Jeder Mensch mit oder ohne Behinderung, sollte das Recht haben, zu Arbeiten. Jedoch mangelt es bis heute vor allem für die behinderten Menschen deutlich an den unterschiedlichsten Arbeitsalternativen. Oftmals bleibt behinderten Menschen der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt verwehrt. Bis heute, in einer Zeit, in der alles zusammenwächst, gelingt es vor allem in der Arbeitswelt nicht, dass behinderte und nicht behinderte Menschen zueinander finden. Oft wird die Entscheidung über Integration oder Ausgrenzung anhand äußerlicher Kriterien entschieden. Es werden meist voreilig negative Urteile gegenüber anderen Personen gebildet und gerade aufgrund von nicht bestätigten Vorurteilen stehen meistens Menschen mit einer Behinderung am Rand der Gesellschaft. Hauptsächlich in der Arbeitswelt, explizit auf dem ersten Arbeitsmarkt, zählen Menschen mit einer Behinderung, aufgrund schwächeren Leistungen und den gestiegenen Anforderungen an die Arbeitskräfte, zu einer Randgruppe.(…)
In den letzten 25 Jahren sind neue Ideen zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen, zwischen dem ersten Arbeitsmarkt und den geschützten Einrichtungen, wie z.B. der Werkstatt für Behinderte Menschen, entwickelt worden. Eine dieser Ideen, die bereits auch erfolgreich verwirklicht worden ist, sind die Integrationsprojekte, die im Folgenden vorgestellt und evaluiert werden sollen.
Im Rahmen dieser Arbeit sollen Integrationsprojekte nicht auf den Aspekt der Arbeitsalternative zur WfbM untersucht werden, sondern es steht das Innenleben der Integrationsprojekte im Vordergrund. Das Ziel ist eine Analyse des Betriebsklimas und den Auswirkungen, die aus der gemeinsamen Arbeit von behinderten und nicht behinderten Menschen entstehen. Untersucht werden: Erstens die Zusammenarbeit der behinderten und nichtbehinderten Mitarbeiter, Zweitens das Mitarbeiterverhältnis (wie das Klima im Team, das Wohlbefinden des Einzelnen und der Kontakt zwischen den Mitarbeitern) und Drittens die Betriebskultur.
Als zusätzliche Aspekte sollen die Bedeutung der Arbeit für behinderte Menschen, die Haltung von Freunden bzw. der Familie gegenüber der Arbeit in einem Integrationsbetrieb und die Unterstützungsangebote für behinderte Menschen hinterfragt werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Theorie
1. Begriffsdefinitionen
1.1 Behinderung
1.1.1 Der personenorientierte Behinderungsbegriff
1.1.2 Der systemorientierte Behinderungsbegriff
1.1.3 Der interaktionistische Behinderungsbegriff
1.1.4 Gegenüberstellung der drei Behinderungsdefinitionen
1.2 Integration
1.3 Berufliche Rehabilitation
2. Die Rolle der Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft
2.1 Geschichtliche Entwicklung in der Behindertenhilfe
2.2 Integration behinderter Menschen im internationalen Vergleich
2.3 Stigmatheorie und Entstigmatisierung
2.4 Kontakthypothese
3. Arbeit
3.1 Bedeutung der Arbeit
3.2 Unterstützungsmöglichkeiten
3.2.1 Integrationsamt
3.2.2 Integrationsfachdienst
3.2.3 Arbeitsassistenz
3.3 Betriebsklima
4. Integrationsprojekte
4.1 Geschichtliche Entwicklung
4.2 Grundlagen
4.2.1 Rechtliche Grundlage
4.2.2 Finanzierung
4.2.3 Personenkreis
4.2.4 Leitwerte
4.3 Unterschiede zur Werkstatt für behinderte Menschen
4.4 Probleme
4.5 Ziele
4.6 Projektbeispiele
4.6.1 Hauswirtschaftsbereich der Filderwerkstatt
4.6.2 Cap-Markt der Neuen Arbeit gGmbH
4.6.3 Hofgut Himmelreich gGmbH
4.6.4 Intec
4.6.5 Bohnen-Café der Caritas
III. Forschungsleitende Fragen
IV. Empirie
1. Methodik der Befragung
2. Pretest
3. Durchführung
4. Auswertung
4.1 Gesamtüberblick
4.1.1 Soziodemographische Merkmale der Teilnehmer
4.1.1.1 Anzahl der Teilnehmer
4.1.1.2 Altersstrukturen
4.1.1.3 Geschlechterverteilung
4.1.1.4 Behinderungsarten
4.1.2 Dauer der Betriebszugehörigkeit
4.1.3 Berufliche Qualifikation
4.1.4 Tätigkeitsfelder
4.1.5 Entscheidung für einen Integrationsbetrieb
4.2 Überprüfung der Forschungsleitenden Fragen
4.2.1 Zusammenarbeit
4.2.1.1 Kommunikation
4.2.1.2 Wahrnehmung
4.2.1.3 Konflikte
4.2.1.4 Ansprechpartner bei Problemen
4.2.1.5 Einstellungsänderung bei den nicht behinderten Mitarbeitern
4.2.2 Mitarbeiterverhältnis
4.2.2.1 Klima im Team
4.2.2.2 Individuelles Wohlbefinden im Team
4.2.2.3 Persönliches Empfinden der Arbeitsanforderung
4.2.2.4 Kontakt während der Arbeitszeit
4.2.2.5 Kontakt der Mitarbeiter in der Freizeit
4.2.3 Betriebskultur
4.2.3.1 Pausengestaltung
4.2.3.2 Feste
4.3 Zusatzergebnisse
4.3.1 Haltung gegenüber der Arbeit in einem Integrationsprojekt
4.3.2 Bedeutung der Arbeit für Menschen mit einer Behinderung
4.3.3 Arbeitsassistenz
4.4 Fazit
V. Ausblick
VI. Verzeichnis
VII. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Innenleben von Integrationsprojekten, insbesondere das Betriebsklima sowie die Auswirkungen, die aus der gemeinsamen Arbeit von behinderten und nicht behinderten Menschen entstehen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie sich die berufliche Integration und das soziale Miteinander in diesen Betrieben gestalten.
- Analyse des Betriebsklimas und der Zusammenarbeit behinderter und nicht behinderter Mitarbeiter.
- Untersuchung des Mitarbeiterverhältnisses, des individuellen Wohlbefindens sowie der Teamdynamik.
- Evaluierung von Betriebskultur, Pausengestaltung und sozialen Kontakten.
- Empirische Überprüfung von theoretischen Annahmen zur Integration mittels Befragungen.
- Bedeutung der Arbeit für Menschen mit Behinderung im Kontext der beruflichen Rehabilitation.
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Der systemorientierte Behinderungsbegriff
Diese Definition geht davon aus, dass eine Behinderung vorliegt, „wenn ein Mensch auf Grund einer Schädigung oder Leistungsminderung ungenügend in sein vielschichtiges Mensch-Umfeld integriert ist.“ Das bedeutet, dass Behinderung als ein soziales und politisches Problem gesehen wird und nicht mehr nur als individuelles Schicksal. Man orientiert sich nicht mehr vordergründig an der Behinderung, sondern an dem Prozess der Integration und an den Beziehungen des Betroffenen. Wenn die Behinderung im Zusammenhang mit der sozioökonomischen Benachteiligung gesehen wird, dann handelt es sich um einen gesellschaftlich produzierten Zustand, bei dem die übliche soziale Teilhabe am öffentlichen Leben verhindert wird. Die Konstellationen im Umfeld des behinderten Menschen gewinnen an Bedeutung und es kann nur bei der Erfassung der Umwelt, von einer Behinderung gesprochen werden.
Für diese Sicht setzt sich in Deutschland die, parallel zu der Independent-Living Bewegung in den USA entstandene, Selbstbestimmt-Leben-Bewegung ein. Mittlerweile gibt es diese Bewegungen weltweit und es wird eine Partizipation und Normalität für Menschen mit einer Behinderung gefordert, um eine Veränderung im Denken gegenüber behinderten Menschen, sowie der Rehabilitation der Betroffenen zu erreichen. Durch die Independent-Living-Bewegung ist mittlerweile ein Forschungskonzept entstanden, in dem nicht die Behinderung als Krankheit im Vordergrund steht, sondern vielmehr die gesellschaftlichen Vorraussetzungen und die Wohn- und die Arbeitsbedingungen.
Der wichtigste Fortschritt dieses Ansatzes kann darin gesehen werden, dass Behinderung nicht mehr als persönliches Schicksal gesehen wird, sondern der Mensch in all seinen sozialen Beziehungen. Zu den Indikatoren zählen die Lebenswelt des Betroffenen und die Beziehungen zu nichtbehinderten Menschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffsdefinitionen: Dieses Kapitel erläutert die für die Arbeit zentralen Begriffe wie Behinderung, Integration und berufliche Rehabilitation unter verschiedenen theoretischen Ansätzen.
2. Die Rolle der Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft: Hier wird die historische Entwicklung der Behindertenhilfe sowie die Stigmatheorie und die Kontakthypothese zur Erklärung sozialer Dynamiken beleuchtet.
3. Arbeit: Das Kapitel befasst sich mit der Bedeutung der Arbeit für den Einzelnen, verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten wie dem Integrationsamt und dem Betriebsklima.
4. Integrationsprojekte: Dies bildet den Hauptteil, in dem die Entwicklung, rechtliche Grundlagen, Ziele, Probleme und konkrete Projektbeispiele von Integrationsprojekten dargestellt werden.
III. Forschungsleitende Fragen: In diesem Abschnitt werden die zentralen Forschungsfragen der Untersuchung, gegliedert in Zusammenarbeit, Mitarbeiterverhältnis und Betriebskultur, formuliert.
IV. Empirie: Dieser Teil beschreibt die methodische Vorgehensweise der Befragung, die Durchführung und die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten.
V. Ausblick: Der letzte Abschnitt reflektiert die Ergebnisse, zeigt weiteren Forschungsbedarf auf und diskutiert die gesellschaftliche Bedeutung von Integrationsprojekten.
Schlüsselwörter
Integrationsprojekte, Menschen mit Behinderung, Arbeitswelt, Betriebsklima, Inklusion, berufliche Rehabilitation, Stigmatisierung, Kontakthypothese, Mitarbeiterverhältnis, Behindertenhilfe, Empowerment, Arbeitsassistenz, erste Arbeitsmarkt, Zusammenarbeit, soziale Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Arbeitsumfeld und die soziale Integration von Menschen mit Behinderung in Integrationsprojekten auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Betriebsklima, die Zusammenarbeit zwischen behinderten und nicht behinderten Mitarbeitern, die berufliche Rehabilitation und die Rolle von Integrationsprojekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das "Innenleben" dieser Projekte zu analysieren und zu bewerten, wie die Zusammenarbeit und das Betriebsklima das Wohlbefinden und die Integration der Beschäftigten beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung nutzt eine standardisierte schriftliche Befragung (quantitativ), bei der Mitarbeiter und Geschäftsführer von verschiedenen Integrationsbetrieben als Zielgruppe befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition von Integrationsprojekten, ihren rechtlichen Rahmenbedingungen, Finanzierung, Zielen, Problemen sowie der detaillierten empirischen Auswertung der Fragebögen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Integrationsprojekte, Betriebsklima, Inklusion, Zusammenarbeit und berufliche Rehabilitation.
Inwiefern beeinflusst das Alter oder die Betriebszugehörigkeit das Arbeitsklima?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Zusammenarbeit mit zunehmender Dauer der Betriebszugehörigkeit besser eingeschätzt wird und ältere Mitarbeiter tendenziell eine reibungslosere Zusammenarbeit angeben.
Spielt die Behinderungsart eine Rolle für das Betriebsklima?
Die Auswertung zeigt, dass innerhalb der untersuchten Betriebe keine gravierenden Unterschiede im Arbeitsklima aufgrund der Behinderungsart der Mitarbeiter festgestellt werden konnten.
Wie wirkt sich die Arbeitsassistenz in der Praxis aus?
Obwohl die Arbeitsassistenz als nützlich bewertet wird, zeigt die Studie, dass sie bisher nur in wenigen Betrieben in Anspruch genommen wird, oft aufgrund fehlender Kenntnis über diese Unterstützungsmöglichkeit.
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- Mona Bieber (Author), 2006, Integrationsprojekte. Eine Arbeitsalternative und Integrationschance für Menschen mit einer Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58261