Die Rolle der öffentlichen Meinung im Krieg am Beispiel des Dritten Golfkrieges


Referat (Ausarbeitung), 2004

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Der Vietnamkrieg und der zweite Golfkrieg

2. Der dritte Golfkrieg
2.1. Informationspolitik und Propagandaapparat der Bush-Administration
2.2. Die öffentliche Meinung während der Operation ‚Iraqi Freedom’

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Frühjahr dieses Jahres starteten die USA eine beispiellose Militäroffensive gegen den Irak. Obwohl dem von langer Hand geplanten Krieg ein Mandat des UNO-Sicherheitsrates fehlte und er gegen geltendes Völkerrecht verstieß, stand der größte Teil des amerikanischen Volkes geschlossen hinter der Bush-Administration und den Soldaten im Irak.

Die folgende Arbeit soll darlegen, inwiefern die öffentliche Meinung in einer Kriegsituation beeinflusst werden kann. Es sollen hier vor allem die US-amerikanische Informations- und Propagandapolitik sowie die Rolle der US-Medien und deren Auswirkungen auf die öffentliche Meinung aufgezeigt werden.

Um die Auswirkungen des dritten Golfkrieges besser verstehen zu können, werden im ersten Teil dieser Arbeit vergangene militärische Konflikte der USA in Bezug auf Informationspolitik und die Rolle der Medien dargelegt. Dabei werden vor allem der Vietnamkrieg sowie der zweite Golfkrieg in den Mittelpunkt der Betrachtungen rücken.

Im zweiten Teil sollen jene Aspekte hinsichtlich des dritten Golfkriegs betrachtet werden. Dabei soll analysiert werden, aus welchen Gründen die Öffentlichkeit während des Krieges in großem Maße hinter ihrem Präsidenten gestanden hat. In diesem Zusammenhang soll aufgezeigt werden, inwiefern die Regierung George W. Bush Jr. mit den Medien umgeht und diese in geschickter Weise für sich nutzt.

Die Kriegsberichterstattung betreffend hat der dritte Golfkrieg sicherlich eine vollkommen neue Dimension erreicht. Viele Journalisten warfen das eigentliche Berufsethos, investigative und kritische Arbeit, fast vollkommen über Bord. Dieser Problematik soll in der vorliegenden Arbeit ebenfalls nachgegangen werden, da insbesondere die Art der Kriegsberichterstattung ein Hauptausschlag gebender Faktor für die Bildung einer öffentlichen Meinung darstellt.

1. Der Vietnamkrieg und der zweite Golfkrieg

Um die US-amerikanische Zensur- und Informationspolitik und dessen Auswirkungen auf die öffentliche Meinung besser nachvollziehen zu können ist es ratsam das Vorgehen der USA während vergangener militärischer Konflikte und dessen Effekte auf die öffentliche Meinung kurz zu betrachten. Diesbezüglich sollen in diesem Abschnitt vor allem der Vietnamkrieg sowie der zweite Golfkrieg in den Mittelpunkt der Ausführungen rücken.

Im Vietnamkrieg erlebten die amerikanischen Soldaten auf zahlreichen Schlachtfeldern zum Teil bittere Niederlagen und mussten wesentlich größere Verluste in Kauf nehmen, als dies zuvor befürchtet worden war.

Im Kriegsgebiet waren viele freie Journalisten vor Ort, die die Geschehnisse unverschleiert in die Heimat übertrugen. So wurden mitunter brisante Einzelheiten über die amerikanische Kriegsführung bekannt: Zahlreiche Übergriffe gegen die vietnamesische Zivilbevölkerung sowie Gräueltaten wie etwa das Massaker von My Lai traten an die Öffentlichkeit und lösten weltweit Entrüstung und Entsetzen aus. Auch die so genannten Pentagon Papers, Geheimdokumente des amerikanischen Verteidigungsministeriums zur Vorgeschichte des US-Engagements in Vietnam, die 1971 unter anderem in der New York Times veröffentlicht worden waren, trugen maßgeblich zur Diskreditierung der US-Regierung bei.[1]

Diese Art der Kriegsberichterstattung hatte zur Folge, dass sich große Teile der US-Bevölkerung gegen den Krieg wandten. So formierte sich Ende der 60er Jahre ein breiter Protest sowie zahlreiche Friedensbewegungen, die nicht nur in den USA, sondern weltweit aktiv waren.

Es zeigte, sich, dass die Art der Kriegsberichterstattung eine große Wirkung auf die Bildung einer öffentlichen Meinung hatte,[2] und weiterhin, dass letztere einen großen Einfluss auf das Handeln der Regierung ausübte; schließlich zogen sich die US-Truppen sicherlich ebenfalls aufgrund der breiten Ablehnung der heimischen Bevölkerung aus dem Vietnam zurück.

Im zweiten Golfkrieg im Jahre 1991 war die Rolle der Medien eine vollkommen andere. Die US-Administration um Präsident George W. Bush Sr. wollte mit allen Mitteln verhindern, dass sich die öffentliche Meinung in ähnlicher Weise ändern würde wie dies im Verlauf des Vietnamkriegs geschah. Daher wurden im zweiten Golfkrieg Medien-Pools gebildet, worin man Journalisten in Gruppen zusammenfasste, die von Militärs angeführt wurden. So bestand für die Reporter keinerlei direkter Zugang zum Kampfgeschehen: „Der Informationsfluss wurde allein durch die Pressekonferenzen der Krieg führenden Parteien gesteuert, die von den US-Militärs dazu gelieferten Bilder hatten die Anmutung von Computersimulationen.“[3] So bekam der Zuschauer am heimischen Fernsehschirm einen chirurgischen Krieg zu sehen, der suggerieren sollte, dass es so gut wie keine zivilen Opfer gebe; nachweisbar war dies aufgrund des Pool-Systems freilich nicht.

Im Gegensatz zum dritten Golfkrieg, der im nächsten Kapitel näher betrachtet werden soll, brauchte sich die Regierung um George W. Bush Sr. und Verteidigungsminister Richard Cheney um eine breite Diskussion um die Frage der Legitimität der Intervention kaum Sorgen machen: „Im Vorfeld der Kampfhandlungen war die Legitimität einer Militäraktion gegen Saddam Hussein nie ernsthaft umstritten. Der Irak hatte im August unter völlig fadenscheinigen Begründungen Kuweit überfallen und annektiert. Der klassische Fall einer Aggression.“[4] Jedoch gab es ebenfalls zahlreiche andere Krisenherde auf der Welt, bei denen eine Militärintervention notwendig gewesen war: Die syrische Einmischung im Libanon, die türkische Okkupation Nordzyperns und der indonesische Einmarsch in Ost-Timor stellten nur einige Beispiele dar.[5]

Um die öffentliche Meinung in den USA vollends auf Regierungskurs zu bringen, lief eine riesige Propagandawelle an, für die die Regierung die renommierte Werbe- und PR-Agentur Hill & Knowlton beauftragte. Einer der zahlreichen Kampagnen vor Beginn des Krieges bestand darin, ein 15-jähriges Mädchen namens ‚Nayirah’ vor dem Ausschuss des amerikanischen Parlaments Auskunft über angebliche Gräueltaten des Hussein-Regimes geben zu lassen. Erst nach dem Krieg sollte sich zeigen, dass das junge Mädchen tatsächlich die Tochter des kuweitischen Botschafters in Washington war und sich ihre Geschichte als frei Erfunden herausstellte.

[...]


[1] Vgl.: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB48/

[2] Vgl.: Schudson, Michael: Discovering the News – A Social History of American Newspapers. New York. 1978, S. 161ff.

[3] Szukala, Andrea: „Medien und öffentliche Meinung im Irakkrieg“. Aus Politik und Zeitgeschichte 24-25. 2003, S. 26.

[4] Herold Frank: „Der vergessene Krieg“. Berliner Zeitung, 20.Januar 2001, S. 18.

[5] Vgl.: Ebd., S. 18.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der öffentlichen Meinung im Krieg am Beispiel des Dritten Golfkrieges
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
12
Katalognummer
V58233
ISBN (eBook)
9783638524872
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Meinung, Krieg, Beispiel, Dritten, Golfkrieges
Arbeit zitieren
Marco Müller (Autor), 2004, Die Rolle der öffentlichen Meinung im Krieg am Beispiel des Dritten Golfkrieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58233

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