Der rationale Wähler nach dem Modell von Anthony Downs - Wählen wir wirklich rational?


Hausarbeit, 2006

15 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Modell des rationalen Wählers nach Anthony Downs
2.1 Grundannahmen
2.2 Die Wähler
2.3 Das Parteiendifferential
2.4 Verhaltensunterschiede zwischen Zwei-
Oder Mehrparteiensystemen

3. Kritik
3.1 Informationskosten
3.2 Das Nichtwählerparadoxon
3.3 Lösungsansätze
3.3.1 Kostenminimierung
3.3.2 Nutzenüberschätzung
3.3.3 Opportunitätskosten

4. Fallbeispiel Das Abschneiden der Linkspartei bei der
Bundestagswahl
4.1 Das Wählerprofil
4.2 Der Parteienwettbewerb
4.3 Informations- und Opportunitätskosten

5. Fazit

6. Literatur

1 Einleitung

In der Wahlforschung gibt es mehrere Theorien, mit den versucht wird zu erforschen, warum sich Wähler und Parteien in einer gewissen Art und Weise verhalten. Der Rational Choice Ansatz bietet in der Wahlforschung die Möglichkeit, dass Handeln der Akteure auf einfache Weise zu analysieren und zu prognostizieren. So wird mit dem Menschenbild, des homo oeconomicus nur die Kosten- und Nutzenseite des Akteurs betrachtet. Durch die Grundannahmen der Rational Choice Theorie, die besagt, dass die Akteure immer nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung handeln und deren Präferenzen stabil bleiben, sind die einzigen Variablen die Restriktionen der Akteure. Die Akteure berechnen aufgrund der Restriktionen ihr Nutzenniveau und treffen daraufhin ihre Entscheidungen.

Somit lässt sich zum Beispiel der Ausgang einer Wahl einfach vorhersagen oder ein Wahlergebnis erklären. Doch es stellt sich die Frage, ob sich das Verhalten der Akteure auf der Makroebene einzig durch rationales Handeln erklären lässt, oder ob der Wähler nicht rational handelt. In der folgenden Arbeit wird detailliert auf das Modell des rationalen Wählers von Anthony Downs eingegangen, das auf den Grundlagen der Rational Choice Theorie beruht. Das Menschenbild des rationalen Wählers wird durchleuchtet und dessen Präferenzbildung begründet. Des Weiteren wird aufgezeigt, welche Widersprüchlichkeiten in Down´s Modell auftreten, und welche Lösungsversuche es gibt, diese zu lösen.

Im letzten Abschnitt der Arbeit wird das Modell des rationalen Wählers auf ein Praxisbeispiel angewendet. Es wird überprüft, ob sich der Wahlerfolg der Linkspartei bei der Bundestagswahl 2005 anhand von diesem Modell erklären lässt.

Die Angebotsseite des Modells ist nicht Teil dieser Arbeit, da dies den Themenrahmen überschreiten würde.

2 Das Modell des rationalen Wählers nach Anthony Downs

Anthony Downs veröffentlichte im Jahr 1957 sein Modell des rationalen Wählers. Seitdem gilt dieses als unvergleichliches Werk und wird heftig diskutiert. Im Folgenden Abschnitt wird dieses Modell vorgestellt.

2.1 Grundannahmen

Downs geht davon aus, dass das Verhalten von Wählern und auch von demokratischen Parteien allein durch deren rationales Handeln geprägt ist. Er behauptet, dass die Akteure versuchen, ihre bekannten Ziele, mit dem geringsten möglichen Aufwand zu erreichen, um somit ihren jeweiligen individuellen Nutzen zu maximieren (vgl. Downs 19968:4), dies ist seine Definition des rationalen Handelns. Den Akteuren wird unterstellt streng rational zu handeln. Die Parteien haben das feste Ziel, einen gewissen Stimmenanteil der Wähler zu erlangen, um politische Macht zu erhalten oder zu erlangen. Genauso ist rationales Handeln beim Wähler zu beobachten. Er wägt ab wie er ein bestimmtes Ziel mit den einfachsten Mitteln erreichen kann. So wird er die Partei wählen, die seinen Zielvorstellungen am nächsten kommt. Dem Wähler ist es wichtig, dass er möglichst wenig Kosten aufwenden muss, um seine Wahl zu treffen, denn er muss ja bereits an einem Sonntag ins Wahllokal gehen, ein Formular ausfüllen und sich mit dem Stimmzettel auseinander setzen. Er hat also bereits eine gewisse Anzahl von Kosten, die den zu erwartenden Nutzen der Wahl nicht übersteigen dürfen. Dann kommt noch hinzu, dass der Wähler als rational handelnder Mensch streng genommen über die vollkommene Information verfügen muss, um eine rationale Wahlentscheidung zu treffen. Dies wird ihm durch intensive Wahlwerbung und Medienberichterstattung zwar etwas erleichtert, aber dennoch muss der rationale Wähler sein Kosten-Nutzen-Kalkül genau abwägen. So sahen zum Beispiel viele Bürger der ostdeutschen Bundesländer ihr Nutzenmaximum darin, bei der Bundestagswahl 1990 Die CDU zu wählen, da der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl ihnen blühende Landschaften versprochen hat. Downs blendet in seinem Modell außer Kosten und Nutzen, alle Motivationsfaktoren der Akteure aus. So kann er politische Vorgänge präziser analysieren und prognostizieren.

2.2 Die Wähler

Der streng rationale Wähler in Downs Modell muss drei elementare Eigenschaften besitzen.

„Er muss wissen, welche Ziele er hat;

Er muss wissen, welche Möglichkeiten ihm zur Erreichung dieser Ziele offen stehen

Er muss wissen, welche Folgen die jeweilige Entscheidung für eine dieser Möglichkeiten haben wird.“(Braun 1999:63)

Der Wähler muss über festgelegte Präferenzen verfügen, wie es auch im RC Modell angenommen wird. Die Präferenzen verändern sich nicht, während sich im Gegensatz dazu die Restriktionen verändern können. Beispielsweise durch exogene Einflüsse auf den Wähler durch das politische System.

Des Weiteren hat der Wähler die nötigen Informationen darüber, in welcher Art und Weise er seine Ziele erreichen kann, er ist zum Beispiel darüber informiert, wie das Wahlsystem funktioniert und welchen Einfluss seine Stimme auf den Wahlausgang hat.

2.3 Das Parteiendifferential

Um zu bestimmen, welche Partei den höchsten Nutzenwert bildet, erstellt der rationale Wähler ein so genanntes Parteiendifferential. Darin errechnet er seinen jeweiligen erwarteten Nutzenwert, der erreicht wird, wenn die Regierungspartei weiter regieren würde und subtrahiert davon den erwarteten Nutzenwert den er erreichen würde, den die Oppositionsregierung bilden würde, wenn diese an die Macht käme. Der so ermittelte Wert ist das Parteiendifferential. Bei einem positiven Parteiendifferential wird der Wähler die Regierungspartei wählen, und bei einem negativen Parteiendifferential wird er sich für die Oppositionspartei entscheiden (vgl. Downs 1968: 38). Einen Sonderfall bilden Mehrparteiensysteme mit mindestens 3 Parteien, darauf wird in Abschnitt 2.4 eingegangen.

Um die erwarteten Nutzenwerte zu bestimmen, muss der Wähler die Leistungen der beiden Konkurrenzparteien genau analysieren und bewerten. Hierzu müsste er in die Zukunft blicken, um verlässliche Aussagen zu treffen. Da dies nicht möglich ist, stellt der rationale Wähler die Leistung der Regierungspartei mit der erwarteten Leistung der Oppositionspartei gegenüber. Zu diesem Zweck muss sich der Wähler zumindest bei der Oppositionspartei auf Wahlversprechen dieser Partei verlassen. So ist der Wähler zumindest bei der Bewertung einer Partei auf nicht neutrale Informationen angewiesen (vgl. Downs 1968: 39).

Wenn der Wert des Parteiendifferentials gleich Null ist, zum Beispiel weil die konkurrierenden Parteien die gleichen Ziele verfolgen, greift der rationale Wähler auf folgende Maßnahmen zurück: er bewertet die bisherige Leistung der Regierungspartei mit der seiner Meinung nach idealen Leistung einer Partei. Diese Leistungsbewertung kann sich auch auf einzelne Sachfragen beziehen, von welchen das Nutzeneinkommen des Wählers abhängt. Des Weiteren bildet er einen Trendfaktor, in dem er die Entwicklung der Regierungsleistung der Regierungspartei und die erwartete Entwicklung der Leistung der Oppositionspartei vergleicht.

Nach Abwägung dieser Faktoren kann der rationale Wähler seine Entscheidung treffen. Den Fall, dass der Wähler selbst nach dieser eingängigen Überprüfung der Parteien immer noch indifferent ist spart Downs aus, hierzu wird noch in Kapitel 3 eingegangen.

2.4 Verhaltensunterschiede zwischen Zwei- Oder Mehrparteiensystemen

Downs zufolge lässt sich das Modell des rationalen Wählers auch auf Mehrparteiensysteme übertragen. Der Wähler wählt nach wie vor aus, bei der Wahl welcher Partei er das höchste Nutzenniveau erreichen kann (vgl. Downs 1968: 46). Nach Downs vergleicht der rationale Wähler die Leistung der Regierungspartei mit der Leistung der von ihm bevorzugten Oppositionspartei und nimmt so die Komplexität aus der Entscheidungsfindung (vgl. Braun 1999: 65).

Dennoch gibt es im Mehrparteiensystem große Unterschiede, wie der Wähler sein Nutzenmaximum erreichen kann. Im Zweiparteiensystem ist die Wahrscheinlichkeit, dass die gewählte Partei des Wählers die Wahl gewinnt relativ hoch. Die Gefahr, seine Stimme zu verschenken ist also gering. Der Wähler analysiert die Ziele der Parteien und bildet sein Parteiendifferential. Ganz anders dagegen ist dies im Mehrparteiensystem. Vergleicht der Wähler nur die Ziele der Parteien, kann es passieren, dass eine relativ kleine Splitterpartei, die objektiv betrachtet keine Chance auf einen Wahlsieg hat, das höchste Nutzenniveau beim Wähler erreicht. Dennoch wird der rationale Wähler diese Partei nicht wählen, da er weiß, dass seine Stimme verloren geht, da diese Partei nicht an die Regierungsmacht gelangen kann. Demgemäß ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der rationale Wähler nicht die Partei wählt, die seinen Zielen am nächsten kommt, sondern dass er eine Partei wählt, von der er sich verspricht, dass sie Chancen hat, eine Wahl zu gewinnen, auch wenn diese mit ihren Zielen ein geringeres Nutzenniveau beim Wähler erreicht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der rationale Wähler nach dem Modell von Anthony Downs - Wählen wir wirklich rational?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar - Moderne Politische Theorie
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V57984
ISBN (eBook)
9783638522892
ISBN (Buch)
9783638839129
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Hausarbeit werden die Grundlagen des Modells des rationalen Wählers nach Anthony Downs eingehend dargestellt. Daraufhin wird dieses Modell und das dadurch resultierende Nichtwählerparadoxon kritisiert. Im dritten Teil der Arbeit wird versucht, das Nichtwählerparadoxon am Beispiel der Bundestagswahl 2005 anzuwenden.
Schlagworte
Wähler, Modell, Anthony, Downs, Wählen, Proseminar, Moderne, Politische, Theorie
Arbeit zitieren
Johannes Leusch (Autor), 2006, Der rationale Wähler nach dem Modell von Anthony Downs - Wählen wir wirklich rational?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57984

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