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Die Verführung der Erinyen

Eine Untersuchung der Eumeniden des Aischylos und ihrem mythologischen Ursprung

Title: Die Verführung der Erinyen

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 46 Pages

Autor:in: Marijke Lichte (Author)

German Studies - Miscellaneous
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Dieser Untersuchung liegt im Wesentlichen die antike Tragödie Die Eumeniden des griechischen Dichters Aischylos zugrunde. Hierbei liegt das Hauptaugenmerk auf der Verwandlung der mythologischen Rachegöttinnen, der Erinyen, in die freundlichen und wohlwollenden Eumeniden. Diese Verwandlung ist auch in soziologischer Hinsicht interessant, denn Aischylos’ Werk deutet die gesellschaftspolitische und kulturelle Entwicklung des Landes an, den Wandel vom Kultischen bis zu ersten demokratischen Ansätzen und insbesondere die Stellung der Hauptstadt Athens in eben dieser Entwicklung. Daher wird hier am Beispiel der Erinyen ein Gesamtzusammenhang hergestellt, angefangen bei ihrem mythologischen Ursprung, bis hin zu ihrem Eingang in das Heilsgefüge der athenischen Polis.
Im ersten Abschnitt wird die entstehungsgeschichtliche Rolle der Erinyen im Rahmen der mythologischen „Genesis“ und besonders unter dem Gesichtspunkt der von Zeus konzipierten „neuen Weltordnung“ anhand Hesiods Theogonie dargestellt. Diese Weltordnung soll die Überleitung zum „Hier und Jetzt“ der Rachegöttinnen, zum Zeitpunkt der Niederschrift der Tragödie herstellen. Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit den objektiven Merkmalen, dem äußeren Erscheinungsbild und den Assoziationen, die mit den Erinyen verknüpft sind. Dies geschieht zum besseren Verständnisses ihres gesellschaftlichen Images, welches die Grundlage der im vierten Abschnitt behandelten Notwendigkeit ihrer Verwandlung darstellt. Dort ist ein wichtiger Untersuchungspunkt, wer im Zuge der Gerichtsverhandlung um Orestes die Gewinner und wer die Verlierer sind und ob im Verlauf dieser Verhandlung tatsächlich eine Verwandlung, eine Überzeugung oder vielmehr eine Verführung der Erinyen stattfindet.
Anders als Aischylos haben sich dessen Nachfolger Sophokles und Euripides der Blutschuld des Orestes literarisch angenommen. Welche Rolle bei ihnen die Erinyen spielen, steht im Mittelpunkt des vierten Abschnitts, welcher wiederum dazu gedacht, die Beweggründe Aischylos’ herzuleiten und seine Tragödie in einem Lobgesang auf seine Vaterstadt Athen gipfeln zu lassen, denen sich der letzte Punkt der Betrachtung widmen wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Platz der Erinyen in der mythologischen Weltordnung

2. Die Aufgabe der Erinyen

3. Die objektiven und assoziativen Merkmale der Erinyen

4. Die Verführung der Erinyen

5. Vergleich der Erinyen bei Euripides und Sophokles

6. Aischylos’ Loblied auf Athen

Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Aischylos’ Tragödie "Die Eumeniden" mit dem Ziel, die Verwandlung der rächenden Erinyen in die wohlwollenden Eumeniden im Kontext der gesellschaftspolitischen Entwicklung des antiken Athens zu analysieren.

  • Mythologische Ursprünge und Einordnung der Erinyen.
  • Die Funktion der Rachegöttinnen und ihre Merkmale.
  • Prozess der Transformation: Überzeugung vs. Verführung.
  • Vergleich der Darstellung bei Aischylos, Sophokles und Euripides.
  • Bedeutung der Etablierung staatlicher Rechtsprechung in Athen.

Auszug aus dem Buch

3. Die objektiven und assoziativen Merkmale der Erinyen

Entsprechend ihrer schaudervollen Aufgabe haben die Erinyen auch ein unheimliches Aussehen, was das Sprichwort „schön wie ein junger Gott” Lügen strafen dürfte. Aber schließlich sind sie ja auch keine „himmlischen” Göttinnen, vielmehr ist es der Tartaros, der tiefste unterirdische Bezirk, den sie gemeinsam mit Ungeheuern und anderen Schreckensgestalten bewohnen. Aischylos hat sie der Tradition entsprechend als Hatzhunde und drachenähnliche Gestalten zugleich betrachtet. Schon ihre erste Erwähnung in den Eumeniden macht deutlich, wie sie äußerlich beschaffen sind: Im Prologos tritt die Priesterin auf, betritt nach kurzem Gebet den delphischen Tempel Apollons und kehrt sogleich verstört zurück. So werden wir in den furchtbar angekündigten Raum geführt:

Die Delphische Priesterin: (A.Eum.;V. 34ff.)

(Im Begriff einzutreten, schaudert sie zurück)

Ein Grauen für die Rede, Grauen für den Blick

Treibt aus des Gottes Heiligtum mich wieder aus.

Mich aufrecht noch zu halten, schwindet mir die Kraft.

Die Hände, nicht die raschen Füße tasten vor.

Entsetzte Greisin ist ein Nichts, dem Kind gleich.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Thema der Verwandlung der Erinyen und deren soziologische Bedeutung innerhalb der antiken Tragödie.

1. Der Platz der Erinyen in der mythologischen Weltordnung: Analyse des mythologischen Ursprungs der Erinyen anhand von Hesiods Theogonie und ihrer Rolle in der Weltordnung des Zeus.

2. Die Aufgabe der Erinyen: Untersuchung der spezifischen Rachefunktion der Erinyen bei Blutschuld und familiären Vergehen.

3. Die objektiven und assoziativen Merkmale der Erinyen: Beschreibung des Erscheinungsbildes und der drachen- bzw. hundeartigen Charakteristika dieser Mächte.

4. Die Verführung der Erinyen: Analyse der Transformation der Erinyen im Gerichtsverfahren um Orestes und die Rolle der Athene.

5. Vergleich der Erinyen bei Euripides und Sophokles: Gegenüberstellung der literarischen Bearbeitungen des Stoffs durch die verschiedenen griechischen Dichter.

6. Aischylos’ Loblied auf Athen: Erörterung der politischen Dimension der Tragödie als Bestätigung des athenischen Rechtssystems und der Demokratie.

Schlussbemerkung: Resümee über die Transformation der Erinyen als Gewinn für das menschliche Selbstverständnis und die Emanzipation.

Schlüsselwörter

Erinyen, Eumeniden, Aischylos, Orestie, antike Tragödie, Mythologie, Blutrache, Athen, Areopag, Verwandlung, Rechtsprechung, Hesiod, Sophokles, Euripides, Weltordnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Transformation der Erinyen in Aischylos' "Die Eumeniden" und deren gesellschaftspolitische Bedeutung im antiken Athen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen den mythologischen Ursprung der Erinyen, die Entwicklung staatlicher Rechtsnormen und den Vergleich literarischer Umsetzungen bei Aischylos, Sophokles und Euripides.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, den Gesamtzusammenhang zwischen mythologischem Ursprung der Erinyen und ihrem Eingang in das Heilsgefüge der athenischen Polis als gesellschaftspolitischen Wandel darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die antike Texte und Mythen interpretiert und in einen kulturhistorischen Kontext einbettet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der mythologischen Weltordnung, den Aufgaben und dem Äußeren der Erinyen, dem Transformationsprozess im Orestes-Prozess sowie Vergleichen zu anderen Dichtern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Erinyen, Eumeniden, Aischylos, Blutrache, Athen und gesellschaftspolitische Entwicklung charakterisiert.

Findet im Orestes-Prozess eine echte Wandlung statt?

Die Autorin argumentiert, dass es sich eher um eine Verführung oder ein "Bestochen-Werden" durch Athene handelt, anstatt um eine echte inhaltliche Transformation.

Warum spielt die Stadt Athen eine so zentrale Rolle?

Athen repräsentiert den Wandel zur neuen Ordnung, in der Blutrache durch eine staatliche, menschliche Rechtsprechung ersetzt wird, was Aischylos als Loblied auf seine Heimat inszeniert.

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Details

Title
Die Verführung der Erinyen
Subtitle
Eine Untersuchung der Eumeniden des Aischylos und ihrem mythologischen Ursprung
College
University of Hannover  (Seminar für deutsche Literatur und Sprache)
Course
Verführungs-Künste
Author
Marijke Lichte (Author)
Publication Year
2002
Pages
46
Catalog Number
V58192
ISBN (eBook)
9783638524568
ISBN (Book)
9783638739788
Language
German
Tags
Verführung Erinyen Verführungs-Künste
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marijke Lichte (Author), 2002, Die Verführung der Erinyen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58192
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