Emilia Galotti und Luise Miller - Zwei Frauenschicksale


Hausarbeit, 2004

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Verhältnis Emilias und Luises zu ihren Vätern

3. Konstellation Adel – Bürgertum - Die Liebe in den Dramen

4. Die Intrigen und ihre schicksalhaften Folgen

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „Emilia Galotti und Luise Miller – Zwei Frauenschicksale“. Um diese beiden Frauen miteinander zu vergleichen, werden verschiedene Bereiche und Aspekte der Dramen untersucht.

Der erste Bereich befasst sich mit dem Verhältnis der bürgerlichen Mädchen Emilia und Luise zum jeweiligen Vater. Vor allem die Erziehung von Tugend, Moral und Religiosität, aber auch die Liebe zum Vater spielen sowohl in „Emilia Galotti“ als auch in „Kabale und Liebe“ eine herausragende Rolle, da sie dadurch immer wieder sowohl in einen inneren als auch äußeren Konflikt geraten.

Diese Konflikte werden durch die Konstellation Adel – Bürgertum ausgelöst, welche im nachfolgenden Teil untersucht und gegenübergestellt werden. In „Kabale und Liebe“ wird der Konflikt durch die Liebe zwischen Luise und dem adligen Ferdinand ausgelöst. In „Emilia Galotti“ ist es das Vorhaben des Prinzen, Emilia zu seiner Geliebten zu machen, welches alle Konflikte erzeugt.

Die Folgen dieser Konstellationen werden im nachfolgenden Teil analysiert. Hier soll gezeigt werden, dass die bürgerliche Welt- und Lebensordnung in die höfische Intrige verstrickt wird und darin scheitert. Beide Protagonistinnen werden Opfer einer Intrige, die mit dem Tod endet.

Mit dieser Hausarbeit soll gezeigt werden, dass Emilia Galotti und Luise Miller ein vergleichbares Schicksal haben.

2. Das Verhältnis Emilias und Luises zu ihren Vätern

Sowohl bei Lessing als auch bei Schiller erkennt man die überragende Bedeutung der Familie als Ort und Bezugspunkt des Dramas. Die Ideologie der Familie als Liebes- und Vertrauensverhältnis, als Maßstab für Stabilität und Harmonie. Auffallend ist jedoch, dass in den jeweiligen Dramen die Mittelpunktstellung der Mutter und der Ehefrau innerhalb der Familie fehlt. Beide Familien werden von dem Vater dominiert.

Die Familie Galotti stellt keine ideale Familie dar, da Odoardo Galotti allein auf dem Land wohnt und somit seine Frau Claudia und seine Tochter Emilia allein in der Residenzstadt zurücklässt, die er damit den Gefahren des Hofes aussetzt. Odoardo Galotti schwankt zwischen Herrschaft und Liebe zu seiner Tochter, und erträumt sich eine ideale Familiengemeinschaft. Diese sieht er für seine Tochter verwirklicht, wenn Emilia mit Appiani in „Unschuld und Ruhe“ fern vom Hofe in dessen „väterlichen Tälern“ leben soll (II, 4; S.25). Aber andererseits entspricht er selbst kaum diesem Ideal eines auf Liebe und Empfindung eingestellten Vaters, denn die Gefühlswelt bleibt ihm weitgehend verschlossen: „Weinen konnt’ ich nie!“ (V, 2; S. 75). Odoardo ist geprägt von Misstrauen und Sorge um Emilia. Seine Sorge und die damit verbundene innere Unruhe versucht er vor Claudia nicht zu zeigen, da er seine Autorität bewahren möchte. Emilia geht allein in die Kirche, was Misstrauen beim Vater auslöst, denn „Einer ist genug zu einem Fehltritt!“ (II, 2; S.22). Trotzdem erkundigt er sich nur beiläufig: „Wo ist Emilia?“ (II, 2; S.21) und beantwortet die besorgte Frage selbst mit einer scheinbar einleuchtenden Aussage: „Unstreitig beschäftigt mit dem Putze? –“ (II, 2; S.21).

Emilia ist ein bürgerliches Mädchen, dessen Erfahrungshorizont durch die strenge Erziehung und Religiosität bestimmt ist. Ihre Hochachtung vor dem Adel und somit vor dem Prinzen ist tief sitzend, so dass sie nicht einmal einen verächtlichen Blick wagt, als der Prinz sie in der Kirche aufsucht. Sie ist völlig verstört und kommt erst wieder zur Besinnung, als sie sich in der Sicherheit der gewohnten Umgebung weiß, in ihrem Elternhaus. Emilia ist verwirrt nach ihrem Besuch in der Kirche. „ Ausgerechnet am Tage der Hochzeit fühlt sie Zuneigung zu einem anderen Mann, dieses ausgerechnet in der Kirche (dem Symbolort für Keuschheit und Reinheit in der Glaubenskonzentration) und ausgerechnet bezogen auf jenen Mann, der als Inkarnation der Verwerflichkeit als Liebhaber und Regent steht. Ausgerechnet an diesem Tage versagen in vielleicht einer einzigen Minute das bürgerliche Tugendsystem, das väterliche Aufsichtssystem, die anerzogenen Verhaltensmechanismen, usw.“[1] Emilias Verhältnis zu ihrem Vater ist geprägt von Liebe. Emilia zeigt unter anderem ihre Liebe zu Odoardo in ihrer Enttäuschung, dass ihr Vater am Morgen der Hochzeit nicht auf sie gewartet hat (II, 7; S.32).

Auch in Kabale und Liebe ist das Verhältnis von Miller und Luise von Liebe geprägt. Miller liebt Luise „abgöttisch“ (V, 1, S.95). Luise liebt ihren Vater „bis zur Leidenschaft“ (III, 1, S.56). Sie ist bereit, ihre Liebe zu Ferdinand aufzugeben, um ihren Vater zu retten (III, 6).

Über die abgöttische Liebe, welche in beiden Dramen Vater und Tochter verbindet, kann kein Zweifel bestehen. Dennoch ist die Beziehung zwischen Vätern und Töchtern nicht ungefährdet. Diese wird in dem Augenblick belastet, als ein anderer Mann eine Beziehung zur Tochter anzuknüpfen sucht oder bereits hergestellt hat. Die Väter gestehen ihren Töchtern das Recht der freien Gattenwahl zu. So stimmt Odoardo seiner Frau zu, wenn sie über die Stadt sagt: „Hier, nur hier konnte die Liebe zusammenbringen, was füreinander geschaffen war. Hier nur konnte der Graf Emilien finden; und fand sie.“ (II, 4, S.25). Auch ist er mit der Wahl, die seine Tochter getroffen hat, überaus zufrieden: „Kaum kann ich’s erwarten, diesen würdigen jungen Mann meinen Sohn zu nennen. Alles entzückt mich an ihm. Und vor allem der Entschluss, in seinen väterlichen Tälern sich selbst zu leben.“ (II, 4, S.25). Miller setzt es sogar als selbstverständlich voraus, dass die Tochter sich ihren zukünftigen Gatten selbst aussucht. Die Vermittlung durch den Vater lehnt er strikt ab, da dieses zu altmodisch ist, und fordert vom Liebhaber: „Da! hinter dem Rücken des Vaters muss er sein Gewerb an die Tochter bestellen. Machen muss er, dass das Mädel lieber Vater und Mutter zum Teufel wünscht, als ihn fahren lässt – oder selber kommt, dem schwarzen gelben Tod, oder den Herzeinzigen ausbittet, - Das nenn ich einen Kerl! Das heißt lieben!“ (I, 2; S.11).

Das Recht ihrer Töchter, sich den Gatten frei zu wählen, kann den Vätern demnach kaum Sorge bereiten. Dagegen leben sie in der ständigen Furcht, dass ihre Tugend bedroht und dass die Töchter von einem Mann verführt werden könnten. Sie zeigen ständiges Misstrauen gegenüber ihren Töchtern.

[...]


[1] Göbel; Emilia Galotti S. 82.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Emilia Galotti und Luise Miller - Zwei Frauenschicksale
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
11
Katalognummer
V57910
ISBN (eBook)
9783638522274
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emilia, Galotti, Luise, Miller, Zwei, Frauenschicksale
Arbeit zitieren
Sabrina Hoffmann (Autor), 2004, Emilia Galotti und Luise Miller - Zwei Frauenschicksale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57910

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