Die schwedische Invasion 1630: Rettung des Protestantismus oder pragmatische Machtpolitik?


Seminararbeit, 2004

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Eingreifen der Schweden unter GustavAdolf
2.1 Die Invasion und ihre Vorgeschichte
2.2 Die Wende

3. Retter des Protestantismus oder Eroberer aus dem Norden
3.1 Das Manifest
3.2 Rettung des Protestantismus
3.3 Rettung der deutschen „Libertät“
3.4 Strategische, politische und wirtschaftliche Faktoren

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung:

Mit der Landung auf deutschem Boden im Sommer 1630 griff Gustav Adolf in den deutschen Krieg ein, der zu diesem Zeitpunkt schon etwa 12 Jahre währte. Mit dem militärischen Eingriff schrieb Gustav Adolf europäische Geschichte und sollte einen Zeitraum einläuten in dem Schweden Großmachtcharakter besaß. Das Mächteverhältnis in Deutschland zwischen Protestanten und Katholiken wurde innerhalb weniger Monate durch zahlreiche Siege sowohl gegen die kaiserlichen Truppen als auch gegen die Streiter der katholischen Liga umgedreht. Die kaiserliche Vormachtstellung in Deutschland wurde erfolgreich bekämpft.[1] Gustav Adolf sollte jedoch schon im Jahre 1632 bei der Schlacht von Lützen fallen. Nach seinem Tode wurde ein Mythos geboren, der vor allem unter den Protestanten Gefallen fand – der Mythos von Gustav Adolf als dem Retter und Beschützer des Protestantismus. Katholiken werfen dem Schwedenherrscher hingegen bis heute Expansionsdrang auf Kosten der Deutschen und Ruhmsucht vor.

Als Schwerpunkt in dieser Arbeit sollen die populärsten und wahrscheinlichsten Beweggründe für ein Eingreifen Gustav Adolfs in Deutschland geprüft werden. Die Arbeit besteht aus zwei Teilen – einer Beschreibung der Invasion bis zum Tode Gustav Adolfs unter Berücksichtigung ihrer Vorgeschichte und der Situation im Reich sowie außenpolitischer Geschehnisse. Anschließend erfolgt die Untersuchung der Kriegsgründe Rettung der Glaubensbrüder, Rettung der deutschen „Libertät“ sowie die Möglichkeit eines Präventivschlages. Die Untersuchung erfolgt auf Basis von Ausschnitten aus dem Kriegsmanifest Gustav Adolfs sowie seiner Reichstagsdebatten.

2.Das Eingreifen der Schweden unter Gustav II. Adolf.

2.1 Die Invasion und ihre Vorgeschichte

Während der Kämpfe der Kaiserlichen gegen den Dänenkönig Christian IV. waren die Armeen Tillys und Wallensteins Ende des Jahres 1626 bis an die Ostsee vorgerückt. Die Dänen wurden auf die Halbinsel Jütland zurückgedrängt und die deutsche Ostseeküste konnte Anfang 1627 von den Katholischen in Besitz genommen werden. Der kaiserliche Feldherr Wallenstein wurde 1628 von Ferdinand II. zum „General des ozeanischen und baltischen Meeres“ ernannt.[2] Einzig die Hansestadt Stralsund vermochte den offensiven Aktionen der Katholiken Einhalt zu gebieten, u. a. weil sie dänische und schwedische Militärhilfe bezog. Einige Tausend Schweden wurden zur Verteidigung der Stadt von Gustav II. Adolf gesandt. Wallenstein, der Kommandierende der Belagerung, musste 1628 unverrichteter Dinge wieder abziehen. In einer Art Stellvertreterkrieg zwischen Schweden und dem Habsburgerreich auf Kosten Stralsunds und Polens ließ Ferdinand II. dem polnischen König Sigismund III. im Frühjahr 1629 militärische Unterstützung zukommen[3] – seit etwa 1625 versuchte Sigismund eine schwedische Invasion abzuwehren. Am 25. September schlossen Polen und Schweden dank französischen Eingreifens einen auf sechs Jahre befristeten Waffenstillstand. Richelieu war an einem schwedischen Engagement in Deutschland interessiert. Die Franzosen befanden sich in militärischen Auseinandersetzungen mit den kaiserlichen Truppen in Norditalien und auch entlang des Rheines schien eine militärische Konfrontation unvermeidlich, so dass ein schwedischer Einmarsch in Norddeutschland eine willkommene Entlastung für die Franzosen darstellte.[4]

Am 6. Juli 1630 landete Gustav II. Adolf mit einem Schwedenheer von ca. 14 000 Mann auf Usedom, die militärische – politische Situation, mit der der Schwedenkönig konfrontiert wurde, war allerdings alles andere als günstig. Außer Stralsund mit seiner kleinen schwedischen Besatzung hatten die Nordmänner keine nennenswerten Verbündeten. PARKER beschreibt die Lage folgendermaßen:

„Nur diejenigen, die etwas verloren (die Herzöge von Mecklenburg und von Sachsen – Weimar) oder zu erwarten hatten (einer der Anwärter auf Braunschweig – Lüneburg) bzw. unmittelbar von kaiserlichen Truppen bedroht oder besetzt waren (Hessen – Kassel und das säkularisierte Bistum Magdeburg), erklärten sich für Gustav Adolf.“[5]

Auch die französischen Verbündeten, die durch ihre Vermittlung mit Polen die schwedische Landung erst ermöglicht hatten, hielten sich mit Unterstützung zunächst zurück. Unsichere politische Zeiten in Frankreich ließen erst am 23. Januar 1631 finanzielle Unterstützung zu, was im Vertrag von Bärenwalde festgelegt wurde.[6] Mit den protestantischen Fürsten hatte sich der Schwede einen Schulterschluss erhofft – veranlasst durch die Empörung über den kaiserlichen Restitutionsedikt von 1629. Doch die potentiellen Verbündeten, von denen die mächtigsten gewiss der Kurfürst Johann Georg von Sachsen und der Calvinist Georg Wilhelm von Brandenburg waren, zeigten sich relativ unbeeindruckt. Die propagandistisch verbreiteten Absichten Gustav Adolfs, wie z.B. die Verteidigung der deutschen Libertät und die Rettung des Protestantismus sowie die Revanche für die katholische Militärhilfe für Sigismund III., schienen die Protestanten nicht zu überzeugen, vielmehr betrachteten sie den König als einen vom Eroberungswillen getrieben Machtmenschen.[7] Auf dem Leipziger Konvent der Protestanten im April 1631 bestärkten die evangelischen Reichsstände ihr Streben nach Neutralität und dem Herausbilden einer dritten Macht neben dem Habsburger und den Gustav Adolf.[8] Eine passive Haltung, um für Verbündete zu werben, schien angesichts der prekären Lage des schwedischen Expeditionsheeres nicht angepasst. Die französischen Zahlungen waren zwar willkommen, aber längst nicht ausreichend die Soldzahlungen der Soldaten zu gewährleisten, die norddeutschen Regionen waren durch die jahrelangen Kämpfe mit dem Dänenkönig ausgeblutet, des Weiteren wurde Magdeburg von Tilly belagert, so dass Gustav Adolf keine andere Möglichkeit blieb, als durch eine Offensive das Scheitern der Invasion zu verhindern.[9] Im April 1631 rückten schwedische Truppen nach Brandenburg und Mecklenburg vor und der überrumpelte Kurfürst Georg Wilhelm sah sich gezwungen ein Bündnis mit den Schweden zu akzeptieren und die militärische Infrastruktur, bzw. seine Truppen den Schweden zu überlassen.[10] Drei Fehler Tillys ließen die Aussichten der Schweden auf eine starke Allianz mit den Protestanten positiv erscheinen. Zum einen verwüsteten die katholischen Truppen am 20. Mai Magdeburg, was in einem Inferno mit gewaltigen Verlusten unter der Zivilbevölkerung endete. Das Massaker kam der schwedischen Kriegspropaganda nur gelegen und Zeitungen, Flugblätter und –schriften kursierten in ganz Europa.[11] Zum zweiten griff die Armee Tillys am 4. September Sachsen an und provozierte dadurch ein Bündnis zwischen Schweden und dem sächsischen Kurfürsten Georg Friedrich, welches seine erste Bewährungsprobe in der Schlacht bei Breitenfeld am 17. September bekommen sollte und diese auch glänzend bestand. Die Schweden und Sachsen errangen einen deutlichen Sieg: Tausende katholische Streiter starben oder gerieten in Gefangenschaft, viele Waffen und die Kriegskasse konnten erbeutet werden. Die katholische Vormachtstellung im Norden des Reiches war gebrochen.[12] Die Truppen Tillys zogen sich nach Süden zurück und bezogen ihr Winterlager in Bayern. Für den Schwedenkönig und seine Verbündeten war der Weg in das Reich offen. Während das Heer von Kurfürst Johann Georg mit zahlreichen Böhmen aus dem Exil nach Prag marschierte, welches am 15. November erobert werden konnte, um den Kaiser an zwei Fronten zu binden, wandte sich Gustav Adolf nach Mitteldeutschland und besetzte Thüringen, um im Eiltempo in das Rhein – Main Gebiet vorzudringen, wo er zu überwintern gedachte.[13] Die protestantischen Fürsten, deren Ländereien seinen Weg kreuzten, waren mehr oder weniger gezwungen der Allianz mit den Schweden beizutreten. Andernfalls drohten sie von der heranrückenden Schwedenübermacht erdrückt zu werden, während die Loyalität zu den Habsburgern, aufgrund der Distanz zum Wiener Hof und zu den kaiserlichen Armeen, nicht als Alternative betrachtet werden konnte.[14] Im März des Jahres 1632 beging Tilly seinen letzten Fehler. Einheiten seiner Armee griffen, aus Bayern kommend, die schwedische Besatzung von Bamberg an und konnten diese zurückdrängen, was die Neutralität Bayerns; welche ihm als Ligamitglied laut dem Vertrag von Bärenwalde zustand, entkräftete und die Schweden legalisierte Krieg gegen Bayern zu führen.[15] Mit fast 40 000 Soldaten marschierte Gustav Adolf in Bayern ein und stellte sich bei Rain am Lech den 22 000 Mann Tillys. Bei der heftigen Schlacht um den Lechübergang wurden die Katholiken aufgerieben. Tilly wurde tödlich getroffen, und Gustav Adolf konnte am 17. Mai München zu besetzen. Das militärische Potential der Katholiken in Deutschland war zerstört, der neben Wallenstein fähigste katholische Feldherr ausgeschaltet, der Großteil Deutschlands in den Händen der Schweden und ihrer Verbündeten.


[...]

[1] Oredsson, Geschichtsschreibung und Kult, S. 11.

[2] Schmidt, Der Dreissigjährige Krieg, S. 40f.

[3] Ebda., S. 42.

[4] Junkelmann, Gustav Adolf, S. 301.

[5] Parker, Der Dreissigjährige Krieg, S. 202.

[6] Ebda., S. 203.

[7] Schmidt, Der Dreissigjährige Krieg, S. 50.

[8] Schmidt, Der Dreissigjährige Krieg, S. 51.

[9] Parker, Der Dreissigjährige Krieg, S. 204.

[10] Schmidt, Der Dreissigjährige Krieg, S. 51.

[11] Parker, Der Dreissigjährige Krieg, S. 204.

[12] Ebda., S. 206.

[13] Parker, Der Dreissigjährige Krieg, S. 206.

[14] Ebda., S.207f.

[15] Ebda., S. 208.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die schwedische Invasion 1630: Rettung des Protestantismus oder pragmatische Machtpolitik?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar Wallenstein
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V58073
ISBN (eBook)
9783638523639
ISBN (Buch)
9783638665704
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Proseminar zu Wallenstein. Arbeit beleuchtet die Rolle und Hintergründe Gustav Adolfs und der schwedischen Invasion in Deutschland.
Schlagworte
Invasion, Rettung, Protestantismus, Machtpolitik, Proseminar, Wallenstein
Arbeit zitieren
Philipp Gaier (Autor), 2004, Die schwedische Invasion 1630: Rettung des Protestantismus oder pragmatische Machtpolitik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58073

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