Commodity-Risiken. Ansätze zum Hedging


Seminararbeit, 2006
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Notwendigkeit zum Hedging von Commodity-Risiken

2. Commodity-Risiken und ihre Besonderheiten
2.1 Definition von Commodities und deren Risiken
2.2 Besonderheiten beim Hedging von Commodities
2.3 Abgrenzung zwischen Spekulation, Arbitrage und Sicherung

3. Instrumente der Risikoreduzierung
3.1 Forwards und Futures
3.2 Cross-Hedges als Kombination unterschiedlicher Grund- und Sicherungsgeschäfte

4. Einsatzstrategien für die Hedging-Instrumente bei Commodity- Risiken
4.1 Verhinderung des Risikos durch Routine-Hedging?
4.2 Zero-Hedging - Lösung oder Ignoranz des Preisänderungsrisikos
4.3 Optimale Risikominimierung durch Selektives Hedging

5. Langfristige Strategien zur Risikoreduzierung

Literaturverzeichnis

1. Notwendigkeit zum Hedging von Commodity-Risiken

Im letzten Jahr ließen sich sehr starke Schwankungen im Ölpreis feststellen. Aber nicht nur Öl, auch Getreide, Stahl und Kupfer zeigen Preisschwankungen. Die Bedeutung der Commodities für Konzerne lässt sich aus den Risikoberichten ent- nehmen. So sind bei der Lufthansa Group 14 % der betrieblichen Aufwendungen, Treibstoffaufwendungen und beeinflussen damit maßgeblich das Ergebnis.1 ) Al- lerdings ergeben sich neben den Risiken auch Chancen für Unternehmen. Bspw. versucht der Energiekonzern RWE durch den gezielten Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten das Ergebnisrisiko einzugrenzen.2 ) Gerade die zunehmende Volatilität bei den Rohstoffpreisen lässt den Einsatz von Finanzderivaten zur Ri- sikominderung als unentbehrlich erscheinen. Dennoch spielt die Sicherung von Commodities mit Derivaten bei vielen deutschen Konzernen eine nur untergeord- nete Rolle im Vgl. zu Währungs- und Zinsderivaten. Liegt dies an mangelnden Hedging-Instrumenten und unzureichenden Ansätzen?

Im Folgenden wird gezeigt, was Commodities sind und wo ihre Besonderheiten liegen. Anschließend sollen Möglichkeiten und Strategien dargelegt werden, die es ermöglichen das Risiko zu reduzieren. Es werden Anwendungsgebiete gezeigt und die Schwachstellen der einzelnen Strategie erörtert.

2. Commodity-Risiken und ihre Besonderheiten

2.1 Definition von Commodities und deren Risiken

Commodities sind im wörtlichen Sinn Waren. Es sind zumeist Rohstoffe, wie Rohöl, Kaffee, Metalle, Getreide usw… Aber auch Zwischenprodukte und das Wetter werden unter Commodities subsumiert. Hierbei kann das Risiko als „Unsi- cherheit über die Ergebnisse wirtschaftlichen Handelns“3 ) definiert werden.

Speziell für Commodities ergeben sich Risiken vor allem durch die Volatilität der Rohstoffpreise. Letztes Jahr kletterte der Ölpreis durch ein unerwartetes Ereignis wie dem Wirbelsturm „Katrina“, kurzfristig auf über 70 USD/bbl (barrel, 1 barrel » 159 Liter). Allerdings ist für Rohstoffe wie Öl das Wechselkursrisiko mindes- tens genauso bedeutsam, da Öl zumeist auf amerikanischen Börsen gehandelt wird. Somit kann eine Preisänderung beträchtliche Auswirkungen auf cash flow und Gewinn des Unternehmens haben. Auch Risiken aus der Änderung des Zins- satzes sollten erwähnt werden. Diese haben Auswirkungen auf die Opportunitäts- kosten und die Arbitragemöglichkeiten. Um Planungs-, Liquiditäts- und Ertragssi- cherheit zu gewährleisten und um sich aufs Kerngeschäft konzentrieren zu kön- nen, sollten sich Unternehmen primär gegen Preisänderungsrisiken durch Com- modities absichern.

2.2 Besonderheiten beim Hedging von Commodities

Als Besonderheiten bei der Sicherung von Rohstoffen gibt es zum einen die „cost of carry“. Dabei handelt es sich um die Finanzierungskosten abzüglich der Erträ- ge, die im Zusammenhang mit dem Halten des Underlying, der Ware, anfallen.1 ) Im Einzelnen sind dies die Lagerhaltungskosten abzgl. Wertsteigerung durch die Lagerhaltung und entgangener Zins. Zum anderen ist die „Convenience Yield“ von Bedeutung. Hierbei handelt es sich um den Nutzen der Verfügbarkeit der Wa- ren durch die Lagerhaltung.2 ) Im Ölmarkt bestimmt die Convenience Yield maß- geblich die Volatilität der Basis (Differenz zwischen Kassa- (Marktwert der Wa- re) und Terminpreis),3 ) dabei deutet eine steigende Convenience Yield auf einen kleiner werdenden Lagerbestand hin. Ferner ist die Differenz zwischen Kursen eines Forwards und eines Futures mit gleicher Restlaufzeit zu erwähnen, die als „physische Prämie“ bezeichnet wird.4 )

Ist der Kassamarktpreis über dem Futurespreis, spricht man von „Backwardation“, umgekehrt spricht man von „Contango“.5 ) Das Risiko eines Wechsels von Back- wardation in Contango, oder nur leichte Änderungen der Differenz des Futures- und Kassapreises, wird als Basisrisiko bezeichnet.6 ) Ein Basisrisiko entsteht so- bald sich Kassa- und Futureskurs nicht genau gleich entwickeln. Speziell im Öl- markt liegt meistens Backwardation vor (siehe Abb. 1). Ein Grund dafür ist, dass in einer Contango-Situation die Produzenten ihre Produktion reduzieren und ihr Öl auf Termin verkaufen.7 ) Dadurch steigt der Ölpreis und der Futureskurs sinkt.

Abb. 1: Preis für „crude oil“ und für ein 12 monatigen Futureskontrakt, 1989-2004 (vgl. Haubrich, Higgins und Miller [Öl Preise] 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Abgrenzung zwischen Spekulation, Arbitrage und Sicherung

Unter Hedging werden Maßnahmen zur Absicherung gegen Preisänderungsrisiken verstanden, wohingegen unter Spekulation die Erzielung von Profiten aus Preis- änderungen zu verstehen ist.1 ) Beim Hedgen wird zu einer offenen Position zu- sätzlich eine zweite aufgebaut, die nach Möglichkeit mit der ersten vollständig korreliert. Bei der Spekulation hingegen wird bewusst eine offene Position gehal- ten. In diesem Fall übernimmt der Spekulant Risiken von anderen Marktteilneh- mern. Will jemand nun am Terminmarkt profitieren ohne eine Risikoposition ein- zugehen, spricht man von Arbitrageerzielung. Allerdings ist die Abgrenzung zwi- schen Arbitrage und Spekulation sehr schwierig, da es normalerweise keine risi- kolosen Positionen gibt.

Dazu ein Beispiel zum Arbitrage-Hedging (Carrying Charge-Hedging) mit Öl und mit 6 Monats-Futures: Der Arbitrageur erkennt am Markt einen zu hohen Futu- respreis, deshalb leiht er sich Geld und kauft Öl auf dem Kassamarkt; dieses Öl verkauft er zugleich auf Termin; was den Kassakurs nach oben treibt und den Fu- turekurs nach unten. Anschließend lagert er es 6 Monate und liefert es dann aus; zahlt den Kredit zurück und erzielt einen Profit. Dabei kann Backwardation als Folge des Convenience Yields interpretiert werden, das der Arbitrageur durch den Nutzen eines möglichen Positionswechsels hat, weg von der Spekulation hin zum Konsum. Ob dies einen risikolosen Gewinn darstellt, darf bezweifelt werden, schließlich sind Marktentwicklungen nicht vorhersehbar. Damit wird die Abgrenzung zwischen Arbitrage und Spekulation unmöglich.

3. Instrumente der Risikoreduzierung

3.1 Forwards und Futures

Als Instrumente der Risikosicherung lassen sich Forwards, Futures, Optionen und Swaps anführen. Es gibt zudem noch weitere Produkte, die im Wesentlichen Mi- schungen aus den vier Angeführten sind. Im Weiteren werden nur auf Futures und Forwards eingegangen, da sie die am häufigsten verwendeten bei deutschen Un- ternehmen sind.1 ) Dabei handelt es sich beides Mal um Termingeschäfte. Das be- deutet ein Unternehmen, das zur Produktion Rohstoffe benötigt, kauft sie heute auf Ziel und ein produzierendes verkauft sie auf Ziel. Es fallen letztlich Erfüllung und Vertragsabschluss zeitlich auseinander.2 ) Dabei sind beim Forward die Vetragsbestandteile individuell ausgestaltbar zwischen zwei Vertragspartnern. Er wird nur außerbörslich an der OTC (Over the Counter) gehandelt, wobei eine Preisfeststellung nur unregelmäßig oder gar nicht erfolgt. Da kein Markt existiert, hängt der Preis vom Verhandlungsgeschick der Vertragspartner ab.3 ) Somit sind sie meistens mit hohen Transaktionskosten für die Vertragspartner verbunden. Auch „Ausfallrisiken für Forward Geschäfte müssen .. deutlich höher eingestuft werden als bei Kassageschäften“ (Scheuenstuhl [Strategien] 48).

Futures hingegen sind standardisierte Produkte, die an Börsen täglich gehandelt werden. Hierbei ist das zugrunde liegende Commodity, der Liefertermin, die Menge, das Verfallsdatum und die Qualität standardisiert. Das Ziel eines Futures ist nicht die Lieferung an einem bestimmten Tag zu einem bestimmten Preis, son- dern eine Sicherungsbeziehung über einen gewissen Zeitraum aufrecht zu erhal- ten. Kurz vor Fälligkeit wird der Futures glatt gestellt (ein entgegengesetzter Kon- trakt ge- bzw. verkauft) und die Ware dann vom Kassamarkt bezogen. Durch das Clearinghaus, das wie eine Versicherung4 )

[...]


1 ) Vgl. [Lufthansa] 116.

2 ) Vgl. [RWE] 69.

3 ) Karten [Risikobegriff] SP 3827.

1 ) Vgl. Steiner/Bruns [Wertpapiermanagement] 439.

2 ) Vgl. NG/Pirrong [Fundamentals] 206.

3 ) Vgl. Gibson/Schwartz [Stochastik] 973.

4 ) Vgl. Pfenning,/Schäfer [Systematisierung] 576.

5 ) Vgl. [Risikocontrolling] 129.

6 ) Vgl. [Risikocontrolling] 126.

7 ) Vgl. Litzenberger/Rabinowitz [Backwardation] 1531 ff.

1 ) Vgl. Scheuenstuhl [Strategien] 60.

1 ) Vgl. Wiedemann [Treasury] 23.

2 ) Vgl. [Gabler] 509.

3 ) Vgl. Spremann [Investition] 581 f.

4 ) Vgl. Anderson [Organisation] 22.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Commodity-Risiken. Ansätze zum Hedging
Hochschule
Universität Hohenheim  (Controlling)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V58300
ISBN (eBook)
9783638525367
ISBN (Buch)
9783638766203
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ansätze, Hedging, Commodity-Risiken, Seminar
Arbeit zitieren
Thomas Seitter (Autor), 2006, Commodity-Risiken. Ansätze zum Hedging, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58300

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