Zusammenfassung und Rezension von "Retrotopia" von Zygmunt Baumann


Rezension / Literaturbericht, 2020

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Inhaltliche Zusammenfassung
1.1 Kapitel 1 – „Zurück zu Hobbes?“
1.2 Kapitel 2 – „Zurück ans Stammesfeuer“
1.3 Kapitel 3 – „Zurück zur sozialen Ungleichheit“
1.4 Kapitel 4 – „Zurück in den Mutterleib“
1.5 Epilog

2. Diskurseinordnung

3. Bewertung

Literaturverzeichnis

1. Inhaltliche Zusammenfassung

Als „Retrotopie“ bezeichnet Zygmunt Bauman die Vorstellung von einer idealen Gesellschaft, die sich nicht mehr aus dem Glauben an wirtschaftlichen, politischen oder technischen Fortschritt in der Zukunft speist, sondern ihre Strahlkraft aus der Sehnsucht nach einer umgedeuteten und neubewerteten Vergangenheit bezieht. Im Gegensatz zur Utopie hängt die „Retrotopie“ an keinem Fixpunkt soziokultureller Entwicklung, an dem die gesellschaftlichen Verhältnisse in Ordnung gewesen wären beziehungsweise erst noch sein werden, fest, sondern aktualisiert und moduliert ihre Bezüge ständig. So rufen sich derzeit etwa einige Mitgliedsstaaten der europäischen Union ausgewählte Ereignisse und Verhältnisse der Vergangenheit ins Gedächtnis, um ihre Ansprüche als Nation geltend zu machen und die internationale Kooperation zu verweigern. Dadurch entwickelt die Retrotopie eine ungeheure Attraktivität bei der Behandlung von Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen. Retrotopien seien jedoch laut Bauman nicht nur auf der Ebene politischer Organisation zu finden. Weil es hinsichtlich der Wahl seiner Quellen und der Auslegung ihrer Inhalte derart vielfältig und flexibel ist konnte sich das Retrotopische über die politische Sphäre hinaus zu einem allgemeinen Denkschema in Bezug auf die Gesellschaft überhaupt entwickeln. „Retrotopia“ sei – so Baumans These – bereits Realität.

„Retrotopia“ ist in neben Einleitung und Epilog in vier Kapitel aufgeteilt, die jeweils eine Dimension des vom Autor diagnostizierten Paradigmenwechsels aufzeigen. Inhaltlich folgt der Aufbau einer Bewegung von den Grundlagen des gesellschaftlichen Miteinanders über die globalisierte Ordnung der National- und der kapitalistischen Wohlfahrtsstaaten bis hin zum spätmodernen Subjekt, das sich in dieser Ordnung zunehmend verliert. Ein Epilog stellt die Frage, unter welchen Umständen echter zivilisatorischer Fortschritt noch möglich wäre. „Retrotopia“ war das letzte Werk von Zygmunt Bauman vor seinem Tod 2018. Es hat 220 Seiten und ist im Suhrkamp Verlag erschienen.

1.1 Kapitel 1 – „Zurück zu Hobbes?“

Im ersten inhaltlich-argumentativen Kapitel nimmt Zygmunt Bauman Bezug zu Thomas Hobbes Figur des „Leviathan“, der als kontraktuell legitimierter Souverän den vom „Krieg aller gegen alle“ geprägten Naturzustand aufhebt mit dem Nachtwächterstaat den Grundstein für Zivilisation legt. Im Angesicht gegenwärtiger politischer und gesellschaftlicher Krisen diagnostiziert Bauman, dass die Tendenz der Menschheit zu Gewalt und Aggression in diesem „Zivilisationsprozess“ nie wirklich kleiner geworden sei, sondern lediglich durch politisch-organisatorische und ideologisch-mentale Disziplinierung im Zaum gehalten beziehungsweise dort, wo es den Interessen der jeweils herrschenden Klassen diente, umgedeutet und partiell legitimiert werden konnte. Der Autor schlussfolgert weiter, dass mit einer „umfassenden Globalisierung unserer Lebensbedingungen“ einhergehende „erdumspannende Interdependenz“ (S.34) der Nachtwächterstaat legitimatorisch ins Hintertreffen geraten ist, weil er seine Kernaufgabe, der Vermittlung von Sicherheiten an seine Bürger im Austausch gegen das Gewaltmonopol, nicht mehr zuverlässig erfüllen könne. Stattdessen setze er die Menschen existenzbedrohenden Unsicherheiten und Risiken aus, die der auf globalen Maßstab entfesselte Kapitalismus mit sich bringt. Bauman führt als Beispiel einen durch erfolgreichen Lobbyismus immer weiter geöffneten, internationalen Markt für Kleinwaffen an. Während die Verfügbarkeit solcher Kleinwaffen steigt, wird die Nachfrage von einer Medienlandschaft sichergestellt, die die Ängste der Menschen schürt, indem sie in der größtmöglichen Ausführlichkeit und Plastizität über Gewalttaten berichtet. Er schreibt weiter, dass solche Medienereignisse in der digitalisierten Öffentlichkeit des Internets nicht mehr diskursiv verhandelt würden, sondern lediglich die Grundlage für eine noch weitere Pluralisierung von Perspektiven und Weltanschauungen bilden, um die sich im Internet homogene Communities formieren. Bauman stellt hier auf die zweite hobbessche Grundannahme in der Konstruktion des „Leviathan“ ab: Den menschlichen Wunsch nach Selbstverwirklichung und sozialer Anerkennung. Dieser führe in der massenhaft pluralisierten Öffentlichkeit des digitalen Zeitalters zu einem Nachahmungsverhalten welches sich, so Bauman, immer häufiger auch auf ebenjene Grausamkeiten erstrecke.

Während sich die Inspiration zu Gewalttaten in den Massenmedien finden lassen und die Mittel ohne große Mühen am weltweit geradezu lächerlich regulierten Markt für Kleinwaffen zu bekommen sind, sieht der Autor die Motivation für solche Gewaltausbrüche in einer verschärften sozialen Ungleichheit und der daraus hervorgehenden Frustration bei den sozial Abgehängten. Terroristische Anschläge, insbesondere Selbstmordattentate junger Menschen, zeugten weniger von ideologischem Fanatismus und totalitärem Zwang als vielmehr von der Erfahrung von Unsicherheit, Ausgrenzung und Ausweglosigkeit, wie sie von einer Politik vermittelt wird, die Teilhabechancen mit wirtschaftlichem Potential gleichsetzt. Bauman bejaht also die in der Überschrift gestellte Frage nach der Rückkehr zum hobbesschen Kriegszustand. In dessen Neuauflage wird die Welt im Kleinen wie im Großen vom Kampf gegen den sozialen Abstieg beherrscht. Die wachsende Gewissheit darüber, dass ihre Herrscher in Wahrheit nicht willens oder fähig sind, sie davor zu bewahren, werfe nun überall verzweifelte Menschen auf ihre gewalttätige Natur zurück. Der National- als Nachtwächterstaat habe versagt, und ein wirkmächtiger Souverän, der die Menschen vor den sozioökonomischen Folgen der Globalisierung retten könnte, sei nirgendwo auszumachen.

1.2 Kapitel 2 – „Zurück ans Stammesfeuer“

Leitbegriff für das zweite Kapitel ist der „Tribalismus“, die kategorische Unterscheidung zwischen „Uns“ und „den Anderen“, welcher im 21. Jahrhundert eine Renaissance unter neuen Vorzeichen erlebe. Bauman erläutert mit Bezug auf den Historiker Eric Hobsbawn, dass die Aufteilung der Menschheit in „Völker“ nicht etwa naturwüchsig verlaufen sei, sondern einem politischen Programm folge, welches nach dem ersten Weltkrieg in den Versailler Verträgen festgeschrieben wurde und die Menschen nachhaltig voneinander trennt. Die Globalisierungskrise sei dagegen eine Konsequenz aus zwei Jahrhunderten kolonialistischem Raubbau und selbstgerechter politischer Einmischung. Transnationale Migration und Flucht beschreibt der Autor insofern als einen Teilaspekt von Globalisierung per se, der jedoch wegen seiner unmittelbaren Erfahrbarkeit im Alltag unverhältnismäßig viel Widerstand in der Bevölkerung hervorrufe. Wenn schon seit über einem Jahrhundert Waren, Kapital und Kommunikation die künstlich gezogenen Grenzen in immer stärkerem Ausmaß erfolgreich zu ignorieren scheinen, sei es kaum verwunderlich, dass nun auch immer mehr Menschen auf der Suche nach besseren Lebenschancen um den Globus wandern. Das inhärente Gefühl aber, dass Zugehörigkeit, Gemeinschaft, Gewissheit und Stabilität in der eigenen Gesellschaft schwinden, würde nun mit der Ankunft des Neuen und des Fremden verknüpft, das, wenn es niemand daran hindert, die Einheit und Reinheit der Nation unterwandere. Die letzte Bastion, die unangefochten zwischen den Fremden im eigenen Land und dem nationalen Wir-Gefühl stehe sei dann die Erinnerung und Tradierung einer Stammesgeschichte.

Die Deutungshoheit über diese geteilte Vergangenheit sei daraufhin zum Hauptgegenstand politischer Diskussionen geworden. Während historische Fakten eine untergeordnete Rolle spielten, ginge es bei der Identifikation mit dem einen oder anderen politischen Lager vor allem um einen Wettstreit der Erinnerungskulturen. Mithilfe der modernen Massenmedien sei es unterdessen sehr leicht, so Bauman, unerwünschte Positionen einfach auszublenden und sich selbst eine diskursive Realität ganz nach ideologischem Gusto zurechtzuzimmern. Ein derart verengter Blick führe dann zu einer anmaßenden und blinden Überheblichkeit gegenüber allen Andersartigen und Andersdenkenden. Diese Überheblichkeit sei es, die „Zorn-Politiker“ wie Donald Trump aufgreifen und weiter schüren. Sie böten Globalisierungsverlierern einen Weg zurück zu verloren geglaubter Identität, Einheit und Sicherheit an und geben ihnen eine Stimme in einer Welt, die sie im Stich gelassen habe. Gleichzeitig würde damit die Abgrenzung gegenüber allen, die aus ihrer Sicht keinen Anspruch auf einen Platz am „Stammesfeuer“ haben immer weiterwachsen. Das zweite Kapitel schließt mit der Feststellung, dass der moderne Nationalstaat nach wie vor die Wirkmacht besäße, Menschen in seinem Namen in den Tod zu schicken. Für Bauman steht er insofern der Stammesgesellschaft, aus der er sich entwickelt habe, in nichts nach.

1.3 Kapitel 3 – „Zurück zur sozialen Ungleichheit“

Das dritte Kapitel leitet Bauman mit einer Perspektivverschiebung von einer horizontalen Einteilung der Welt in Kulturen und Nationen zu einer vertikalen, sozioökonomisch-hierarchischen Schichtung ein, welche weitaus gravierendere Unterschiede zutage fördere als die erstere. Ein grober historischer Abriss der wirtschaftspolitischen Entwicklungen in Europa seit dem zweiten Weltkrieg stellt erneut die Globalisierung als einen Prozess heraus, in dem die spaltenden und zerstörerischen Kräfte des Marktkapitalismus ihre volle Kraft vor allem deswegen entfalten konnten, weil nationalstaatliche Politik an den entscheidenden Stellen untätig geblieben war und seine Ausweitung sogar noch vorangetrieben hätte. Der Autor veranschaulich beispielhaft, wie deutlich sich inzwischen das Kräfteverhältnis zwischen politischen- und Wirtschaftsinteressen zugunsten letzterer verschoben habe und welches Ausmaß die sozioökonomische Ungleichheit seit der Jahrtausendwende auf globaler und im Zuge dessen auch auf nationaler Ebene angenommen habe.

Dass es so weit kommen konnte erklärt Bauman damit, dass sich die Menschen lange Zeit mit den Verheißungen des Neoliberalismus zufriedengegeben hätten, wonach der Wohlstand der Ärmsten – wenn auch zeitverzögert und in geringerem Maße – mit dem der Reichsten immer weiter zunehmen würde. Als aber die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wurde, begann sich in der abgehängten Bevölkerung der Frust auszubreiten. Bauman führt hier in das Konzept der „relativen Deprivation“ nach Robert Merton ein, wonach bestehende Missstände innerhalb einer gesellschaftlich partizipierenden Gruppe erst im Vergleich zu einer anderen, sichtbar bessergestellten Gruppe als Diskriminierung wahrgenommen werden und Anlass zu Protesten, Aufständen und Revolutionen geben könnten. Er schlussfolgert, dass im Zeitalter der Globalisierung, in dem sich das Individuum zunehmend seiner Verstrickung in das Weltgeschehen bewusstwürde und umgekehrt auch nahezu jede „andere“ Lebenswelt, etwa in den modernen Massenmedien einsehbar sei, das latente Gefühl an irgendeiner Stelle „abgehängt“ worden zu sein geradezu omnipräsent sein muss. Vor dem Hintergrund individualisierten Wettbewerbs entstehe weltweit ein Klima des Egoismus und des Misstrauens, in dem jeder bessergestellte Mensch eine existenzielle Gefahr darstellt. Weil aber der genaue Ursprung dieser Bedrohung nirgends auszumachen ist, habe die „relative Deprivation“ bislang noch keine „revolutionäre Situation“ hervorgebracht. Was bleibt, sei die Erkenntnis, dass höherer Wohlstand und ein besseres Leben nur durch eigene Kraftanstrengungen und eine adäquate „Lebenspolitik“ zu erreichen sind. Statt die Profiteure der wirtschaftlichen Entwicklung zur Verantwortung für das zunehmende Elend zu ziehen nimmt sich der Konsument selbst in die Pflicht. Die Momente, in denen ihm zur Motivation die Annehmlichkeiten der Oberschicht vorgeführt werden, seien konstruierte Berührungspunkte zwischen den Lebenswelten von Arm und Reich, die einander inzwischen derart fremd sind, dass man sie laut Bauman als die eigentlichen „Nationen“ bezeichnen könne.

Der Autor kommt in diesem Zusammenhang auf das Kernargument für ein bedingungsloses Grundeinkommen, wie es der Ökonom Daniel Raventós formuliert, zu sprechen: Einkommens- und Erwerbslosigkeit als das Ergebnis asozialer Leistungsverweigerung zu interpretieren und zu sanktionieren sei in Zeiten, in denen Digitalisierung und Automatisierung das Ziel der Vollbeschäftigung zunehmend infrage stellen, eine unhaltbare Verkürzung des eigentlichen Problems, dass die Löhne im Gegensatz zu Kapitaleinkommen immer weiter an Wert verlieren. Um den destruktiven Kräften dieser Prozesse entgegenzuwirken müsse stattdessen eine neue Ebene von Solidarität und damit eine Stärkung der Demokratie gegenüber den Mächten des Marktes erreicht werden. Sozialleistungen, die ohne Bedarfsprüfung gewährt werden, könnten dies leisten, indem sie die gravierende Ungleichheit innerhalb liberaler Marktwirtschaften, wie wir sie heute kennen, abschwächen. Bei Bauman bekommt der Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen eine menschenrechtliche Komponente. Das „Recht auf Freiheit“ müsse in Bezug auf die weltweit wachsende Zahl von Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen ein frommer, aber folgenloser Anspruch bleiben, würde sie nicht um die sozialstaatliche Garantie ergänzt, von diesem Recht auch Gebrauch machen zu können. Für den Autor ist deshalb dies der zentrale Wegweiser im Prozess der europäischen Integration. Der im Titel angedeuteten Verwerfung sozialstaatlicher Prinzipien wäre also durch die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens, bestenfalls auf supranationaler Ebene, noch entgegenzuwirken.

1.4 Kapitel 4 – „Zurück in den Mutterleib“

Mit dieser Formel greift Bauman das im vorangegangenen Kapitel angesprochene Phänomen eines um sich greifenden individualistischen Wettbewerbs auf und beleuchtet seine sozialpsychologische Komponente. Eine marktförmige Gesellschaft, die ihre Subjekte anhand deren Konsummuster einteilt, anhand ihres Humankapitals bewertet und im Hinblick auf ihre Leistungen belohnt oder bestraft verhindere eine Vergemeinschaftung auf der Basis von Solidarität und lasse als Bezugspunkte für Identität nur die eigenen Fähigkeiten, Beziehungen, Bedürfnisse und Besitztümer – kurz; das Individuelle selbst – übrig, welche es dann endlos zu produzieren und zu reproduzieren, zu verbessern und aufzuwerten gelte. Narzisstische Selbstliebe, die eigentlich eine psychische Störung beschreiben sollte, würde implizit zur gesellschaftlichen Norm erhoben. Als diesen Trend auffangend und befördernd beschreibt Bauman eine neue Gattung von Ratgeberliteratur, in der einerseits Egoismus als gesunde Lebenseinstellung propagiert und andererseits nahegelegt wird, Distanz zu egozentrischen Menschen aufzubauen. Im Ergebnis bewegten sich die Individuen aller digitaler Vernetzung zum Trotz immer weiter in Richtung soziale Isolation. Als Reaktion auf die zunehmende Einsamkeit flüchteten sich die Millennials in die Geborgenheit der romantischen Zweierbeziehung, welche ihre allzu hohen Erwartungen jedoch enttäuscht, weil sie in der Emanzipationsbewegung der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre den Anspruch auf Absolutheit verloren hätte. Für das Individuum der Postmoderne stelle sich damit die Suche nach Sicherheit unter der Prämisse individueller Freiheit weiterhin als Nullsummenspiel dar.

Ganz konkret macht Zygmunt Bauman seine Diagnose des um sich greifenden Selbstbezugs an den Worten Melissa Broders in ihrem Bestseller „So Sad Today“ fest. Die Autorin beschreibt darin einen Dauerzustand der Überforderung bei der Auseinandersetzung mit einer hypersozialen Umwelt, der bei ihr das Gefühl der absoluten Unzulänglichkeit hervorrufe, und trifft damit den Nerv der Zeit. Der drängende Wunsch, sich von dieser Umwelt loszulösen führt bei Broder in die Sehnsucht nach der pränatalen und präsozialen Bewusstlosigkeit im „Mutterleib“, den sie als paradiesischen Zufluchtsort stilisiert. Laut Zygmunt Bauman leiste derzeit die Digitaltechnik bereits gute Arbeit dabei, solche Räume für die Menschen des 21. Jahrhunderts zu schaffen. In den Echokammern des Web 2.0 würden mit immer größerer Verve virtuelle Welten eingerichtet, in denen das Soziale als ein an- und abschaltbares, leicht zu bedienendes und niemals enttäuschendes Instrument der Selbstbestätigung dient. Die Identitätssuche anhand einer kognitiv und emotional überfordernden Umwelt würde ersetzt durch die Praxis des Selbsttrackings und der Selbstoptimierung, die der Neoliberalismus zwar abstrakt in den Auftrag der Gesellschaft gestellt hat, die aber aus Sicht des Individuums nur um die kommodifizierten Wertvorstellungen und Bedürfnisse kreisen, die er ihm zuvor beigebracht hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Zusammenfassung und Rezension von "Retrotopia" von Zygmunt Baumann
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Masterkurs „Soziologische Theorie“
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V580719
ISBN (eBook)
9783346180667
ISBN (Buch)
9783346180674
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zygmunt Bauman, Zeit, Zeitregime, Moderne, Modernisierung, Postmoderne, Zeitgeist, Kultursoziologie, Globalisierung, Digitalisierung, Sozialstaat, Nationalstaat, Thomas Hobbes, Leviathan, Zeitdiagnose, Tribalismus, Nationalismus, Rechtsruck, Nachtwächterstaat, Fanatismus, Migration, Soziale Ungleichheit, Nation, Volk, Europa, Populismus, Donald Trump, Fortschritt, Hass, Gewalt, Individualisierung, Filterblase, Hetze, Kapitalismus, Partikularismus, Utopie, Spätmoderne, Reflexive Moderne, Neoliberalismus, Terrorismus, Terror, Systemtheorie, Autokratie, Deprivation, Arm und Reich, Kriegszustand, Abstiegskampf, Gesellschaftsdiagnose, Rezension, Zusammenfassung
Arbeit zitieren
Valentin Müller (Autor), 2020, Zusammenfassung und Rezension von "Retrotopia" von Zygmunt Baumann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/580719

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