Annette von Droste-Hülshoff: "Die Judenbuche" - Das Personal


Hausarbeit, 1994

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

I.) DAS FAMILIÄRE UMFELD FRIEDRICH MERGELS
1.) Hermann Mergel
2.) Margret Mergel
3.) Simon Semmler
4.) Johannes Niemand

II.) FRIEDRICH MERGEL

III.) RANDFIGUREN
1.) Der Gutsherr
2.) Die Juden
3.) Wilm Hülsmeyer und Brandis

I.) DAS FAMILIÄRE UMFELD FRIEDRICH MERGELS

1.) Hermann Mergel

Der Vater der eigentlichen Hauptperson der Novelle wird als anfangs "ordentlicher Säufer" (J S.6/8) eingeführt (d.h. nur an Sonn- und Festtagen). Alkohol und Gewalttätigkeit stehen bei ihm jedoch in engem Zusammenhang, was dazu führt, daß ihm seine erste Frau sofort davonläuft, da er sie bereits in der Hochzeitsnacht mißhandelt. Danach gibt er auch die letzte Selbstdisziplin, die er sich bisher auferlegt hat, auf und wird von da an "den gänzlich verkommenen Subjekten zugezählt" (J S.6/29). Nachdem er eine zweite Ehe eingegangen ist (dazu unter 2), stirbt er nach zehn Ehejahren den mysteriösen Tod im Brederholz: als herumgeisternder Wiedergänger (nach den Volksglauben ohne Buße und Absolution Verstorbene mit einem 'schlechten' oder vorzeitigen Tod[1]) wird er zum Gespenst des Brederholzes und stellt so als "Erbfluch des Geschlechts" (Emil Staiger[2]) eine belastende Hypothek für den Sohn dar.

2.) Margret Mergel (geborene Semmler)

Friedrich Mergels Mutter war "in ihrer Jugend eine Dorfschönheit". Charakterlich wird sie als "brave, anständige Person", als "klug und wirtlich" (J S.7/2-4) vorgestellt.

Trotz ihrer Frömmigkeit vertritt Margret das gestörte Rechtsempfinden der Dorfgemeinschaft. Das wird in ihren Worten über Holzdiebstahl, Förster und Juden (J S.11/1-10) deutlich. Dieses mangelnde Unrechtsbewußtsein und ihre Ansichten über Juden und Förster überträgt sie in dieser Szene auf ihren Sohn, "für den Knaben Friedrich bedeutet" dies "bereits den Weg in verhängnisvolle Vorurteile"[3].

Aus ihren Vorzügen ist der Frau eine "selbstbewußte[...] Vollkommenheit" (J S.7/7-8) erwachsen, offenbar sogar eine Selbstüberschätzung, die sie dazu bringt, Hermann Mergel zu heiraten, in der festen Überzeugung, sie könne ihn zähmen.

Stattdessen wird ihr Charakter von ihm gebrochen, so daß sie ihre Ehe rückblickend als "zehn Jahre, zehn Kreuze" (J S.10/ 24-25) beurteilt. Dennoch ist sie immer bemüht, ihr Eheleid nach außen zu verbergen; nur als man ihr den toten Mann ins Haus bringt, brechen spontan ihre Gefühle hervor, wenn sie ihn als "Schwein" (J S.9/27) bezeichnet. Aber in der Einsamkeit, in der sie nach dem Tod Mergels und der zunehmenden Abwendung Friedrichs von ihr lebt, trauert sie dem Gatten doch nach.

Aus materieller Not überläßt sie Friedrich ihrem Bruder, obwohl sie an seiner Lauterkeit hinsichtlich der abgeschworenen Vaterschaft von Johannes Niemand (s.u.) zweifelt, sich unter dem Druck der bestehenden Zwänge die Unschuld Simons einreden muss (J S.21/1-23).

Hat sie hier das erste Mal gegen ihre Grundeinstellungen gehandelt, so setzt sich die Aufgabe ihrer Persönlichkeit, der Verlust der Kontrolle über sich, immer weiter fort. Margret zerbricht vollends an der für sie so armseligen und trostlosen Realität, in der sie auf ihren Sohn, ihren einzigen Halt, immer mehr an Einfluß verliert ("wenn die Kinder klein sind, treten sie uns in den Schoß, und wenn sie groß sind, ins Herz" (J S.31/3-5)). Sie wird kränklich, verblödet zunehmend, verkommt schließlich sogar (welch ein Kontrast zu ihrer anfänglichen Charakterisierung!) und wird von der Fürsorge des Gutsherrn abhängig.

3.) Simon Semmler

Der Ohm begegnet uns als "kleiner, unruhiger, magerer Mann". Daß er ein "Gesicht wie ein Hecht" hat, soll seinen verbrecherischen und unheimlichen Charakter ("unheimlicher Geselle") verdeutlichen: "Hecht, übertragen auf einen Menschen, bezeichnet sein raubsüchtiges Wesen [...]. Außerdem sind dämonische Fische als Sagenmotiv bekannt".[4] Mit "dicktuende[r] Verschlossenheit" wechselt bei ihm "gesuchte[...] Treuherzigkeit". Sein Anspruch auf einen "aufgeklärten Kopf", der im Widerspruch zur Sprichwörter-Sammlung in seiner Unterhaltung mit Margret steht, kontrastiert mit seinem "Ruf eines fatalen, Händel suchenden Kerls" (J S.12/14-20).

In keinem Aufsatz über die "Judenbuche" fehlt eine Deutung der Beschreibung des Auszugs Simons mit Friedrich (J S.14/29-S.15/11). Emil Staiger sieht hierin den "Auszug des Seelenfängers Satan".[5] Clemens Heselhaus weist darauf hin, daß "die ganze Szene aus der Perspektive der Mutter Margreth gegeben" ist, "die den beiden nachsah; und es ist völlig unwahrscheinlich, daß die Mutter in ihrem Bruder einen Teufel gesehen haben soll".[6] Vielmehr soll das "Ansehen eines feurigen Mannes" (J S.14/33) auf die "bereits vollzogene Verdammung Simons" hinweisen: "Grenzrücker und Irrwisch erscheinen" im Volksglauben als "Wiedergänger in feuriger Gestalt".[7]

Wichtiger jedoch ist die Wirkung des Ohms auf Friedrich. In ihm, mit dem ihn eine "große Familienähnlichkeit" (J S.15/4-5) schon rein äußerlich verbindet und "der ihn gerade durch das Seltsame seiner Erscheinung anzog" (J S.15/7-8), erblickt Friedrich "mit verstörter Aufmerksamkeit" wie "in einem Zauberspiegel das Bild seiner Zukunft" (J S.15/9-10).

Diese vorausdeutende Szene erfährt noch eine Vertiefung in der darauffolgenden Beschreibung des Ganges der beiden durchs Brederholz, "wo der alte Mergel spukt, die Erbsünde heimatlos in der Luft herumfährt und nach einem neuen Träger verlangt"[8]. Friedrich befindet sich in einer "mehr phantastischen als furchtsamen Spannung" (J S.16/7-8), als Simon den Geist des Verstorbenen heraufbeschwört. "Das ist durch und durch diabolisch, um den Neffen noch stärker in seine Gewalt zu bekommen durch verschlagene Tröstung ["Dein Vater war übrigens eine gute Seele" (J S.17/9-10)] und geheime Drohung ["Was fällt dir ein ? Du wirst dich doch nicht fürchten?" (J S.17/6-7)] zugleich".[9] Verstärkt wird die Wirkung dieser Szene noch durch die Beschreibung der bedrohlichen Natur, des "locus terribilis"[10]. Simon führt Friedrich hier ins "Reich der Sünde" ein (Staiger/Rölleke unisono), nachdem durch "Vererbung und Umwelt der Boden" dazu "bereitet war".[11] Er soll das personifizierte Böse darstellen, wie es dem Menschen überall auflauere und ihn in Versuchung führe.

[...]


[1] Huge S.10

[2] Huge S.70

[3] Wiese S.36

[4] Huge S.11

[5] Huge S.70

[6] Huge S.73

[7] Huge S.12

[8] Huge S.71

[9] Wiese S.38

[10] Wiese S.38

[11] Huge S.71

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Annette von Droste-Hülshoff: "Die Judenbuche" - Das Personal
Hochschule
Universität Regensburg
Veranstaltung
Die Novelle - eine Einführung in ihre Interpretation
Note
1,7
Autor
Jahr
1994
Seiten
14
Katalognummer
V58248
ISBN (eBook)
9783638524964
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Droste-Hülshoff, Judenbuche, Personal, Novelle, Mergel, Friedrich Mergel
Arbeit zitieren
Thomas Keith (Autor), 1994, Annette von Droste-Hülshoff: "Die Judenbuche" - Das Personal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58248

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