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Hirnscanner versus nichtverdinglichtes Selbst. Das Menschenbild in der Bioethik und die philosophische Anthropologie

Titel: Hirnscanner versus nichtverdinglichtes Selbst. Das Menschenbild in der Bioethik und die philosophische Anthropologie

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2020 , 22 Seiten

Autor:in: Martin Gloger (Autor:in)

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Am Anfang beschäftigt sich die Arbeit mit der Frage nach dem Menschenbild in der Bioethik. Recherchen ergaben Bestrebungen, neurowissenschaftliche Methoden zur Verbesserung der Denkfähigkeit des Menschen einzusetzen. Aus der Idee, nach dem Menschenbild hinter einem solchen Apparat zu fragen, wuchs die These für die vorliegende Arbeit, dass durch diese Praktiken der Mensch verdinglicht bzw. objektiviert wird, was dem Menschen nicht gerecht wird.

Vorstellungen, dass Lernprozesse und Erfahrungen sich lediglich auf neurophysiologische Prozesse beziehen, überzeugen nicht. Aus soziologischer Perspektive stellen sich Zweifel an der Nützlichkeit neurophysiologischer Methoden zur Verbesserung der Lernfähigkeit: Bildungserfolg kann nicht allein auf biologische Faktoren reduziert werden. Die Frage, welche Intelligenz man denn benötige, um ein gutes Abitur zu schreiben, kann praktisch nicht beantwortet werden.

Aus soziologischer Sicht wird auf diese und ähnliche Fragen sehr häufig geantwortet, dass vor allem die Anzahl von Büchern im Elternhaus, der Fernsehkonsum und weitere Faktoren, wie die Höhe des Taschengeldes für den Bildungserfolg ausschlaggebend seien. Eine normale bis überdurchschnittliche Intelligenz ist für einen erfolgreichen Bildungsabschluss hilfreich, die reicht aber oft nicht allein, wenn das Kind z. B. viel Ablenkung, kein Vorbild zum Nacheifern oder keinen eigenen Arbeitsplatz im Elternhaus hat.

Ein erfolgreicher Bildungsabschluss kann aus systemtheoretischer Perspektive möglicherweise als gelungene Kommunikation betrachtet werden, in der Sprechsituation einer Prüfung wird der gewünschte Inhalt in syntaktisch wohlgeformten Sätzen kommuniziert, was zu einem erfolgreichen Bestehen der Prüfung führt. Aber auch hinsichtlich der Erklärungskraft der soziologischen Perspektive stellen sich Zweifel ein:

Es wird in der Soziologie wenig über die Wechselwirkungen von Leib und Seele gesagt, die im Bildungsprozess eine eigene Dynamik entfalten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nicht-medizinischen Nutzungen neurologischer Diagnostik

2.1 Fortschritte der bildgebenden Verfahren

2.2. Private Anwendungen eines Gehirnscanners

2.2 Erste ethische Bewertungen dieser Technologie

3. Helmut Plessners Philosophische Anthropologie

3.1 Die Doppelnatur des Menschen

3.2 Der Mensch als Maschine

3. Ethische Implikationen eines privaten Gehirnscanners

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit die private Nutzung von Hirnscannern und die damit einhergehenden Reduktionen des Menschen auf neurophysiologische Prozesse eine unzulässige Verdinglichung darstellen, die dem Wesen des Menschen nicht gerecht wird.

  • Kritische Analyse neurowissenschaftlicher Bildgebungsverfahren
  • Philosophische Anthropologie nach Helmut Plessner
  • Die Problematik der Reduktion des Menschen auf die "Maschine"
  • Ethische Implikationen privater Leistungsoptimierung
  • Tugendethische Perspektiven auf menschliche Entwicklung

Auszug aus dem Buch

3.2 Der Mensch als Maschine

Eine verbreitete Vorstellung ist, dass sich der Mensch als eine Art Rechenmaschine oder modern Computer darstellen kann. Helmut Plessner erwähnt die Vorstellung, dass ein Mensch sich als Computer verstehen könnte an verschiedenen Stellen. Anlässlich von Zwischenprüfungen im Fach Philosophie legt er den Kandidaten oder Kandidatinnen einen Cartoon vor, der einen Computer zeigt, der „Cogito ergo sum“ ausspuckt, also das tut, was Computer gerade nicht können (Appendix B).

Die Vernunft kann als eine wesentliche Eigenschaft des Menschen angesehen werden. Im Laufe der Philosophiegeschichte sei diese Vernunft vor allem auf die Fähigkeit in allgemeinen Begriffen zu denken zugespitzt worden. Descartes und Leibniz gingen sogar einen Schritt weiter, das Denken die einzige Form der Erkenntnis bildet und damit einen Unterschied zu anderen Tieren zogen: Tiere hätten mangels Denkfähigkeit keine Seele und seien Automaten. Erst später wurde die Sinneswahrnehmung der Denkfähigkeit gleichgestellt und nicht als eine bloße Vorstufe der Rationalität verstanden. Später wurde das sinnliche Wahrnehmen weiter aufgewertet (vgl. Landmann 1955, 117f.).

„[D]ieses sinnerfassende Wahrnehmen steht sogar höher als das reine Denken: denn der mit dem Wirklichen zu Symbolen verwobene Sinn ist unendlich viel reicher und tiefgründiger als die materiefrei isolierten Abstraktionen, zu denen das Denken gelangt.“ (Landmann 1955, 118)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation der Arbeit aus der Bioethik und stellt die These auf, dass eine technologische Optimierung den Menschen verdinglicht.

2. Nicht-medizinischen Nutzungen neurologischer Diagnostik: Dieses Kapitel behandelt den Fortschritt der bildgebenden Verfahren, private Anwendungsmöglichkeiten von Hirnscannern und erste kritische Reflexionen.

3. Helmut Plessners Philosophische Anthropologie: Hier wird Plessners Konzept der Doppelnatur des Menschen als theoretischer Rahmen zur Kritik reduktionistischer Menschenbilder eingeführt.

3. Ethische Implikationen eines privaten Gehirnscanners: Das Kapitel diskutiert ethische Bedenken, insbesondere hinsichtlich der Autonomie und tugendethischer Überlegungen, anhand eines fiktiven Fallbeispiels.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine rein neurophysiologische Betrachtung wesentliche Aspekte des Menschseins ausblendet und eine ganzheitliche philosophische Perspektive notwendig ist.

Schlüsselwörter

Philosophische Anthropologie, Helmut Plessner, Hirnscanner, Neurowissenschaften, Bioethik, Verdinglichung, Mensch als Maschine, Leib-Seele-Dualismus, Autonomie, Tugendethik, Identität, Neurophysiologie, Subjektivität, Human Enhancement, Technikphilosophie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch die Idee, mittels privater Hirnscanner kognitive Leistungen zu optimieren, und bewertet dies aus der Sicht der philosophischen Anthropologie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen Neurowissenschaften und Philosophie, der Kritik an technizistischen Menschenbildern sowie ethischen Fragestellungen zur Selbstoptimierung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass der Mensch nicht auf seine neurophysiologischen Funktionen reduziert werden darf und die "Maschinenmetapher" seinem Wesen nicht gerecht wird.

Welche philosophische Methode wird primär verwendet?

Die Autorin/der Autor stützt sich vor allem auf die Philosophische Anthropologie von Helmut Plessner, um eine kritische Gegenposition zum "Mind-Brain-Paradigma" zu beziehen.

Welche Aspekte stehen im Mittelteil der Arbeit im Vordergrund?

Im Hauptteil wird analysiert, warum das menschliche Bewusstsein und Lernprozesse nicht allein durch physikalische Gehirnaktivität erklärt werden können und welche Rolle der Leib spielt.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Anthropologie, Verdinglichung, Autonomie, Hirn-Scanner, Leib-Seele-Problem und ethische Selbstreflexion zusammenfassen.

Warum warnt die Arbeit vor einer "Maschinenmetapher" für den Menschen?

Weil sie den Menschen zur Karikatur seiner selbst macht und essenzielle menschliche Qualitäten wie Gefühle, Eigensinn und die Bedeutung der leiblichen Erfahrung ignoriert.

Was ist das zentrale tugendethische Argument gegen die Nutzung von Hirnscannern?

Das Argument ist, dass Tugenden wie Mäßigung, Demut und Geduld aus eigener Einsicht und Erfahrung wachsen müssen und nicht durch technische Abkürzungen "upgeloadet" oder erzwungen werden können.

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Details

Titel
Hirnscanner versus nichtverdinglichtes Selbst. Das Menschenbild in der Bioethik und die philosophische Anthropologie
Hochschule
FernUniversität Hagen
Autor
Martin Gloger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V580632
ISBN (eBook)
9783346156723
ISBN (Buch)
9783346156730
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anthropologie bioethik hirnscanner menschenbild selbst
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Martin Gloger (Autor:in), 2020, Hirnscanner versus nichtverdinglichtes Selbst. Das Menschenbild in der Bioethik und die philosophische Anthropologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/580632
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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