Liebe und den gesellschaftlichen Schranken zwischen Adel und Bürgertum untersucht.

4. Die Intrigen und ihre schicksalhaften Folgen: Das Kapitel belegt, wie beide Frauen durch gezielte Intrigen des Adels in aussichtslose Situationen manövriert werden, die letztlich in ihrem Tod münden.

5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass beide Figuren trotz individueller Unterschiede in der Ausgestaltung ihres Leids als fremdbestimmte Opfer aristokratischer Machtstrukturen sterben.

Schlüsselwörter

Emilia Galotti, Luise Miller, Kabale und Liebe, Gotthold Ephraim Lessing, Friedrich Schiller, Bürgertum, Adel, Intrige, Frauenschicksal, Tugend, Moral, Väterbeziehung, Fremdbestimmung, Identität, 18. Jahrhundert.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert und vergleicht die Schicksale der zwei bürgerlichen Protagonistinnen Emilia Galotti und Luise Miller im Hinblick auf deren gesellschaftliche Unterdrückung.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Vater-Tochter-Beziehung, der Konflikt zwischen Adel und Bürgertum sowie die Auswirkungen von Moral und Tugendstrenge.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Die Arbeit untersucht, ob Emilia Galotti und Luise Miller trotz unterschiedlicher Dramen ein vergleichbares tragisches Schicksal als Opfer höfischer Intrigen erleiden.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um einen textnahen komparativen Literaturvergleich der Primärquellen, ergänzt durch die Analyse von Sekundärliteratur zu den jeweiligen Dramen.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil widmet sich der Untersuchung der väterlichen Autorität, den psychologischen Auswirkungen des Standesunterschieds und den spezifischen Intrigen, die den Tod der Frauen herbeiführen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?

Die Analyse wird maßgeblich durch Begriffe wie "Fremdbestimmung", "Tugendsystem", "Standesordnung" und "Opferrolle" geprägt.

Inwiefern beeinflusst das väterliche Tugendkonzept den Tod von Emilia Galotti?

Emilia wählt den Tod nicht als freien Willensakt, sondern lässt sich von ihrem Vater töten, um ihr bürgerliches Tugendideal vor der vermeintlichen Gefahr der Verführung zu bewahren.

Warum spielt der Eid für Luise Miller eine so entscheidende Rolle?

Der Eid zwingt Luise in ein unauflösbares Dilemma zwischen ihrer religiösen und moralischen Pflicht gegenüber Gott und Vater sowie ihrer persönlichen Leidenschaft für Ferdinand.

Welche Rolle spielt die aristokratische Intrige in beiden Dramen?

Die Intrige dient in beiden Werken als Werkzeug des Adels, um die bürgerliche Ordnung zu durchbrechen und die Protagonistinnen in einen moralischen Ausnahmezustand zu versetzen.

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Details

Titel
Emilia Galotti und Luise Miller - Zwei Frauenschicksale
Hochschule
Universität Münster
Note
1,3
Autor
Sabrina Hoffmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
11
Katalognummer
V57910
ISBN (eBook)
9783638522274
ISBN (Buch)
9783656798293
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emilia Galotti Luise Miller Zwei Frauenschicksale
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sabrina Hoffmann (Autor:in), 2004, Emilia Galotti und Luise Miller - Zwei Frauenschicksale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57910
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Leseprobe aus  11  Seiten
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