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Schwarze Identität und pentecostaler Glaube - ein Widerspruch?

Title: Schwarze Identität und pentecostaler Glaube - ein Widerspruch?

Seminar Paper , 2003 , 17 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Julian Opitz (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Der Pentecostalismus als eine Spielart des christlichen Glaubens, hat sich in der brasilianischen Gesellschaft mehr als nur etabliert. Vom „Markt der Religionen“ kaum wegzudenken, haben traditionelle wie neuartige Ausläufer der Pfingstkirche, deren wohl bedeutsamste Repräsentanten in der Assembly of God sowie der Universal Church of the Kingdom of God zu finden sind, weiterhin großen Zulauf. Ein nicht geringer Anteil dieser Gläubigen (etwa 25% im Großraum Rio) gehört der schwarzen Bevölkerung des Landes an. Diese Tatsache ist insbesondere aus dem Grunde überraschend, da das Verhältnis zwischen dem sog. movimento negro, schwarzen Gruppierungen also, die sich explizit mit Fragen der „schwarzen Identität“ befassen und dem Kampf gegen den Rassismus verschrieben haben, als äußert gespannt bezeichnet werden darf. Ihren vorläufigen Höhepunkt fanden jene Spannungen 1996, als Vertreter schwarzer Organisationen des ganzen Landes in Brasilia zusammentrafen, um der von pentecostalen Kirchen ausgehenden Gefahr zu begegnen, der sich insbesondere die afro-brasilianischen Religionen candomblé und umbanda ausgesetzt sehen. Am Ende dieses Meetings war die konkrete Forderung nach Anwendung des Antirassismusgesetzes gegen die pentecostale Kirche zu vernehmen.


Es stellt sich also die Frage, warum eine, zumindest laut movimento negro, mit der „schwarzer Identität“ schlicht und einfach unvereinbare Religionsform gerade innerhalb der „dunkelhäutigsten“ Bevölkerung Brasiliens so erfolgreich missioniert. Diesen scheinbaren Widerspruch gilt es näher zu betrachten. Im Folgenden werden zunächst wesentliche Bedenken und Vorwürfe des movimento negro der Pfingstkirche gegenüber dargelegt. Anschließend wird der Versuch unternommen durch eine extreme Kontrastierung der Erfahrungen schwarzer Brasilianer im gesellschaftlichen Alltag einerseits und dem „pentecostalen Mikrokosmos“ andererseits, eine Erklärungsmöglichkeit für das beschriebene Phänomen zu liefern.


Im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen dabei die negras, Frauen also, welche die dunkelste Nuance des farblichen Kontinuums jenes Landes darstellen und somit nicht nur aufgrund ihrer zahlenmäßigen Bedeutung innerhalb der Pfingstbewegung, sondern auch wegen ihres Status als „trauriges, geringstes Glied“ in der gesellschaftlichen Kette von besonderem Interesse sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in das Thema

2. Die Problemsicht des movimento negro

3. Die brasilianische Alltagswelt

3.1. Familie

3.2. Arbeits- und Berufswelt

3.3. Partnerschaft

3.4. Die Rolle der Medien

3.5. Folgen der Alltagserfahrungen

4. Der „Mikrokosmos Pfingstkirche“

4.1. Die Gemeinde der Gläubigen

4.2. Religiöse Tätigkeit und Berufung

4.3. Pentecostale Partnerschaft

4.4. Die Rolle der Medien

4.5. Folgen der pentecostalen Erfahrung

5. Diskussion

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht den scheinbaren Widerspruch zwischen dem Streben nach einer „schwarzen Identität“ und der hohen Attraktivität des Pentecostalismus für die schwarze Bevölkerung in Brasilien. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit die pentecostale Glaubenspraxis trotz ideologischer Gegensätze konkrete soziale und psychologische Unterstützungsmechanismen bietet, die den alltäglichen Diskriminierungserfahrungen entgegenwirken.

  • Analyse der Ideologie und Vorbehalte des movimento negro gegenüber dem Pentecostalismus.
  • Untersuchung der sozialen und beruflichen Marginalisierung schwarzer Frauen in der brasilianischen Gesellschaft.
  • Kontrastierung der brasilianischen Alltagsrealität mit der Struktur und Praxis innerhalb der Pfingstgemeinden.
  • Evaluation der pentecostalen Erfahrung als potenzielle Hilfe zur Ausbildung einer individuellen Identität.
  • Diskussion über das Spannungsfeld zwischen religiöser Gemeinschaft und kultureller Selbstbehauptung.

Auszug aus dem Buch

4.1. Die Gemeinde der Gläubigen

Sieht man im Pentecostalismus ein theoretisches Gegenmodell zu in der Gesellschaft sonst üblichen Vorstellungen und Wertemaßstäben, so stellt die gläubige Gemeinde idealer Weise dessen praktische Umsetzung dar. Und in der Tat spiegelt sich die, vor allem vom Neuen Testament eingeforderte, Gleichheit und gegenseitige Wertschätzung in der religiösen Praxis der crentes wieder. Der pentecostale Gottesdienst ist geprägt von Zeremonien und religiösen Prozeduren, während derer die Gläubigen zueinander in Beziehung treten. Dies kann in Form einer einfachen Berührung, gegenseitigem an den Händen halten oder auch einer herzlichen Umarmung geschehen. Auf den respekt- und sogar liebevollen Umgang mit dem Nächsten wird dabei insbesondere Wert gelegt. Welche Bedeutung derartige Gesten für schwarze crentes, vor allem aber negras haben müssen, lässt sich nur vermuten.

Während sie im Alltag als Bürger dritter Klasse in jeglicher Hinsicht gemieden werden, wird im pentecostalen Umfeld nicht einmal der körperliche Kontakt zu ihnen gescheut, sondern sogar gesucht. Nur allzu oft erfahren schwarze Frauen in der kirchlichen Gemeinde zum ersten Mal in ihrem Leben Annahme und Geborgenheit, und das nicht selten durch Menschen, die in der brasilianischen Hierarchie eine wesentlich höhere Position einnehmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung in das Thema: Das Kapitel führt in die hohe Präsenz des Pentecostalismus in Brasilien ein und beleuchtet das spannungsgeladene Verhältnis zwischen schwarzen Identitätsbewegungen und der Pfingstkirche.

2. Die Problemsicht des movimento negro: Hier werden die ideologischen Bedenken und die Kritik des movimento negro dargelegt, die das Christentum als Instrument der Assimilation und Bedrohung schwarzer kultureller Wurzeln betrachten.

3. Die brasilianische Alltagswelt: Dieses Kapitel analysiert die tiefgreifenden sozialen Hierarchien Brasiliens, die insbesondere für schwarze Frauen (negras) zu massiven Benachteiligungen in Familie, Beruf, Partnerschaft und medialer Wahrnehmung führen.

4. Der „Mikrokosmos Pfingstkirche“: Dieses Hauptkapitel zeigt die Pfingstgemeinde als Gegenwelt auf, in der durch religiöse Praxis und soziale Inklusion ein alternatives, gleichberechtigteres Umfeld für schwarze Gläubige geschaffen wird.

5. Diskussion: Das Fazit stellt fest, dass sich Identitätssuche und pentecostaler Glaube nicht ausschließen und die Pfingstkirche als Forum zur Bewältigung von Alltagsrassismus fungieren kann.

Schlüsselwörter

Pentecostalismus, Brasilien, schwarze Identität, movimento negro, Rassismus, soziale Hierarchie, negra, crentes, Alltagserfahrungen, soziale Inklusion, religiöse Praxis, Diskriminierung, Identitätsbildung, Pfingstkirche, Marginalisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser ethnologischen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, warum sich ein signifikanter Teil der schwarzen brasilianischen Bevölkerung einer Religionsform zuwendet, die laut Vertretern der schwarzen Bürgerrechtsbewegung (movimento negro) im direkten Widerspruch zu einer „schwarzen Identität“ steht.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die soziokulturelle Stellung der schwarzen Frau (negra) in Brasilien sowie die kontrastierende Rolle der Pfingstgemeinden als soziale und spirituelle Schutzräume.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der politischen Rhetorik des movimento negro und den praktischen Bedürfnissen der schwarzen Bevölkerung zu ergründen und die Anziehungskraft pentecostaler Kirchen zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Der Autor nutzt eine kontrastierende Analyse, bei der die gesellschaftlichen Realerfahrungen schwarzer Brasilianer der religiösen Praxis innerhalb des „pentecostalen Mikrokosmos“ gegenübergestellt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Diskriminierung im brasilianischen Alltag (Familie, Arbeit, Partnerschaft) und die Untersuchung, wie die Pfingstkirche durch ein System der gegenseitigen Wertschätzung diese Ausgrenzungserfahrungen kompensiert.

Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pentecostalismus, schwarze Identität, soziale Marginalisierung, negra und Alltagsrassismus definiert.

Warum wird gerade der Status der „negra“ als besonders kritisch hervorgehoben?

Schwarze Frauen stehen laut Text an unterster Stelle der sozialen Hackordnung in Brasilien und sind multiplen Diskriminierungen durch Hautfarbe, Geschlecht und Armut ausgesetzt, was ihren Bedarf an alternativen sozialen Räumen wie der Kirche erklärt.

Inwieweit kann die Pfingstkirche laut Autor Rassismus entgegenwirken?

Obwohl die Pfingstkirche oft kritisiert wird, bietet sie ein Forum, in dem die soziale Hierarchie der Außenwelt (Hautfarbenkontinuum) zugunsten eines biblisch begründeten Gleichheitsideals aufgehoben wird, was den Einzelnen stärkt.

Wird die pentecostale Kirche als unproblematisch dargestellt?

Nein, der Autor betont ausdrücklich, dass der Text eine vereinfachte Darstellung wählt, um Zusammenhänge zu verdeutlichen, und weist darauf hin, dass auch innerhalb der Kirche Vorurteile existieren und das Ideal oft von der Realität abweicht.

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Details

Title
Schwarze Identität und pentecostaler Glaube - ein Widerspruch?
College
LMU Munich  (Institut für Ethnologie)
Grade
1,5
Author
Julian Opitz (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V58084
ISBN (eBook)
9783638523745
ISBN (Book)
9783638752428
Language
German
Tags
Schwarze Identität Glaube Widerspruch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julian Opitz (Author), 2003, Schwarze Identität und pentecostaler Glaube - ein Widerspruch? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58084
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