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Macht, Interessen und Werte in der französischen Afrikapolitik

Title: Macht, Interessen und Werte in der französischen Afrikapolitik

Bachelor Thesis , 2006 , 49 Pages , Grade: 1,1

Autor:in: Marisa Klasen (Author)

Politics - Region: Africa
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Mit den Wahlen 2002 in Frankreich kamen die Konservativen mit Jacques Chirac und Jean-Pierre Raffarin an die Macht und die französische Afrikapolitik fand nach fast einem Jahrzehnt zurück auf die Agenda. Dieser Beitrag soll das Wiedererstarken der Bedeutung Afrikas für die französische Regierung erklären. Sind es wirtschaftliche Interessen, die Afrika als Handelspartner interessant machen? Fühlt Frankreich seinen Einfluss und seine Vormachtstellung durch das Engagement von China und den USA auf dem afrikanischen Kontinent gefährdet? Oder findet eine Rückbesinnung auf gemeinsame Werte statt? Zur Beantwortung dieser Fragen wurden im analytischen Teil drei große Theorierichtungen der Internationalen Beziehungen – der Neorealismus, Liberalismus und Konstruktivismus – hinzugezogen. Die Konfrontation der verschiedenen Hypothesen mit den drei Interpretationsmodellen zeigt, dass das Modell des Konstruktivismus in allen drei Fallstudien sichere Prognosen für die französische Afrikapolitik im Zeitraum zwischen 2002 und 2006 geliefert hat. Die französische Afrikapolitik unter Jacques Chirac und Jean-Pierre Raffarin war eindeutig von den Grundprinzipien gaullistischer Afrikapolitik geprägt. Das Streben nach internationalem Rang und Einfluss konnte in diesem Beitrag als der vorherrschende Wert identifiziert werden, der das Handeln Frankreichs in dem analysierten Zeitraum erklärbar macht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1.1. Aktueller Forschungsstand

1.2. Ländergutachten

1.2.1. Cameroun

1.2.2. Côte d’Ivoire

1.2.3. Ghana

1.2.4. Guinée

1.2.5. Kenia

1.2.6. Niger

1.2.7. Sénégal

1.2.8. Soudan

1.2.9. Togo

II. Methodisches Vorgehen

2.1. Macht: Der neorealistische Ansatz

2.1. Interessen: Der liberale Ansatz

2.3. Werte und Normen: Der konstruktivistische Ansatz

III. Die französische Afrikapolitik der Regierungen von 1994 bis 2002

3.1. Wirtschafts- und Finanzpolitik: Die Abwertung des Franc-CFA

3.2. Entwicklungspolitik: Die Reform der Entwicklungszusammenarbeit

3.3. Sicherheitspolitik: Frankreich ist nicht mehr der „Gendarme d’Afrique“

VI. Die Afrikapolitik unter den Konservativen seit 2002 – Eine Analyse

4.1. Wirtschafts- und Finanzpolitik: Die Franc-Zone als Einflussgebiet

4.2. Entwicklungspolitik: Hilfe für Afrika und Good-Governance

4.3. Sicherheitspolitik: Intervention an der Côte d’Ivoire

V. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die französische Afrikapolitik seit 2002 unter Anwendung der drei großen Theorierichtungen der Internationalen Beziehungen – Neorealismus, Liberalismus und Konstruktivismus –, um die Gründe für den Kurswechsel unter der konservativen Regierung zu erklären.

  • Analyse des Einflusses von Macht, wirtschaftlichen Interessen und Werten auf die französische Afrikapolitik.
  • Untersuchung der Politikbereiche Wirtschafts- und Finanzpolitik, Entwicklungspolitik sowie Sicherheitspolitik.
  • Bewertung der Konkurrenz durch die USA und China auf dem afrikanischen Kontinent.
  • Empirische Überprüfung theoretischer Hypothesen anhand von Länderbeispielen wie Côte d’Ivoire, Senegal und Kamerun.
  • Untersuchung der Bedeutung der „Zone-Franc“ für die französische Außenpolitik.

Auszug aus dem Buch

3.3. Sicherheitspolitik: Frankreich ist nicht mehr der „Gendarme d’Afrique“

Zwischen 1960 und 1994 war die französische Afrikapolitik von einem starken Aktivismus geprägt. Wiederholte Einsätze im Tschad, in Cameroun und dem damaligen Zaire verliehen Frankreich den Titel ‚Gendarme Afrique’ in der internationalen Staatenwelt (vgl. Leymaire 2004: 17).

Einen Einschnitt in der französischen Sicherheitspolitik stellte 1994 der Genozid in Ruanda dar. Die Hutu-Regierung organisierte einen Völkermord an den Tutsi. Innerhalb einer Woche starben 500.000 Menschen. Mit der ‚Operation Turquoise’ wollte das französische Militär den Vertrieben, Flüchtlingen und Zivilsten in Ruanda zur Hilfe kommen. Das Vorgehen der Franzosen stand nach dem Einsatz lange Zeit in der Kritik und beschäftigte die Öffentlichkeit, denn dem französischen Militär wurde vorgeworfen, den Hutu-Extremisten geholfen und selbst Tutsi ermordet zu haben.

„Nach der schmerzlichen Erfahrung der Opération Turquoise in Rwanda 1994 beschränkten sich die Interventionen der französischen Armee südlich der Sahara bis zum September 2002 auf innerafrikanische Manöver im Rahmen des neuen Kooperationsprogramms Recamp oder auf die Evakuation von Franzosen und Europäern in Notfällen“ (ebd.: 17).

Die militärischen Verbindungen zum afrikanischen Kontinent waren in Frage gestellt und schon Balladur dachte über erste Einsparungen im Militärsektor nach. Lionel Jospin setzte diese ab 1997 in die Tat um. „The headline component of the military changes was a reduction in format and location of France’s prepositions forces in Africa” (Utely 2002: 136). Das französische Militär war bis 1997 in sieben afrikanischen Staaten südlich der Sahara stationiert und umfasste 8500 Soldaten. Jospin kündigte an, die Truppen bis 2002 auf 5500 Mann zurückzuführen. Diese Reduktion kann aber nach Johanna Löhr nicht nur auf den Vorfall in Ruanda zurückgeführt werden, sondern ist Teil einer Reform der gesamten französischen Armee. Die französische Armeestärke wurde von 400.000 Soldaten im Jahr 1996 innerhalb von sechs Jahren auf 250.000 vermindert. Die Rückgänge in Afrika fielen da noch relativ gering aus. Trotzdem wurden bis 1999 schon über 2000 Soldaten abgezogen und zwei Militärbasen geschlossen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Das Kapitel skizziert den radikalen Wandel der französischen Afrikapolitik von einem engagierten Akteur hin zu einer Phase der Zurückhaltung und die anschließende Kehrtwende nach 2002.

II. Methodisches Vorgehen: Hier werden die theoretischen Ansätze des Neorealismus, Liberalismus und Konstruktivismus definiert und in Form von Hypothesen für die Politikfelder Finanz-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik operationalisiert.

III. Die französische Afrikapolitik der Regierungen von 1994 bis 2002: Dieses Kapitel analysiert die Politik der sozialistischen Vorgängerregierungen, die durch Kürzungen der Entwicklungshilfe und eine Abkehr von traditionellen sicherheitspolitischen Rollen gekennzeichnet war.

VI. Die Afrikapolitik unter den Konservativen seit 2002 – Eine Analyse: Eine detaillierte Untersuchung der konservativen Wende unter Chirac, bei der die theoretischen Hypothesen anhand der Finanz-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik überprüft werden.

V. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass der Konstruktivismus die Entwicklungen der französischen Afrikapolitik im untersuchten Zeitraum am besten erklären kann, während liberale Ansätze weniger zutreffend sind.

Schlüsselwörter

Französische Afrikapolitik, Neorealismus, Liberalismus, Konstruktivismus, Zone-Franc, Entwicklungspolitik, Sicherheitspolitik, Good Governance, Côte d’Ivoire, Macht, Einfluss, Interessen, Werte, Postkolonialismus, Internationale Beziehungen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Veränderungen in der französischen Afrikapolitik seit 2002 und prüft, inwieweit unterschiedliche politikwissenschaftliche Theorien diese Veränderungen erklären können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Analyse konzentriert sich auf die Wirtschafts- und Finanzpolitik, die Entwicklungszusammenarbeit sowie die Sicherheitspolitik Frankreichs gegenüber dem subsaharischen Afrika.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, den Wandel der französischen Afrikapolitik nach der Beendigung der Kohabitation 2002 durch den Vergleich konkurrierender Hypothesen aus dem Neorealismus, Liberalismus und Konstruktivismus wissenschaftlich zu fundieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden Hypothesen aus drei Theorierichtungen der Internationalen Beziehungen aufgestellt, operationalisiert und anhand einer deskriptiven Analyse von Politikbereichen sowie Ländergutachten überprüft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Afrikapolitik von 1994 bis 2002 und eine detaillierte Analyse der konservativen Politik unter Jacques Chirac seit 2002.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Macht, Einfluss, Werte, die "Zone-Franc", "Good Governance" und die theoretischen Konzepte des Realismus, Liberalismus und Konstruktivismus.

Warum spielt die „Zone-Franc“ eine so wichtige Rolle in der Analyse?

Die „Zone-Franc“ wird als ein entscheidendes Instrument der französischen Machtstrategie und als Symbol der postkolonialen Bindung betrachtet, dessen Beibehaltung trotz wirtschaftlicher Verluste analysiert wird.

Welches Ergebnis zieht die Arbeit bezüglich der Theorien?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der konstruktivistische Ansatz die französische Afrikapolitik seit 2002 am besten erklären kann, da das Handeln stärker von Werten und historisch gewachsenen Identitäten geprägt ist als von rein zweckrationalen materiellen Interessen.

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Details

Title
Macht, Interessen und Werte in der französischen Afrikapolitik
College
Ruhr-University of Bochum  (Politikwissenschaft)
Grade
1,1
Author
Marisa Klasen (Author)
Publication Year
2006
Pages
49
Catalog Number
V58022
ISBN (eBook)
9783638523257
ISBN (Book)
9783638693899
Language
German
Tags
Macht Interessen Werte Afrikapolitik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marisa Klasen (Author), 2006, Macht, Interessen und Werte in der französischen Afrikapolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58022
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