„Kinder bekommen die Leute sowieso!“. So sah KONRAD ADENAUER im Jahr 1956 die Zukunft des damals im ´Aufstehen` begriffenen Deutschlands. Er sollte nicht Recht behalten. Gut 50 Jahre später stagniert die Geburtenrate in der Bundesrepublik auf einem sehr niedrigen Niveau, der Wunsch nach Familie und nach mehr Kindern wird von immer weniger Bürgern geäußert und in die Tat umgesetzt und auch die äußeren und inneren Bedingungen, in denen sich Familiengründung vollziehen muss, werden schwieriger. Ich möchte mich in meiner Diplomarbeit diesen Phänomenen in ihrer Verwobenheit und in ihren Interdependenzen widmen, indem ich die aktuelle Situation im Vergleich zu anderen europäischen Ländern darstelle, potenzielle Einflussfaktoren herausarbeite und schließlich auf normativer Grundlage ein Konzept entwickele, mit dem es gelingen könnte, herrschende Missstände zu mildern. Eine besondere Aktualität erfährt dieses Thema zurzeit aufgrund des Regierungswechsels im Herbst des vergangenen Jahres und den seither diskutierten und anstehenden Gesetzesänderungen. „In der Diplomarbeit soll ein Prüfling zeigen, dass er in der Lage ist, innerhalb der vorgegebenen Frist das ihm gestellte Problem selbständig mit wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten.“ So verlangt es die Diplomprüfungsordnung Wirtschaftspädagogik in §19. Das mir in diesem Rahmen gestellte Problem interpretiere ich vordergründig als Analyse der aktuellen Situation in Deutschland in bezug auf die demographische Entwicklung und deren Einflussfaktoren, wobei mein Fokus auf die gesellschaftlichen und sozialpolitischen Rahmenbedingungen gerichtet ist. Es ist meine Aufgabe, Sachlagen darzustellen und zu analysieren, inwieweit Einstellungen und Verhalten in bezug auf Familiengründung durch o.g. Rahmenbedingungen bestimmt sind. Wie im Vorwort bereits erwähnt, möchte ich dann Maßnahmen und Entwicklungen aufzeigen, mit denen im Kontext einer von mir bestimmten Normativität, eine Verbesserung der Lage eintreten könnte.
Wir befinden uns damit im Bereich der Sozialwissenschaften, der diejenigen Wissenschaften umfasst, die Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen theoretisch untersuchen und empirisch ermitteln. Es werden sowohl Strukturen und Funktionen sozialer Verflechtungszusammenhänge von Institutionen und Systemen als auch deren Wechselwirkung mit Handlungs- und Verhaltensprozessen der einzelnen Individuen, also der Akteure, untersucht. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. ´EIN WORT ZUVOR`
1.1. Wissenschaftsdisziplinäre Einordnung
1.2. Wissenschaftstheoretische Vorgehensweise
1.3. Ziele
1.3.1. Warum?
1.3.2. Der Weg ist das Ziel
1.4. Ein ´Begriffs-Nenner`
1.4.1. Familie
1.4.2. Ehe
1.4.3. Nichteheliche Lebensgemeinschaft
1.4.4. Demographie
2. EIN BLICK IN DIE STATISTIK – EINE SITUATIONSANALYSE
2.1. Deutschland
2.1.1. Demographische Entwicklung
2.1.2. Gesetzgebung und Familienpolitik
2.1.2.1. Grundlagen der Familienpolitik
2.1.2.2. Daten und Fakten
2.1.3. Verhalten
2.2. Frankreich
2.3. Italien
2.4. Schweden
3. WAS BEEINFLUSST DIE FAMILIENGRÜNDUNG?
3.1. Gesellschaftliche Einflussfaktoren
3.1.1. Traditionelle und kulturelle Bedingungen
3.1.2. Das partnerschaftliche Verhalten
3.1.3. Erwerbs- und Berufstätigkeit
3.1.4. Herkunftsfamilie und Bildungsniveau
3.1.5. Entstehende Kosten
3.2. Sozialpolitische Einflussfaktoren
3.2.1. Barleistungen
3.2.2. Sachleistungen
3.2.3. Steuervorteile
4. NORMATIVER AUSWEIS
5. WAS KANN DEUTSCHLAND BESSER MACHEN?
5.1. VORSCHLÄGE AUS GESELLSCHAFTLICHER SICHT
5.2. VORSCHLÄGE AUS SOZIALPOLITISCHER SICHT
6. ´EIN WORT ZULETZT`
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit analysiert die demographische Entwicklung sowie gesellschaftliche und sozialpolitische Einflussfaktoren auf die Familiengründung in Deutschland, mit dem Ziel, konkrete Maßnahmen für eine bestandserhaltende Geburtenrate zu identifizieren.
- Vergleichende Analyse der demographischen Situation in Deutschland, Frankreich, Italien und Schweden
- Untersuchung soziologischer und wirtschaftspädagogischer Zusammenhänge bei der Familiengründung
- Bewertung staatlicher Familienpolitik hinsichtlich Bar- und Sachleistungen
- Kritische Analyse von Bildungsniveau, Erwerbsbiografien und Vereinbarkeit von Beruf und Familie
- Entwicklung normativer Vorschläge zur Verbesserung der familienpolitischen Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
1.3.1. WARUM?
„Die eigentliche Quelle aller Werte, derer der Mensch bedarf – ist der Mensch.“ An dieser Stelle mag man vielleicht zuerst zögern – man könnte denken: „Reichen nicht Geld, Nahrungsmittel und ähnliches aus, um versorgt zu sein?“, aber die Antwort liegt tiefer. Selbst wenn man beispielsweise an die soziale und finanzielle Sicherheit im Alter denkt und sich dabei auf Kapitalbesitz verlassen möchte, muss man sich vergegenwärtigen, dass man von Kapital im Alter auch nur dann leben kann, wenn die nachwachsenden Generationen mit Hilfe dieses Kapitals Erträge erwirtschaften; „denn Kapital arbeitet leider allein überhaupt nicht“. Mein Richtziel, an dem ich meine weitergehenden Überlegungen ausrichte, ist demnach der Erhalt der Gesellschaft in ihrer kulturellen und klassischen Zusammensetzung und auf einem bestandserhaltenden Niveau, so dass auch in Zukunft Werte für Menschen durch Menschen geschaffen werden können. Die Familiengründung, deren Beeinflussung ich untersuchen möchte, ist gerade Mittel zu diesem Zweck. Nur wenn Menschen sich verantwortungsvoll und pflichtbewusst zu einem Leben mit Kindern entscheiden, kann sich eine Gesellschaft quantitativ und qualitativ erhalten.
Der Erhalt der Gesellschaft ist aus mannigfachen Gründen erstrebenswert. Zunächst geht es um den zahlenmäßigen Erhalt der Bevölkerung und somit auch der zukünftigen Arbeitskräfte. Kommt es zu einer Schrumpfung, stehen immer weniger Menschen für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zur Verfügung. Das Sozialprodukt muss von immer weniger Menschen erwirtschaftet werden, so dass die zukünftigen Erwerbstätigen deutlich produktiver als die heutigen sein müssten, um das gleiche Pro-Kopf-Güter-Niveau zu erreichen.
Zusammenfassung der Kapitel
´Ein Wort zuvor`: Einleitung in die Themenstellung, Einordnung in die Wirtschaftspädagogik und Beschreibung der wissenschaftstheoretischen Vorgehensweise.
Ein Blick in die Statistik – Eine Situationsanalyse: Analyse der demographischen Entwicklung und Rahmenbedingungen in Deutschland sowie internationaler Vergleich.
Was beeinflusst die Familiengründung?: Detaillierte Untersuchung gesellschaftlicher und sozialpolitischer Faktoren, die das Fertilitätsverhalten bestimmen.
Normativer Ausweis: Darlegung der persönlichen Prämissen und leitenden Wertvorstellungen für die späteren Lösungsvorschläge.
Was kann Deutschland besser machen?: Ableitung von Verbesserungsvorschlägen aus gesellschaftlicher und sozialpolitischer Sicht zur Steigerung der Geburtenrate.
´Ein Wort zuletzt`: Zusammenfassende Schlussbetrachtung der Ergebnisse und Fazit der Arbeit.
Schlüsselwörter
Familiengründung, Demographie, Wirtschaftspädagogik, Geburtenrate, Familienpolitik, Sozialpolitik, Generationenvertrag, Erwerbstätigkeit, Kinderbetreuung, Fertilitätsverhalten, Kinderlosigkeit, Vereinbarkeit, Humankapital, Bevölkerungsentwicklung, Lebensformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftlichen und sozialpolitischen Einflüsse auf die Familiengründung, insbesondere vor dem Hintergrund der demographischen Situation in Deutschland und europäischen Vergleichsländern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die Themen Demographie, Familienpolitik (Bar- und Sachleistungen), das Erwerbsverhalten von Müttern und Vätern, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Auswirkungen des Bildungsniveaus auf die Entscheidung für Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Einflussfaktoren auf die Familiengründung zu identifizieren und auf dieser Grundlage Konzepte und Vorschläge zu entwickeln, um das demographische Niveau in Deutschland zu stabilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine interdisziplinäre Vorgehensweise, primär basierend auf hermeneutischen Textinterpretationen, dialektischer Argumentation und kritischem Rationalismus, kombiniert mit einer Analyse aktueller Statistiken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine statistische Situationsanalyse Deutschlands im Vergleich zu Frankreich, Italien und Schweden sowie eine tiefgehende Untersuchung der gesellschaftlichen und sozialpolitischen Determinanten, die das Gebärverhalten beeinflussen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Familiengründung, Geburtenrate, Familienpolitik, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Erwerbsbiographie und generationenübergreifende Solidarität.
Warum wird Deutschland mit Frankreich, Italien und Schweden verglichen?
Diese Länder wurden aufgrund ihrer teilweise unterschiedlichen, aber dennoch vergleichbaren Rahmenbedingungen ausgewählt, um daraus Best-Practice-Ansätze für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf abzuleiten.
Welche Rolle spielen Opportunitätskosten für die Familiengründung?
Die Arbeit betont, dass insbesondere für hochqualifizierte Mütter die durch eine Familienphase entstehenden Lohnverluste und die Entwertung des Humankapitals wesentliche Abschreckungsfaktoren für eine Familiengründung darstellen.
Wie bewertet die Autorin das neue Elterngeld?
Das einkommensabhängige Elterngeld wird positiv bewertet, da es eine Anerkennung geleisteter Erziehungsarbeit darstellt und finanzielle Einbußen insbesondere für Erziehende mit höherem Ausgangseinkommen abfedert.
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- Indra Bouß (Author), 2006, Familiengründung - eine wirtschaftspädagogische Analyse der gesellschaftlichen und sozialpolitischen Einflüsse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57922