Die Rolle Bohemunds von Tarent bei der Belagerung von Antiochia


Hausarbeit, 2006
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Abschnitt

I. Einleitung
1. Wie ging Bohemund vor Antiochia vor? Woher kamen seine Ambitionen?
2. Quellen und Methode

II. Hauptteil
1. Die Ausgangssituation vor Antiochia im Oktober 1097
2. Bohemund beeinflusst die Belagerungsstrategie der Kreuzfahrer
3. Kämpfe und Ausbruch der Hungersnot im Dezember 1097
4. Bohemund und die Abreise des Generals Tatikios im Februar
5. Bohemund kämpft gegen das Heer Ridwans von Aleppo
6. Die Ankunft der englischen Flotte und die endgültige Blockade
Antiochias
7. Bohemunds „Meisterstück“: Der Fall Antiochias
8. Erneute Belagerung und endgültiger Sieg der Kreuzfahrer

III. Ergebnisse

IV. Bibliographie

I. Einleitung

1. Wie ging Bohemund vor Antiochia vor? Woher kamen seine Ambitionen?

Mit Bohemund von Tarent begegnen wir einer der bemerkenswerten und schillernden Persönlichkeiten des Ersten Kreuzzuges und des Mittelalters im Allgemeinen. Bei der Belagerung von Antiochia entwickelte er bemerkenswerte Entschlossenheit und Tatkraft, die ihn - in Verbindung mit seinem beeindruckenden Äußeren - zum Inbegriff der Führungspersönlichkeit werden ließen, neben der die meisten anderen Anführer der bewaffneten Wallfahrt zeitweise regelrecht „verblassten“. Die folgende Arbeit soll sowohl die Taten aufzeigen und beleuchten, mit denen Bohemund auf systematische Art und Weise die Herrschaft über Antiochia erlangte, als auch nach den Gründen für seinen schon zu Beginn der Belagerung offen zu Tage tretenden starken Willen suchen, sich mit Antiochia im Orient einen bedeutsamen Landbesitz zu sichern.

2. Quellen und Methode

Zunächst soll mit Hilfe dreier maßgeblicher Werke der Forschungsliteratur zur Thematik eine ausführliche Annäherung an den tatsächlichen Verlauf der Belagerung von Antiochia versucht werden. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf den Taten Bohemunds von Tarent liegen. Zu diesen drei Werken gehört Hans Eberhard Mayers „Geschichte der Kreuzzüge“, als das deutsche Standardwerk über die Kreuzzüge überhaupt, Kenneth M. Settons „A History of the Crusades“, das eine ausführliche und in die Tiefe gehende Beschreibung der Geschehnisse beim Kampf um Antiochia liefert, sowie als drittes und neuestes Werk: „Victory in the East“ von John France, das besonders auf die militärischen Aspekte der Belagerung eingeht und zudem anschauliche Karten liefert, die über taktische und strategische Situationen einen schnellen Überblick verschaffen und die auch in dieser Arbeit Verwendung finden. Um die Wurzeln der Motivation Bohemunds von Tarent während der Belagerung zu beleuchten, wird schließlich der in „History today“ erschienene biographische Aufsatz „Bohemond, Prince of Antioch – The Career of a Norman Crusader in Italy“ von Neil Ritchie herangezogen.

II. Hauptteil

1. Die Ausgangssituation vor Antiochia im Oktober 1097

[1] Antiochia, unweit des Meeres in der fruchtbaren Orontes-Ebene zwischen dem Berghang des Berges Silpius und dem Fluß Orontes gelegen, war einst die drittgrößte Stadt des römischen Reiches und zur Zeit des Ersten Kreuzzuges immer noch bedeutsam. Die Stadt galt in der damaligen Zeit als eine fast uneinnehmbare Festung. Sie verfügte über „riesige Mauern“ und 400 Türme aus der Zeit Justinians, ein jeder etwa einen Bogenschuss vom anderen entfernt. Dreihundert Meter über der Stadt mündeten die Mauern am Gipfel des Bergrückens des Berges Silpius in einer Zitadelle[2]. Im Nordosten befand sich das große St-Pauls-Tor, im Südwesten das große St-Georgs-Tor. Ein drittes großes Tor führte direkt zu einer befestigten Brücke über den Fluss, des Weiteren gab es noch drei kleinere Tore. 1085 war Antiochia den Byzantinern von den Seldschuken abgerungen worden. Der seldschukische Emir Yagi Siyan herrschte mit Hilfe einer türkischen Armee seit 1087 über eine „im wesentlichen christliche Bevölkerung von Griechen und Armeniern, die während einer Belagerung freilich nicht als zuverlässig gelten konnte“[3]. Die Nachricht vom durch Anatolien marschierenden Kreuzzugsheer beunruhigte Yagi Siyan dermaßen, dass er versuchte, Antiochia von „illoyalen Elementen“ zu säubern, was u.a. dazu führte, dass der vormals noch frei in der Stadt agierende griechische Patriarch Johannes Oxeites in den Kerker geworfen und die Kathedrale St. Peter zum Pferdestall des Emirs umfunktioniert wurde[4]. Des Weiteren kam es zu vereinzelten Verfolgungen von Christen, welche vorher fast immer mit relativer Toleranz behandelt worden waren. Am 20. Oktober 1097 drang die Kreuzfahrerarmee in das Territorium Yagi Siyans ein, als sie in das Dorf Ma´Ratah einfiel, dessen türkische Garnison bei ihrem Anblick augenblicklich floh. Sogleich griff die Hauptarmee unter der Führung von Adhemar von Le Puy die „Eiserne Brücke“ über den Orontes an, welche von zwei Türmen bewacht wurde, die den Eingang flankierten. Der Angriff war von Erfolg gekrönt, so dass es den Kreuzfahrern möglich wurde, auf der anderen Seite des Flusses für Antiochia bestimmtes Vieh und Getreide in ihren Besitz zu bringen.

2. Bohemund beeinflusst die Belagerungsstrategie der Kreuzfahrer

[5] Am 21. Oktober 1097 führte Bohemund die Vorhut vor die Tore Antiochias. Yagi Siyan wusste, dass seine Streitkräfte zu schwach waren, um größere Kämpfe mit den Kreuzfahrern zu führen, daher beauftragte er zwei seiner Söhne damit, bei Verbündeten nach Hilfe zu ersuchen.[6] Derweil erlaubte er den Kreuzfahrern, sich vor der Stadt in Position zu bringen. Bohemunds Abteilung brachte sich vor dem St- Pauls-Tor in Stellung.

[7] Grafik I: Die Aufstellung der Kontingente der Kreuzzugsteilnehmer vor Antiochia.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[8] Das Vorgehen war das Ergebnis einer hitzigen Debatte unter den Kreuzfahrern bezüglich der Strategie. Beim Zusammentreffen der Anführer des Kreuzzuges am 21. Oktober 1097 wurde der Vorschlag eingebracht, eine weitläufige Blockade Antiochias durchzuführen und so den Winter in sicheren Stützpunkten zu überdauern. Die Argumente hierfür lauteten, dass die Truppen müde vom langen Anmarsch und zudem ohnehin über verschiedene eroberte Stützpunkte verteilt seien. Es sei demnach klüger auf Verstärkungen aus dem Westen und vom byzantinischen Kaiser zu warten. Ein Befürworter der Idee war u.a. der byzantinische General Tatikios.[9] Bohemund gehörte ebenfalls zu den Befürwortern einer langfristigeren Strategie, „hoffte er doch, Antiochia für sich behalten zu können, wozu ihn Balduins Staatsgründung in Edessa angeregt haben mochte“. Der Graf von Toulouse hingegen strebte einen sofortigen Sturm auf Antiochia an, wohl angesichts der Tatsache, dass man Antiochia nicht vollständig einschließen konnte. Das Unternehmen hätte durchaus Aussicht auch Gelingen gehabt. Schließlich wählte man eine Zwischen-lösung: eine langfristige enge Belagerung der Stadt. Dies hatte den zusätzlichen Vorteil, dass das Heer zusammengehalten wurde, was für die Moral der Truppen und deren Sinn für ihren „heiligen Auftrag“ wichtig sein mochte[10]. Allerdings war es den Kreuzfahrern nicht möglich, die Stadt komplett zu umringen, da ihr Heer dafür zu klein und die Befestigung von Antiochia zu weitläufig war. Hätte man versucht, die Stadt vollständig abzuriegeln und hätte seine Kräfte gestreut, wäre das Heer zu verwundbar geworden. So war es den Belagerten möglich, durch das nicht blockierte St-Georgs-Tor weiterhin Güter in die Stadt gelangen zu lassen, sowie kleinere Ausfälle zu unternehmen, um dem christlichen Heer den Aufenthalt so „unangenehm“ wie irgend möglich zu machen. Mit einer Garnison von schätzungsweise nur knapp 5000 Mann war mehr allerdings für die Belagerten nicht zu erreichen und Verstärkungen durch Verbündete wurden auf das dringlichste erwartet[11].[12] Es fiel Bohemund nicht schwer, innerhalb der Stadt Informanten und Sympathisanten ausfindig zu machen, zumal es zu Beginn der Belagerung immer noch möglich war, durch das St-Georgs-Tor die Stadt zu betreten.

[...]


[1] Mayer, 1995, 52f

[2] Setton, 1969, 308ff

[3] Ein von Hans Eberhard Mayer trefflich auf S. 52 formulierter Sachverhalt, der sich später noch als entscheidend herausstellen sollte.

[4] Die Zweckmäßigkeit dieses von Kenneth M. Setton auf S. 309 geschilderten Vorgehens erscheint dem modernen Betrachter wohl wenig einleuchtend. Man denkt zwangsläufig an irrationale „Verzweiflungsakte“ aus Furcht, immerhin konnte wohl durchaus erwartet werden, dass die Bevölkerung der Stadt auf diese Handlungen mit einer gesteigert feindseligen Haltung gegenüber den Türken reagieren würde.

[5] France, 1996, 199f

[6] Setton, 1969, 309f

[7] France, 1996, 221f

[8] France, 1996, 220f

[9] Mayer, 1995, 52f

[10] Anm.: Hinsichtlich der Debatte sind France, Setton und Mayer unterschiedlicher Ansicht. Während Mayer und Setton eine Position vertreten, die besagt, dass Bohemund die treibende Kraft für eine langfristige Belagerung gewesen sei und seine Stimme am meisten Gewicht unter den Anführern des Ersten Kreuzzuges gehabt hätte - was schließlich zum Abschmettern der „Sturmpläne“ des Grafen von Toulouse führte - vertritt France die Ansicht, dass es der Stimme des Grafen von Toulouse zu verdanken ist, dass überhaupt eine enge Belagerung der Stadt durchgeführt wurde, da man ansonsten eine reine „weitläufige Blockade“ - mit Überwinterung in diversen Stützpunkten - durchgeführt hätte, eine Taktik, die bereits 969 den Byzantinern zum Erfolg bei der Rückeroberung Antiochias verholfen hatte.

[11] France, 1996, 224ff

[12] Setton, 1969, 310ff

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Rolle Bohemunds von Tarent bei der Belagerung von Antiochia
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Byzanz und der Erste Kreuzzug
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V57923
ISBN (eBook)
9783638522380
ISBN (Buch)
9783638752350
Dateigröße
867 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Rolle, Bohemunds, Tarent, Belagerung, Antiochia, Byzanz, Erste, Kreuzzug
Arbeit zitieren
Christian David Köbel (Autor), 2006, Die Rolle Bohemunds von Tarent bei der Belagerung von Antiochia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57923

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