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Heiligkeit und Heiligenkult als Instrument sakraler Herrschaftslegitimation im deutschen Hochmittelalter am Beispiel Karls des Großen

Title: Heiligkeit und Heiligenkult als Instrument sakraler Herrschaftslegitimation im deutschen Hochmittelalter am Beispiel Karls des Großen

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 20 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Jan Trützschler (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Obwohl das mittelalterliche deutsche Kaisertum reich an Heiligen war, brachte es nie einen Nationalheiligen, nach dem Vorbild nahezu aller anderen europäischen Reiche, hervor. Karl der Große kommt als einziger zumindest in die Nähe einer derartigen Institution. Dennoch stellt sich die Frage, inwieweit der Karlskult nicht doch zumindest teilweise diejenige Funktionalität an Integration und Legitimation erbringen konnte, die andere Kulte anderswo in Europa zu leisten imstande waren. Um diese Frage zu beantworten, scheint es zunächst notwendig, zu klären, was mittelalterliche Heiligkeit denn überhaupt ausmachte, um so eine solide Grundlage für die weitere Erarbeitung zu schaffen. Anschließend gilt es, aus der Betrachtung mittelalterlichen Kulthandelns in seiner Wirksamkeit und dem zeitgenössischen Karlsbild darauf zu schließen, über welches politische, kulturelle und religiöse Potential die Karlsfigur in ihrer Heiligkeit verfügte. In einem letzten Schritt muss es dann darum gehen, zu untersuchen, wie Friedrich I. und Friedrich II., also die beiden Kaiser die sich in besonderer Weise auf Karl den Großen bezogen, dieses Potential in ihrem kultischen Handeln ausschöpften. Dabei werden zum einen Wirkungen auf den unmittelbaren politischen Kontext zu betrachten sein, zum anderen aber auch das wesentlich abstraktere Moment der sakralen Legitimation einer gottunmittelbaren deutschen Kaiserwürde vor dem Hintergrund des schwellenden Konflikts um die Stellung des Kaisertums zum Papsttum. Als wertvolle Grundlage dieser Arbeit hat sich Jürgen Petersohns Aufsatz „Kaisertum und Kultakt in der Stauferzeit“ erwiesen. Für die Erarbeitung des mittelalterlichen Kultbegriffs wurden einschlägige Veröffentlichungen Gerd Althoffs herangezogen. Die Ausführungen zum Karlsbild basieren im Wesentlichen auf dem Aufsatz „Heros und Heiliger, Literarische Karlsbilder im mittelalterlichen Frankreich und Deutschland“ von Bernd Bastert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Der christliche Heiligkeitsbegriff

1.1 Heiligkeit als Verhaltensideal

1.2 Die Manifestation von Heiligkeit in äußeren Zeichen

2. Kultakte und Rituale als mittelalterliches Herrschaftsinstrument

3. Die Beteiligung deutscher Kaiser an Heiligenkulten

4. Das deutsche Karlsbild im Hochmittelalter

5. Deutsche Kaiser bei Kultakten um Karl den Großen

5.1 Friedrich I. und die Kanonisation Karls des Großen 1165 in Aachen

5.2 Friedrich II. und die Schreinlegung 1215 im Aachener Münster

6. Das Kulthandeln Friedrichs I. und Friedrichs II

III. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Funktion von Heiligkeit und Heiligenkult als Instrumente zur sakralen Herrschaftslegitimation im deutschen Hochmittelalter, wobei der Kult um Karl den Großen als zentrales Fallbeispiel dient. Ziel ist es zu ergründen, wie die Stauferkaiser Friedrich I. und Friedrich II. die Karlsfigur nutzten, um ihre Herrschaft in einem schwierigen politischen Kontext zu festigen und gegenüber dem Papsttum zu legitimieren.

  • Mittelalterliche Definition von Heiligkeit und christlicher Lebensführung
  • Bedeutung rituellen Handelns als politisches Kommunikationsmittel
  • Entwicklung eines neuen Herrschaftsideals im 12. und 13. Jahrhundert
  • Instrumentalisierung des Karlskults zur Stärkung des Kaisertums
  • Analyse kultischer Handlungen von Friedrich I. und Friedrich II. in Aachen

Auszug aus dem Buch

1. Der christliche Heiligkeitsbegriff

Der in unserem Zusammenhang relevante christliche Heiligkeitsbegriff, der das Mittelalter prägte und bis in die Gegenwart wirksam ist, findet seinen Ursprung im Neuen Testament. Ausgehend von dem Glauben, Gott habe jedem Menschen die Gabe der Heiligkeit verliehen, indem er ihn zu Gerechtigkeit, Lauterkeit, Reinheit und Vollkommenheit befähigt, gilt derjenige als heilig, der diese gottgegebenen Tugenden tatsächlich walten lässt und ihnen sein Leben und Wirken verschreibt. Im Zentrum dieser Idee steht also der Gedanke der freiwilligen und selbstbestimmten Unterordnung individueller Egoismen unter das Gebot Gottes, welche ihren Ausdruck im unbedingten Dienst am Nächsten im Namen eben jenes Gebotes findet.

Insofern lässt sich der christliche Heiligkeitsbegriff als Ausdruck einer göttlichen Ethik des Verhaltens verstehen, die im Wesentlichen durch folgende drei Aspekte definiert ist: Absolutes Gehorsam gegenüber Gott und damit absolute Unterordnung und Dienstwilligkeit gegenüber dem Nächsten gilt als universelle Norm, an der sich menschliches Verhalten in jeder Hinsicht orientieren soll. Diese Norm findet ihre Erfüllung nicht in der passiven Hingabe, sondern vielmehr in der aktiven, bewussten und aus religiöser Überzeugung motivierten Gestaltung des Lebens in ihrem Sinne und im Vertrauen auf Gott.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Forschungsfrage nach der Funktionalität des Karlskults für Integration und Legitimation im hochmittelalterlichen deutschen Kaisertum.

II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen des Heiligkeitsbegriffs, die politische Rolle von Ritualen, das Bild Karls des Großen und die spezifischen Kultakte der Stauferkaiser.

1. Der christliche Heiligkeitsbegriff: Dieses Kapitel definiert den christlichen Heiligkeitsbegriff als Verhaltensideal und untersucht, wie sich Heiligkeit durch äußere Zeichen und Wundertätigkeit manifestiert.

2. Kultakte und Rituale als mittelalterliches Herrschaftsinstrument: Hier wird die Bedeutung rituellen Handelns als öffentliches Kommunikationsmittel zur Vermittlung politischer Haltungen und Machtansprüche erörtert.

3. Die Beteiligung deutscher Kaiser an Heiligenkulten: Das Kapitel beleuchtet, warum das deutsche Kaisertum lange Zeit kein Reichspatronat entwickelte und unter welchen Umständen sich dies bei den Staufern änderte.

4. Das deutsche Karlsbild im Hochmittelalter: Es wird die Rekonstruktion des Karlsbildes als „miles Christi“ beschrieben, das den Widerspruch zwischen christlichem Ideal und realer Machtausübung überbrückte.

5. Deutsche Kaiser bei Kultakten um Karl den Großen: Das Kapitel untersucht detailliert die Kanonisation 1165 durch Friedrich I. und die Schreinlegung 1215 durch Friedrich II. in Aachen.

6. Das Kulthandeln Friedrichs I. und Friedrichs II: Hier wird analysiert, warum die Kaiser trotz ihrer Herrscherstellung bewusst demütige Gesten bei Kultakten wählten, um sakrale Legitimität zu erlangen.

III. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Karlskult trotz politischer Instrumentalisierung nicht zur Etablierung eines Nationalheiligen führte, aber zeitlich begrenzte politische Wirkungen entfaltete.

Schlüsselwörter

Karl der Große, Heiligenkult, Herrschaftslegitimation, Staufer, Hochmittelalter, Kaisertum, Papsttum, Ritual, Heiligkeitsbegriff, Aachen, Kanonisation, Schreinlegung, Sakralität, Miles Christi, Mittelalter

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die politische Funktion von Heiligenkulten und speziell den Kult um Karl den Großen als Mittel zur sakralen Legitimation der kaiserlichen Macht im deutschen Hochmittelalter.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind das mittelalterliche Verständnis von Heiligkeit, die Bedeutung öffentlicher Rituale für Herrschaft, die Entwicklung des Karlsbildes sowie die spezifische Indienstnahme dieses Kults durch die Stauferkaiser.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie der Karlskult dazu diente, die Kaiserwürde als gottunmittelbar und vom Papsttum unabhängig darzustellen und politische Spannungen im Reich zu überbrücken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung relevanter zeitgenössischer Quellen (wie Rolandslied oder Kaiserchronik) und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zu Ritualtheorie und Herrschaftsgeschichte basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erläuterungen zum Heiligkeitsbegriff und Ritualverständnis, eine historische Einordnung des Karlsbildes sowie die konkrete Analyse der Kultakte von Friedrich I. und Friedrich II.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Karl der Große, Staufer, sakrale Legitimation, Heiligenkult, Aachener Karlsschrein und Herrschaftsverständnis.

Warum wählten die Kaiser ausgerechnet den Karlskult zur Legitimation?

Die Figur Karls des Großen bot sich an, da sie als „miles Christi“ interpretiert werden konnte, die eine direkte Verbindung zu Gott besaß und somit als Schirmherr für eine autonome deutsche Kaiserwürde gegenüber dem Papsttum dienen konnte.

Welche Rolle spielten die "demütigen Gesten" der Kaiser bei den Kultakten?

Die bewusste Demut der Kaiser bei der Handhabung der Reliquien diente nicht der Schwächung ihrer Autorität, sondern überhöhte diese, da sie ein als heilig geltendes Ideal nachahmten und somit sakralen Beistand sowie Legitimität für ihr Handeln erlangten.

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Details

Title
Heiligkeit und Heiligenkult als Instrument sakraler Herrschaftslegitimation im deutschen Hochmittelalter am Beispiel Karls des Großen
College
Martin Luther University  (Institut für Geschichte)
Course
Heiligkeit und Politik - Zur Funktion der Heiligen in der Welt von Herrschaft und Dienst
Grade
2,0
Author
Jan Trützschler (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V57970
ISBN (eBook)
9783638522755
ISBN (Book)
9783656544678
Language
German
Tags
Heiligkeit Heiligenkult Instrument Herrschaftslegitimation Hochmittelalter Beispiel Karls Großen Heiligkeit Politik Funktion Heiligen Welt Herrschaft Dienst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Trützschler (Author), 2006, Heiligkeit und Heiligenkult als Instrument sakraler Herrschaftslegitimation im deutschen Hochmittelalter am Beispiel Karls des Großen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57970
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