Make or Buy-Entscheidungen

Kriterien für die Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Zukauf


Seminararbeit, 2006
43 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff der Make-or-Buy-Entscheidung
2.1 Charakterisierung von Make-or-Buy-Entscheidungen
2.2 Make-or-Buy – Entscheidungsobjekte
2.2.1 Wirtschaftszweige
2.2.2 Unternehmensbereiche in den zusammenbauenden Industrien
2.3 Vertikale Integration, Outsourcing und verwandte Begriffe
2.4 Schwierigkeiten und Grenzen der Wahlmöglichkeiten
2.5 Gründe für Make-or-Buy-Betrachtungen

3 Kriterien für die Entscheidungsfindung
3.1 Entscheidungshilfen aus Kostensicht
3.1.1 Kurzfristige Make-or-Buy-Entscheidungen
3.1.2 Langfristige Make-or-Buy-Entscheidungen
3.2 Entscheidungen aus Sicht der Transaktionskostentheorie
3.3 Wertmäßig nicht fassbare Kriterien – strategische Kriterien
3.3.1 Beschaffungsmarktbezogene Kriterien
3.3.2 Absatzmarktbezogene Kriterien
3.3.3 Unternehmensbezogene Kriterien
3.4 Strategie zur Entscheidungsfindung

4 Verantwortung des Konstrukteurs bei der Planung

5 Entwicklungstrends

6 Vertrauensverhältnis zu den Zulieferern – Zertifizierung

7 Fazit

8 Anhang
8.1 Literaturverzeichnis
8.2 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Durch immer kürzer werdende Produktlebenszyklen und ständig wachsenden Druck der Konkurrenz, werden Unternehmen gezwungen ihre Fertigungsprozesse immer weiter zu optimieren. Die zunehmende Globalisierung der Märkte spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Auf der einen Seite eröffnen sich dem Produzenten neue Absatzmärkte, andererseits entsteht ein Kostendruck auf den eigenen Betrieb durch Hersteller bzw. Dienstleister, welche gleiche Produkte kostengünstiger herstellen oder Dienstleistungen günstiger anbieten können, als es im eigenen Betrieb möglich wäre. Vor allem Hersteller im osteuropäischen und asiatischen Raum setzen viele Betriebe unter Kostendruck, da der Produktionsfaktor Arbeit und dadurch auch die Produktion in Asien und Osteuropa weitaus günstiger ist. Der Konsument bzw. Bezieher von Produkten oder Teilen kann diesen Effekt jedoch größtenteils zu seinem Vorteil nutzen, da er Teile preiswerter beziehen kann.

Durch diese wirtschaftlichen Gegebenheiten wird eine Reduzierung der Prozesskosten, also der Kosten für die Durchführung der Entwicklung von Produkten, der Herstellung sowie der damit verbundenen Tätigkeiten, für die meisten Betriebe lebensnotwendig, um am globalen Markt zu bestehen.[1]

Als ein Ansatzpunkt wird dabei von vielen Firmen die Fremdvergabe von Dienstleistungen und Produktionsaufträgen innerhalb des Betriebes an auf diese Aufgabe spezialisierte Firmen angesehen. Vor allem betriebszweckfremde Tätigkeiten werden häufig an externe Firmen übertragen. Beispielsweise werden heute bei den meisten Automobilherstellern Aufgaben wie Reinigung oder Catering vielfach durch eigenständige Firmen übernommen.

Ziel dieser Arbeit soll sein, die Begriffe der Selbstherstellung und des Fremdbezugs näher zu betrachten und einen Überblick über die Motive für eine Fremdvergabe – aber auch damit einhergehende Risiken – zu geben. Damit verbunden sollen die Verantwortung des Konstrukteurs sowie das Vertrauensverhältnis zu den Zulieferern betrachtet werden. Weiterhin sollen mögliche Kriterien für eine Entscheidung zwischen den beiden Formen dargestellt werden. Eine Entscheidung ist hierbei natürlich in allen Industriezweigen möglich und auch erforderlich, doch sollen vor allem die „zusammenbauenden“ Industrien im Vordergrund stehen, da hier eine Vielzahl unterschiedlicher Teile in das Produkt eingehen und demzufolge auch die Bedeutung eindeutig höher angesehen werden muss.

2 Der Begriff der Make-or-Buy-Entscheidung

2.1 Charakterisierung von Make-or-Buy-Entscheidungen

In allen industriellen Unternehmen werden Erzeugnisse – z.B. Rohstoffe, Werkstoffe, Betriebsmittel, Teile oder Maschinen – für die Herstellung von Produkten benötigt. Diese Erzeugnisse können einerseits in gewissem Maße selbst hergestellt werden, andererseits aber auch von anderen Unternehmen bezogen werden. Im ersten Fall wird von „Eigenerzeugung“ oder „Selbstherstellung“ (Make) und im zweiten Fall von „Fremdbezug“ (Buy) gesprochen. Deswegen wird die Eigenerzeugung oft als eine alternative Beschaffungsform angesehen und muss bei der Wahl einer Bezugsquelle mit in Betracht gezogen werden. Anders formuliert könnte man sagen: Jeder Auftrag, ein Teil zu fertigen, ist das Ergebnis der Entscheidung, auf die Beschaffung durch Kauf bewusst zu verzichten.[2]

Die Frage „Machen oder Kaufen?“ wird dabei für ein Unternehmen nur relevant, wenn es selbst in der Lage ist, jene Leistungen oder Güter zu erstellen, aber auch die Möglichkeit des Fremdbezuges besteht. Ist das Volumen einer Leistungsart teilbar, muss die Wahl nicht nur für die beiden Extremfälle betrachtet werden, sondern beinhaltet auch die Entscheidung, ob und wie das Volumen aufgeteilt werden soll.[3]

Make-or-Buy-Entscheidungen müssen in verschiedenen Unternehmensbereichen getroffen werden und sind oft auch bereichsübergreifend. Sie beeinflussen neben intern auszuführenden Entwicklungs- und Leistungserstellungsprozessen folgende Eigenschaften eines Unternehmens:

- Anforderungen an Maschinenausstattung, Kapazitäten, Fertigungs- und Lagerstandorte, Organisation der Produktion und Logistik
- Investitionsbedarf und damit Höhe, Zweck und Zeitpunkt langfristiger Bindung von Finanzmitteln
- Umfang des Beschaffungsprogramms
- Bedeutung von Unternehmensbereichen, besonders Beschaffungs- und Fertigungsbereich, und damit die Ressourcenzuteilung auf die Bereiche
- Anzahl und Qualifikation der Mitarbeiter und damit das Beschäftigungsrisiko
- Kostenhöhe und -struktur
- Flexibilität der Produktion
- Stellung des Unternehmens gegenüber Wettbewerbern

Hieraus wird deutlich, dass sich Make-or-Buy-Entscheidungen stark auf die gesamte Entwicklung und Struktur eines Unternehmens und somit auf dessen kurz-, mittel- und langfristige Ziele auswirken. Beispielsweise wird die Verteilung des Risikos zwischen Unternehmen und Lieferant beeinflusst. In Anbetracht der hohen Bedeutung wird eine gründliche Vorbereitung der Entscheidung zwischen „Machen oder Machen lassen“ zwingend erforderlich. Dabei ist jene Kombination von Eigen- und Fremdleistungen, welche vermuten lässt, dass sie die verfolgten Ziele am besten erfüllt, für jedes Entscheidungsobjekt problemspezifisch zu ermitteln.[4]

2.2 Make-or-Buy – Entscheidungsobjekte

Wie eingangs erwähnt, können derartige Entscheidungen in jedem Wirtschaftszweig vorgefunden werden. Außerdem können sie Leistungen aus jedem Unternehmensbereich und jeder Stufe des betrieblichen Leistungsprozesses betreffen.

2.2.1 Wirtschaftszweige

In unterschiedlichen Wirtschaftszweigen werden die Entscheidungen schwerpunktmäßig für unterschiedliche Arten von Objekten getroffen. Ein Spediteur wird sich beispielsweise fragen, ob er Transporte selbst durchführt, oder ob er in gewissem Maße auch Fremdtransport in Anspruch nehmen soll. Ferner kommt ein Handelbetrieb – besonders im Absatz- oder Verwaltungsbereich – mit der Frage in Berührung, ob er die Leistung selbst erbringen oder fremd vergeben sollte. In Industrien, deren Endprodukt aus einer einheitlichen Masse besteht, stellt sich die Frage, ob die Rohstoffe bezogen, selbst hergestellt oder sogar Rohstoffquellen erworben werden sollen. Von größerer Bedeutung ist die Problematik allerdings in den zusammenbauenden Industriebetrieben, insbesondere wenn deren Produkte aus vielen verschiedenen Materialien oder Komponenten zusammengesetzt sind.[5] Die Eigenerzeugung von Rohstoffen spielt jedoch für die Fertigwarenindustrie eine geringere Rolle als von Teilen und Baugruppen, weil der Erzeugung von Rohmaterialien meist die Branchenfremdheit und der geringe Eigenbedarf entgegenstehen. Dementsprechend wird man in einer Automobilfabrik kaum die Herstellung von Metall, Textilien, Ölen etc. vorfinden.[6]

2.2.2 Unternehmensbereiche in den zusammenbauenden Industrien

Materialwirtschaft/Logistik:

Die Wahl zwischen den beiden Bezugsarten ist nahezu in jedem Unternehmensbereich denkbar. So wird sich die Materialwirtschaft und Logistik damit auseinandersetzen müssen, ob der Einkauf vor allem von geringwertigen Gütern (C-Artikeln) an fremde Unternehmen, insbesondere Einkaufsverbände, übertragen werden soll. Auch die Beschaffungsmarktforschung kann entweder selbst übernommen oder an spezialisierte Marktforschungsunternehmen abgegeben werden. Logistische Abläufe – insbesondere außerbetriebliche (z.B. zwischenbetrieblicher Transport oder Entsorgung) – können an externe Logistikdienstleister vergeben werden.

Forschung/Entwicklung:

Die Tätigkeiten der Forschung und Entwicklung können in die Teilgebiete Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Entwicklung gegliedert werden. Da die Grundlagenforschung mit außerordentlich hohen Investitionen und Zeitaufwand verknüpft ist, erscheint für die meisten Firmen eine Fremdvergabe am zweckmäßigsten. Angewandte Forschung und Entwicklung sind eher an dem Ziel ausgerichtet, neue Produkte oder Verfahren zu schaffen oder vorhandene zu verbessern. Hier empfiehlt sich wegen der unternehmensspezifischen Bedingungen oft die Selbstdurchführung. Die Ausgliederung dieser Tätigkeiten kann allerdings auch über Vergabe spezieller Forschungsaufträge oder durch Bezug von allgemeinen Entwicklungsergebnissen erfolgen.

Absatz:

Der Absatzbereich eines Unternehmens kann in mehrere Teilfunktionen gegliedert werden. Nachfolgende Tabelle veranschaulicht an einigen Beispielen die verschiedenen Wahlmöglichkeiten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2-1: Objekte von Make-or-Buy-Entscheidungen im Absatzbereich[8]

Produktion:

Vor allem im Produktionsbereich von Industrien mit komplexen mehrstufigen Fertigungsprozessen spielt die Entscheidung „Make or Buy“ eine große Rolle, da es sich bei den Objekten der Entscheidung um jeden zur Erstellung der Leistung benötigten Einsatzfaktor handeln kann (z.B. Arbeitsleistungen, Betriebsmittel, Baugruppen, Teile, etc.).[9] Zum Großteil werden Arbeitsleistungen vom eigenen Personal erbracht, es bietet sich jedoch für bestimmte Arbeiten an, fremdes Personal einzusetzen (z.B. für Tätigkeiten, die spezielle Ausrüstungen oder speziell geschultes Personal erfordern).[10] Für einen Produktionsbetrieb stellt auch die Entscheidung über die Betriebsmittel eine wesentliche Rolle dar. Betriebsmittel sind u.a. Grundstücke, Gebäude, Maschinen und Anlagen, Werkzeuge und Betriebsstoffe. Obgleich in den seltensten Fällen Gebäude durch die eigenen Arbeiter errichtet werden, kann sich z.B. für einen Maschinenbaubetrieb schon die Fragestellung ergeben, ob selbst benötigte Maschinen nicht auch selbst gefertigt oder doch von anderen Firmen gekauft werden sollen. Im Vergleich zu anderen Materialien ist die Eigenherstellung von Betriebsstoffen eher unbedeutend, da dem Betrieb die nötigen Maschinen nicht vorhanden sind und das benötigte Know-how der Mitarbeiter fehlt, was eine Produktion dieser Stoffe gegenüber schon spezialisierten Anbietern erst wettbewerbsfähig machen würde.[11] Bedeutsamer für die Versorgung der Produktion ist die Wahl der Bezugsart für Material, Teile und Baugruppen, da diese häufig den größten Kostenanteil am Produkt ausmachen.

Daher soll sich im weiteren Verlauf auf diesen Teil der Entscheidungsfindung konzentriert werden. Dabei werden die Alternativen der Bereitstellung sowohl in der Produktion als auch schon in Entwicklung von Produkten betrachtet.

2.3 Vertikale Integration, Outsourcing und verwandte Begriffe

Das Problem – Make or Buy – ist eng verknüpft mit den Prozessen, die als vertikale Integration und vertikale Desintegration bezeichnet werden.

Wird durch den Wechsel von Fremdbezug zu Eigenfertigung die Erzeugungstiefe des Unternehmens erweitert, spricht man von vertikaler Integration. Dabei ist es egal, in welcher Weise die Eigenfertigung aufgenommen wird – ob durch vorhandene oder neu zu beschaffende Maschinen oder durch Kauf eines Lieferantenunternehmens. Eine Ausnahme stellt hier der Erwerb von Mehrheitsanteilen dar, welcher eher Verwandtschaft mit der Kontrolle der Vorstufe über enge vertragliche Bindungen zeigt.

Im entgegengesetzten Fall, also dem Übergang zum Fremdbezug, der verbunden mit einer Verringerung der Erzeugungstiefe eines Produktes ist, handelt es sich um vertikale Desintegration.

Durch die Entscheidung „Machen oder Machen lassen“ wird zwangsweise auch die Frage der zwischenbetrieblichen Spezialisierung und Arbeitsteilung berührt. Je niedriger die Produktionstiefe eines Betriebes ist, desto größer sind vertikale Spezialisierung und Arbeitsteilung. Vielfach wird die vertikale Spezialisierung, einhergehend mit vertikaler Desintegration, in der Literatur grundsätzlich positiv beurteilt, da effizientere Abläufe erreicht werden könnten. Wäre eine komplette Integration aller Fertigungsstufen allerdings gewinnbringend, müsste jede Art von wirtschaftlicher Tätigkeit in gigantischen Unternehmen konzentriert sein. Im umgekehrten Fall müsste eine strikte Anwendung der vertikalen Spezialisierung eine atomistische Produktionsstruktur hervorrufen. In der Industrie sind allerdings weder vertikale Spezialisierung noch Integration im Extrem verwirklicht. Es muss also Optima zwischen beiden Prinzipien geben.

Der oft verwendete Begriff Outsourcing ist ebenfalls in Zusammenhang mit einer Make-or-Buy-Entscheidung zu bringen. Dieser sagt aus, dass die Erstellung von Gütern oder Leistungen, welche bisher im Betrieb statt gefunden hat, an andere externe Firmen abgetreten, also ähnlich der vertikalen Integration von Selbsterstellung auf Fremdbezug gewechselt wird. Hierbei handelt es sich um die Ausgliederung bzw. Auslagerung von Geschäftseinheiten oder -prozessen, die sich z.B. als unprofitabel für das Unternehmen erwiesen haben. Das Gegenstück dazu wird als Insourcing bezeichnet. Hierbei werden vorher ausgegliederte betriebliche Tätigkeiten wieder in das Unternehmen eingegliedert.[12]

2.4 Schwierigkeiten und Grenzen der Wahlmöglichkeiten

- Verfügbarkeit von Arbeitskräften

Es ist für jeden ersichtlich, dass durch begrenzte Verfügbarkeit von Arbeitskräften auch die Möglichkeiten der Wahl zwischen Selbst- oder Fremdfertigung stark eingeschränkt werden können. Die Bereitstellung der benötigten Arbeitskräfte stellt für die Eigenerzeugung oft die größten Hindernisse dar. Sogar schon die Frage nach dem Personalbedarf kann Schwierigkeiten bereiten. So ist z.B. die Bestimmung von Anzahl und Ausbildungsstand der erforderlichen Mitarbeiter oft eine ungenaue Angelegenheit, wenn bei Einführung einer neuen Fertigung noch keine Erfahrungen vorliegen und das Unternehmen auf Informationen von außen angewiesen ist. Umso schwieriger wird die Bereitstellung von geeignetem Personal, wenn spezielle Fähigkeiten verlangt werden, die das Ergebnis langjähriger Berufserfahrung sein können. Das Unternehmen ist dann gezwungen Arbeiter, Techniker oder Ingenieure zu gewinnen, die schon Erfahrungen auf diesem Gebiet besitzen.[13]

- Kapitalausstattung

Eine weitere Schranke stellen die verfügbaren Finanzmittel des Betriebs dar. Ist nur unzureichend Kapital verfügbar, wird man zu der Versorgungsart gezwungen, die am wenigsten Finanzmittel benötigt. In aller Regel ist das der Zukauf. Auch wenn noch so viele Argumente für die Selbstherstellung sprechen, übersteigt das benötigte Kapital die verfügbaren Mittel, so ist die einzige Alternative der Fremdbezug. Folgendes Bespiel soll verdeutlichen, dass auch bei sichtlicher Vorteilhaftigkeit einer Investition für die Selbstherstellung, auf den Fremdbezug zurückgegriffen werden muss, wenn nicht genügend Anfangskapital zur Verfügung steht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2-2: Beispiel für mangelnde Kapitalausstattung

Hier wird deutlich, dass die teure Anfangsinvestition durch ein Limit blockiert wird. Obwohl es sich als durchaus als rentabel erweisen würde, Eigenfertigung zu betreiben, muss vorerst darauf verzichtet werden. Ein späterer Einstieg ist allerdings immer noch möglich, wenn genügend Kapital angehäuft wurde. Zu beachten sind in diesem Fall natürlich die Laufzeiten von bestehenden Lieferantenverträgen.

- Geeignete Lieferanten

Im Normalfall wird sich bei entsprechendem Preis und Aussicht auf eine dauerhafte Nachfrage für jedes Produkt ein Hersteller finden. Jedoch bleibt einem Unternehmer oft nichts anderes als Selbstherstellung übrig, wenn für das Endprodukt Teile benötigt werden, für die noch keine spezialisierten Hersteller am Markt existieren. Beispielsweise mussten die ersten Flugzeugbauer viele Teile selbst herstellen, da es für die Art der Teile noch keine spezialisierten Hersteller gab. Gelegentlich gibt es auch Schwierigkeiten, wenn hochspezialisierte Produktionseinrichtungen für einen bestimmten, ganz auf ein einziges Unternehmen bezogenen Prozess benötigt werden. So stellte in den 70-er Jahren eine Keksfabrik der BRD Spezialeinrichtungen für ihre Produktion selbst her.

- Kapazität der Bezugsquellen

Oft scheitert der Fremdbezug auch daran, dass es zwar Bezugsmöglichkeiten für ein Teil gibt, jedoch die Kapazitäten des Herstellers zu gering oder gar schon ausgelastet sind.

- Transparenz des Beschaffungsmarktes

Die Wahl zwischen Fremdbezug oder Eigenerzeugung überhaupt treffen zu können, setzt nicht nur die Geeignetheit und die Kapazität der Lieferanten voraus, sondern auch, dass diese Lieferanten bekannt sind. Es ist oft schwer, alle möglichen Anbieter, die das gewünschte Teil herstellen, ausfindig zu machen. Besteht ein Produkt dazu noch aus vielen Teilen, die zugeliefert werden, ist es nahezu unmöglich den gesamten Überblick über alle Beschaffungsmärkte zu bekommen. Ein Ansatzpunkt wäre hier die Einrichtung von so genannten Auftragsbörsen, wo Firmen, die Aufträge oder Unteraufträge vergeben oder annehmen wollen, sich selbst, Auftragsart, -ausführung und sonstige Bedingungen veröffentlichen. Für weitere Ausführungen dazu soll an dieser Stelle auf Roeper[14] verwiesen werden.

- Schutzrechte, Patente, Gebrauchs- und Geschmacksmuster[15]

Die Frage nach einer Eigenfertigung stellt sich von vornherein nicht, wenn das betreffende Produkt nur von einem Lieferanten bezogen werden kann, da durch Patente oder sonstige Rechte geschützt wird. Unter Umständen können Lizenzen vom Eigentümer des Schutzrechtes erworben werden. Diese müssten dann in eine Kostenbetrachtung (siehe folgendes Kapitel) einbezogen werden.

[...]


[1] Vgl. Rasch, Heinz: Die Wahl zwischen Selbstherstellung und Fremdbezug als Einkaufs- und Investierungsproblem in der industriellen Unternehmung, in: Betriebspolitische Schriften Band 3; 1968, Duncker & Humblot - Verlag Berlin; S.13

[2] Vgl. Rasch, Heinz: Die Wahl zwischen Selbstherstellung und Fremdbezug als Einkaufs- und Investierungsproblem in der industriellen Unternehmung, in: Betriebspolitische Schriften Band 3; 1968, Duncker & Humblot - Verlag Berlin, S.13ff

[3] Vgl. Männel, W.: Die Wahl zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug: Theoretische Grundlagen – Praktische Fälle, 2. Aufl., Stuttgart, 1981, S. 324

[4] Vgl. Mikus, Barbara: Make-or-buy-Entscheidungen in der Produktion: Führungsprozesse – Risikomanagement – Modellanalysen, Wiesbaden, 1998, S. 17ff

[5] Vgl. Männel, W.: Wirtschaftliche Fundierung von Entscheidungen über Eigenfertigung und Fremdbezug, in: Controller Magazin, 1984, S.75

[6] Vgl. Rasch, Heinz: Die Wahl zwischen Selbstherstellung und Fremdbezug als Einkaufs- und Investierungsproblem in der industriellen Unternehmung, in: Betriebspolitische Schriften Band 3; 1968, Duncker & Humblot - Verlag Berlin, S.15

[7] Dieses Problem ist auch der Logistik zuordenbar.

[8] Quelle: Männel, W.: Die Wahl zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug: Theoretische Grundlagen – Praktische Fälle, 2. Aufl., Stuttgart, 1981, S.19

[9] Vgl. Mikus, Barbara: Make-or-buy-Entscheidungen in der Produktion: Führungsprozesse – Risikomanagement – Modellanalysen, Wiesbaden, 1998, S. 19

[10] Vgl. Everling, W.: Eigenfertigung oder Fremdbezug?, in: Der Betrieb, 18. Jg., 1965, Heft 41, S.1489

[11] Vgl. Männel, W.: Die Wahl zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug: Theoretische Grundlagen – Praktische Fälle, 2. Aufl., Stuttgart, 1981 S.11

[12] Vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Outsourcing

[13] Vgl. Rasch, Heinz: Die Wahl zwischen Selbstherstellung und Fremdbezug als Einkaufs- und Investierungsproblem in der industriellen Unternehmung, in: Betriebspolitische Schriften Band 3; 1968, Duncker & Humblot - Verlag Berlin, S.31-44

[14] Vgl. Roeper, H.: Dezentralisierte Produktion, in: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis, 1950, S.554ff

[15] Vgl. Ehrlenspiel, Klaus: Kostengünstig Konstruieren, Springer Verlag, 1985, S. 37

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Details

Titel
Make or Buy-Entscheidungen
Untertitel
Kriterien für die Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Zukauf
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Konstruktion und Unternehmensrechnung/Controlling)
Veranstaltung
Integrationsfach: Kostengünstiges Konstruieren
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
43
Katalognummer
V58004
ISBN (eBook)
9783638523073
Dateigröße
706 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Make, Buy-Entscheidungen, Integrationsfach, Kostengünstiges, Konstruieren
Arbeit zitieren
Jens Stöckhardt (Autor), 2006, Make or Buy-Entscheidungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58004

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