Durch immer kürzer werdende Produktlebenszyklen und ständig wachsenden Druck der Konkurrenz, werden Unternehmen gezwungen ihre Fertigungsprozesse immer weiter zu optimieren. Die zunehmende Globalisierung der Märkte spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Auf der einen Seite eröffnen sich dem Produzenten neue Absatzmärkte, andererseits entsteht ein Kostendruck auf den eigenen Betrieb durch Hersteller bzw. Dienstleister, welche gleiche Produkte kostengünstiger herstellen oder Dienstleistungen günstiger anbieten können, als es im eigenen Betrieb möglich wäre. Vor allem Hersteller im osteuropäischen und asiatischen Raum setzen viele Betriebe unter Kostendruck, da der Produktionsfaktor Arbeit und dadurch auch die Produktion in Asien und Osteuropa weitaus günstiger ist. Der Konsument bzw. Bezieher von Produkten oder Teilen kann diesen Effekt jedoch größtenteils zu seinem Vorteil nutzen, da er Teile preiswerter beziehen kann.
Durch diese wirtschaftlichen Gegebenheiten wird eine Reduzierung der Prozesskosten, also der Kosten für die Durchführung der Entwicklung von Produkten, der Herstellung sowie der damit verbundenen Tätigkeiten, für die meisten Betriebe lebensnotwendig, um am globalen Markt zu bestehen.
Als ein Ansatzpunkt wird dabei von vielen Firmen die Fremdvergabe von Dienstleistungen und Produktionsaufträgen innerhalb des Betriebes an auf diese Aufgabe spezialisierte Firmen angesehen. Vor allem betriebszweckfremde Tätigkeiten werden häufig an externe Firmen übertragen. Beispielsweise werden bei den meisten Automobilherstellern Aufgaben wie Reinigung oder Catering durch eigenständige Firmen übernommen.
Ziel dieser Arbeit soll sein, die Begriffe der Selbstherstellung und des Fremdbezugs näher zu betrachten und einen Überblick über die Motive für eine Fremdvergabe – aber auch damit einhergehende Risiken – zu geben. Damit verbunden sollen die Verantwortung des Konstrukteurs sowie das Vertrauensverhältnis zu den Zulieferern betrachtet werden. Weiterhin sollen mögliche Kriterien für eine Entscheidung zwischen den beiden Formen dargestellt werden. Eine Entscheidung ist hierbei natürlich in allen Industriezweigen möglich und auch erforderlich, doch sollen vor allem die „zusammenbauenden“ Industrien im Vordergrund stehen, da hier eine Vielzahl unterschiedlicher Teile in das Produkt eingehen und demzufolge auch die Bedeutung eindeutig höher angesehen werden muss.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER BEGRIFF DER MAKE-OR-BUY-ENTSCHEIDUNG
2.1 Charakterisierung von Make-or-Buy-Entscheidungen
2.2 Make-or-Buy – Entscheidungsobjekte
2.2.1 Wirtschaftszweige
2.2.2 Unternehmensbereiche in den zusammenbauenden Industrien
2.3 Vertikale Integration, Outsourcing und verwandte Begriffe
2.4 Schwierigkeiten und Grenzen der Wahlmöglichkeiten
2.5 Gründe für Make-or-Buy-Betrachtungen
3 KRITERIEN FÜR DIE ENTSCHEIDUNGSFINDUNG
3.1 Entscheidungshilfen aus Kostensicht
3.1.1 Kurzfristige Make-or-Buy-Entscheidungen
3.1.2 Langfristige Make-or-Buy-Entscheidungen
3.2 Entscheidungen aus Sicht der Transaktionskostentheorie
3.3 Wertmäßig nicht fassbare Kriterien – strategische Kriterien
3.3.1 Beschaffungsmarktbezogene Kriterien
3.3.2 Absatzmarktbezogene Kriterien
3.3.3 Unternehmensbezogene Kriterien
3.4 Strategie zur Entscheidungsfindung
4 VERANTWORTUNG DES KONSTRUKTEURS BEI DER PLANUNG
5 ENTWICKLUNGSTRENDS
6 VERTRAUENSVERHÄLTNIS ZU DEN ZULIEFERERN – ZERTIFIZIERUNG
7 FAZIT
8 ANHANG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen "Make or Buy"-Entscheidungen in Industrieunternehmen, mit dem Ziel, einen Überblick über Motive, Risiken und Entscheidungskriterien zu vermitteln, um Fertigungsprozesse strategisch zu optimieren und den Unternehmenserfolg langfristig zu sichern.
- Charakterisierung und Abgrenzung von Make-or-Buy-Entscheidungen
- Kostenseitige und strategische Entscheidungshilfen
- Die Rolle der Transaktionskostentheorie bei der Fremdvergabe
- Verantwortung des Konstrukteurs für die Kostenstruktur
- Bedeutung von Vertrauensverhältnissen und Zertifizierungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Entscheidungshilfen aus Kostensicht
Es kann grundsätzlich zwischen lang- und kurzfristigen Make-or-Buy-Entscheidungen unterschieden werden. Auf lange Sicht gesehen ist ein Unternehmen an einer Gewinnmaximierung interessiert. Es kann langfristig gesehen sowohl Kosten als auch Erlöse (z.B. in Form von Absatzprogrammen) beeinflussen. Auf kurze Sicht können die Erlöse nicht mehr verändert werden. Es müssen also die Kosten gesenkt werden, um höhere Gewinn zu erwirtschaften.
Um Teile selbst herstellen zu können, ist freie Personalkapazität unerlässlich, anderenfalls ist der Fremdbezug unumgänglich. Bei einer kurzfristigen Make-or-Buy-Entscheidung ergeben sich deshalb die zwei Betrachtungsweisen: Bei Unterbeschäftigung liegt im Unternehmen Unterbeschäftigung vor, ist auf Vollkostenbasis zu analysieren, ob die eigenen Stückkosten (= Materialkosten + Fertigungskosten) geringer sind als die Einstandskosten bei Fremdbezug zuzüglich der im eigenen Unternehmen noch anfallenden Kosten (z.B. Einkaufsverwaltung, Terminüberwachung, Wareneingangs-/ Qualitätskontrolle, usw.). Sollte das der Fall sein, würde sich Eigenerstellung aus Kostensicht empfehlen.
Zusätzlich zur Unterbeschäftigung muss vor der Entscheidung noch die Kapazitätsauslastung beachtet werden. Eine (Kapazitäts-)Engpasssituation kann beispielsweise dadurch entstehen, wenn auf einer Maschine mehr Produkte gefertigt werden müssten, als sie bei maximaler Auslastung (Vollausnutzung der Laufzeit unter Berücksichtigung notwendiger Wartungs-, Pflege- und Rüstarbeiten) überhaupt herstellen kann. Im Normalfall weiß das Unternehmen aus der Erfahrung oder aus Messungen, wie viel von einer Produktart in einer bestimmten Zeit abgesetzt werden können. Außerdem sind auch die Kosten und die Bearbeitungszeit je eigengefertigtes Stück bekannt. Ferner kennt das Unternehmen die Leistungsgrenze der Maschine (maximal mögliche Maschinenstunden). Diese Grenze stellt die vorhandene Kapazität dar. Da im kurzfristigen Bereich eine Kapazitätserweiterung durch Errichtung neuer Produktionsanlagen nicht möglich ist, muss die vorhandene Kapazität als gegeben angesehen werden. Übertrifft die erforderliche Kapazität die vorhandene, kann das Unternehmen entweder die verbleibende Menge zur erwarteten Absatzgröße extern beziehen oder aber kaufbereite Kunden enttäuschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Diese Einleitung erläutert den steigenden globalen Kostendruck und die Notwendigkeit zur Prozessoptimierung, um die Relevanz der "Make or Buy"-Problematik für Industriebetriebe aufzuzeigen.
2 DER BEGRIFF DER MAKE-OR-BUY-ENTSCHEIDUNG: Das Kapitel definiert die Grundlagen der Eigenfertigung und des Fremdbezugs und zeigt auf, dass diese Entscheidungen in verschiedenen Unternehmensbereichen bereichsübergreifend zu treffen sind.
3 KRITERIEN FÜR DIE ENTSCHEIDUNGSFINDUNG: Es werden sowohl monetäre Entscheidungshilfen, wie die Kostenbetrachtung und Transaktionskostentheorie, als auch strategische Kriterien für eine fundierte Make-or-Buy-Entscheidung vorgestellt.
4 VERANTWORTUNG DES KONSTRUKTEURS BEI DER PLANUNG: Dieses Kapitel verdeutlicht, dass der Entwickler durch die Festlegung von Funktionen und Gestaltung bereits einen Großteil der späteren Herstellkosten bestimmt und daher in die Entscheidung eingebunden werden muss.
5 ENTWICKLUNGSTRENDS: Hier werden aktuelle Tendenzen wie "Lean Production" und der zunehmende weltweite Trend zur Reduzierung der Fertigungstiefe bei gleichzeitiger Nutzung von Systemlieferanten diskutiert.
6 VERTRAUENSVERHÄLTNIS ZU DEN ZULIEFERERN – ZERTIFIZIERUNG: Das Kapitel behandelt die Bedeutung von Qualitätsmanagement und Prozesskontrollen sowie den Einsatz von Zertifizierungen wie ISO 9001 zur Absicherung der Lieferantenbeziehungen.
7 FAZIT: Die Zusammenfassung unterstreicht, dass Make-or-Buy-Entscheidungen eine strategische Abwägung von Kosten und qualitativen Faktoren erfordern, um langfristigen Unternehmenserfolg sicherzustellen.
8 ANHANG: Dieser Teil enthält das Literatur- sowie das Abbildungsverzeichnis der Arbeit.
Schlüsselwörter
Make or Buy, Eigenfertigung, Fremdbezug, Outsourcing, Transaktionskostentheorie, Fertigungstiefe, Kostenmanagement, Lean Production, Lieferantenmanagement, Zertifizierung, Qualitätsmanagement, Beschaffungsstrategie, Kostensenkung, Wettbewerbsvorteil, Wertschöpfung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die strategische Entscheidung zwischen der Eigenfertigung von Produkten oder Teilen ("Make") und deren Zukauf bei externen Anbietern ("Buy") in Industrieunternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kostenanalyse, der Transaktionskostentheorie, der strategischen Entscheidungsfindung und der Rolle des Konstrukteurs sowie der Qualitätssicherung durch Zertifizierungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen strukturierten Überblick über die Motive, Risiken und Entscheidungskriterien zu geben, um Unternehmen bei der Wahl zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden betriebswirtschaftliche Ansätze wie die Vollkostenrechnung, die Transaktionskostentheorie, Investitionsrechnungen und strategische Matrix-Modelle zur Entscheidungsfindung analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Entscheidungsobjekten, die Darstellung von Kosten- und Transaktionskriterien, strategische Aspekte, den Einfluss des Konstrukteurs und aktuelle Trends wie Lean Production.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Make-or-Buy, Outsourcing, Fertigungstiefe, Transaktionskosten, Lean Production, Qualitätsmanagement und Lieferantenbeziehungen.
Warum ist die Rolle des Konstrukteurs so bedeutsam für "Make or Buy"?
Der Konstrukteur bestimmt durch die Gestaltung und Materialwahl maßgeblich die Produktkosten. Eine kostengünstige Produktion ist daher nur möglich, wenn die Konstruktion die Aspekte des Fremdbezugs und der Fertigungsoptimierung von Beginn an berücksichtigt.
Welche Rolle spielen Zertifizierungen im Vertrauensverhältnis zum Lieferanten?
Zertifizierungen (z.B. DIN EN ISO 9001) dienen dem Auftraggeber als Nachweis für Qualitäts- und Umweltstandards, was besonders bei Just-in-Time-Fertigung das Risiko bei der Auslagerung von Prozessen minimiert.
- Quote paper
- Jens Stöckhardt (Author), 2006, Make or Buy-Entscheidungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58004