Ovid wurde 8 n.Chr. von Kaiser Augustus durch ein kaiserliches Edikt nach Tomis am Schwarzen Meer verbannt. Während seines neunjährigen Exils veröffentlichte er neun Bücher mit knapp 100 Elegien, darunter die Epistulae ex Ponto in vier Büchern. Thema der Epistulae ex Ponto sind die schlechten Lebensverhältnisse in Tomis, die Schilderung der durch das Exil bedingten physischen und psychischen Leiden, der Appell an die Solidarität Verwandter und Freunde in Rom und schließlich Bitten an Augustus um eine Rückkehr beziehungsweise Milderung der Strafe durch die Erlaubnis zu einem Wechsel des Verbannungsortes.
Die Arbeit umfasst einen Überblick über die Forschung zu Ovids Verbannungsgedichten, eine Charakterisierung der Epistulae ex Ponto, eine Analyse der Gesamtstruktur des Gedichts sowie eine solche der Tropen, des Versbaus, der mythologischen Exempla und Kataloge sowie schließlich der Einstellung Ovids zum Verbannungsurteil und zu Augustus selbst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Die Exilliteratur Ovids
1.2 Die Forschung zu den Verbannungsgedichten Ovids
1.3 Die Epistuale ex Ponto
1.4 Der Adressat des Briefes
2. Inhalt und Gliederung
2.1 Allgemeine Verpflichtungen von Königen gegenüber Bittstellern
2.1.1 Die Einleitung
2.1.2 Bitte um Asyl
2.1.3 Hilfeleistung als königliche Pflicht
2.1.4 Katalog I: Gottentsprossene Helfer
2.1.5 Katalog II: Gnädige Götter
2.2 Persönlicher Appell an Cotys
2.2.1 Katalog III: Grausame Tyrannen
2.2.2 Lobpreis auf die Dichtkunst des Cotys
2.2.3 Ovids Rechtfertigung
2.2.4 Der Schluss
3. Stil und Gattung
4. Der Versbau
5. Die Verwendung der Mythologie
5.1 Mythologischer Stoff in Ovids Exilpoesie
5.2 Die Rolle der Mythologie im Brief an Cotys
6. Der Einsatz von Katalogen
6.1 Kataloge in den Tristien und Epistulae ex Ponto
6.2 Die Kataloge in Brief 2,9
7. Ovids Einstellung zum Verbannungsurteil und sein Verhältnis zu Augustus
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den neunten Brief des zweiten Buches der Epistulae ex Ponto von Ovid mit dem Ziel, ein planvolles, künstlerisch anspruchsvolles Vorgehen des Dichters nachzuweisen, das weit über den bloßen Ausdruck persönlicher Verzweiflung hinausgeht.
- Strukturelle und inhaltliche Analyse des Briefes an den Thrakerkönig Cotys.
- Untersuchung von Stilmitteln, Versbau und rhetorischen Strategien des Dichters.
- Analyse der Funktion von Mythen und Katalogen zur Überzeugung des Adressaten.
- Darstellung der ambivalenten Haltung Ovids gegenüber dem Kaiser Augustus.
- Einordnung des Werkes als Mittel zur Selbstbehauptung im Exil.
Auszug aus dem Buch
2.1.4. Katalog I : Gottentsprossene Helfer
In diesem ersten von drei aufeinanderfolgenden Katalogen in den Versen 15 bis 22 versucht Ovid, Cotys einerseits von den Vorteilen zu überzeugen, die Hilfeleistung mit sich bringt, und stellt ihm andererseits die Verpflichtung zur Hilfe vor Augen, die aus der Tradition des Geschlechtes der Eumolpiden entspringt.
Denn Ovid behauptet Cotys gegenüber, dass Macht aus keinem anderen Grund mehr angesehen werde, als wenn der Machtinhaber dem Hilfegesuch Bittender nachkommt. Der Ruhm der Eumolpiden, die sich direkt von den Göttern herleiteten (a superis, Vers 18 ), würde dies verlangen. Schon Eumolpus, der Linienbegründer, habe Erichthonius dazu geraten.
Mit dem abschließenden Distichon stellt Ovid die von Cotys erbetene Hilfe als schon gewährt hin, indem er sagt, dass Cotys dem Gott gleich komme, da beide es gewohnt seien, auf Bitten hin zu helfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Exilliteratur Ovids, die Forschungsgeschichte und die Besonderheiten der Epistulae ex Ponto sowie den Adressaten des Briefes.
2. Inhalt und Gliederung: Detaillierte Analyse des Briefaufbaus, der in zwei Hauptteile gegliedert ist, welche die Verpflichtungen von Königen und den persönlichen Appell an Cotys behandeln.
3. Stil und Gattung: Untersuchung der poetischen Form des Briefes, der als Verbindung von subjektiver Elegie und poetischem Brief gestaltet ist.
4. Der Versbau: Analyse der bewussten Abweichungen vom regulären Versmaß zur Steigerung der gedanklichen Intensität und Pointierung.
5. Die Verwendung der Mythologie: Betrachtung der mythologischen Stoffe, die Ovid zur Bewältigung seiner Situation und als rhetorische Beweismittel einsetzt.
6. Der Einsatz von Katalogen: Untersuchung der drei im Brief verwendeten Kataloge, deren Funktion in der Überzeugung des Adressaten liegt.
7. Ovids Einstellung zum Verbannungsurteil und sein Verhältnis zu Augustus: Diskussion der ambivalenten Haltung Ovids, der sich zwar dem Urteil fügt, aber unterschwellig Kritik am Princeps äußert.
8. Fazit: Zusammenfassende Feststellung, dass das Werk ein planvolles, künstlerisches Mittel zur Selbstbehauptung darstellt.
Schlüsselwörter
Ovid, Epistulae ex Ponto, Exilliteratur, Cotys, Verbannung, Augustus, Kataloge, Mythologie, Elegie, Rhetorik, Stilmittel, Versbau, Selbstbehauptung, Exilpoesie, antike Dichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine tiefgehende Interpretation des neunten Briefes aus dem zweiten Buch der Epistulae ex Ponto von Ovid.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die künstlerische Gestaltung des Briefes, die Verwendung von Mythen und Katalogen sowie Ovids Umgang mit seiner Exilsituation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Ovid in seinen Exilgedichten planvoll und kompositorisch bewusst arbeitet, statt nur seine Verzweiflung niederzuschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textinterpretation, die stilistische, metrische und inhaltliche Analysen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Aufbau des Briefes, den Einsatz von Katalogen, die mythologischen Referenzen sowie Ovids Einstellung gegenüber Augustus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Ovid, Exilliteratur, Epistulae ex Ponto, Rhetorik, Mythologie und Selbstbehauptung.
Welche Rolle spielt der Adressat Cotys?
Cotys ist ein Klientelkönig, an den Ovid appelliert, um Asyl zu erhalten; er dient dem Dichter als Zielscheibe für rhetorische Überzeugungsarbeit.
Wie bewertet Ovid seine eigene Schuld?
Ovid gibt zwar einen "error" (Irrtum) zu, lehnt aber den Vorwurf schwerer Verbrechen ab und sieht Augustus als mäßigen Richter.
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- Ines Bauermeister (Author), 2000, Ovid ex Ponto 2,9 - eine Interpretation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58217