Die Jahre 1999/2000 markieren den jüngsten und noch kaum erforschten Höhepunkt in der Erfolgsgeschichte des amerikanischen Teen Movies. Zwei prominente Subgenres, der Teen Thrillers und die Teen Comedy, erreichen in diesen Jahren nahezu parallel ihre stärkste Präsenz. Bereits Mitte der 1990er beginnt die Rückkehr der „Slasher Movies“, seine Hochphase erreicht das Subgenre in Deutschland im Jahr 1999 als die Top 100 immerhin fünf Teen Thriller verzeichnen. Auch die Teen Comedies sind bereits im Kommen: drei von ihnen finden sich in den Top 100. Im Aufwind dieser aus den 1980ern bekannten Subgenres platziert sich auch ein Teen Drama in den Top 100. Insgesamt finden sich 1999 also immerhin neun Teen Movies in den deutschen Kino-Jahrescharts; das bedeutet, dass die Charts zu diesem Zeitpunkt bereits zu 9% aus Teen Produktionen bestehen. Im Jahr 2000 liegt dieser Prozentsatz bereits bei 15; die Popularität der Teen Thriller (fünf Platzierungen) gerät gegenüber der Teen Comedy (sechs Platzierungen) bereits leicht ins Hintertreffen. Auch drei Dramen haben es neben der ersten Teen Parody, dem Cross-Over der beiden prominenten Genres (parodiert werden vornehmlich Teen-Thriller), in die Charts geschafft. Im Jahr 2001 fällt die Zahl der Chartplatzierungen auf den Wert des Jahres 1999 (9%) zurück; das Teen Drama gerät in Vergessenheit. Teen Comedies und Teen Thriller bleiben den deutschen Kinocharts jedoch kontinuierlich erhalten. Die neuen Teen Movies generieren also (trotz oftmals lauer Kritikerurteile) hohe Besucherzahlen. Ihre fiktiven Welten finden offenbar großen Anklang; doch was macht diese Welten aus? Um das heraus zu finden wird in dieser Hausarbeit zwecks stichprobenartiger Analyse für die beiden wichtigen Subgenres jeweils ein Film als stellvertretendes Analysebeispiel herangezogen. Dies erlaubt eine detaillierte Auseinandersetzung mit den einzelnen Beispielen; die Filmauswahl erfolgt über die deutschen Kino-Jahrescharts der Aufstiegs- und Blütejahre 1999/2000. Um zunächst eine Basis zu schaffen wird das Genre der Teen Movies erst einmal definiert, danach folgt ein kurzer Einblick in die Entwicklung der Teen Filme. Als Instrumentarien für die danach angestrebte Analyse kommen primär die von Egri (1946), Doležel (1998) und Ryan (1991) erarbeiteten Kategorien zur Einstufung fiktiver Welten zur Anwendung. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Definition
1.2. Entwicklung des Genres
2. Die Teen Comedy
2.1. Definition
2.2. Analyse: American Pie
2.2.1. Kurzinhalt
2.2.2. Figurencharakteristik nach Egri
2.2.3. Bestimmung der Handlungsstrukturen nach Doležel
2.2.4. Bestimmung der narrativen Modalitäten nach Doležel
2.2.5. Bestimmung der Zugangsmodalitäten nach Ryan
3. Der Teen Thriller
3.1. Definition
3.2. Analyse: The Faculty
3.2.1. Kurzinhalt
3.2.2. Figurencharakteristik nach Egri
3.2.3. Bestimmung der Handlungsstrukturen nach Doležel
3.2.4. Bestimmung der narrativen Modalitäten nach Doležel
3.2.5. Bestimmung der Zugangsmodalitäten nach Ryan
4. Vergleich der beiden Subgenres
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die fiktiven Welten amerikanischer Teenager-Filme aus den Jahren 1999 und 2000, um deren strukturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Subgenres Teen Comedy und Teen Thriller aufzuzeigen. Mittels stichprobenartiger Analysen von American Pie und The Faculty wird die narratologische Struktur dieser Welten beleuchtet, um ein tieferes Verständnis für die hohe Popularität dieser Filmgenres beim Zielpublikum zu entwickeln.
- Charakterisierung jugendlicher Archetypen in Teen-Movies.
- Strukturelle Analyse mittels narratologischer Kategorien (Egri, Doležel, Ryan).
- Untersuchung von Handlungsstrukturen und Machtverhältnissen in Teen-Subgenres.
- Vergleich der Authentizitätsgrade fiktiver Filmwelten.
- Entwicklungsgeschichte des Genres vom Slasher-Film zur Teen-Comedy.
Auszug aus dem Buch
2.2.4. Bestimmung der narrativen Modalitäten nach Doležel
Im Folgenden soll die fiktive Welt von American Pie Punkt für Punkt anhand von Doležels „narrative modalities“ analysiert werden (Doležel 1998; 115-128).
Prinzip der Gegebenheiten („alethic constraints“)
• Die fiktive Welt von American Pie ist in einer typischen amerikanischen Kleinstadt angesiedelt. Ihre Gesetze entsprechen zur Gänze der unsrigen.
• Die fiktiven Figuren entsprechen ebenfalls denen der realen Welt.
Ausstattung und Kapazität der Figuren
• Physische Möglichkeiten: Die besten körperlichen Gegebenheiten weisen Oz, Stifler, Nadja, Heather, Vicky und Jessica auf.
• Instrumentale Möglichkeiten: Die meisten (relevanten) erworbenen Fähigkeiten besitzen Nadja und Jessica (Erfahrung in Sachen Sex) und Stifler (Geld).
• Mentale Möglichkeiten: Die besten mentalen Möglichkeiten hat Finch.
• Abstufungen: Alle Figuren entsprechen dem normalen menschlichen Standard.
• Veränderung von Ausstattung oder Kapazität: nein
Prinzip der Pflichten („deontic constraints“)
[Nach dem Prinzip der Pflichten wird bestimmt, was verboten, erlaubt oder verpflichtend ist.]
• Vorhandenes narratives Muster: Der Außenseiter (Finch; Sherman ist zwar ein Außen seiter, befolgt aber krampfhaft die Regeln der Gesellschaft) (Sekundäres Nebenmuster)
• Veränderung der Regeln: nein.
Prinzip der Werte („axiological constraints“)
[Jede Welt besitzt ein Wertesystem, welches Objekte, Aktionen, Personen und Zustände in gut und schlecht unterteilt.]
• Vorhandenes Wertesystem: Sex und Liebe sind enorm wichtig. Die Eltern werden geliebt und respektiert, obwohl sie keine Ahnung haben, was wirklich in ihren Kindern vorgeht oder wie sie sie am ehesten unterstützen könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet den Boom des Teen-Movie-Genres um die Jahrtausendwende und legt die wissenschaftliche Zielsetzung der Arbeit dar.
2. Die Teen Comedy: Neben einer Genre-Definition erfolgt eine detaillierte Analyse von American Pie hinsichtlich Figuren, Handlungsstrukturen und Realitätsnähe.
3. Der Teen Thriller: Nach der Definition des Subgenres wird The Faculty auf seine narrativen und strukturellen Merkmale hin untersucht.
4. Vergleich der beiden Subgenres: Dieses Kapitel stellt fest, dass sich beide Genres trotz inhaltlicher Unterschiede ähnlicher Archetypen und narrativer Grundmuster bedienen.
5. Fazit: Die Ergebnisse bestätigen die Bedeutung narratologischer Konstanten für den Erfolg von Teen-Movies und den hohen Grad an Authentizität in deren fiktiven Welten.
6. Quellenverzeichnis: Hier werden die verwendeten Filme sowie die theoretische Fachliteratur gelistet.
Schlüsselwörter
Teen Movie, Teen Comedy, Teen Thriller, American Pie, The Faculty, Narratologie, Doležel, Egri, Ryan, Adoleszenz, fiktive Welten, Genreanalyse, Kino-Jahrescharts, Handlungsstruktur, Authentizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Struktur fiktiver Welten in amerikanischen Teen-Movies der Jahre 1999 und 2000, insbesondere der Subgenres Teen Comedy und Teen Thriller.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung des Teen-Movie-Genres, die Analyse von Charakteren und Handlungsstrukturen sowie die Bestimmung der Authentizität dieser Filmwelten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, durch die Analyse zweier exemplarischer Filme (American Pie und The Faculty) zu verstehen, wie diese Filme durch narrative Muster und Figurengestaltung ihre immense Popularität erzielen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin verwendet narratologische Instrumentarien von Lajos Egri, Lubomír Doležel und Marie-Laure Ryan zur Analyse von Figuren, Handlungsstrukturen und der logischen Kompatibilität fiktiver Welten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei analytische Blöcke zu American Pie und The Faculty, in denen die filmischen Welten anhand definierter Kriterien in Kategorien wie Figurencharakteristik, Handlungsmodi und Zugangsmodalitäten zerlegt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Teen Movie, Narratologie, fiktive Welten, Authentizität, Archetypen und die genannten theoretischen Ansätze nach Doležel und Ryan.
Welche Rolle spielt das Motiv des "Außenseiters" in beiden analysierten Filmen?
Der Außenseiter ist ein wiederkehrendes narratives Muster, das sowohl in der Teen Comedy als auch im Teen Thriller dazu dient, gesellschaftliche Regeln zu spiegeln oder (wie bei Finch in American Pie oder Zeke in The Faculty) spezifische mentale Fähigkeiten in den Vordergrund zu stellen.
Wie unterscheidet sich die "Macht"-Struktur in The Faculty von American Pie?
Während Macht in American Pie nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist sie in The Faculty zentral: Der Konflikt zwischen den Schülern und der infiltrierten Lehrerschaft bildet ein essenzielles, "issue-oriented" Spannungselement.
Wie bewertet die Autorin die Realitätsnähe der untersuchten Filme?
Beide Filme erreichen einen sehr hohen Grad an Authentizität innerhalb ihrer eigenen Logik, wobei die Teen Comedy eine leicht höhere Nähe zur realen Lebenswelt der Zielgruppe aufweist als der Teen Thriller.
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- Christiane Rohr (Author), 2005, Die fiktiven Welten der amerikanischen Teen Movies. Die Jahre 1999/2000, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58013