Die vorliegende Arbeit veranschaulicht zunächst, wie tief der Begriff "Zeug" in Martin Heideggers Kunstwerk-Abhandlung "Der Ursprung des Kunstwerkes" eingebettet im Verborgenen liegt. Auf dem Weg der Hinführung zum Begriff "Zeug" wird deutlich, welche anderen Begriffe zunächst beiseite gestellt werden müssen, um das "Zeug" zu lokalisieren und es für eine Bearbeitung zugänglich zu machen. Der Argumentationsweg führt über landläufige und abendländisch überlieferte Begriffe wie "Werk", "Ding", "Form und Stoff", "Dienlichkeit" bis hin zum "Erzeugnis Um-zu". An dieser Stelle setzt der Begriff "Zeug" an, der sich im Hinblick auf das "Dass seines Hervorgebrachtseins" wesentlich vom Begriff "Werk" unterscheidet: Heidegger trennt "Künstlerisches Geschaffensein" (betrifft den Begriff "Werk") von "handwerklichem Angefertigtsein" (betrifft den Begriff "Zeug").
Martin Heideggers Abhandlung fragt eingangs nach der "Wesensherkunft" des Kunstwerkes, oder anders ausgedrückt, nach der "Herkunft des Wesens des Kunstwerkes". In der Auslegung von Friedrich Wilhelm von Herrmann beinhaltet der Begriff "Ursprung" nach Martin Heidegger zum einen die Frage 1.) nach dem "Vonwoher und Wodurch" eine Sache ist, welche als die Frage nach der Herkunft der Sache bestimmt wird, und zum anderen 2.) beinhaltet der Begriff "Ursprung" die Frage nach dem "Was- und Wiesein" der Sache, welche als die Frage nach dem Wesen der Sache bestimmt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hinführung zum Begriff „Zeug“
2.1. Hinführung zur Frage nach dem Wesen des wirklichen Werkes
2.1.1. Hinführung zur Frage nach dem Wesen der Kunst
2.1.2. Wandlung der Frage nach dem Wesen der Kunst in die Frage nach dem Wesen des Kunstwerkes
2.1.3. Kreisgang im Fragen „vom Werk zur Kunst“ und gleichzeitig „von der Kunst zum Werk“
2.2. Begegnung mit dem „Ding“ auf dem Weg der „Suche nach dem Wesen des wirklichen Werkes“
2.3. Begegnung mit dem „Zeug“ auf dem Weg der „Suche nach dem ursprünglichen Dingsein des Dings“
2.3.1. Suche nach dem Dinglichen im „Ding als Träger seiner Eigenschaften“
2.3.2. Suche nach dem Dinglichen im „Ding als das in den Sinnen der Sinnlichkeit durch Empfindungen Vernehmbare“
2.3.3. Suche nach dem Dinglichen im „Ding als Einheit von Stoff und Form“
2.3.3.1. Ursprung des „Stoff-Form-Gefüges“ des Gebrauchsdings im „Wozu seiner Dienlichkeit“
2.3.3.2. „Erzeugnis zu Etwas“ – das „Zeug“
3. Der Begriff „Zeug“
3.1. Persönliche Beschreibung aus dem Alltag in Anlehnung an Martin Heideggers Interpretation des van Gogh Gemäldes „Ein Paar Schuhe“
3.2. „Zuhandenheit“ und „Dienlichkeit“
3.3. „Verlässlichkeit“
3.4. „Auffälligkeit, Aufdringlichkeit, Aufsässigkeit“
3.5. „Fertigsein“
4. Das „Zeug“ in Abgrenzung zum „Werk“ im Hinblick auf das „Dass“ ihres Hervorgebrachtseins
4.1. Künstlerisches Geschaffensein und handwerkliches Angefertigtsein
4.2. Das „Dass“ des Geschaffenseins
4.3. Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das ontologische Verhältnis zwischen dem „Zeug“ und dem „Werk“ im Kontext von Martin Heideggers Abhandlung „Der Ursprung des Kunstwerkes“, um die wesentliche Differenz in ihrem jeweiligen Hervorgebrachtsein zu ergründen.
- Analyse des Begriffs „Zeug“ als instrumentelles Seiendes im Alltag.
- Untersuchung der Dingbegriffe in der abendländischen Tradition.
- Kontrastierung des „Geschaffenseins“ des Kunstwerks mit dem „Angefertigtsein“ des Zeugs.
- Diskussion der Bedeutung des „Dass“ des Seins für das Verständnis von Kunst.
- Herausarbeitung der funktionalen vs. ontologischen Differenz.
Auszug aus dem Buch
3.1. Persönliche Beschreibung aus dem Alltag in Anlehnung an Heideggers Interpretation des van Gogh Gemäldes „Ein Paar Schuhe“
Das Wesen des Zeugs soll sich zeigen, ohne Übergriffe bekannter Auslegungen. Ohne philosophische Theorie interpretiert Martin Heidegger Vincent van Goghs Gemälde „Ein Paar Schuhe“. Um dies nicht noch einmal nachzuerzählen möchte ich lieber selbst zeigen, was dort bezüglich des Umgangs mit Zeug gemeint ist:
Ich schreibe mit dem Stift oder tippe mit meinen Fingern die vorliegende Hausarbeit und das Tastatur-Zeug soll nur funktionieren, nicht kaputt gehen, damit die Hausarbeit pünktlich fertig gestellt wird. Die Tastatur soll nicht selbst als bloßes „dass sie ist“ auffallen, indem sie kaputt geht und ich sie dann als bloßes Ding ohne Funktion bemerke, weil sie nicht mehr meiner Sache dient und ich mich an einer kaputten „Z“-Taste beispielsweise verletze, die mich im Umgang mit meiner Hausarbeit blockiert. Ich verlasse mich auf meine Tastatur.
Indem ich mich auf sie verlassen kann, kann ich in meine Welt des Studierens eintauchen, mich auf meine Sache konzentrieren wie die Bäuerin auf dem Acker beim Kartoffeln aufsammeln. Weil ich mich darauf verlassen kann auch wenn ich gerade nicht meine Hausarbeit aktiv schreibe weiß ich doch um meine derzeitige Aufgabe und kann jederzeit fortfahren und mich meiner Welt der Hausarbeit widmen, wenn ich möchte, die mich gerade zu dem macht, der ich für einen gewissen Zeitraum bin - der Hausarbeit-Schreibende-Student.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Notwendigkeit ein, Begriffe wie „Zeug“, „Werk“ und „Ding“ bei Heidegger zu lokalisieren und abzugrenzen.
2. Hinführung zum Begriff „Zeug“: Das Kapitel untersucht den schwierigen Weg zur Wesensbestimmung des Kunstwerks und die Suche nach dem Dinghaften über verschiedene traditionelle Dingbegriffe.
3. Der Begriff „Zeug“: Hier wird das Zeug durch eine alltagsnahe Analyse von Funktionen wie Zuhandenheit, Dienlichkeit und Verlässlichkeit definiert.
4. Das „Zeug“ in Abgrenzung zum „Werk“ im Hinblick auf das „Dass“ ihres Hervorgebrachtseins: Das zentrale Kapitel kontrastiert das Angefertigtsein des Zeugs mit dem bewussten Geschaffensein des Kunstwerks.
Schlüsselwörter
Martin Heidegger, Der Ursprung des Kunstwerkes, Zeug, Werk, Ding, Zuhandenheit, Dienlichkeit, Verlässlichkeit, Geschaffensein, Angefertigtsein, Ontologie, Phänomenologie, Kunst, Existenz, Sein und Zeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Abgrenzung von Gebrauchsgegenständen (Zeug) und Kunstwerken innerhalb der Kunstphilosophie von Martin Heidegger.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Dingbegriffe, der Erörterung von Zeug-Strukturen wie Dienlichkeit und der Untersuchung des spezifischen Seinsmodus des Kunstwerks.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Unterschiede im „Hervorgebrachtsein“ von Zeug und Kunstwerk zu klären und zu zeigen, wie das Werk sein eigenes Faktum thematisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine phänomenologisch orientierte Herangehensweise in Anlehnung an Heideggers eigene Interpretationsmethode, ergänzt durch alltägliche Selbstbeobachtung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Hinführung zum Dingbegriff, die Analyse des Zeugbegriffs und der finale Vergleich zwischen Werk und Zeug detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Zeug, Werk, Ding, Zuhandenheit, Dienlichkeit, Ontologie und Geschaffensein.
Warum ist das „Versagen“ der Tastatur ein wichtiges Beispiel für den Zeugbegriff?
Es verdeutlicht, dass das Zeug im ungestörten Gebrauch verborgen bleibt (Zuhandenheit) und erst bei Funktionsstörungen in das Bewusstsein tritt (Auffälligkeit).
Inwiefern unterscheidet sich die „Welt“ des Kunstwerks vom „Zeugganzen“?
Das Kunstwerk löst sich aus den funktionalen Dienlichkeitsbezügen des Alltags heraus und stellt das Faktum des Seins öffentlich zur Schau, anstatt es in der Nutzung zu verbergen.
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- Matthias Haase (Author), 2006, Das "Zeug" in Abgrenzung zum "Werk", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57978