Die Reggiopädagogik ist kein ausgefeiltes Theoriemodell, aus dem sich bestimmte professionelle Handlungsweisen für die elementarpädagogische Praxis ableiten lassen. Sie lässt sich eher als eine Erziehungsphilosophie verstehen, die eine Reihe von Grundannahmen und flexibel handhabbaren Praxiselementen miteinander verbindet.
Zu nennen sind vor allem
• das Bild vom Kind,
• die Bedeutung von Identität und Gemeinschaft,
• die Vorstellung von Bildung und Lernen,
• die Bedeutung von Projekten,
• die Rolle Erwachsener,
• die Bildungsfunktion von Räumen (der Raum als "3. Erzieher").
Mit diesen zentralen Elementen stellt sich die Reggiopädagogik als ein Konzept dar, das durch
- Optimismus,
- Offenheit und
- Ganzheitlichkeit
eine hohe Attraktivität aufweist, das aber auch von den Beteiligten die Überwindung traditioneller Vorstellung von der helfenden Erzieherin abverlangt, die die Probleme der Kinder löst und es den Kindern „schön machen“ möchte.
Berechtigt ist die Frage, ob die Reggiopädagogik sich nur in den kommunalen Kindertageseinrichtungen in Reggio Emilia realisieren kann, weil sich hier ein unverwechselbares Zusammenspiel von historischen, kulturellen und politischen Bedingungen für die Entfaltung einer spezifischen, theoretisch reflektierten elementarpädagogischen Praxis ergeben hat.
Geht man von der Reggiopädagogik als einer Erziehungsphilosophie aus, wird man dagegen feststellen, dass die zentralen Grundannahmen der Reggiopädagogik, vor allem die Vorstellung vom aktiven, die Welt erschließenden Kind, relativ unabhängig von den äußeren Rahmenbedingungen umsetzbar sind. Die materiellen und insbesondere personellen Bedingungen elementarpädagogischer Praxis können andererseits die Umsetzungsqualität der Reggiopädagogik erheblich beeinflussen.
Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit liegt auf dem Konzept des dritten Erziehers, sowie auf den architektonischen Gegebenheiten der italienischen Krippen und Kindergärten in Reggio Emilia. Es soll außerdem versucht werden den Einfluss der Architektur sowie der Raumgestaltung auf die Entwicklung der Kinder darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
- 0. Einleitung
- 1. Die Reggiopädagogik
- 1.1. Zur Entstehung der Reggiopädagogik
- 1.2. Das Konzept der Reggiopädagogik
- 1.2.1. „Pedagogia della Partecipazione“
- 1.2.2. Die hundert Sprachen der Kinder
- 1.2.3. Projekte: Der Weg ist das Ziel
- 1.2.4. Experimentelle Pädagogik
- 1.2.5. Kernpunkte des pädagogischen Handelns
- 1.3. Der Raum als dritter Erzieher
- 1.4. Die Architektur und Raumgestaltung in der Reggiopädagogik
- 1.4.1. Grundlagen der Raumgestaltung
- 1.4.1.1. Konkrete Beispiele
- 1.4.1.1.1. Die Räume der Krippe Acrobaleno
- 1.4.1.1.2. Die Räume der Krippe Diana
- 1.4.1.2. Vielfalt und Fülle von Anschauungsmaterial
- 1.5. Zum Einfluss der Raumgestaltung auf die Entwicklung und Förderung der Kinder
- 1.6. Reggiopädagogik in Deutschland
- 2. Zusammenfassende Diskussion
- 3. Literaturverzeichnis
- 4. Anlagen
- Die Entstehungsgeschichte der Reggiopädagogik und ihre wichtigsten Grundsätze
- Das Konzept des „dritten Erziehers“ und seine Bedeutung für die pädagogische Praxis
- Die Rolle von Architektur und Raumgestaltung in der Reggiopädagogik
- Der Einfluss von Raumgestaltung auf die Entwicklung und Förderung von Kindern
- Die Umsetzung der Reggiopädagogik in Deutschland
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Reggiopädagogik als ein pädagogisches Konzept, das die Bedeutung des Raumes als „dritten Erzieher“ hervorhebt und die Auswirkungen der Raumgestaltung auf die Entwicklung und Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen untersucht.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung liefert eine Einführung in die Reggiopädagogik und stellt ihre zentralen Elemente vor, darunter das Bild vom Kind, die Bedeutung von Identität und Gemeinschaft, die Vorstellung von Bildung und Lernen, die Rolle von Projekten, die Rolle Erwachsener und die Bildungsfunktion von Räumen.
Kapitel 1 beleuchtet die Reggiopädagogik im Detail und behandelt ihre Entstehung, das Konzept der „Pedagogia della Partecipazione“, die „hundert Sprachen der Kinder“, die Rolle von Projekten, experimentelle Pädagogik, Kernpunkte des pädagogischen Handelns, den Raum als „dritten Erzieher“, die Architektur und Raumgestaltung in der Reggiopädagogik, sowie den Einfluss der Raumgestaltung auf die Entwicklung und Förderung von Kindern.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter dieser Arbeit sind Reggiopädagogik, Raumgestaltung, Architektur, Entwicklung, Förderung, Kinder, Tageseinrichtungen, Bildung, Lernen, pädagogisches Konzept, „dritter Erzieher“, „Pedagogia della Partecipazione“, Projekte, experimentelle Pädagogik, Identität, Gemeinschaft.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Der Raum als dritter Erzieher“?
In der Reggiopädagogik wird die Umgebung so gestaltet, dass sie Kinder zur Entdeckung, Interaktion und zum Lernen anregt. Neben den Kindern und den Erwachsenen wirkt der Raum selbst pädagogisch.
Was sind die Kernpunkte der Reggiopädagogik?
Wichtige Elemente sind das Bild vom kompetenten Kind, die „hundert Sprachen der Kinder“ (Ausdrucksvielfalt), Projektarbeit und die Dokumentation von Lernprozessen.
Wie sieht die Architektur in reggianischen Kitas aus?
Die Architektur ist oft offen, mit einer zentralen „Piazza“ als Treffpunkt, vielen Glasflächen für Transparenz und Ateliers für kreatives Arbeiten.
Welchen Einfluss hat die Raumgestaltung auf die Entwicklung?
Eine durchdachte Gestaltung fördert die Selbstständigkeit, bietet Rückzugsmöglichkeiten und regt durch vielfältige Materialien die Sinne und die Neugier der Kinder an.
Ist die Reggiopädagogik in Deutschland umsetzbar?
Ja, viele Einrichtungen in Deutschland nutzen die Philosophie. Die Umsetzung hängt jedoch stark von den personellen Ressourcen und der Offenheit des Trägers für dieses Konzept ab.
- Quote paper
- Nadine Voigt (Author), 2005, Reggiopädagogik - Der Raum als dritter Erzieher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58057