Integration und Integrationspolitik in der Bundesrepublik Deutschland


Hausarbeit, 2006

27 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Die Aktualität des Themas und die Herangehensweise der Arbeit

2. Begriffsklärungen und Definitionen
2.1. Definition des Migrationsbegriffes für diese Arbeit
2.2 . Definition von „Integration“
2.3. Der Begriff der „Identität“
2.3.1 .Die individuelle Identität
2.3.2. Kulturelle Identität

3. Einwanderung in die Bundesrepublik Deutschland
3.1 Die Integration der Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg
3.2 Die Phase der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte ( ca. 1995-1973 )
3.3 Anwerbestop und Konsolidierung der Ausländerbeschäftigung ( ca. 1973-1979 )
3.4 Die Forderung nach Integrationskonzepten (ca. 1979-1980 )
3.5 Wende in der Ausländerpolitik (ca. 1981-1990 )
3.6 Asyl- und Ausländerpolitik im Brennpunkt (ca.1991-1998 )
3.7 Auf dem Weg zum Zuwanderungsgesetz ( ca. 1998- 2004 )

4. Die aktuelle Situation 2006

5. Literaturverzeichnis

Immigration und Integrationspolitik in der Bundesrepublik Deutschland

1. Einleitung

Die Aktualität des Themas und Herangehensweise der Arbeit.

Der Umgang mit den Zuwanderern hat in den letzten 60 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) sehr unterschiedlichen Wiederhall in den Medien, in der Politik und bei der Bevölkerung gefunden.

Seit dem Anschlag auf das World Trade Center in New York und der Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh wird die Migrationsfrage zunehmend mit dem „Antiterrorkampf“ und dem „Antiislamismus“ (Kampf der Kulturen) vermischt und hat damit in der öffentlichen Diskussion zusätzliche Brisanz bekommen.

So ist es auch zu verstehen, dass der „Notstand an der Berliner Rütli – Schule“, ( Frankfurter Rundschau, 1.4.2006 S.2 ) einer Schule die mehrheitlich von Kindern aus Migrantenfamilien besucht wird, und an der Lehrer Ende März 2006 einen Hilferuf an den Senat sendeten, weil sie mit der Situation in ihrer Schule nicht mehr zurechtkamen, in der Politik, in den Medien und in breiten Bevölkerungskreisen eine so lebhafte Diskussion über Migration und Integration ausgelöst haben.

In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit der Entwicklung der Migration in der BRD und ihre Verarbeitung in Politik, Medien und der Bevölkerung befassen. Dazu werde ich zuerst definieren, wie die zentralen Begriffe „Migration“, (speziell „Zuwanderung“), „Integration“, „Assimilation“ und individuelle und kulturelle „Identität“ in dieser Arbeit verwendet werden. Danach werde ich darstellen, wie sich die Einwanderung nach Deutschland in verschiedenen Etappen seit den 50er Jahren bis heute entwickelt hat, welche politischen Konzepte dazu vertreten wurden und welche Politik dazu real gemacht wurde. Gleichzeitig werde ich den gesellschaftspolitischen Diskurs und teilweise die Reaktionen zu dieser Frage in breiten Bevölkerungsschichten nachzeichnen.

Zuletzt werde ich die Problemlage skizzieren, die aktuellen Ereignisse und die zur Zeit geführte Debatte in diese Geschichte einordnen und versuchen, Perspektiven anzusprechen.

Als wichtige Grundlage für diese Arbeit dient dabei das „Jahresgutachten 2004 des Sachverständigenrates für Zuwanderung und Integration“ der eine Fülle von Daten und Fakten aufbereitet und interpretiert hat. Einige Aussagen und Positionen werden aus mehreren Teilen des Gutachtens sinngemäß zusammengefasst und komprimiert wiedergegeben, ohne dass sie direkt zitiert oder einer bestimmten Stelle zugeordnet werden können.

2. Begriffsklärungen und Definitionen“

In der gesellschaftlichen Diskussion zum Thema Migration – sowohl im Alltag, im politischen Raum, aber auch in den Sozialwissenschaften - gibt es viele Missverständnisse, weil die verwendeten Begriffe oft nicht klar definiert und präzise verwendet werden. Dies ist insbesondere deshalb problematisch, da sich vielfach hinter den verwendeten Begriffen spezifische Annahmen (Theorien) und emotionale Besetzungen und Wertungen verbergen und gleiche Begriffe mit unterschiedlichem Verständnis benutzt werden. So soll am Anfang dieser Arbeit kurz präzisiert werden, welche Begriffe mit welchem Bedeutungsgehalt verwendet werden.

Es gibt – wie der Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration bemängelt hat – Schwierigkeiten mit der Datenlage , da die verschiedenen Kategorien von Ausländern: Migranten, Asylbewerber, Aussiedler, Saisonarbeiter usw. teilweise undifferenziert in den Statistiken enthalten sind und für wichtige Fragen teilweise überhaupt keine Daten vorhanden sind.

2.1. Definition des Migrationsbegriffes für diese Arbeit

Migration im allgemeinen Wortsinn ist „eine Form der „horizontalen Mobilität“, im weitesten Sinne jeder längerfristige Wohnortwechsel eines Menschen

( http://de.wikipedia.org; Migration Soziologie ). In der Einleitung zum Gutachten schreibt der Sachverständigenrat, dass von „Migranten“ gesprochen wird, „um allgemein Menschen zu bezeichnen, die kurz- oder längerfristig ihren Aufenthaltsort oder Lebensmittelpunkt über Grenzen hinaus in einen anderen Staat verlegen.“ ( Sachverständigengutachten S.10).

Für diese Arbeit interessieren nur die Wanderungsbewegungen (Einwanderungen und bedingt auch die Wegzüge von Ausländern) in die Bundesrepublik Deutschland, d.h. grenzüberschreitende Wohnsitzverlegungen von Individuen für unbegrenzte Dauer oder zumindest für einen längeren Zeitraum, also in dem Sinne wie das Gutachten „Migranten“ definiert. Es schließt gleichzeitig eingebürgerte deutsche Staatsangehörige und Aussiedler ein. Entscheidend dabei ist, wie viele Ausländische Zuwanderer im Saldo längerfristig in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt finden und wie das Zusammenleben mit der einheimischen Bevölkerung gestaltet wird.

2.2. Definition von „Integration“

Im Rahmen der Eingliederung von Einwanderern in eine neue Gesellschaft gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

1. Segregation: Die Immigranten kapseln sich von der neuen Gesellschaft ab, oder werden von den Einheimischen ausgeschlossen und bilden so einen abgeschlossenen Fremdkörper ( z.B. Ghetto, Parallelgesellschaft ) in der Gesellschaft.
2. Es findet ein Integrations- oder ein Assimilationsprozeß statt.

Die Begriffe „Integration“ und „Assimilation“ werden teilweise gleichbedeutend benutzt. So definiert der Brockhaus Integration im Soziologischen Sinn als „Prozeß der bewußtseinsmäßigen oder erzieherischen Eingliederung (...) oder ihre Anpassung an allgemein verbindliche Wert- und Handlungsmuster“.

Dagegen ist für EMIL KOBI Assimilation die „allgemeine Bezeichnung für ein Ähnlichwerden auf Grund eines Angleichungs- oder Anpassungsprozesses“. (Kobi, Emil: Was bedeutet Integration? In Eberwein, 1994, S.71 – 79).

Integration bedeutet im Unterschied dazu in der Soziologie „die Wiederherstellung eines Ganzen durch Prozesse, die das Verhalten und das Bewusstsein nachhaltig verändernZiel jeglicher Integration ist die Herausbildung neuer sozialer Strukturen und sozialer Ordnungen“. ( wikipedia Integration (Soziologie)) Auch nach SPECK handelt es sich dabei „nicht nur um eine reine Assimilation (völlige Anpassung) an ein bereits bestehendes „Ganzes“, sondern um die kombinatorische Schaffung eines neuen Ganzen unter Einbringung der Werte und Kultur der außen stehenden Gruppe in die neue Gesellschaft, bei Erhalt der eigenen „Identität““ ( Speck, 1991, S.294).

Da es für das Verständnis der politischen Konzepte zum Umgang mit Migration wichtig ist, zwischen Assimilation (als einseitige Anpassung der Migranten an die bestehende und Gast - Gesellschaft) und Integration (als Prozeß, in dem ein neues Ganzes entsteht) zu unterscheiden, werden im Folgenden die beiden Begriffe im Sinne von Kobi und Speck verwendet werden.

KARL-HEINZ MEIER-BRAUN beschreibt Integration „als wechselseitigen Prozeß zwischen Zuwanderern und Einheimischen mit dem Ziel, die Lebensverhältnisse beider Gruppen anzugleichen. Integration spielt sich in vier Dimensionen ab: strukturelle, kulturelle, soziale und identifikatorische Integration. (K.H. Meier-Braun, Deutschland, Einwanderungsland, 2002, S. 26).

Dabei bezieht sich strukturell u.a. auf das Qualifikationssystem und die Arbeitswelt, kulturell u.a. auf Wertvorstellungen und Sprachkompetenz, sozial u.a. auf Freundschaftsbeziehungen und Vereinmitgliedschaften und schließlich identifikatorisch auf das subjektive Gefühl der Zugehörigkeit. Dabei sind diese 4 Elemente nicht als aufeinanderfolgende Stufen zu verstehen, sondern als Teile eines Ganzen, die unterschiedlich ausgeprägt sein können.

2.3 Der Begriff der „Identität“

Eine Schlüsselrolle in der Unterscheidung zwischen Assimilation und Integration spielt der Begriff der „Identität“. Dieser Begriff steht in den Sozialwissenschaften für sehr unterschiedliche und komplexe Theorien, die sich mit der Frage befassen, was Identität ausmacht, wie sie entsteht und welche Folgen der Verlust von Identität oder von Teilen der Identität mit sich bringt. ( z.B. Erik H. Erikson in „Identität und Gesellschaft“; nach Lothar Krappmann wird Identität über Sprache vermittelt ).

In dieser Arbeit können nicht die unterschiedlichen psychologischen und kommunikationstheoretischen Identitäts - Theorien dargestellt werden, obwohl es sicher sehr interessant wäre, zu untersuchen, welchen Beitrag diese Theorien zur Erklärung und zur Bewältigung der Aufgaben leisten könnten, die Migranten bei der Anpassung an die Verhältnisse in ihrer neuen Heimat erbringen müssen.

In unserem Zusammenhang interessieren vor allem zwei Identitätsbegriffe: die individuelle (lebensgeschichtliche) Identität und die kulturelle Identität.

2.3.1. Die individuelle Identität

Wir wollen Identität als eine soziale Funktion des Ichs (Ich – Identität) in Anlehnung an den entwicklungspsychologischen Ansatz von E.H.ERIKSON verstehen. Es geht dabei um ein Gefühl des Sich – Selbst – Gleichseins, das subjektive Empfinden der eigenen Kontinuität und Eigenart, das ein Individuum trotz lebensgeschichtlicher Veränderungen als Resultat seiner verschiedenen sozialen Erfahrungen erwirbt.

In diesem Verständnis ist die kulturelle Identität ein Teilaspekt der individuellen Identität. G.H. MEAD hat dies folgendermaßen beschrieben: „Identität entwickelt sich; sie ist bei der Geburt anfänglich nicht vorhanden, entsteht aber innerhalb des gesellschaftlichen Erfahrungs- und Tätigkeitsprozesses, d.h. im jeweiligen Individuum als Ergebnis seiner Beziehungen zu diesem Prozeß als Ganzem und zu anderen Individuen innerhalb dieses Prozesses.“ (G.H.MEAD, Geist, Identität und Gesellschaft, 1998, S.177).

Hans-Peter Frey bezeichnet Identität als einen selbstreflektiven Prozeß des Individuums, indem es verschiedene Arten von Erfahrungen über sich selber verarbeitet. „I dentität entsteht aus situativer Erfahrung, welch übersituativ verarbeitet und generalisiert wird“ (Frey, Hans-Peter, Identität, 1987, S. 21)

2.3.2. Kulturelle Identität

Da jedes Individuum sich in einem (kulturellen) gesellschaftlichen Umfeld entwickelt, wäre auch die Sichtweise denkbar, dass jede individuelle Identität nur die spezifisch (lebensgeschichtliche) Ausprägung der jeweiligen kulturellen Identität darstellt. Hier stellt sich die Frage, was allgemein kulturelle Identität bestimmt und worin die kulturelle Identität der bundesrepublikanischen Gesellschaft besteht.

Vielfach werden kulturelle Identität und nationale Identität gleichgesetzt. Dies trifft zum Teil für die Staaten zu, bei denen der Nationalstaat mit einem in langer Geschichte gewachsenen relativ abgrenzbaren Kulturraum identisch ist. In anderen Fällen – z.B. bei den Kurden oder den Basken – fallen beide Identitäten auseinander, was oft zu erheblichen politischen und individuellen Problemen führen kann.

VERENA STOLKE hält Staatsangehörigkeit (nationality) und Staatsbürgerschaft (citizenship) für „austauschbare Begriffe, die für die nominelle und substanzielle Staatsangehörigkeit stehen, wobei diesein einem gemeinsamen „ethnisch-nationalen“ Identitätsgefühl gründet“ (Stolke, Verena in Kossek, Brigitte (Hrsg). Gegen-Rassismen, S. 74).

In der Bundesrepublik ist sowohl die kulturelle als auch die nationale Identitätsfrage problembeladen. Der deutsche Kulturraum ist größer als die Bundesrepublik, die zudem noch die Vereinigung mit der ehemaligen DDR zu verarbeiten hat. Die Grenzen Deutschlands haben sich in den letzten hundert Jahren mehrfach geändert. Die deutsche Geschichte ist belastet durch zwei von Deutschland begonnene (und verlorene) Weltkriege und durch das nationalsozialistische Terrorregime mit seiner Rassentheorie, Herrenmenschentum und dem Holocaust.

Wichtige Aspekte der nationalen Identitätsprobleme aus dieser unbewältigten Geschichte haben schon M. und A. MITSCHERLICH in ihrem Buch „Die Unfähigkeit zu trauern“ herausgearbeitet. Die Fragen nach dem Deutschtum, deutscher Nationalismus und rechtsnationale Einstellungsmuster sind politisch hochbrisante Themen. Diese unbewältigten Identitätsprobleme machen in der Bundesrepublik einen selbstbewussten Umgang mit den Migranten (dem Fremden) besonders schwierig.

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Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Integration und Integrationspolitik in der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie)
Veranstaltung
Ist die multikulturelle Gesellschaft gescheitert? -Zukunftsperspektiven der interkulturellen Erziehung.
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V58121
ISBN (eBook)
9783638524025
ISBN (Buch)
9783638665766
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integration, Integrationspolitik, Bundesrepublik, Deutschland, Gesellschaft, Erziehung
Arbeit zitieren
Isa Straub (Autor), 2006, Integration und Integrationspolitik in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58121

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