n der Ökologischen Psychologie steht die Interdependenz zwischen Mensch und Umwelt im Mittelpunkt. Diese Mensch-Umwelt- Beziehung birgt großes Potential für Konflikte: Oftmals steht den Interessen des Einzelnen ein Schaden, der vor allem die Umwelt und oftmals eine ganze Gemeinschaft trifft, gegenüber. Zahlreiche Umweltprobleme sind Folge einer Situation, in der viele Akteure gemeinsam über eine knappe Ressource verfügen. Unter diesen Umständen ist die Neigung gering, in deren Erhalt zu investieren, und die Neigung groß, sich mehr als "nötig" von der Ressource anzueignen. Die Beispiele reichen von der Überfischung der Weltmeere, der Abholzung der tropischen Regenwälder und der Ausrottung gefährdeter Arten bis hin zum Treibhauseffekt und der damit verbundenen Klimagefährdung. Die Wichtigkeit der Kenntnis ökologischen Handelns bzw. der Folgen nicht-ökologischen Verhaltens zeigt sich an einem eindrucksvollen Beispiel: In einer Umweltbefragung von Diekmann und Preisendörfer (1992) in den Städten Bern und München wurde u.a. das Energiesparverhalten erhoben. Als Indikator für den sparsamen Umgang mit Heizenergie galt die Zustimmung zu der folgenden Frage: "Wenn Sie im Winter Ihre Wohnung für mehr als vier Stunden verlassen, drehen Sie da normalerweise die Heizung ab oder herunter?" Nur 23 Prozent der befragten Schweizer, dagegen aber 69 Prozent der Münchnerinnen und Münchner bejahten die Frage. Sollte diese enorme Differenz ein Zufall sein?
Sind die Bernerinnen und Berner vielleicht weniger umweltbewusst als die Bewohner der bayerischen Metropole? Dies ist nicht der Fall, denn beim Umweltbewusstsein erzielen die Berner keine geringeren Werte als die Münchner. Welche Determinanten bestimmen das Verhalten der Berner Bevölkerung bzw. das Umweltverhalten der Menschen überhaupt? Kann man Umweltverhalten produktiv/ kontraproduktiv beeinflussen? Wann verhalten wir uns kooperativ mit unseren Mitmenschen, unserer Umwelt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziale Dilemmata
3. Ökologisch- Soziale Dilemmata
4. Das Handeln in ökologisch- sozialen Dilemmata aus handlungstheoretischer Sicht
5. Das Handeln in ökologisch-sozialen Dilemmata aus Spieltheoretischer Sicht
6. Kommunikation und Kooperation als Einflussfaktoren auf umweltschonendes Verhalten in ökologisch- sozialen Dilemmata
6.1 Ein Experiment
6.2 Der Einfluss von Kommunikation im ökologisch- sozialen Dilemma
6.2.1 Kommunikation - Eine Begriffsbestimmung
6.2.2 Der Kommunikationseffekt auf Entscheidungsebene
6.2.2.1 Informationsvermittlung
6.2.2.2 Die Vermittlung sozialer Normen
6.2.2.3 Vertrauensbildung
6.2.2.4 Gruppenidentität
6.2.3 Der Kommunikationseffekt auf der Lösungsebene
6.2.3.1 Erwerb von lösungsrelevantem Wissen
6.2.3.2 Gefühl der Selbstwirksamkeit
6.2.3.3 Appell-Funktion
6.2.3.4 Vergeltungs- und Vorbildfunktion
6.3 Der Einfluss von Kooperation im ökologisch-sozialen Dilemma
6.3.1 Kooperation aufgrund sozialer Normen
6.3.2 Kooperation aufgrund äußerer Anreize und Sanktionen
6.3.3 Kooperation aufgrund von Vertrauen
6.3.4 Kooperation aufgrund von Attributionen
6.3.5 Gewissen und Soziale Orientierungen als Kooperationsursache
7. Zusammenfassung und Ergebnis
7.1 Die Ergebnisse aus handlungstheoretischer Sicht
7.2 Die Ergebnisse aus spieltheoretischer Sicht
8. Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Kommunikation und Kooperation das individuelle Verhalten in ökologisch-sozialen Dilemmata beeinflussen und welche psychologischen Mechanismen dazu führen, dass Menschen trotz eigennütziger Anreize im Sinne der Gemeinschaft handeln. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie umweltschonendes Problemlösungs-Verhalten durch spezifische soziale Faktoren gefördert werden kann.
- Strukturen von ökologisch-sozialen Dilemmata und Allmendeklemmen
- Handlungstheoretische und spieltheoretische Analyse des Entscheidungsverhaltens
- Die Rolle von Kommunikation als Informationsquelle und Vertrauensbildner
- Einfluss von sozialen Normen, Sanktionen und Gruppenidentität
- Strategien zur Förderung kooperativen Verhaltens in Konfliktsituationen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In der Ökologischen Psychologie steht die Interdependenz zwischen Mensch und Umwelt im Mittelpunkt. Diese Mensch-Umwelt Beziehung birgt großes Potential für Konflikte: Oftmals steht den Interessen des Einzelnen ein Schaden, der vor allem die Umwelt und oftmals eine ganze Gemeinschaft trifft, gegenüber. Zahlreiche Umweltprobleme sind Folge einer Situation, in der viele Akteure gemeinsam über eine knappe Ressource verfügen. Unter diesen Umständen ist die Neigung gering, in deren Erhalt zu investieren, und die Neigung groß, sich mehr als "nötig" von der Ressource anzueignen.
Die Beispiele reichen von der Überfischung der Weltmeere, der Abholzung der tropischen Regenwälder und der Ausrottung gefährdeter Arten bis hin zum Treibhauseffekt und der damit verbundenen Klimagefährdung. Die Wichtigkeit der Kenntnis ökologischen Handelns bzw. der Folgen nicht-ökologischen Verhaltens zeigt sich an einem eindrucksvollen Beispiel: In einer Umweltbefragung von Diekmann und Preisendörfer (1992) in den Städten Bern und München wurde u.a. das Energiesparverhalten erhoben. Als Indikator für den sparsamen Umgang mit Heizenergie galt die Zustimmung zu der folgenden Frage: "Wenn Sie im Winter Ihre Wohnung für mehr als vier Stunden verlassen, drehen Sie da normalerweise die Heizung ab oder herunter?" Nur 23 Prozent der befragten Schweizer, dagegen aber 69 Prozent der Münchnerinnen und Münchner bejahten die Frage. Sollte diese enorme Differenz ein Zufall sein?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Mensch-Umwelt-Interdependenz und Darstellung ökologisch-sozialer Dilemmata anhand von Beispielen.
2. Soziale Dilemmata: Definition und Differenzierung von sozialen Dilemmata sowie Erläuterung der Diskrepanz zwischen Eigen- und Kollektivinteresse.
3. Ökologisch- Soziale Dilemmata: Beschreibung der Sonderform ökologisch-sozialer Dilemmata mit Fokus auf zeitliche und räumliche Fallen.
4. Das Handeln in ökologisch- sozialen Dilemmata aus handlungstheoretischer Sicht: Analyse der Entscheidungsfindung basierend auf ökonomischem Wissen, sozialem Wissen und Motiven.
5. Das Handeln in ökologisch-sozialen Dilemmata aus Spieltheoretischer Sicht: Untersuchung des rationalen Entscheidungsverhaltens mittels Auszahlungsmatrizen und spieltheoretischen Konzepten.
6. Kommunikation und Kooperation als Einflussfaktoren auf umweltschonendes Verhalten in ökologisch- sozialen Dilemmata: Detaillierte Betrachtung der Wirkmechanismen von Kommunikation und Kooperation zur Förderung kooperativer Strategien.
7. Zusammenfassung und Ergebnis: Synthese der Erkenntnisse über die wechselseitige Bedingtheit von Kommunikationsfunktionen und Einflussfaktoren auf Kooperation.
8. Diskussion und Fazit: Kritische Reflexion der experimentellen Ergebnisse und Erörterung struktureller Lösungsansätze für reale Umweltprobleme.
Schlüsselwörter
Ökologisch-soziale Dilemmata, Allmendeklemme, Kooperation, Kommunikation, Umweltverhalten, Spieltheorie, Gruppennormen, Vertrauensbildung, Gruppenidentität, Ressourcennutzung, Sanktionen, Selbstwirksamkeit, Attributionen, Soziale Orientierung, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die psychologischen und spieltheoretischen Grundlagen des kooperativen Verhaltens in Dilemma-Situationen, in denen das individuelle Interesse mit dem Erhalt gemeinsamer Ressourcen kollidiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Handeln in Allmendeklemmen, der Einfluss von Kommunikation und Kooperation sowie die Rolle von sozialen Normen und Wissen bei der Entscheidungsfindung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch Kommunikation und soziale Interaktion der Übergang von einem eigennützigen, ressourcenzerstörenden Verhalten zu einem nachhaltigen, kooperativen Handeln gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse psychologischer Fachliteratur sowie der Auswertung von Experimenten (z.B. von Jorgenson und Papciak) zur Entscheidungsfindung in simulierten Allmendesituationen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine handlungstheoretische und spieltheoretische Perspektive sowie eine detaillierte Analyse, wie Kommunikation Funktionen wie Vertrauensbildung und Normenvermittlung erfüllt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen die "Tragik der Allmende", soziale Falle, Kommunikationseffekte, Gruppenkohäsion und die spieltheoretische Auszahlungsmatrix.
Wie unterscheidet sich die handlungstheoretische von der spieltheoretischen Sichtweise?
Die handlungstheoretische Sicht fokussiert auf Wissenskomponenten und Motive des Einzelnen, während die spieltheoretische Sicht mathematisch formalisiert, wie Individuen bei strategischer Interaktion ihren Nutzen unter Unsicherheit optimieren.
Warum reicht individuelle Kommunikation nicht immer als Lösung aus?
Wie im Fazit dargelegt, sind viele reale Probleme "Massendilemmata", in denen eine direkte Kommunikation unter allen Beteiligten technisch unmöglich oder aufgrund strategischer Täuschung (fehlendes Vertrauen) ineffektiv ist.
- Quote paper
- Kristin Parnitzke (Author), 2006, Über die Bedeutung von Kommunikation und Kooperation in Ökologisch-Sozialen Dilemmata, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58189