Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

35 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Frau in der marxistisch-leninistischen Weltanschauung
2.1 Frauenorganisationen in der DDR

3. Frauen im Beruf
3.1 Aus- und Weiterbildung von Frauen
3.2 Akademikerinnen in der DDR
3.3 Frauen in der Partei

4. Das Privatleben der Frauen – Arbeitsteilung und Haushalt
4.1 Kinder und Bedeutung der Kinderbetreuungsstätten

5. Darstellung der Frau
5.1 Das Frauenbild im DEFA – Spielfilm
5.2 Das Frauenbild in Zeitschriften
5.3 Freizeitgestaltung der Frau

6. Die Frauen der DDR im Schulbuch

7. Interviews

8. Schlusswort

9. Literatur und Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

Frauen in der DDR - eigentlich ein schlüssiges Thema, eines zu dem man leicht Literatur findet und das sich gut gliedern lässt. So dachten wir jedenfalls.

Doch nach einigen Recherchen stellten wir fest, dass das Thema auch sechtzehn Jahre nach der Wende noch nicht wirklich aufbereitet ist.

Wir fanden Literatur aus der DDR, welche natürlich vom System geprägt ist und so nicht übernommen werden kann. Dann fanden wir Literatur aus den alten Bundesländern, die uns vom Leben in der DDR vorschwärmte- auch dieser Literatur konnten wir nicht glauben. Ein weiterer Teil der Literatur bestand aus seitenweisen Statistiken, interessant zwar, aber wir wollten ja keine Statistikarbeit schreiben. Besser war da die Literatur, die Geschichten erzählte über einzelne Biographien (und davon gibt es viel), aber auch das konnte uns nicht befriedigen. Denn wir wollen mit unserer Hausarbeit nicht nur Geschichten erzählen, sondern Geschichte, wir wollten einen Gesamtüberblick darstellen, der möglichst frei ist von Vorurteilen und Prägungen.

Denn auch wir selber ertappten uns nicht nur einmal dabei, im Gespräch mit westdeutschen Kommilitoninnen zu sagen: „ Ja, aber früher in der DDR...“ , „..Meine Mutti hat aber gesagt, dass...“.

Erwerbstätigkeit, Bildung und Kinderbetreuung, ein Thema, dass uns selber nicht loslässt, gerade in diesen Zeiten.

So wollen wir nun herausfinden, wie war das denn eigentlich damals, in der DDR?

Was war besser und war wirklich alles besser als heute? Wie sah es mit der Erwerbstätigkeit bei Frauen aus? Wie mit der Aus- und Weiterbildung? Waren alle Kinder in der Kinderkrippe? Und wenn wirklich alle Frauen arbeiten waren, gab es dann überhaupt noch ein Privatleben?

Gab es auch Frauen in Spitzenpositionen oder in der Partei?

All diesen Fragen wollen wir nun nachgehen, auch wenn es für uns nicht einfach war, aus der Literatur die „Wahrheit“ herauszufiltern. Wir hoffen, dass es uns gelungen ist.

Ein eigenes Kapitel haben wir den Frauen im Schulbuch gewidmet, da diese Hausarbeit in einem Fachdidaktikseminar geschrieben wird und es uns auch persönlich interessiert, in wieweit die Frauen im Unterricht behandelt werden.

Wir hatten bereits vorher gehört, dass das Thema DDR im heutigen Unterricht nur wenig behandelt wird- nun waren wir gespannt ob die Frauen dann überhaupt einen Platz finden.

Um die Hausarbeit abzurunden, haben wir einen Teil mit Interviews angehängt. Die Interviews wurden mit Personen aus unserem Umkreis im März 2006 geführt. Diese Interviews sollen zum einen dazu beitragen, eine Brücke zwischen Theorie und der Praxis zu schlagen, zum anderen sind unsere Mütter, Omas und Bekannte Frauen aus der DDR- und warum sollten wir sie nicht zu Wort kommen lassen?

2. Frauen in der marxistisch-leninistischen Weltanschauung

Laut Karl Marx lässt sich der „ gesellschaftliche Fortschritt messen an der gesellschaftlichen Stellung des schönen Geschlechts ( die Hässlichen eingeschlossen)“[1], dieses Zitat beschreibt bereits die eindeutig wichtige Stellung der Frau in der marxistischen Weltanschauung.

In der Literatur ist immer wieder von den marxistischen Klassikern die Rede, auf die sich die Theorie der SED bezieht. Damit sind Marx, Engels, Lenin und Bebel gemeint, die in ihren Ausführungen auch immer wieder auf die Stellung der Frau zusprechen kommen.

Ohne ins Detail gehen zu wollen, gibt es doch einige wesentliche Punkte, die zum Verstehen der Rolle der Frau in der DDR nötig sind. Der wichtigste Punkt in der marxistischen Weltanschauung ist wohl der, dass die Frauen im Prinzip zwei Kämpfe führen, einen gegen die jahrelange Unterdrückung durch den Mann und einen gegen die Unterdrückung des Proletariates. Demzufolge kann nur ein gemeinsamer Kampf von Mann und Frau gegen die Ausbeutung und für die Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft zur Befreiung der Frau führen.

In der westlichen Literatur wird davon gesprochen, dass die Theoretiker sich sogar weigerten „ ..in der Frauenfrage ein eigenständiges soziales Problem zu sehen“.[2]

Besonders Bebels Auffassung spielt in der Literatur eine wichtige Rolle, denn er spricht direkt davon, dass die Frau doppelt unterdrückt wurde, zum Einen durch das Patriarchat und das Privateigentum und zum anderen durch den Mann, also eine soziale und ökonomische Unterdrückung, So ist es zu erklären, dass die Frau eben nur durch eine eigenständige Arbeit selbstständig und unabhängig werden kann.[3]

Auch Clara Zetkin sah in der Erwerbstätigkeit der Frau die unerlässliche Vorraussetzung für die Befreiung, allerdings hat sie neben der beruflichen Verwirklichung auch die Teilnahme an der Politik als ein Element der Befreiung hinzugefügt.

Lenin und Stalin sprachen sich ebenfalls für diese Thesen aus, sie sprachen davon,

dass „Aufbau und Sieg des Sozialismus nicht möglich seien ohne Einbeziehung und bewusste Mitwirkung aller Frauen.“[4]

Festzuhalten ist also, dass die DDR davon ausging, dass eine Gleichberechtigung der Frauen nur möglich ist, wenn die Unterdrückung des Proletariats aufhört.[5] Damit geht man gleichzeitig davon aus, dass eine Gleichberechtigung in den kapitalistischen Ländern nicht möglich ist. Die Literatur bietet hierfür viele Beispiele.

Doch wie wurde die angestrebte Befreiung und Gleichberechtigung der Frauen nun durchgesetzt?

Schon kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es in der SMAD Anstrengungen die Frauen zu fördern. Die einzelnen Gesetze und Beschlüsse werden in den sich anschließenden Kapiteln vorgestellt und bewertet. Besonders wichtig und immer wieder erwähnt sind vor allem die Frauenausschüsse, die Gründung des DFD, das Gesetz zum Schutz von Mutter und Kind und nicht zuletzt die Verfassung der DDR.

Das erste Anzeichen für eine andere Politik war der Befehl Nr. 253 (17.8.1946) der sowjetischen Militäradministration, welcher besagt, dass Männer und Frauen für die selbe Arbeit auch denselben Lohn bekommen sollten. 1947 gründete sich der Demokratische Frauenbund Deutschland, von dem später noch die Rede sein wird.

In der Verfassung der DDR (1949) steht in Artikel 7 geschrieben, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind und dass alle anderen Gesetzte, die dem entgegenstehen aufgehoben sind. Auch Artikel 20, 24, 25 und 38 garantieren die Gleichberechtigung, Artikel 25 setzt beispielsweise fest, dass Männer und Frauen das gleiche Recht auf Bildung haben.

Am 27.9.1950 wurde dann das Gesetz über den Mutter- und Kindschutz und die Rechte der Frau festgesetzt, hier geht es vor allem um eine Verbesserung des Gesundheitsschutzes, und die Gleichstellung von Mann und Frau in Familie und Gesundheit. Dieses Gesetz wurde im Laufe der Zeit verändert und weiter verbessert.

Es deutet sich bereits an, dass auf dem Papier die Gleichberechtigung der Frau umfassend verwirklicht war.

2.1. Frauenorganisationen

Die wichtigste Frauenorganisation in der DDR ist der bereits genannte DFD, der Demokratische Frauenbund Deutschland mit ca. 1,4 Mio. Mitgliedern.[6] Er „vereint Frauen aller Bevölkerungskreise, die sich für den Aufbau des Sozialismus in unserem Arbeiter- und- Bauern- Staat einsetzen und damit der Sicherung des Friedens dienen.“[7]

Der DFD ist im Prinzip die Nachfolgeorganisation der antifaschistischen Frauenausschüsse, die sich bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildeten. Weitere Gründungen von Frauenorganisation waren danach verboten. Auf dieser Basis wurde dann am 8.3. 1947 auf dem ersten deutschen Frauenkongress in Berlin der DFD gegründet. Von Anfang an sah er seine Hauptziele in den Themen Frieden, Wiederaufbau und Versöhnung..

Das höchste Organ des DFD war der Bundeskongress, welcher die Mitglieder des Bundesvorstandes, die Vorsitzende, die stellvertretende Vorsitzende und die Revisonskommision gründet.

Desweiteren gab es die Delegiertenkonferenz, den Bezirksvorstand, den Kreisvorstand und weitere kleinere Vorstände.

Besonders hob die DDR die Mitgliedschaft des DFD im IDFF, der internationalen Frauenförderation hervor. Auch von Kritikern wird die besondere diplomatische Aufgabe des DFD hervorgehoben.

Der Frauenbund sollte vor allem Frauen erreichen, die sonst schwer erreichbar waren, also nichterwerbstätige oder christliche Frauen.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der DFD stark an die Führung der DDR angepasst war, allerdings veränderte sich seine Stellung im Laufe der Geschichte.

Kritisiert wird, dass sich ab den 50er Jahren der DFD abwandte von den politischen Themen und sich eher häuslichen Themen widmete, Themen wie der Wohnung, Verbesserungen von Dienstleistungen und soziale Einrichtungen .

Auch im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund, dem FDGB, waren die Frauen der DDR organisiert, der Anteil der weiblichen Mitglieder lag 1976 bei 51%.[8]

Weiterhin organisierten sich Frauen in den sogenannten BLGs, die sind die Frauenausschüsse in den Betrieben, 1965 umgenannt in Kommissionen der Betriebsgewerkschaftsleitung. Zwar sollte auch hier die Ideologie des Staates „nach unten“ weitergereicht werden, allerdings setzte sich der BLG auch stark für eine Förderung der Frauen im Betrieb durch.

Die Frauen konnten mit ihren Problemen sich direkt an den BLG wenden und es wurde versucht eine Lösung zu finden.[9] Themen mit denen sich der BLG beschäftigte waren beispielsweise Lohngerechtigkeit, Infrastruktur oder Arbeitszeitverkürzung. Diese Organisationen gingen mit der Wende verloren, vielleicht also gerade in der Zeit, wo man sie am dringendsten gebraucht hätte.

3. Frauen im Beruf

Dies ist wohl das interessanteste und nachwirkenste Thema, dass die Frauen in der DDR betrifft.[10]

Denn Fakt ist, dass bis zum Ende der DDR ca. 90% der Frauen im erwerbsfähigen Alter in Arbeit standen (inkl. der Frauen in Ausbildung). Doch wie kam es dazu? Die Gründe dafür sind vielseitig, zum einen die bereits angesprochene Theorie: Frauen sind nur dann gleichberechtigt, wenn sie ökonomisch unabhängig sind. Zum Anderen mussten die Frauen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus bekannten Gründen arbeiten um überhaupt zu überleben. Doch sie hätten ja, wie viele ihre westdeutschen Geschlechtsgenossinnen wieder zurück an den Herd gekonnt. Zum Einen ging dies aber aus finanziellen Gründen nur schlecht, da die Löhne in der DDR nicht so waren, dass es gereicht hätte, wenn nur der Mann arbeiten gegangen wäre und zum Anderen wollten es die Frauen auch nicht.

Dazu kam, dass die DDR die nötigen Vorraussetzungen schaffte, dass Frauen, auch in hochqualifizierten Berufen arbeiten können (siehe Kapitel Familie und Weiterbildung)

Aus dem Notbehelf entwickelte sich also im Laufe der DDR Geschichte die Selbstverwirklichung der Frau.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine beruftätige Frau ein neues Selbstbewusstsein entwickelt, in der Literatur wird dieser Prozess wie folgt beschrieben: Durch das neue Umfeld, den Beruf, entdeckt die Frau neue Aufgaben, die sie bewältigen muss. Dabei werden neue Fähigkeiten erkennt und weiterentwickelt, neue Interessengebiete werden entdeckt, die die Frau nicht missen möchte. Dazu kommt ein neues soziales Umfeld, ein neues Kollektiv und auch neue Freunde.

Desweiteren bedeutet die Teilnahme am Arbeitsprozess auch Teilnahme am politischen Leben, durch beispielsweise die Frauenausschüsse im Betrieb oder im FDGB. Die Frau entwickelt ebenso ein Bildungstreben, da sie ihre Fähigkeiten weiter entwickeln möchte.

Zudem ist sie finanziell unabhängig, da sie ihr eigenes Selbst verdient und nicht zuletzt dadurch an Selbstwertgefühl gewinnt.

Dies alles hat sie einer nicht berufstätigen Frau voraus und es ist schwer vorstellbar, dass eine Frau auf diese neuen Erfahrungen verzichten möchte.[11]

Diese Entwickelungen hängen jedoch von einigen Faktoren ab, von dem Inhalt der Arbeit, der Qualität des Kollektivs und auch der eigenen Identifikation mit dem Beruf. Zum Anderen liefen diese Prozesse nicht reibungslos ab, da die alten Traditionen und Vorstellungen teilweise noch in den Köpfen von Männern und Frauen verankert sind.

[...]


[1] Kuhrig, Herta/ Speigner, Wolfram: Zur gesellschaftlichen Stellung der Frau in der DDR, S. 11

[2] Gast, Gabriele: Die politische Rolle der Frau in der DDR, S. 28

[3] „Nur wenn die Frau eine selbstständige Stellung in der Produktion hat, wenn sie in ,einer Weise ökonomisch vom Mann abhäng ist, und wenn sie sich eben in der Arbeit, in der Produktion schöpferisch entwicklen kann, nur dann kann von einer wircklichen und vollen Gleichberechtigung die Rede sein.“ Aus: Gast, Gabriele: Die politische Rolle der Frau in der DDR, S. 32

[4] ebenda, S. 32

[6] Nickel, Marie/ Herwig, Gisela: Frauen in der DDR, S. 296

[7] Kleine Enzyklopädie „ Die Frau“ S. 198

[8] Kuhrig, Herta/ Speigner,Wolfram: Zur gesellschaftlichen Stellung der Frau in der DDR, S. 42

[9] Ein Beispiel dafür ist, dass in Schichtbetrieben eben Mütter mit Kleinkindern nicht am Wochenende arbeiten mussten, sondern andere Kollegen einsprangen.

[10] Und nicht nur die Frauen- denn ein Recht auf Arbeit, davon kann man wohl heute nur träumen.

[11] Vgl Kuhrig, Herta/ Speigner,Wolfram: Zur gesellschaftlichen Stellung der Frau in der DDR, S. 57

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Historisches Museum und Schule
Note
2,7
Autoren
Jahr
2006
Seiten
35
Katalognummer
V58304
ISBN (eBook)
9783638525404
ISBN (Buch)
9783638665933
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit wurde im Zuge des Didaktischen Hauptseminars verfasst und gibt einen Überblick über die die Lage der Frauen in der DDR und die Beschäftigung mit der Frau in der DDR in den Schulbüchern.
Schlagworte
Frauen, Deutschen, Demokratischen, Republik, Historisches, Museum, Schule
Arbeit zitieren
Maxi Sohnekind (Autor)Kathleen Schulze (Autor), 2006, Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58304

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