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Denn sie tun es aus Liebe - Die Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann im Licht der massenpsychologischen Ansätze von Siegmund Freud

Title: Denn sie tun es aus Liebe - Die Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann im Licht der massenpsychologischen Ansätze von Siegmund Freud

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 17 Pages , Grade: 2.0

Autor:in: Stefan Zeidler (Author)

Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
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Will man dazu gehören, muss man sich anpassen – das wissen nicht nur Schulkinder, die ihre Eltern bei der Wahl der Kleidung in den Wahnsinn treiben, wollen die doch einfach nicht verstehen, dass es eben wichtig ist, dass die Jacke von Helly Hansen und die Schuhe von Nike sind. Sonst droht dem Kind der überaus inoffizielle Ausschluss aus seinem sozialen Gefüge durch seine Freunde und Klassenkameraden, weil es dann anders wäre. Auf das Kind wirkt also ein enormer Druck, will es auch weiterhin Teil der Gruppe sein. Seine Kleidung ist eine Art Statement, eine Form non-verbaler Kommunikation, ein Reden, ohne den Mund aufzumachen. Und die falsche Kleidung ist dann wie ein falsches Wort, eine falsche Meinung.
Der Prozess von Reden, Schweigen und Anpassung setzt also nicht erst bei Fragen ein, welche die gesamte Gesellschaft betreffen, sondern bereits im Kleinen; was aber löst ihn aus?
Ist der nach Freud alles zusammenhaltende Eros, die Liebe zu den anderen Menschen in der Masse, die entscheidende Triebfeder im Prozess der von Elisabeth Noelle-Neumann beschriebenen Schweigespirale? Ist nicht Isolationsangst die eigentliche Angst vor Liebesentzug der anderen, verbunden mit einem Ausstoß aus der Herde und somit Konformität der entsprechende Abwehrmechanismus?
Im Folgenden soll der Prozess der Schweigespirale auszugsweise dargestellt werden und eine Gruppeneinstufung je nach Kommunikationsbereitschaft vorgenommen werden. Wie sind die, die ihre Meinung offen kundtun, was macht sie besonders? Warum schweigen die anderen?
Weiterhin soll die Theorie der Schweigespirale mit Freuds massenpsychologischem Ansatz verglichen werden, der die libidinösen Bindungen zwischen den Individuen in der Masse als Basis für deren Zusammenhalt und entsprechende Anpassung des Einzelnen erkennt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung und wissenschaftliche Fragestellung

3 Das „Solomon Asch“ Experiment

4 Das Theoriemodell der Schweigespirale

4.1 Der Mitläufer-Effekt

4.2 Instrumente für Konformitätsdruck

4.2.1 Isolationsfurcht bzw. Isolationsdrohung (Liebesentzug)

4.2.2 Soziale Anerkennung

5 Kommunikationsgruppen

5.1 Die Subgruppe der Reder und Schweiger

5.2 Der Bereich zwischen Reder und Schweiger

5.2.1 Die Gruppe der Inkonsistenten

5.2.2 Die Anpasser

5.2.3 Die Gruppe der Missionare

6 Freuds Libido Theorie über die Bindungen in der Masse

6.1 Suggestion und Libido

6.2 Identifizierung und Verliebtsein

7 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht den Prozess der Schweigespirale nach Elisabeth Noelle-Neumann und analysiert diesen durch den Vergleich mit Siegmund Freuds massenpsychologischen Konzepten der libidinösen Bindungen, um die psychologischen Triebfedern hinter Anpassungsprozessen und Konformitätsdruck in der Gesellschaft zu ergründen.

  • Das Experiment von Solomon Asch zum Konformitätsdruck
  • Die Dynamik der Schweigespirale und der Mitläufer-Effekt
  • Differenzierung von Kommunikationsgruppen (Reder, Schweiger, Missionare)
  • Freuds Libido-Theorie als Basis für Massenbindungen
  • Verhältnis zwischen Identifizierung, Idealisierung und sozialem Verhalten

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Isolationsfurcht bzw. Isolationsdrohung (Liebesentzug)

Die Triebfeder der Schweigespirale, die Noelle-Neumann Konformitätsdruck nannte, erkannte schon 1856 Alexis de Tocqueville, der in seiner Schilderung vom Untergang der französischen Kirche im 18. Jahrhundert das Schweigen der französischen Kirche bei erstarkender Religionsverachtung maßgeblich verantwortlich machte: „Leute, die noch am alten Glauben festhielten, fürchteten die einzigen zu sein, die ihm treu blieben, und da sie Absonderung mehr als den Irrthum fürchteten, so gesellten sie sich zu der Menge, ohne wie diese zu denken. Was nur die Ansicht eines Theiles der Nation noch war, schien auf solche Weise die Meinung Aller zu sein und dünkte eben deßhalb diejenigen, die ihr diesen trügerischen Anschein gaben.“

De Tocqeville erkannte also bereits die Furcht des Einzelnen aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, die nach Noelle-Neumann „auf das unbewusste Bestreben in einem Verband lebender Menschen gegründet sei, zu einem gemeinsamen Urteil und zu Übereinstimmung zu gelangen.“ So werde Konformität belohnt, jedoch ein Verstoß gegen das mehrheitliche, die öffentliche Meinung darstellende Urteil hart bestraft. Noelle-Neumann konstatiert ferner, dass „es eine […] Gesellschaft ohne soziale Natur, ohne Isolationsfurcht nicht geben“ könne und eben jene Furcht deshalb als anthropologische Konstante zu sehen sei, die eine integrative Funktion für den Fortbestand der Gesellschaft übernehme.

Diese integrative Funktion kommt nach Noelle-Neumann der öffentlichen Meinung zu, die hiernach die „wertgeladene, insbesondere moralisch aufgeladene Meinungen und Verhaltenweisen [sind] , die man – wo es sich um fest gewordene Übereinstimmung handelt, zum Beispiel Sitte, Dogma – öffentlich zeigen muss, wenn man sich nicht isolieren will; oder bei im Wandel begriffenem „flüssigen“ Zustand öffentlich zeigen kann, ohne sich zu isolieren.“

Zusammenfassung der Kapitel

2 Einleitung und wissenschaftliche Fragestellung: Das Kapitel führt in die Thematik des Konformitätsdrucks ein und stellt die zentrale Frage, ob Freuds massenpsychologische Ansätze die Triebfeder der Schweigespirale erklären können.

3 Das „Solomon Asch“ Experiment: Dieses Kapitel erläutert das klassische Experiment von Solomon Asch, welches nachweist, dass Individuen unter dem Druck der Gruppenmeinung ihre eigene wahrgenommene Realität verleugnen.

4 Das Theoriemodell der Schweigespirale: Hier wird das Modell von Noelle-Neumann als Reaktion auf Wahlergebnisse und als dynamischer Prozess zwischen Reden und Schweigen vorgestellt sowie die Instrumente des Konformitätsdrucks wie Isolationsfurcht definiert.

5 Kommunikationsgruppen: Dieses Kapitel klassifiziert die Gesellschaft in verschiedene Gruppen wie Reder, Schweiger, Missionare und Anpasser, basierend auf ihrer Bereitschaft, die eigene Meinung öffentlich zu äußern.

6 Freuds Libido Theorie über die Bindungen in der Masse: Der theoretische Hauptteil verknüpft die Schweigespirale mit Freuds Libido-Theorie, wobei Liebe und Identifizierung als fundamentale Bindeglieder für die Anpassung des Einzelnen an die Masse analysiert werden.

7 Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Schweigespirale ein komplexes Modell darstellt, das ohne den Rückgriff auf tiefenpsychologische Erkenntnisse über libidinöse Bindungen nicht vollständig erklärbar ist.

Schlüsselwörter

Schweigespirale, Elisabeth Noelle-Neumann, Sigmund Freud, Konformitätsdruck, Isolationsfurcht, Massenpsychologie, Libido, Identifizierung, Öffentliche Meinung, Sozialpsychologie, Solomon Asch, Mitläufer-Effekt, Redebereitschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das theoretische Modell der Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann und analysiert dieses aus der massenpsychologischen Perspektive von Sigmund Freud.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Isolationsfurcht, der soziale Konformitätsdruck, die psychologischen Grundlagen von Massenbindungen und die Einteilung gesellschaftlicher Gruppen nach ihrer Redebereitschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Mechanismus der Schweigespirale durch die Linse von Freuds Libido-Theorie zu beleuchten, um zu verstehen, warum Individuen sich der öffentlichen Meinung anpassen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die bestehende sozialpsychologische Modelle (Asch, Noelle-Neumann) mit psychoanalytischen Theorien (Freud) in einen wissenschaftlichen Vergleich setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert erörtert?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Asch-Experiments, die Erläuterung der Schweigespirale, die Typologisierung von Kommunikationsgruppen sowie die fundierte Herleitung libidinöser Bindungen innerhalb von Massen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Die zentralen Charakteristika sind Isolationsangst, Konformität, Libido, Idealisierung, Redebereitschaft und das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung.

Warum spielt die Isolationsfurcht eine so zentrale Rolle bei Noelle-Neumann?

Sie wird als anthropologische Konstante betrachtet, die den Menschen dazu motiviert, sich der Mehrheitsmeinung anzupassen, um nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden.

Wie unterscheidet Freud zwischen Identifizierung und Verliebtsein?

Während bei der Identifizierung das Ich um Züge des Objektes bereichert wird, ersetzt beim Verliebtsein das idealisierte Objekt das Ich-Ideal, was eine stärkere moralische Bindung impliziert.

Welche Bedeutung haben die "Reder" und "Missionare" für das öffentliche Klima?

Sie zeichnen sich durch hohe Persönlichkeitsstärke aus und sind in der Lage, das Meinungsklima aktiv zu beeinflussen, da sie eine Isolation durch die Mehrheit weniger fürchten.

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Details

Title
Denn sie tun es aus Liebe - Die Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann im Licht der massenpsychologischen Ansätze von Siegmund Freud
College
Free University of Berlin  (Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Course
Wirkmechanismen von Propaganda
Grade
2.0
Author
Stefan Zeidler (Author)
Publication Year
2005
Pages
17
Catalog Number
V58037
ISBN (eBook)
9783638523394
ISBN (Book)
9783638752398
Language
German
Tags
Denn Liebe Schweigespirale Elisabeth Noelle-Neumann Licht Ansätze Siegmund Freud Wirkmechanismen Propaganda
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Zeidler (Author), 2005, Denn sie tun es aus Liebe - Die Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann im Licht der massenpsychologischen Ansätze von Siegmund Freud, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58037
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